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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-05-01 · 5 (5.1932) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
5 (5.1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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52 l tolanet Jüdifcheswemeiadeblakt Sit. 5 jcheinlich in diesem Lahre bezugsfertig sein, rachdem die staatlichen Behörden nicht nur den Siedlungsplan genehmigt, sondern auch über die geleistete Arbeit sich anerkennend ausgesprochen haben. Zum andern soll in Breslau, als erste von allen deutschen Stätten, die Stadtrandsiedlung jüd. Erwerbsloser tatkräftig in die ozand gerammen und es ist anzunehmen, daß noch vor dem Winter eine größere Zahl jüdischer erwerbsloser Zaiyilen angesiedelr sein wird. Mah kann sagen, das alles ist ein.Tropfen auf den Heiken Stein. Das ist die Siedlung überhaupt, denn es gehört Zeit und Geld dazu. Aber die Bedeutung des Problems wird däisinh nicht verkleinert und die Leistung auch nichts: Und wenn jeder die Bedeutung des Problems als Lebeyssrage in jedem Sinne erkannt h «den wird uich damit die 'Itolwendigkeil erkennt, propagandistisch oder unterstützend mitzuarbeiten, so wird es nicht bei den Ansängen der Siedlung bleiben, sondern eine Siedlung wird sofort nach Beendigung der oorgehenüen neu entstehen können. Zn der Aussprache, in der die Herren Arch. M. Hadda, Benditt, 2r. Meyer, Gcmeinüeällefter Wallstein u. a. n. sprachen, kam einheitlich der Wille^ milzuschasfen, zum Ausdruck. Rechtsanwalt Dr. Spitz, der Leiter des Abends, konnte erst gegen 23 Uhr die Diskussionen schließen und dam t einen Abend, von dem man wünschen muß, daß er soviel Erfolg bringt, wie er Wichtiges und Interessantes gebracht hat. Auf ookaufgegangenem Sonntag, dein 8. Mai, hatte Herr Marlin Götz bereits bei dem Reichsbunü jüd.! Frontsoldaten, Ortsgruppe Breslau, einen Borlrag gehalten, der sich speziell mit der hier geplanten Randsiedlung jüd. Erwerbsloser befaßte. Die! Ausführungen dieses hervorragenden Fachmannes, der in Palästina, Kanada unb Südamerika viele Zähre als landwirtschaftlicher Siedler praktisch tätig war, brachte den Sieülungsanwärrern wertvolle Aufklärung. ' Dem R. j. F. gebührt aller Dank, ihren Kameraden sür dies« Vortrage in Breslau gewonnen zu haben. I olt. Oie Jahresver/ammlmig -es Hilfsvereins -er Oeut^hen ^u-en. Am Donnerstag, den 31. März 1932, abends, hielt der Hilssoerein der Deutschen Zuden unter Borsitz von Dr. Jaches Simon im Hotel ^,Der Kaiserhof" in Berlin seine Jahresversammlung ab, mit der eine Ehrung feine» Wzevorjigenüen, Generalkonsul Eugen Landau, aus Anlaß seines achtzigsten Geburtstages verbunden war. Dr. Simon regte an, zu Ehren von Herrn. Generalkonsul Landau, in Würdigung seiner Arbeit im Interesse des Hilfsvereins seit seiner Begründung, einen Eugen Landau-Fonds zu errichley.. Zn seiner Erüsfnungsanfprache führte Dr. Simon u. a. aus: Das Jahr 1931 war für die' Juden eines der schwersten. In diesem Jahre erwies es i sich, welch eine feste und, unauflösliche Verbindung zwischen dem Hilssüerein und seinen Mitgliedern besteht. Auf den Appell des Herrn Mar M. Marburg zur Schaffung kines Lames SimornFonds find 182 000 Mark gezeichnet worden. Den ^Finanzbericht erstattete der Schatzmeister des Hilfsvereins, Herr Direktor. M. .Joachimsfohn. Die Eingänge betrugen außer den Zuwendungen für den Lames -umon-Fonds 223 991 Mark. Die Mehr- > ausgaben betrugen rund .»1000 Mark und konnten aus den Reserven! gedeckt werden. j ^Dr. Wischnitzer erstattete den Tätigkeitsbericht. Die Auswanderung im Jahre 1931 ist im Vergleich zu den vorangeaangenen Jahren stark szurückgegai gen. In Kanada, Mexiko, Kuba, Argentinien, Brasilien, , Australien und in anderen Ländern würde in Rücksicht auf die wirt- Ischaftliche Depression die Einwanderung erschwert bzw. noch mehr als bisher einjieschrqnkt. Die Vereinigten Staaten haben mittels adminijstratioer Maßnahmen die Einwanderung radikal eingedämmt. Iw zweiten H>>lb>ahr 1931 ist ein neuer katastrophaler Rückgang gu verzeichnen giwesen. Es konnten nur 14 55 Juden einwandern. Im iaahre 1931 passierten unter Fürsorge des Hilfsvereins den Schlesischen jU5af)nf)or ir Berlin 18897 Aus- und Rückwanderer (8604 Männer, 8572 grauen unlf 3721 Kinder), davon 4338 Nichtjuden. Durch Neu-Bentschen, lwo ein Ve lrauensmann des Hilfsvereins tätig ist, fuhren 4200 Juden. Illeber Ham iurg und Bremen gingen rund 4300 Auswanderer. Im Büro des Hilfsveireins in Berlin wurden über 1000 Personen beraten. Ln Polen galt! die Arbeit des Hilfsvereins hauptsächlich der notleidenden Jugend. Aon den fünf Ferienkolonien, zu deren Errichtung der Hilssoerein 50 000 Mark beigesteuert hat, sind im Sommer 1931 drei in Betrieb genommen worden. Die Rot der von der Hochwasserkatastrophe im Gebiete nördlich von. Wilna im Frühjahr 1931 heimgesuchten jüdischen Gemeinden wurde gelindert. In Rumänien wurden elf Bildungs» anstalten mit über 2500 Schülern und Schülerinnen unterstützt. Dr. Wifch- ^zitzer schilderte seine Eindrückebeim Besuch der Jeschiwoth, die von der Haffkine--Stiftung unterstützt werden. Er wies u. a. auf di« Teichen,; hin, den Jeschiwoth Lehrwerkstätten anzugliedern, die die Zöglinge auch für das werktätige Leben vorbereiten sollen. Er berichtete über, die Zusammenarbeit mit den führenden jüdischen Organisationen in Frankreich, England und Amerika. Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthal, Köln, dankte im Namen her Generalversammlung der Leitung des Hilfsvereins für die geleistete Arbeit und huldigte der Persönlichkeitfzeines Führers, James Simon. Rabbiner Dr. Salli Leoi, Mainz, gab in seinem Dortrage über Erlebnisse an der Ostfront in den Jahren 1914 bis 1918 ein Bild von der Lage der jüdischen Bevölkerung in der Kriegszon« und von den Hilfsaktionen, an denen der Hüfsoerein führend beteiligt war. Er begrüßte es, «aß der Hilfsverein in Fortführung seiner Traditionen die Jugendfürsorge, insbesondere die Berufsausbildung der Heranwachsenden Generation, in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt. Vlin-en-Vlumentag. Am Sonntag, den 5. Juni 1932, findet mit Genehmigung des Herrn Oberpräsiüenten der Provinz Niederschlesien ein B l u m e n t a g statt, dessen Reinertrag zu Gunsten in N o t geratener Blinder bestimMl ist. jWenn die eiserne Hand der wirtschaftlichen Verelendung auf allen Tellen unseres Volkes drückend lastet, so hält sie doch in noch weit größerem Maße den Blinden umklammert. Trotz seines erlernten Berufes ist der Blinde heut in den allermeisten Fällen aus dem ProdUktiohsprogeß ausgeschaltet. Oeffenttiche und private Wohlfahrtseinrichtungjn sind in dankens- und anerkennenswerter Weise unablässig bemüht, weilibsteins die allergrößte Not von den Blinden fernzuhalten: jedoch kannsdie Hilfe nur gering sein, denn all diese Stellen sind heut über ihste Kräfte in Anspruch genommen. Die Selbsthilfeorganisationen der Blinden! Mollen mithelfen, das Los ihrer Schicksalsgenossen zu lindern uhd die.Rot zu meistern: sie sind bemüht, so gut das in der Gegenwart ebtn möglich ist, Arbeit für ihre Schützlinge zu beschaffen. Aber damit kann aus hen oben angeführten Gründen das Elend nicht beseitigt werdest. Es >niuß versucht werden, Mittel in die Hand zu bekommen, um durch matierielle Unterstützung den in N o t geratenen eine wenn auch noch lo bescheidene Existenz zu sichern. Wenn jemals ^uoor, so sind im vergangenen Winter die Unterstlltzungstassen der LelbsthilfeorganisationSn fast! gänzlich entleert worden. Der Blumentag 1932 muß daher! sein Opfertag für unsere Blinden werden. Dsr schweren eigenen Not vergessend, soll ein jeder in Dankbarkeit für däs unschätzbare Glück, das ihm die Natur in seinem Augenlicht geschenst hat,,gern und freudig ein kleines Scherslein für diejenigen opfern, denen die edle Himmelsgabe ihres Augenlichtes entsagt blieb. j : Geschäftsstelle für den Blumentag für Groß-Breslau und Umgegend! Karl Kraske, Breslau 10, Matthias st raße 77. Fernruf Nr. 4-tt2 91. Bibliothek -er Spnagogen-Gemein-e, Finger 8 Neiüpnschaffungen und Aufnahme aus alten Beständen imDezember193I. Adler, Marcus: Chronik der Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke . unter den Juden im Preußischen Staate. Berlin 1899. 3610, 80 AuetLach, M. and Saland, S.: An open leiter to Sir Moses Moniefiore \ I. with a narrative of a forty days sojourn in ihe Holy Land . jby M. Montefiore. London 1877. 3437 Larnbüs, Willy: Palästina in der Gegenwart. Brünn o. I. Birnbaum. 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