Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 11 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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154 vderlauer 3 fi dische» Gemeindeblait Nr. II Jui « S hl Die Gemeinden als die einzige Rechtsoertretung der jüdischer haben eine weit höhere Bedeutung für jeden! einzelnen < vordem. In dieser Not wolltest du aus der Gemeinde austreten die dämpfenden ihrem Schicksal überlassen, ihre geistige ohne Förderung, ihren Rechtskamps ohne deiste Unterstützt deine armen Brüder ihrem Los des Elends preisgeben? Und welche Gründe bewegen dich zum Austritt? Anl.. Stellung stim „Kultus", zur religiösen Betätigung der Genre i bedenkst du nicht, daß du diese öffentliche Rechtsinstitution betrachten mußt in ihrer vielseitigen philantroptschen, geistig sozialen und religiösen Wirksamkeit? Daß stie allen werden will, mit denen du durch Bande der Geschichte und und der Solidarität, der gemeinsamen historischen Verl .keil verknüpft bist? Willst du nicht einsehen, daß ihr Niedjr: Verfall jeden Juden, auch dich selbst und deifie Familie, schwächt? Welche Achtung kann noch der einzelne Jude in der 'Nichtjuden, vor Behörden und Körperschaften genießen, offizielle Vertretung in Ohnmacht, ein Zwerggefilde, die Nied Judentums verrät?. Ich schleudere dir den Vorwurf ins Gesicht: Du bist zeinü! Du, der wahre Antisemit, ein Bundesgenosse Hill nationalsozialistische Verleumdung vermag die Würde un kausendealten ethisch-monotheistischen Religion/ unserer gi gangenheit zu treffen, aber deine Untreue wirft einen deine Gemeinschaft, entehrt das Judentum, zerstört seine inn<r Wir glauben dir deine Freigeisterei nicht! Gerade dir sagen: wenn der moderne Staat die christlichen Konzessi und fördert, auch mit den vom Juden gezahlten Steuern l datsverpflichkungen gegen sie erfüllt, dann muß ich aus G Gerechtigkeit und des Männerstolzes zeigen: wir lassen das nicht unterdrücken und untergehen. Wenn der Staat uns m'-gligeable vernachlässigt, so -werde ich nicht diese Politik lichkerr, der Bevorzugung der mächtigen Kirchen, der Asche der Murierreligion totlos mitansehen. Wie Lessing. der das Judentum verteidigte, weil er Freigeist war, weil er Mensch keine direkte oder indirekte religiöse- Ungerechtig^e kannte. Darum wurde er Anwalt der Juden. , Und du Vorwand der jeltgiöfen Uninteressiertheit die Gemeinde ve in ihren Pflichten und ihrem Wirken kein Afisehen der Partei, der religiösen Standpunkte kennt? Nein,-es ist keine Gewissensfrage für dich,:sondern eine ein grober Materialismus, daß du, dem es noch gut geht, die die sozial Bedürftigen von dir abschüttelst, unter der Mask« geiites mitleidlos und ehrlos Fahnenflucht treibst. Well Idealismus fehlt, willst du die jüdische Gemeinde, die nur schließlich idealen Zwecken dient, nicht kennen,! verleugnest schichte, deine Ahnen, die alle mit der Gemeinde! und von de> gelebt. aus ihr die geistigen Kräfte und den sittlichen Lebe gezogen haben, verachtest deine mit dem Schicksal ringende und treibst, selbst ohne es zu beabsichtigen, die Geschäfte unse-l und Feinde! * ' Was früher die Taufe war, das ist heute der Auskrilt jiidijchen Gemeinde. In den Motive» sind beide ganz gle materiell,, vorkeilssüchtig, egoistisch: in ihren APwirkungen entehrend und verhängnisvoll. Wenn noch ein Funke Ehrge^ wohnt, eind Spur von Dankbarkeit für alles,/was dll bürgerliche Emanzipation, deren du dich erfreust, die die dir erkämpft haben, für di« Achtung, die du gönieht, die . heit aller jüdischen kulturellen Persönlichkeiten dir errungen erkenne die Pflicht deiner Gemeinde,zugehörigkeii, dann ops willig auf den Altar der Liebe und Gerechtigkeit und Ge Judentums, dann diene der jüdischen Gesamtheit als treues allem, was du bist. Interessen s je sonst Wolltest Wirksamkeit ng lassen, gtblich deine nde. Aber >ls Ganzes kulturellen, n gerecht des Blutes ntwortlichgang und empfindlich den Augen wenn seine erläge des ers! r jfjen 1 iese a s ein Iuden- Keinc erer jahr- Beratten auf e Einheit. müßte men erhält ie Konkoründen der Judentum qusntite »er Partei- : ibrödelrolle Deutsche, als freier it dulden mit dem lassen, die Person, vder d er Schande aber, ewige Schande deinem Materialismus, Gesinnung der Steuerflucht, des Austritts aus lder Gemeind Das Wort eines der größten Juden der leßten Bergan, großen Philosophen und Religionsphilosophen Gfh. Rat Pro inann Cohen, des Begründers der Neukantianischen Schule ir schreiben wir diesen Fahnenflüchtigen ins Stammbuch: Die Verantwortlichkeit für das Kulturrechj der Religi m ist dem Juden abhanden gekommen, der sich die Freiheit! herausnimr it,- aus der Gemeinde auszutreten, welche die lebenöige, Öje einzige < iinheit der jüdischen Religion ist, die hinwiederum eines der wichtigstm Medien seines eigenen soziologischen Daseins bildet. Unh zu dieser jireiheit erniedrigt er sich in einer Zeit, in der seine Militugenossen verfolgt und hintergangen, verleumdet und beschimpft, gekpänkt und unterdrückt werden. Zu dieser Freiheit erniedrigt er sich in «siner Zeit, ir der seinen Milieugenossen der Verdacht entgegengeschleudert und zur En: schuldigung jener „Schmach des Jahrhunderts" verwendet wird: daß Üil Juden in ihrem Materialismus ja überhaupt kein« Religion hätten, u rd daß ihr religiöses Scheinleben nur die Maske. für ihren Völkerbetrr g fei. In einer Zeit solcher geistigen, solcher sittlichen Verwilderung kan l es Juden geben, die es über sich bringen, die Gemeinde zu verlassen, die solchen Ausbrüchen des Zeitgeistes standhalten muß — die zudem an unserer großen Zeitenwende sich aus noch kaum geahnt« gewaltig« Aufgaben rüsten muß. die ihr bevorstehen, die sie in dies Hoheit ihr«r Pflichten wird eingliedern müssen. <Jüdische Schriften S. 159.) Geldfrage, Aermeken. des Freidir jeder und ausdeine Ge- Gemeinde nsfchwung n Brüder er Gegner aus der ch niedrig, zan; gleich ühk in dir für die Gemeinden Gesamthat, dann e auch du istigkeit des Glied mit bi t. die ofe: schnöde» e! jenheit, des Dr. Her- Marburg, Randsiedlungen -er Stadt Breslau. Randsiedlungen für Erwerbslose, wie sie mit Mitteln der staatlichen Osthilfe in der Nähe der großen Städte errichtet werden sollen, um nach einem Ausdruck des Reichsfinanzministers Dietrich krisenfeste Arbeiter zu schaffen, beabsichtigt auch die Stadt Breslau auf städtischem Gelände in großem Umfange vorzunehmen. Für diese Siedlmigen dürfte auch unter den jüdischen Arbeitern, Handwerkern und Erwerbslosen ein großes Interesse bestehen. Bei genügender Anzahl vois Interessenten wird die Stadt voraussichtlich eine jüdische Or ganisation zur Siedlung zulassen. Meldungen von Inter essenten sind zu richten an den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten^ Breslau, Schweidnitzer Stadtgraben 28. Geheimrat Verttiold Timendorfer ist in der Nacht zum 5. Oktober 1931 im Alter von 78 Jahren verstorben. Geheimrat Timendorfer, von Beruf Rechtsanwalt in Berlin, hat im Leben der Juden in den letzten vierzig Jahren eine hervorragende Rolle gespielt. Namentlich als Großpräsidcnt des deutschen Distriktes des Unabhängigen Ordens- Benei Brilh i» den Jahren 1898 bis 1924 hat er Hervorragendes für den kulturellen Aufschwung des deutschen Judentums und die sozialen Einrichtungen beä| Judentums der ganze» Welt geleistet. Als er wegen vorgerückten Alters sein Amt als Großpräsidew niederlegte, wurde er zum Ehren-Großpräsidenten gewählt. Neben diesem verantwortungsvollen wichtigen Ehrenamt betätigte sich Geheimrat Timendorfer auch noch als Mitglied des Vorstände? der Jüdischen Gemeinde Berlin, des HUfsvereins der deutschen Juden und des deutschen Zweiges der Alliance Jsra«'-lite Universelle. Ferner war er einer der geistigen Führer und eifrigsten Förderer der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und des „Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums". Mii^ Schlesien und besonders init Breslau verbanden ihn persönliche Beziehungen; denn er mar geborener Oberschlesicr tgeboren zu Rosdzin bei Rattowitz», verbrachte einen Teil seiner Studienzeit in Breslau und besuchte häufig die hier lebende Familie seines Schwiegersohnes, des Facharztes Dr. Theodor Rosenthal. Die Breslauer hatten daher häufig die Ehre seines Besuches und den hervorragenden Genuß, feine Har, durchdachten und wunderbar geformten Reden zu hären. Chanukkah-Einkleiüung unbemittelter jüdischer Kinder. Der Not der Zeit Rechnung tragend, haben sich niehrerc Vereine,: Logen und Organisationen entschlossen, zu Chanukkah unbemittelte Kinder unserer Gemeinde mit warmer Kleidung zu versorgen. Seit vielen Jahren ist diese Fürsorgetätigteil >m Büro der Kinderfürsorge des Jüdischen Frauenbundes organisiert und zentralisiert, und zwar in de» Form, daß die einzelnen Vereine die Liste der Kinder einsenden, die von ihnen eingekleidet werden, oder daß sie um Namhaftmachung geeigneter. Kinder bitten. Auf diese Weise konnte es bisher verntieden werden, daß Kinder doppelt und dreifach bedacht wurden, während andere leer aus-! gingen. Bei der großen Not dieses Winters ist es ganz besonders not-I wendig, Zersplitterung zu vermeiden. Im Interesse der Sache bitten wir daher die in Frage kommenden Vereine, sich unverzüglich mit uns! in Verbindung zu setzen. ' Die Kinderfürsorge des Jüdischen Frauenbundes selbst wird wieder wie in früheren Jahren, unterstützt durch die auf-! opfernde Sammeltätigkeit der Schwestern der Gesellschaft Eintracht, ein,/ große Anzahl bedürftiger Kinder einkleiden. Wir richten an alle Prirmtpersonen und an alle Geschäftsinhaber die herzliche Bitte, uns bei dieser immer schwerer werdenden Arbeit gütigst tatkräftig, unterstützen zu wollen. Geldspenden bitten wir freundlichst init dem Vermerk „Kindersürsorge" auf Postscheckkonto Or.! Vogelstein. Breslau 788 98, überweise» zu wollen. Sachspenden nimmt entgegen Frau E m in y L o g e l st e i n A n g e r 8. Kinderfürsorge des Jüdischen Frauenbundes Breslau, i A.: Dr. Alice Oppenheimer. Ois lvalilkompromiß das im vorigen Jahre zur Vermeidung eines Wahlkampfes geschlossen worden ist, haben die Parteien auf Grund der unter Leitung von Herrn Geheimrat Goldfeld geführten Verhandlungen um ein weiteres Jahr verlängert. Die Gemeindevertreter und Vorstandsmitglieder, die an sich auf 5 Jahre im vorigen Jahre gewählt worden sind, werden daher ihre Aemter nicht niederlegen, sondern zunächst ein weiteres Jahr amtieren.! Den 85. Geburtstag feierte am 23. Oktober 1931 Herr Hausbesitzer Leopold Hei man Katser-Wilhelm-Straße 151, Kriegsveteran von 1870'71. Reichspräsident! v. Hindenburg sandte ihm ein herzliches Glückwunschschreiben nebst Bild mit Unterschrift. Den 85. Geburtstag feierte am 19. November 1931 Herr Isidor Schein, Goethestraße -19.