Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- 4 (4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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38 Vre»laue r Jüdische »Gemeindeblatl Ar. 4 S'ubfi geht ct aus ron der Erkenntnis, daß v^n allen Kulturvölkern, die auf der Eide lcdcn, dos liidischc Volk zugleich dlas bekanntest urid das unbekanntest! ist: und sein iDuch mündet in dem Bekenntnis, >aß diese Gescbichtc eitles Volkes so vfn, Wunderbaren und dom Grauenh iften, so vom Rotwendisen und Zufälligen, so vom Ewigen und Zeitlich:n erfüllt ist, dop man i ^r nicht naben kann, ohne über alles Dogma der R« ligion hinweg im tiefsten Sinne gläubig zu werden. Anker di iscn Aspekten sucht Kastein in, Sinne Nietzsches das Vergangene aus der höchsten Kraft d, r Gegenwar zu deuten, und er erblickt diese stärkste Anspam ung der edel tcn jüd i> en Eigenschaften in der national-Mischen Rcnaisscncc-Dewcgur g. And wie' einst Nietzsche gegen den Bilöungsphilister, den „t^ologus liberi lis vulgaris", so wendet! er sich mit immanenter Leidensctx ftlichkcit gegen Dubnows Säkularisarion der jüdische» Geschichte: „Wer in ien Begriffen Sott, Glaube». Religion keine Wirklichkeit erkennt, sicht an dei entscheidend, n Gestaltung dieses Volkskörpers hoffnungslos vorbei?' Aller )ings muß g> sagt werden, daß für .Kastein diese Begriffe sich nicht ohne wc tcrcs mit der l decken, was etwa die jjüdifcben Quellen unserer Aeberlieferung hierzu auss igcn. Seine „Gläubigkeit" itaimnt nicht her von den Höhen des Sinai, si> ist durchaus orientiert an B u b e r s WcltanschautMg, der er sich auch, >hnc cs ausdrücklich zu sagen, gerade in den grundsätzlichen Gesichtspunkt:» anschlicßt, wo sie sich schcidcl ooin jüdischen Weltbild einet Franz No cnzwcig. Dabei nniß betör,t werden, daß Kastcin aufs stärkste durch i ic geschichtsphllofophischcn Gedanken des „Sterns der Erlösung" beeinflu lt ist. Wenn er das Leitmotiv der jüdischen Geschichte in einem ewigen Is üations- und Konzcntrarionsprozcß erblickt, so wendet er nutz eine Erken, tnis an, die durch Rosenzweigs Ausführungen über den „Rest Israels" in klassische Formulierung gefunden hat. Zu vcdauecn ist, daß Kastein, der aus bet jungzionistisö c» deutschen Studentcnvewegung konunt, offenbar positive jüdisch« Arb, it außerhalb des Zionismus nicht siebt oder nicht sehen will.- Aber selbst wenn er, wie er am Anfang seines Buches bekennt, nicht ncutval schreiben w 4lkc, so wäre es z. B. ohne jede Beeinträchtigung der nationaljüdischen t Grundhaltung . ein Leichtes gewesen, dem Wirken eines S. R. Hirsch in a rderer Form gerecht ju' u-erden, als cs hier geschehen ist. $>ic& Beispiel soll hier nur deshalb hctausgcstellt werden, weil es uns für die übertrieben, Einseitigkeit des Verfassers noch kennzeichnender zu sein scheint, als die Sä lutzapotheose der Balfour-Deklaration, die man. doch gerades im Dewußtj nn der Geschichte und der Zukunftsbcstimnlung unseres' ewigen Doll:s nur als Episode, wenn auch als eine noch so gewichtige, werte l darf. Wenn wir somit auch der Erkenntnis deei jungen Kaste in von ISIS zusliMmciü inüjsen, daß für uns Westliche immer eine weite! tluft bleiben wird zwischen Wollen und Erreichen, jo bietet sein Buch dem kr tischen Leser doch durch die geistvolle Formulierung und die glänzende Sprache seiner Darstellung so viel Wertvolles, daß - es niemand ohne Gewinn aus der Hand legen wird, auch wenn man der Ansicht des Verlages, daß Käftern der jüdischen Geschichte einen neuen Sinn gegeben habe, nicht zustimmen kann. Sie „jüdischen' 14 Punkt« Wilsons. * Den nachstehenden Artikel entnehmen wir mit sreund- - licher Genehmigung den ausgezeichneten vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus E. V>, Berlin, herausgegebenen „Abwehrblättern". Er dürfte verständlich machen, warum Senator Borah den! französischest Ministerpräsidenten in Washington so unverblümt die! Wahrheit sagen konnte. Wer es noch nicht gewußt hdt, daß datz Alpha und Omega des Antisemitismus - vernagelte Dummheit ist, dem liefert die antisemitische Presse dieser Tage wieder einmal einen drastischen Beweis. Im „Israelitischen Wochenblatt für bie| Schweiz" (Nr. 23 vom •ß. 6. 31) stand vor kurzem folgende Notiz: > „In New Port wurde auf einem Bankett zu Ehren Walter Lippmanns die in eingeweihten Kreisen schon längst bekannte Tatsache bekanntgegeben, daß Lippmann der.! Verfasser der „Vierzehn Punkte Wilsons" war. Lippmann, der 18ßS im jüdischen Stadtteil New Parks geboren wurde, zeigte besonderes Interesse für internationale politische Fragen, wurde Redakteur der „World", der größten demokratischen Zeitung New Pdriks, und als solcher mit Wilson bekanyt. Lippmann bekam großen iEinfluß in demokratischen Kreisen und wurde von Wilson in das Kabinett als Unterslaatssekrelür des Äriegsministers berufen. Zljr raschen. Herbeiführung eines "gerechten Friedens arbeitete Lippmann die vierzehn Punkte aus, die, in der Welt) wie kaum je zuvor ein Friedensprogramm, Aufsehen erregten. Bei Friedensschluß begleitete Lippmann den Präsidenten zur Friedenskonferenz nach Paris. Als er aber sah, wie die! Alliierten die vierzehn Punkte interpretierten und Wilson in oieleifl nachgab, reiste er tzach Amerika zurück und organisierte dort, die - Opposition gegen Wilson. Dieser erhielt im Senat und im Repräsenfanten-Haus keine Mehrheit mehr, und so blieb der Versailler Pakt chm Amerika ünratifiziert." An diese Notiz knüpft der „Hämmer" des Herrn.Theodor Fritsch folgende geistvolle Bemerkung: „Alles, was dem Deutschtum schadet, ist, wenn man der Sache genügend auf den Grand geht, direkt oder indirekt auf jüdische Antriebe zurüchzusühren. Oie vorstehende Notiz ist ein Schulfall für diese unbesrreitbase Tatsache.'s Und der „Michel", das 'völkische Wochenblatt Wsens, haut in dieselbe Kerbe: „Nun wissen wir es: Der Verfasser der berühmten und berüchtigten „14 Punkte Wilsons", mit denen -die Feinde tchs deutsche Volk in die Falle gelockt haben, ist ein Iude.^.Es iit eben schon geschichtliches Gesetz, daß alles, was von den Söhnen Jakobs kommt, dem deutschen Volke UnheU bringt." Selbstverständlich darf als Dritter in diesem Bunde der Weisen von Asgatd die l.Deutsche Zeitung" nicht fehlen: sie druckt den Unsinn aus dejn „Hammer" schaudernd ab und findet ihn „treffend".!Es bleiben einem angesichts dieser Interpretation nur zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Entweder die Schriftleitungen der völkischen Blätter halten mit Recht ihr Lesepublikum für so dumm und vergeßlich, . daß sie nicht mehr wissen, was es mit den 14 Punkten, dem Waffeizstillst ind und dem Friedensdiktat von Versailles für eine geschichtliche Bew-indtnis hat, oder sie sind es selbst. Wäre der Friedensvertrag und derchm vorangehende Waffenstillstand eine Verwirklichung des „14- PuNlte-Programms" geworden, so hätten Deutschland und die Welt nicht! halb soviel unter dien unseligen Wirkungen der Friedensschlüsse politisch und wirtschaftlich zu leiden, wiees seit zwölf Jahren der Fall ist. - Denn dann wäre der Friede unter Voraussetzungen zustande gekontnjen, die selbst die letzte kaiserlich-deutsche Regierung noch sich akzeptabel hielt, und die das wirtschaftliche und politische Gleichgewicht in Europa nicht so toll verschoben hätten, wie es in Versailles geschehen ist. Der moralische Vorwurf, den das deutsche Volk bis zum Tage der Wiederherstellung dieses Gleichgewichtes gegen seine ehemaligen Kriegsgegner mit Recht erheben darf, ist ja gerade der, daß der Geist der „14- Punkte" sich im Friedensdiktat und schon vorher im Waffenstilll standsvertrag bis zur Unsichtbarkeit verflüchtigt hatte. Aber daran dem jüdischen Verfasser des „14-Punkte-Proaramms" die Schuld zu geben, der charakterfest genug war, um dem Präsidenten Wilson energisch den Rücken zu kehren, als dieser sich in verhängnisvoller Schwäche durch Cleintznceau und die übrigen Staatsmänner der Entente Schritt für Schrift von seinem eigenen Konzept abdrängen ließ, dazu muß man sich wohl! in einer Geistesverfassung befinden, die man nur entweder als antisemitisch oder als borniert bezeichnen kann, ohne dadurch den Sin» der Sache im geringsten zu verändern.; i l; die Stellung der Religionsgemeinschaften zu den Zragey |det Kalenderreform. a durch die Reform des geltenden Kalenders religiöse Interessen berührt werden, bat die Vossischc Zeitung Vertreter der Religionsgemeinschaften aufgcfordert, ihren Standpunkt gesondert darzulegcn. In der Osterausgabe der „Voß" formuliert zunächst Dr. Kurt Böhme den sebr! vorsichtigen Standpunkt der evangelischen Kirche. Er verschweigt freilich nichtz baß der Deutsche Evangelische Kicchenausschuß angesichts des Traditions-I wertes des alten Kalenders und mangels erheblicher und wirklich fühlbarer. Mängel desselben die Rotlvendigkeit einer allgemeinen Reform verneint und diese Auffassung auch gegenüber dem Deutschen Studienkomitee vertreten hat, ,veiß ober von positiven Eimvcndungcn gegen den Rcformgcdan en nichts zu berichten. Der Blankotag stört die evangelische Kirche offenbar nicht, und Böhme berührt nur die Frage, ob die Dlankotagc als Wert- oder Feiertage zu behandeln sind, und besorgt, daß neben den kirchlichen! und politischen Feiertagen noch eine neue Art entstehen könnte: Feiertage von nein weltlichem Charakter. Weit entschiedener äußert sich Dr. Gottffied Dtünner für die katholische! Kirche. Sie zeigt ein viel größeres Interesse an den Fragen des Kalenders,! denn ür sie ist „fast ein jeder Tag des Jahres mit Festen des Herrn und der H -iligcn belegt." Drünncr erklärt selbst die allgemein geforderte Festlegutu des Osterfestes für bedenklich, denn wenn die Kirche den Wünschen der Dirtschaft cntgcgcnkomme, so liefere sic all jenen Agitationsstoff, die sic all Verbündete des Kapitalismus beim arbeitenden Volke verschreien. Brün, er fürchtet auch, daß die morgcnländiscbe Kircbc die Neuerung nicht mitmo che uftb daß sieb so der bestehende Riß in der cbristlicbcn Welt erweitere. Die st irksten Bedenken aber hat Brünncr gegen die A n t e r d r c ch ii n g der Dochenordnung. Die siebentägige Wocbe ist ihm eine göttlich': Einrichtung, an der die Mensche» nicbt rütteln sollten, und der zu erwartende Vorteil scheint ihm so gering, daß es sich schon im Hinblick auf gas hohe Altctz dieser Institution nicbt empfehlen würde, von hr abzugehen. Unser Kindermittagstisch im Jüdischen Jugendheim letz erfreut sich weiter eines regen Besuchs. In den hat sch die Anzahl der Kinder noch bedeutend Gesu idheltszustanjd war trotz der Grippe ein aw Wir I»aben bei viejen Kindern eiiie Gewichtszunahch 3 Pfjllnd inonatlich festgestellt. Mit großer Dair ausgesprochen werden, daß die Gebefreudigkeit unsär und Gönner nicht nachgelassen hat, so daß wir m>t die Speisung bis P'efsach durchzuführen imstand hoffei aber, unsere Arbeit nach den Festtagen in Forni weiterführen zu können, sei es als Speisur örtlioe Erholungsfürsorge für besonders zarte K i Iüdijche Wohlfahrtsamt unterstützt unsere Bestie jeder Weise sowohl durch Zuführung von Leben zi auch hurch Ueberweistmg von Geldspenden, die aus Mitteln fließen. S a k o.. teu Wochen etzhöht. Der. sgezeichneter. e von etwa I charkeit muß er Freunde Sickerbeit; find. Wirirgendeiner lg oder als ider. Das bungen in Mitteln - als öffentlichen.