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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1932-05-01 · 5 (5.1932) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
9 (1932)
Issue
5 (5.1932)
Date
1932-05-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 Breslauer Iavlfches OefnelnDeblatt 51 und bestätigte später auch die Statuten des Vereins. So konnte sich der Verein jetzt größere Ziele stecken, „eine Bibliothek, bestehend aus älteren, wichtigen Schrift« n im Gebiete des Judentums, zu gründen, die neueren jüdischen Werke, Broschüren und Zeitschriften anzuschasfen und auszulegen und dafür Srrge zu tragen, daß Borträge, welche der angegebene» Tendenz entsprechen, von Zeit zu Zeit gehalten werden." Am 20. Mai 1342 wurde der Verein feierlich in der Wohnung von Abraham Geiger eröffnet. Die Gri nder wurden bis auf M. Nissen in das Komitee des Vereins gewählt, das von 'Abraham Geiger als Direktor geleitet wurde und Jonas Fränckel zum Ehrenvorsitzenden hatte.. Dank der Schenkungen der Anreger' und anderer Freunde des Vereins konnte auch die Bibliothek gleich eingerichtet werdend Ein erhaltenes Verzeichnis der am Tage der Eröffnung vorhandenen Bücher -zählt 336 'Nummern auf. Dem Verleihbuch zufolge wurden aus der Bibliothek im erste» Jahre monatlich etiva 30-40 Bücher entliehen. Juni Juli August September Oktober November Dezember 1342 4!» 03 37| 20 66 47 24 Januar Februar März April , Mai 1343 41 13 52 24 24 Im ersten Jahre hglte der Verein 171 Mitglieder. Auch wurde» von Geiger, wie von Levy, Honigmann, Günsburg, W. Freund u. a. Vortrüge über aktuelle jüdische Fragen gehalten, wie auch systematische Vorlesungen über jüdische uich nichtjüdische Wissenszweige.- Geigers „Vehrbuch zur Sprache der Mischnah" (1843) ist zum Teil aus diesen Vorlesungen entstanden. (Nebenbei bemerkt ist das Verzeichnis der Teilnehmer von Geigers Mischnah-Vorlesung erhalten, das 23 Name», darunter Chwolson, aufzc hlt.s Der Verein erfreut! sich auch außerhalb der Grenzen Schlesiens, ja sogar Preußens man ligfacher Förderung. Schon im zweiten Jahr seines Bestehens kamen Spenden aus Prag, Ezenstochau und anderen außerdeutschen Orten und ein Förderer in Warschau, ,cher seinen Namen nicht genannt wissen »ilP, gab 30 Thlr. für die 'Anstalt zur Vorbereitung jüdischer junger Leute füt die höhere Echtste, chie in diesem Jahre neben dem Verein eröffnet wuide. (Bis Sekunda.! Unter den Lehrern dieser Anstalt befand sich auch Vassalle.) I K In diesem Jahre 11343) scheint die Bsibstothek von Anfang Juni ab geschlossen gewesen zu sein. (Das „Büchejrverleihbuch" weist keine Eintragungen für diese Zeit aus.) Vielleicht! hängt dies mit den Streitigkeiten zwischen der liberai en und der konseroastven Partei zusammen, die sich in Breslau immer mehr verschärften.! Jedenfalls war der ,^!ehrunü Leje-Lerein" von Abraham Geiger und seinen Anhängern gegründet und von ihm geleitet und wurde somit ganz und gar als ein Institut seiner Gruppe angesehen. Die Konservativen bekämpften somit mit Geiger auch den Verein. Grätz, der damals in Breslau studierte und im „Orient" Partei für Tiktin nahm, spottet dort über den Vehr- und Vese-Berein, „dessen Schöpfer und Moderator ein achtbarer jüdischer Geistlicher sei" und wo „weder gelesen noch gelehrt wird". Trotzdem «var Grätz selbst — wie is scheint - Mitglied des Verein. (Er befindet sich unter den Entleiher i der -Bücher — des erstemal im November 1342 — und nach dem Bibliotheksregleiyeni konnten nur Mitglieder Bücher geborgt bekomm«!»'.) 1344 scheint di: Bibliothek «vieder regelmäßig funktioniert zu hoben. Der Zuwaäüskctalog — dem zweiten Bericht beigedruckt — meist einige hundert reue Nummern auf. Bon da a» vermehrte sich die Bibliothek dürch Neuenoerbunge» und noch mehr durch rvchenkunaen (darunter zwei große Bibliotheken von M. B. Friedenthal und Dr. Günsburg vft sehr .wertvoller Bücher. Somit entwuchs die Bibliothek den Aufgaben eines mehr oher weniger private» Vereins und wurde im Jahre 1^60 vbm Verein der Synagogen-Gemeinde als Eigentum übertragen. Die Bibliothek best >nd damals — wjie aus dem kurz darauf erschienenen Katalog (1861) hervorgeht aus wehr als 3300 Bünden zuin ieil'jfl)r wertvoller Bück er. Der Katalog selbst, ebenso wie die an de» ersten zwei Tätigkeitsberi hten des Vehr- und lese-'Vereins angebundenen Verzeichnisse der Neuem zänge <1343—44) und die späteren Nachträge zum Katalog (Nachtrag 1—6) geben aber Inder viel zu wenig Aufschluß über die rvertvollen Be tandteile der Billiohek. Die bibliographische Wissenschaft überhaupt und die jüdische insiesindere begann sich damals erst zu entwickeln (Steinschneiders Bodleiona-statalog wurde im Jahre 1332-60 veröffentlicht), ind es fehlte noch an den notwendigsten Nachschlagewerken zur Ident fizierung der Bücher. Man begnügte sich in diesen Verzeichnissen'nur mit der kurzen Angabe des Titels der Bücher. Die Angaben über Erschnnungsvrt und -sihr sind oft mangelhaft oder fehlen sogar gänzlich, mein diese aus dein Titelblatt des Buches, wie es bei älteren Büchern üblich ist, -ungenau ivaren oder das Titelblatt überhaupt schlecht erhalten wir. So konnte ich zvm Beispiel jetzt seststellen, daß das im Katalog unti r „Hieronymus fnpe« Gencsin fol." angeführte Buch eine Inkunabel ist, und zwar: Hiermymus Bibelkommentar, erschienen in Venedig bei Zregorius im Jahre 1407. (Auf dem Jnnendcckel des Einbandes findrt sich noch ein Fiagment einer auf Pergament geschriebenen lateinischen Handschrift, die ich noch nicht identifiziert habe.) Soweit man bis jetzt ül ersehen kann, bes inden sich in der Bibliothek eine Reihe zum Teil sehr wertvoller hebräische - Drucke aus dem 16. und 17. Jahrhundert, hauptsächlich aus Italien. Ei» dort befindliches in deutschen Buchstaben in Breslau (1670) gedrucktes Vied über Tabbatai Zewi (über diese Ausgnbe vgl. Braun in MGWJ 1881, 544 und Jtebenbei bemerkt u der Bitte, «hin Bücher für ( 5 Iohr) auszulelhe». endet sich Grcitz im .luhf. seine wissenschaftlichen c IS61 an die Bibliothek mit Arbeiten auf längere Iris« Weinryb in MGWJ 1020, 273) ist, soweit man bis jetzt.feststellen kann, ei» Unikum. Eine, wenn auch von anderem. Standpunkt aus rbertvolle Sammlung bilden die jüdischen Periodika, die in der Bibliothek vertreten sind. Allerdings sind viele Zeitschriften, da sie aus mannigfachen Schenkungen stammen, nicht vollständig und müssen noch ergänzt werden. Von Wesrt sind auch die verschiedenen kleineren Schriften und Broschüren aus deck dreißiger bisfünfziger Jahren des 10. Jahrhunderts über Juden und Judentum, die dem Vehr- und Vese-Vercin bei seinen monatlich stattfindeiiden Diskussionen über jüdische Fragen als Material gedient haben. Die Ausgabe eines wissenschaftlich zusammengestellten stataloges der Bibliothek könnte den Forschern.wohl manch seltenes oder sogar unbekanntes Material zugänglich machen. Wie gesagt, stammen die älteren und ivertvollen Bücher zum großen / Teil nöckt aus der Zeit, als die Bibliothek ein ’?eil des „Vehr- und Vese-J Vereins"^ war und-ei»c kurze Erwähnung war hier nötig, um den Wert! des vor nunmehr neunzig Jahren eröffncten Vereins und feiner |! Bibliothek vor Augen zu führen. . ' ,j Oulcllcil: Kotrtlo.il der Bibliothek bet Lyncinogemzeiiiemhe 1» BresNnij ISvt: Ludwig Geiger: Ahrccho», Geiget. Detii,, Icho, wcip. 4-.«?; 3. Meisein! Heinrich Grätz. 1917. Kap. 1; Orient 1343—44; A.,Hepv»er: jüdische Persönlich-' teile«! in und aus Breslau. 1931; Erster, zweiter und brikker Bericht über bac- Alirken bcjs jübischen Lehr- und Lesevereins in Breslau (IS43 43. I 2 im Be-! > sitze von Herrn Hr. Heppiter. Bresiau); Handschriftliche Materialien in der Bi-'- biiokhek ujib in« Archiv her Lynagogengeineinbe Breslau..!!« Intervention des Weitverbanües Schomre Schabbos bei öer deutschen Reichsbahn.! Der Sabbath im Frachiverkehr. Berlin, den 3. April-1032. Die am Sabbath. geschlossenen Geschäfte sind im Frachlgutoerkehr der Reichsbahn dadurch benachteiligt, daß sie die für sie emtresfenden Frachten am Sonnabend nicht abzuholen in der Vage sind. Sic sind dadurch in der Regel mit-zuzüglichen -tand- und Lagerspesen belastet, die um so schwerer «wiegen, als auch der Sonntag, an dem die Reichsbahn ihrerseits die Auslieferung der Frachtgüter ablehnen muß. mit in Nechn tng ge-slellt wird. Der Weltverband Schomre Schäbbos hat daher am 1- Februar des Jahres an die Relchsbahngesellschaft das Gesuch gerichtet, größeres daß! den am Sabbath geschlossenen Geschäften diesbezüglich ein Entgegenkommen gezeigt werde. -Daraufhin fand am 21. März eine Besgttchung statt, an der von der ReichsbichiigeseUschast Herr Geheimrat «onmerlatte und vom Weltverband -c-chomre Schabbos die Herren tillfrei» Marcus und Dr. Joseph Stern teilnahmen. In dieser Besprechung erklärte Reichsbahndirektor S„ daß, wenngleich es aus prinzipiellen. Sründen nicht angängig sei, Standgeld für die am Sonnabend nicht entladenen Wagen überhaupt nicht in Ansatz zu bringen, so wären doch die Reichsbahndirektionen auf Grund der ihnen gegeben^, allgemeinenRichtlinien in der Vage, bei der Behandlung von Anträgen auf Erstattung von Standgeldern solche Fülle alz wichtigen Grund anzuerkennen, iw lenen Firmen, die aus religiöser Ueberzeugung am Sonnabend regelmäßig schließen und auch Andersgläubige nicht arbeiten lassen, standge üpftichtig geworden sind. Diesen Entscheid hat nunmehr die Reichsbahngesj llschast auch schriftlich bestätigt. ' Sak o. Siedlung in Deutschland — das jüdische Problem von heute. Dieses Thema war der Gegenstand eines interessanten Diskufsionsabends, der am Dienstag, den 10. Mai, in dem gut besuchten Sagt der Hermannloge stattfand. Herr Martin G ö tz vom Vorstand des Reichsbundes für jüdische siedl u n g (R i s) und der gemeinnützigen Siedlungsgesellschast „Jüdische Landarbeit" hiekt das Hauplreserat, das inhalllich von einer solchen grundlegenden Bedeutung ivar, daß auf einzelne Punkte wenigstens hingeMesen iverden muß. Herr Gäu bewies die 'Notwendigkeit der jüdischen Siedlung durch den Hinweis estnmal auf die starken Autarkiebestrebungen und den Aussall vieler großer Länder, die früher Waren aus Deuifchland importiert hatten, aus die allzustarke Zusammenballung der Juden in den Großstädten,. die durch die politischen Verhältnisse im deutschen Ostenviel stärker beeinflußt wurde als normal ist, und durch die lleberfüllung der akademischen und kaufmännischen Berufe, in Sen Wroß- und Mittelstädten. Im! Zusammenhang damit steht das Sterben der jüdischen Existenzen in den Landstädten, weit sie dort wirtschaftlich durch Boykott und seelisch durch gesellschaftlichen Ausschluß bedrängt sind. Zum anlern hat. immer und seit langem der Jude den Hang zum Lande gehabt, und 'Sin Teil hat sich stets rein landwirtschaftlich und gärtnerisch bet itigt (wobei nicht an den vereiwzelten jüdischen Großgrundbesitzer gedacht ist). Aber diese meist in der Jüd. Gartenbauschule in Ahlem ausgev ldeten jüdischen Landwirte haben früher und noch bis in die jüngste Zeit ihr Arbeitsfeld leider ins Ausland verlegen müssen, sie konnten nicht in Deutschland seßhaft werden. Aber gerade Deutschland liegt uns seelisch und räumlich am nächsten. Dies sind die Erivägungen. die dem Siediiungsgedanken überhaupt zugrunde liege», nur daß die Berufsumschichtung der Juden und die Herausziehung aus den Großstädten für ihn noch eine wesentlichere Bedeutung hat. Praktisch gibt es zur allmählichen Durchführung des Gedankens zwei Wege: dir landwirtschaftliche oder gärtnerische Siedlung und - als Teillösung — die Stadtrandsiedlung der Arbeitslosen. Beide Wege werden auch von unserer Seite gegangen werden. Die rchedlungsstellen von 10, 13 un > Ü0 Morgen in Groß Gaglow bei Kottbus werden wahr-

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