Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 7 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3970005-7569524-7569687--1502-3971407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
----- ---—--- •| Jüdische Tuberkulose-Fürsorge (Beratungsstelle) werden solle. Es sei bloß jetzt schon j hervorgehoben worden, daß die , Unternehmer jüdische Kräfte beschäftigen müssen. Den Verwaltungsbericht trägt der Vorsitzende P eijer (lib.) vor. Von dem Dienstantritt des Herrn Rabbiner Wassermann, Darmstadt, als Dajan der Gemeinde wfrd Kenntnis genommen; desgleichen von dem Vorstandsbeschlutz betr. fteberlassung von Räumen an die Jüdische Schule. Hieraus teilt Kalifch namens des Vorstandes mit, daß der Vorstand dem Beschluß der Gemeindevertretung, die Beihilfe für die Jüdische Schule aus RM. 8000 zu erhöhen, beigetreten sei. 5 Bei der Mitteilung übtzr den Abschluß des neuen Vertrages mit der Firma Schatzky über den Druck des Gemeindeblattes bemerkt der Vorsitzende, daß der Inhalt des Blattes interessanter gestaltet werden müsse. Gewiß sei es als amtliches Blatt gewissen Beschränkungen unterworsen, aber dennoch müßt« es als!einziges Verbindungsorgan mit den Gemeindemitgliedern vielseitiger sein. Sparsamkeit sei hier falsch i am Platze. Er rege daher an, den Pedaktionsausschuß umzugestalten Fürder berichtet von einem anderen Gemeindeblatt, bei dem der Redakteur noch monatlich RM. 250 für sich herauswirtschatte und das überdies noch Honorare zahle. Der Inhalt könnte interessanter ausgestaltet werden, auch ohne Die Parität irgendeiner Partei gegenüber zu verletzen. Von anderer «eite sei eit, wesentlich günstigeres Angebot für den Druck gemacht worden. Wenn die Firma Schagky nicht konkurrieren könne, müßte eben zu Pner nichtjüdischen Firma ubergegangen werden. Wolfs findet schon die erste Seite des Blattes so langweilig, daß das Blatt nicht weiter gelesen werde. Gewiß enthalte es auch wichtige Rachrichtech aber es käme sehr darauf an, wo sic stünden. Der Verwaltungsdirektor erwidert als Schriftleiter, daß der Rabbinerartikel aus der ersten Seite aus einem Beschluß des Vorstandes beruhe. Die Erweiterung des Redaktionsausschusses begrüße er. Er hoffe, - daß die Herren auch die gewünschten interessanten Artikel beisteuern werden. Bisher habe er leider von einer Unterstützung durch die Ehrenbeamten der Gemeinde wenig gespürt. Das Gemeinüeblatl, von dem Herr Fürder so geheimnisvoll gesprochen habe, sei ihm längst . bekannt, es ist das von Magdeburg.! (Förder nickt.) Dort zahlt die Gemeindssund die Vereine' hem Schriftleiter eine jährliche Subvention L von RM. 3600. Dies' ist bei jder geringen Zahl der Gemeindemitgliedcr J und dem Umsang von einem halben Bogen ein Mehrfaches des Zu jchusjes, den Breslau zahle. Ueber das Bauvorhaben der Oestreicher-Stiftung berichtet der Vorsitzende selbst. Nach der Angabe des Verwaltungsberichtes hat die Stadt Ende April plötzlich!bie Unterlagen für das Hauszinssteuerdarlehen mit kurzer Frist crnaefordert, Durch die Bemühungen von Reg.-Baumeister Ehrlich und i Verwaltupgsdirektos Rechnitz ist die erste I Hypothek von einer Hypothekenbank zu den Bedingungen der Gemeinj schastsgruppe zugesagt, wenn auch noch nicht abgeschlossen worden. Die übrige Finanzierung erscheint nach Erlangung der Hauszinssteuer- Hypothek durchführbar. Ettioschewer (lib.) trägt Bedenken, ob man in der jetzigen Zeit überhaupt bauen soll. Die-Ersahrungen mit den Siedlungsbauten seien Nicht gut. Rach den ausgelegten Plänen seien die Wohnungen zu klein und würden nach Beseitigung der dringendsten Wohnungsnot nicht mehr vermietbar sein. Auch erscheint die beabsichtigte Miete gegen die in sonstigen Siedlungsbauten, nicht wesentlich geringer. Rosenstein (lu>.) setzt auf Grund seiner Erfahrungen als früherer Stiftpngsdezernent auseinander, daß schon deshalb großer Bedarf vorhanden sein wird, weil in absehbarer Zeit die Häuser der Caro- und Wollenberg-Stistung unbewohnbar werde» würden. Bei der weiterenAussprache über die Ausgestaltung der Wohnungen bemerkt der Verrbaltungsdirektor, daß der Bauentwurf sich nach den Vorschriften für die Siedlungsbauten habe richten müssen. Die Mietssenkung betrage nach dein Satzungen mindestens 20 Prozent und gehe noch darüber hinaus, da die Stiftung mindestens RM- 50 000 Eigenkapital ohne Verzinsung zum Bau hinzugebe. Nach einer weiteren, sehr ausgedehnten Aussprache, an der sich die Herren Nothmann (V.-P.), Silbermann (M.-P), Horn (lib.). Kober (kons.), Lesser (V.-P.) Gins (lib.), Peiser (lib.), Wolfs iM-P) beteiligen, wird auf Antrgg von Silbermann die Vorlage an den Bau-Ausschuß verwiesen, unter Hinzuziehung von sechs Mitgliedern der Gemeindevertretung, nämlich der Herren Gins, Wolfs, Nothmanin. Silberiftann, Schlesinger und Boldstein. Der Antrag des Vorstandes, der Veräußerung des zum Sternberajchen Nachlaß gehörigen Grundstücks Clousewitzstraße 11 für den Kaufpreis von RM. 52 000 gemäß den mitgetfilten Versteigerungsbedingungcn zuzustimmen, wird auf Empfehlung vpn Horn (lib.) angenommen. Des weiteren beantragt der Vorstand Sine Veihilfe von RM. 100 für die Brandgeschädigten in Borsa (Rumisnien) mit der Bitte, den Tite, zu bestimmen, aus dem der Betrpg entnommen werden solle «moschewer (lib.) ist an sich, bei der Not im Inlande, gegen die Unterstützung auswärtiger Gemeinden, aber als Generalkonsul von Rumänien tenne er die große Not in Borsa und empfehle Annahme des Antrages. Der Vorstand! werde schon einen Titel finden. Daraus wird der Antrag ohne Bestimmung eines Titels zur Deckung angenommen. In der Geheimen Sitzung wird beschlossen, den 70 Jahre alten Lehrer an der Religiofisschule I, Herrn Graf, mit der Höchst- - Pension in den wohlverdienten Ruhestand zu versetzen, desgleichen den Aufseher in der Alten Synagoge, Leopold Lewy, unter Erhöhung seiner bisherigen Gnadenbezüge, sowie die Hilssfürsorgerin Fräulein Marie Baruch ganztägig zu beschäftigen. Ferner wird dem Beschluß beigetreten, den Sohn des Kantors Wartenberger als Lehrling einzufellen. In den hauptausschuß des Wohlfahrtsamtes wird Frau Stadtpat! Narrt zugewählt. Anstelle des Herrn Markowitz wird Herr Benjamin Ffepnd in den Jugendpflegeausschuß gewählt. (Aus Anregung aus der Gemeinde werden von jetzt ab allejTitel fortgelassen. dafür aber die Parteizugehörigkeit hinzugefugt. D. Perf., . A Gemeinüevertreter-Sitzung am 8. Juli 1931 Bericht von Dr. R e ch n i tz. Die Sitzung diente im wesentlichen zur Beschlußfassung über das Bauvorhaben der Oestreicher-Stiftung. Horn (lib.) berichtet im Interesse der zahlreichen Vertreter, noch einmal kurz über die Vorgeschichte der Oestreicher-Stiftung und über die Grundzüge des Bauprojektes sowie der Finanzierung. Das Projekt sei in zwei Sitzungen des Bauausschusses und des technischen Unterausschusses , unter Hinzuziehung der Gemeindevertreter-Äommifsion eingehend geprüft worden. Der B.-E. erläutert darauf den Plan für die 32 Wohnungen, unter Angabe der 'Zimmerzahl und der Wohnfläche, sowie der technischen Einzelheiten der Einrichtung. Der Bäuausschuß habe ferner beschlossen, den Bau in Rohbau anstatt in Putz auszusühren, weil die Mehrkosten sich durch die wesentlich geringeren Unterhaltungskosten bezahlt machten. Die Finanzierung werde wie folgt vorgeschlagen: 1. Hypothek mit 89 200 RM. aus Pfandbriefbasis, 2. Hypothek von etwa 30 000 RM. aus den Mitteln anderer Stiftungen, 70 000 RM. Hauszinssteuerdarlehen. Bauplatz im Werte von 23 000 RM. und weitere Baukosten von 27 000 RM. sowie 12 000 RM. Kosten für größere Wohnlichkeit, die nach den Hauszinssteuerbedingungen nicht erlaubt sind, insgesamt also 62 000 RM., gibt die Östreicher-Stiftung. Dadurch, daß die Stiftung auf Verzinsung verzichtet, ist eine erhebliche Senkung der Miete möglich., Bedenklich sei allerdings, daß Reg.-Baum. Ehrlich nur 2000 RM. für die jährliche Unterhaltung eingesetzt habe^ Etwaige Mehrkosten müsse auch noch die Stiftung tragen. Eine unvorhergesehene Schwierigkeit sei eingetreten durch die Beleihungssperre infolge der augenblicklichen Lage auf dem Hypothekenmarkt. Deshalb habe der Bauauqfchuß beschlossen, mit dem Bau nicht eher zu beginnen, bis die Finanzierung unbedingt gesichert sei. Wolfs (M. P.) bezweifelt, daß die nach, der Satzung vor geschriebene Senkung der Miete um 20H eingehalte» werden könne. , Seine Bedenken seien durch die Ausschuhoerhandlungen und den heutigen Bericht nicht zerstreut worden. Es fei zweifelhaft, wie lange die Gemeinde Zuschüsse zu dem Unternehmen geben könne. Seine Bedenke» gegen den Bau stelle er nur mit Rücksicht auf die große Arbeitsnot und die große Wohnungsnot zurück. Der Vorsitzende Peiser hält die Fassung der Satzung zwar Nicht für glücklich, aber sie sei nach den Angaben der.Sachverständigen durchaus gewahrt. H a d d a (W. P.) hält es bei dtn schwankenden Preisen auf dem Wohnungsmarkt für schwierig, den Normalpreis festzustellen, aber die größere Wohnlichkeit, insbesondere die Balkone und Vadeeinrichtungen, seien so wesentliche Verbesserungen gegenüber anderen Siedlungsbauten, daß das bei der Miete berücksichtigt werden müsse. Verwaltungsdirektor R e ch n i tz rechnet vor. daß bei den Gesamtkosten von 226 000 RM. die Stiftung 62 000 RM., also mehr als 25%, zinslos gebe. Dadurch seien die Mieten an sich um 25% niedriger als bei den Selbstkosten jedes privaten Unternehmens. Die von Herrn Hadda geäußerten Bedenken über Mietsausfälle teile er nicht. Bei Bedürftigen müßte das Jüd. Wohlfahrtsamt Mietsbeihilfen geben. Diese würden aber noch geringer sein als die jetzt zu zahlenden Mietsbeihilfen. Jacobsohn (V. P.) wünscht eine Garantie gegesi die leider nur zu häufige Ueberschreitung der Baukosten. Der Bau sollte zu einem bestimmten Betrage einem Unternehmer übergeben werden. Die Bedenken von Wolfs würden dadurch aufgehoben, daß die 1. Hypothek' in 20 Jahren getilgt werde, die Stiftung daher um etwa 3000 RM. jährlichen Tilgungsbetrag reicher werde. Hadda als Architekt zerstreut die Bedenken von Jacobsohn dadurch, daß bei Neubauten die Kosten genauer berechnet werden könnten als bei Umbauten. Michaelis (lib.) empfiehlt Ausschreibung auf einen möglichst weiten Kreis, damit Verabredungen verhindert würden. Nach einem Schlußwort von Horn wird hierauf das Bauvorhaben und die oorgeschlagene Finanzierung genehmigt. Der Vorsitzende verliest hierauf ein Schreiben der Schlesischen Ausstellungsgemeinschast zur Unterstützung der ausstellenden jüd. Künstler durch Ankauf von Kunstwerken. Zum Schluß widmet der Vorsitzende der verstorbenen Frau Rabbiner Eschelbacher, Berlin, der ausgezeichneten Führerin in ollen sozialen Bestrebungen der jüd. Frauen, einen warm empfundenen Richruf, den die Anwesenden stehend anhören. Den 80. Geburtstag feiert am 7. August 1031 Herr Isidor Lewy, Augustastraße 81f—