Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- 4 (4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Sretlaaec JSvische» «Demeiaoebiait 39 Don allen Behörden wird immer wieder darauf hingewiesen, daß die Gesunderhaltung unserer Jugend eine unserer wichtigsten Aufgaben ist, und datz auch weiterhin für die Zwecke von Kindcrspeisungenlund für Erholungsfürsorge Mittel bereitgestellt werden sollend Es spendeten an Geld und Lebensmittel»:' Dr. Miodowski, Fe. Wisch, Frl. Herta Cohn» Herr Lewy-Kloslerjrr., Fr. San. Friedmann,, jq. Rosi Gractzcr, Fr. Solinger, Herr Iacobstbal, Herr Bruno Brandt, Fr. Apoth. Lcschnihcr, Fr. Iustizrat Sachs, Fr. Dr. v<isa Cohn, Herr Hans Schiftan, Fr. Berta Schlesinger. Kindcrstirsorgc des jüdischen Frauenbundes. E m ni n, D o g e l st e i n. B o n « E o h n. j die Wahlen INI April 1922 beschäftiget! Jung und Alt, denn sic sind von unendlichem Einfluß auf das wirtschaftliche' Leben im allgemeinen und auf die Lage der bilden im besonderen. Man inüktc daher annehmen, dag alle Glaubens- - genossen nacb Straften und jeder an der geeigneten Stelle ihre Pflichten in der Richtung erfüllen würiden, das Wahlergebnis nach ihrer Auffassung zu beeinflussen. Jedoch weit gefehlt! Wo blieben die Mitarbeiter bei der Reichspräsidcntcnwabl? Dabei gibt cs an einem Wahltage so uncndlicb viel zu tun. In Breslarj überlassen unsere Glaubensgenossen die Arbeit im allgemeinen dem C. B.iund dem Rcichsbund jüd. Frontsoldaten. Erstcrer besorgt die geistige Aufklärung und die politische Tätigkeit; letzterer, als neutrale Organisation, brisigt lediglich alle Kranken und Körperbehinderten obue Ilntcrscbicd der Partei an die Wahlurne. Welche unendliche Arbeit uiid Geldmittel dies erfordert, interessiert die große'Masse wenig. Zur Rcichspräsidcntcnwahl ain Il5. Mär; 1932 hätte der Reichsbund jüd. Frontsoldaten allein über 250 Körperbehinderte in die Abstimmungsräumc gcbracbt, darunter 76 Kranke aus dem jüdischen Krankenhaus auf der Tragbahre. Richt jeder Kamerad ist natürlich zu so schwerer körperlicher Arbeit / in der Lage, aber cs gibt iauch noch eine Menge leichter Arbeit, für die die Helfer fehlen. Warum sollen nur die schon alt gewordenen Kriegsteilnehmer, zum größten Teil die Acvmstcn in unserer Gemeinde, selbstlos die Arbeit leisten, während die Andern, nur, für das Ergebnis interessiert, für die Kritik bcrcitstchcn? 'Der Aufruf des Reichsöundcs jüdischer Frontsoldaten an die Autobcsitzcr ist, wie wir hören, auch nicht von großen! Erfolg bc- ' gleitet gewesen. Zugegeben wird, daß viele Äutobesihcr ihre Fahrzeuglieber den politischen Orgqnisationcn zur Verfügung stellen, denen sic naheslchcn. Immerhin muß eä doch noch eine große Anzahl Autobcsitzcr geben, die weder bei politischen, noch bei neutralen Organisationen ihr Schcrflcin für die Wahlarbeit beitragen. Gewiß sind Fälle denkbar, wo ein Auto an dem betreffenden Tag? nicht entbehrlich ist; so hat qin Autobcsitzcr als Ersah dem R. j. F. RM. 10.— geschickt, dafür konnte der R. j. F. ein Mictsauto chartern. — 2sder, das sind leider nur vereinzelte Fälle. Die Prcußenwahl steht vor der' Tür; ihr Ausfall ist von unübersehbarer Wirkung für unsere Zukunft. Wir werden sehen, wieviel Helfer beim C. V., Iunkernftraße 21 und beim Rcichsbund jüd. Frontsoldaten, Schwcidnitzcr-Skadlgraden 26 am Wahltage untreren werden. ■» Geehrtes Gemeindefnitglied, willst du, daß durch dein persönliches und finanzielles Vertagen auch die wenigen eifrigen Helfer cs aufgeben, für dich und die Allgemeinheit zu arbeiten?! die Sieülungsfrage bewegt die Jetztzeit außerordentlich; nicht bloß die Erwerbslosen, sondern auch viele Unternehmer, die hierin eine Gesundung unserer Wirtschaftsverhältnisse sich anbahnen sehen. Für jüdische Landwirte und Kleingärtner bestehen noch besondere Schwierigkeiten, die hier nicht ausein- ^anderaesetzt zu werden brauchen. Der rührigen Ortsgruppe Breslau des .. Reichsoundes jüdischer Frontsoldaten ist es gelungen, den Geschäftsführer des Reichsbundes für jüdische Siedlung in Berlin, den ausgezeichneten Fachmann Herrn G oe tzr zu einem Vortrag über di« Siedlungsfrage in Deutschland zu gewinmn. Der Vortrag wird am 8. Mai, vormittags 11 Uhr, im „Jüdischen Jugendheim"; Schweidnitzer Stadtgraben 28, I, ftattfinden. Me Gemeindekörperschaften und Gemeindemitglieder sind hierzu sreundlichst eingeladen. Herr G o e tz ist nach dem Vortrag bereit. Interessenten noch besondere Fragen zu beantworten. das Archiv der Spnagogengemeinüe Breslau 1, Wallstr. 9 macht darauf aufmerksam, daß es alle, auf die Geschichte der Juden in Stadt und Provinz bezüglichen Dokumente und Handschriften sammelt. Es weist besonders heut« darauf hin, daß bei den jetzt häufigen Umzügen und Wohnungsänderungen vielleicht an sonst versteckten Stellen liegendes historisches Material aller Art (Famllienpapiere, Briefe, Tagebücher, Mohslbllcher u. a.) ans Tageslicht kommt, das von den Besitzern nicht mehr gebraucht wird oder ihnen unwesentlich erscheint. Das Archiv übernimmt gern für seine Sammlungen all« derartigen Dokumente, Handschriften und Urkunden, es ist auch bereit, sie abzuholen. Wir bitten, dies schriftlich dem Archiv der Synagogengemeinde, Breslau 1, Wallstraße '9, oder telephonisch Herrn Dr. Heppner unter Nr. 51765 Mitteilen zu wollen. Das Archiv nimmt auch Akten und Urkunden als Depositen an. Spnagogenkonzert. " Das für den 17. April 1432 anczekündigte Synagogenkonzert muh leider für den Spätherbst oder Winter vers ch o b c h werden. Trotz dcr"wcit vorgeschrittenen Vorbereitung war es der Grippe-Epidemie wegen nicht niöglich, den genannten Zeitpunkt fcstzuhalten; cs sind eine große Anzahl vpn Chonnitgliedern durch Krankheit verhindert. Wir werden zur gegebenen Zeit Näheres-berichten.- Oer Erzbischof von Köln für'inneren Frieden. ' Der Vorsitzende der Ortsgruppe Köln des Central- Dcrcins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Heinrich Frank, gleichzeitig Vorsitzender der Jüdischen Genieinde Köln, der Gcnicindcrabbiner Dr. Roscnthal in Köln ^sowie der Syndikus des Ccntral-Dcrcins deutscher Staatsbilirger jüdischen Glaubens in Berlin, Dr." Alfred W i e n e r, wurden von dem Gcneralvikar des Erzbistums .Köln, Är. David, empfangen. Sic - unterbreiteten '.eine Reihe von Materialien über die-Zügellosigkeiten des politischen Kampfes gegen die Juden. Kardinal Schulte hat daraufhin' Herrn Gemcindcrabbiner Dr. Roscnthal in .Köln das nachstehende^ Schreiben zugehen lassen: DerErzbischof voiz Köln. ' K ö I n, den 10. März 1932 Euer Hochwürdcn! Von den überaus rohen und jeder Gejiklung hohnsprechcnden Defchinipfuiigbn Ihrer Glaubensgemeinschaft, namentlich von den Grabschändungeij auf jüdischen Friedhöfen, worüber'Sic meinen Herrn Gcneralvikar — da ich verhindert war — persönlich und nachher mich durch Ilcbcrrcichung von gedrucktem Material unterrichteten, .habe ich mik tiefstem Bedauern Kenntnis genommen. Ich kann Ihre innere Empörung und Entrüstung nur teilen und sehe in diesen Vorkommnissen eine neue ernste Mahnung qn alle Gutgesinnten, der zunehmenden' Dcrivildcrung der Sirtcn in unseren! Volke ohne Säumen und init aller Energie cntgcgenzuwirken. In größter Hochsstützung bin ich ' 1 Ihr stets ergebenster - "1 ■ . gez. Kardinal Schulte * Erzbischof von Köln. Seiner Hochn'ürden Herrn Gcnlcinderabbin:r Dr. R o s e n t h a l in Köln, Rponstr. 50. fln die Breslauer jüdische Jugend. - Errichtung einer Iugendberatungsstell« durch den Ortsausschuß der Jüdischen Iugendverbänd«, 'Breslau. Aus der Breslauer jüdischen Jugend heraus ist der Wunsch laut geworden, eine freie Beratungsstelle für Jugendliche zu schaffen, die» getragen von gegenseitigem menschlichem Vertrauen, jungen Menschen Rat und Hilfe, wo immer sie nötig ist, erteilen soll. Sie ist nicht zuletzt auch für solche gedacht, die keiner Jugendorganisation angehören, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, sich an Führer oder ältere Freunde, die ihr Vertrauert rechtfertigen, zu wenden. Selbstverständlich wird völlige Diskretion gewährt — die Ratsuchenden brauchen ihren Namen nicht anzugcben. Wir wiisen, auch in der jüdischen Jugend gibt es verschwiegene Röte, geheime Ratlosigkeit, Schwierigkeiten in Fragen der Lebensführung und Lebensgcstajtung, von denen Eltern und Lehrer oft nichts erfahren, well die Furcht, gerade von seiner nächsten Umgebung nicht verstanden zu werden, den jungen Menschen schweigen läßt. Hier will dl?' Beratungsstelle belfend eingreifen, will neutralen Boden, menschliche Nähe und Ausiprachemöglichkeit schaffen. ' Die Leitung der Beratungsstelle liegt in den Händen von Herrn Dr. Salo Iuliusburger, Hvhenzollernstr. 37/39, Telephon 86422. Die Sprechstunde beginnt am 1. April 1932 jeden Dienstag in der Zeit von 4—5 Ilhr yachmittags oder nach besonderer Vereinbarung. Ihm stehen besondere Männliche und weibliche Fachberater zur Verfügung. Sonstige schriftliche Anfragen sind gleichfalls an obige Adresse zu richten. Wendet Euch an diese Beratungsstelle, wenn Ihr Rat und Hilfe braucht. Sie bittet um Euer Vertrauen — in Eurem Dienst! ' — Den 80. Geburtstag feiert am 23. April 1932 Frau Philippine Lissner, ged..Cohn, Steinstraße 13/15.!! Den 80. Geburtstag t feiert am 1?. April 1932 Herr Nathan Singer, Sonncnstraßt 26. Den 80. Geburtstag feierte am 2tz. März 1932 Frau Iohaitna Zadek-gcb. Schmuckler, Dessauer Srahe 13. _ Den 80. Geburtstag feiert am 21. April der Buchhalter Max Bönisch, Höschenstraße 47. 1