Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 8 (8.1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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108 Bte*lane* Jüdisches Gemeiadeblalt Würöel Aus Anlaß der bevorstehenden hohen Festtai >e erinnern wir an unsere früher veröffentlichten Zuschriften nus Kreisen der Gemeinde, daß die Anzeigen in den Tageszeit nngen über Vermietung von Syncrgogenplätzen als anstößig i nd würdelos empfunden werden. - Wir bitten daher unsere Gemeindemitgliede' im Interesse des Ansehens der Gemeinde und der der Heiligkeit des Gottesdienstes, derartige Anzeige lassen. Das Gemeindebüro (Platzkartenausgabe) gern und völlig gebührenfrei die Vermietung von platzen und die Verwertung von Mietsplätzen für ei an denen der Inhaber aus irgendwelchen Gründen nähme am Gottesdienst verhindert ist. Es hat dah! nötig, sich eines Vermittlers oder einer Zeitungsan^e dienen und dadurch Anlaß zu abfälligen und un Bemerkungen zu geben. ^dringend Würde vor * zu unterübernimmt (rigentumsin zelne Tage, qn der Teiler niemand eige zu be- * rwünschten R. svrun-steinlegung zur ersten jüdischen Si^lung Groß Gaglow Am Sonntag, den 21. Juni, fand auf dem von der j arbeits-G. m. b. H. in^ vorigen Jahre mit Httfe eines Dsj; er in € i ab: Sie: i j :e Jüdischen Gemeinde Berlin erworbenen Gut Groß Gaglow die feierliche Grundsteinlegung zum ersten Siedlerhaus; gärtnerischen und landwirtschaftlichen Kolonie statt, derei i auf dem Gelände des Gutes geplant ist. Die Besiedlun: Gaglow steltl die erste Etappe in der Durchführung des bund für jüdische Siedlung in Deutschland propagierten der Seßhaftmachung deutscher Juden auf deutschem Bodi sicher Siedlungshilfe und damit einen Versuch dar, dem -v Kreisen der deutschen Judenheit aller Richtungen besonders im Hinblick auf die künftige Gestaltung des Schicksals 1 ts I Judentums beigemesjen wird. Dies kam auch in der starken I an dem feierlichen Akte und den bei dieser Gelegenheit geha :i t zum Ausdruck. Neben Vertretern der Kreisbehörde der S : und der Gemeinde Groß Gaglow hatten sich gegen 200 T , jüdischen Verbände Deutschlands, Vertreter gärtnerischer sationen und Gäste eingefunden. ' Nachdem Obergärtner Gerson einige technische Erläus : geben hatte, begrüßte der Vorsitzende des Reichsbundes; Siedlung. Dr. Heinrich Elkeles, den Vertreter der i i*pnbrat Dr. Eichler, und sprach ihm gegenüber den Dank i bundes für die diesem seitens der preußischen Staatsreg §' »wordene Förderung aus. Er begrüßte ferner den Ober « er Stadt Cottbus, Dr. Kreutz, den als Repräsentanten de> - Guben erschienenen Kulturamtsinspektor Lange, den Prc! Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und e: I tretenden Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin, Ka rat Leo Wolfs, die Rabbiner Dr. Leo Baeck-Berlin und Cottbus, den Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer FronS! Leo Loewenstein, den Vertreter der Gemeinde Groß Gag i Vertreter der jüdischen Organisationen. Dr. Elkeles wies 'sondere Bedeutung der jüdischen Siedlungsbewegung in D; .einer Zeit der Proletarisieruna des jüdischen Mittelstandes urji j*ine maßlose antisemitische Hetze gesteigerten jüdischen 3s!hin. Die Grundsteinlegung in Groß Gaglow sei die erste einem Wege, der im <--inne der Berufsumschichtung der derck eingeschlagen wurde. Landrat Dr. Eichler erklärte namens Verwaltung, es sei nicht zu verkennen, daß es sich hier deutendes Unternehmen handle. Das dünn bevölkerte Geb buser Kreises fei noch durchaus aufnahmefähig für landi Siedler und könne zu einem Zenttum der Versorgung n Niederlausitz, sondern auch Groß-Berlins mit gärtnerische« gemacht werden. Im Hinblick darauf und auf die idealen SI jüdischen Zusammenschlusses zur Wiederverbindung städtisch mit der Scholle müsse der Gedanke des Reichsbundes für kung, der der wohlwollenden Förderung seitens der Behörd könne, vorbildlich genannt werden. Namens der Geschäfts Reichsbundes dankte Rittergutsbesitzer Mosie dem Vertreter Verwaltung für seine Ansprache. Auf dem festlich, geschmückten Baugrund des ersten Hauses hielt Rabbiner Dr. Leo Baeck, nachdem Oberkant Friedmann das „Ma tauwohzum Dortrag gebracht hatt: empfundene Weiherede, in der er die Rückkehr zum Ack«, bindung des Menschen — Adam — mit Adamah, der (E ■ Erfüllung, einer alten jüdischen Sehnsucht bezeichnet. In d«i Sphäre der Iudengasse habe der Jude in inniger Verknüpft« Ueberirdischen gewissermaßen den Himmelsacker bestellt. M Hinaustreten in die Well aber, nach der Säkülarisierung Lebens, kann er die Gemeinschaft mit dem Acker, mit dem ri dicht mehr entbehren. Di« Wiederverbinduug von Adam > ist das religiöse Gebot der Stunde. Sodann nahm Risi Posner-Cottbus in eindrucksvoller Weise die Weihezere ifchen Laridrlehens der bei Cottbus jüdischen Errichtung von Groß vom Reichs- Programms mit staatführenden Bedeutung deutschen Beteiligung tenen Reden >t Cottbus siegierte der rufsorgani- ,)t ff « e, irungen ge- 'ür jüdische sreisbehörde, des Reichsrung zuteil lrgermeister Kulturamts identen des n stelloerlergerichts- Dr. Pofner- Kdaten, Dr. >w und di« ruf die be- «tschland in d der durch rtschastsnot Etappe auf chen Juden der Kreis» hm ein bedes Cotti^rtschaftliche nur der Produkten otioe eines Elemente ifche Siedsicher sein ihrung der der Kreis- Siedlungs- Wilhelm eine ticfdi« Serie, als die geistlichen g mit dem seinem jüdischen eftlen Boden, d Adamah i ibiner Dr. vor. liäch kis ■«lome Nr. i! worauf der Vorsitzende des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Dr. Leo Löwenstein, eine Ansprache hielt, in der er hervorhob, daß die, Leistungen des i deutschen Judentums auf allen Gebieten deutschen j Kulturlebens und nicht zuletzt die Tatsache, daß »zwölftausend jüdische , Soldaten bei der Verteidigung des deutschen Vaterlandes gefallen sind, den deutschen Juden ein Recht darauf geben, auf dem Boden zu siedeln, den sie vor dem Feind geschützt haben. Er verlas hierauf die Grundj steinlegungsurkunde und sprach nach ihrer Einmauerung den ersten Hammerspruch. Unter Zugrundelegung des Motto» zu Schiller» | „Glocke^ widmete er den ersten Hammerschlag den zwölftausend iüdische» Toten des Weltkrieges — mortuos plango —, den zweiten dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, an dessen Schild sich die Blitze des Judenhasses brechen mögen — fulgura frango —, den dritten der jüdischen Landarbeit, die dieses Land blühend machen soll — vivos voco. Weitere Hammersprllche sprachen Landrat Dr. Eichler, Oberbürgermeister Kreutz, Kammergerichtsrat Leo Wolff namens des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Rechtsanwalt Heinrich Steril namens -der Repräsentantenversammlung der Dr. Löwenstein. der Bundesvorsitzende des R. j. F., spricht d^n ersten Hammerspruch. i Jüdischen Gemeinde. Berlin, Rabbiner Dr. Leo Baeck namens d«k^ Großloge U. O. B. B., Alfred Berger namens des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Chefredakteur Alfred Rofenthal namens der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem. Herr Wilhelm Braetz namens der i Gesellschaft „0011", Abt. Deutschland, Professor Frankfurt namens des Verbandes „OKI“, Dr. N. Wolff für die Kölner Logen und den Westdeutschen Logenverband, Dr. Ludwig lieh namens des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände und des Centraloereins deuffcher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Kurt Loewenstein namens des Verbandes der jüd. Jugendoereine Deuffchlands, Dr. Friedrich Brodnitz namens des Keren Hajeffod, Dr. Rachan Birnbaum namens der Agudas Jisroel und anderer jüdisch-orthodoxer Organisationen, Herr George Goetz namens der Vereinigung für das liberale Judentum, Herr Landgerichtsrat Ratz namens der Jüdischen Volkspartei und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Adolf Wechselmann namens des Vereins zur Er> Haltung des überlieferten Judentums, Herr Grünpeter namens def jüdischen Sportoerbände von Groß-Berlin. Dr. Sklarz namens der i Synagogengemeinde Cottbus, Herr Salomon namens der Synagogengemeinde Forst (Lausitz), der Leiter der baulichen Arbeiten der Siedlung | Groß Gaglow, Baumeister Pinner, Vertreter mehrerer gärtnerische? Organisationen und der Gemeinde Groß Gaglow. ] An die Feier schloß sich ein Rundgang durch das.Gutsgelände und eine Besichtigung der neu angelegten gärtnerischen Kulturen sowie dek Stallungen. I T A - Bericht -es Jü-ifchen Wohlfahrtsamtes für 1930/31. Im Berichtsjahr sind die Aufgaben unseres Amtes erheblich gestiegen, «nd seine Leistungen mußten aufs Äußerste angespannt werden. Trotz der schwierigen Finanzlage haben die Gemeindebehörden,! wie aus den am Schlüsse angegebenen Zahlen ersichtlich ist, erheblich« Mittel aufgebracht, um den wirtschaftlichen Niedergang in unseren Reihen möglichst einzudämmen. Die Arbeit des I. W. Li. verlangt keinerlei Anerkennung. Ls genügt, daß ihr Erfolg an der Aufrechterhaltnng zahlreicher Existenzen sichtbar geworden ist. Wenn trotzdem von diesen und von sachverständigen Behörden und Persönlichkeiten diesem Amt> wegen der Methoden und der Erfolg« seiner Arbell besondere Aner-