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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1931-07-01 · 7 (7.1931) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
8 (1931)
Issue
7 (7.1931)
Date
1931-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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98 flti Breslauer jüdisches Gemeindeblatt Nr. Apgmunt Menkes und fein ^horabilü Untenstehende Abbildang vermittelt nur einen schwachen Eindruck von dem Thoraüild des jüdischen Malers Zygmunt Menkes-Paris, das in der Ausstellung in Berlin das größte Aufsehen in sachverständigen Kreisen erregt hat. Zunächst ein paar Notizen über den jetzt 35 Jahre alten Künstler. Er stammt aus Lemberg, besuchte zunächst die dortige Kunstschule, während er seinen Lebensunterhalt kümmerlich als Anstreicher erwarb, ging dann an die Krakauer Akademie, und lebt nach kurzem Kunstftudium in Berlin, seit 1923 in Paris und gilt als zukünftige Trohe am Kunsthimmel. Das Thorabild stellt die Hagbahah (Emporheben der Thora) vor per K'lilah (Einwickeln) dar. Die fromme Beierschar stürzt sich in \ > ■* Copyrigth jby Franz Hanfstaengl, Mönchen Erschienener Unterzeichneten Beitrittserklärungen, weitere waren schpn vorher abgegeben. Jede Auskunft erteilen die eingangs genannten Mitglieder des Vorbereitungsausschusses. i R. •i Pietätlose Kritit Verzückung zunt Abschied aus dii heilige Schrift. bevor sie i der heiligen Lade verwahrt wird, Hüe verschiedenen Empreligiöser wieder in sindungen und Hoffnungen der gläubigen Juden spiegeln die Gesichter wider eigenartig in ihrer' Maskenhaftigkeit, die das '.Körperlich-Individuelle hinter das Geistige ,urücktreten läßt. Das eindrucksvollste ist aber die eigenartige Farbgebung, die hier nicht wiedergegeben werden kann. Es ist ein besonderer Verdienst des bekannten Kunstverlages Franz Hanfstaengl in München, dieses Thorabild, einen naturgetreuen farbigen Druck in Größe 100 mal 7fi Zentimeter zum wohlfeilen Preise von -10 Mark einem größeren Publikumskreise! zugänglich zu machen. Gründung -er Jüdischen Genossenschaftsbank in Breslau Am 20. Juni hat der vorbereitende Ausschuß, bestehend aus Handelsgerichtsrat Max Gins, Rechtsanwalt Lux und Justizrat Peiser, eine Gründungsoersammlung einberusen. In dieser sprach zunächst J.-R. Peiser über die Notwendigkeit einer solchen Bank. Er sieht sie hauptsächlich darin, daß die Rot des Jüdischen Mittelstandes eine Kreditnot sei, die durch die Banken nicht befriedigt werden könne, weil diese Kredite in dem hier in Frage kommenden Betrage bis höchstens 5000 Mk. nicht mehr geben. Darauf berichtete Dr. SilbertfBerlin, Geschäftsführer der neugegriindeten (Gesellschaft zur Förderung des Genossenschaftsgedankens unter den Juden in Deutschland, üiber das Arbeiten und Wirken der beiden Berliner jüdischen Genossenschaftsbanken ,;Dolksbank Jwria" und „Jüd. Kreditverein", die demnächst verschmolzen werden. Der Referent betonte, daß die Banken auf rein geschäfsmähiger Grundlage, nicht nach philantropischen Gesichtspunkten, arbeiten. Der Zinsfuß von etwa 10% sei allerdings nicht niedrig, spiele aber keine große Rolle gegenüber der Tatsache, daß die .Kreditsuchenden anderwärts überhaupt kein Gew erhalten. Auf eine 'Senkung arbeiten Landesverband, Zentralwohlfahrtsstelle und Gemeinde durch Zinszuschüsse hin. Gegenüber dem bürokratischen Betriebe der Banken käme das Vertrauen zur Person wieder zur Geltung. Die Unkosten seien geringer als bei den Großbanken, weil die 'Arbeit größtenteils ehrenamtlich geleistet werde. ° An der daran anschließenden Aussprache beteiligten sich eine große Anzahl Erschienener. Auf ihre zahlreichen Fragen und Bedenken erwiderten Dr. Silben und J.-R. Peiser. In 12. Stunde wurde schließlich die Gründung der „Volksbank Silesia", eingetr. Gen. m. b. H. beschlossen, und der Genossenschaftsanteil auf 200 Mart, zahlbar in vier Vierteljahrsraten, und die Haftstnngne auf 200 Mark festgesetzt. Eine Anzahl Es wird allgemein behauptet, daß eine „gesunde" Kritik notwendig und sogar von Nutzen ist. Diese Auffassung ist berechtigt und verdien, respektiert zu werden. Unsere heutige Jugend macht hiervor ausgiebigsten Gebrauch, und sie wird in dieser Beziehung von Eltern und Erziehern mehr oder minder unterstützt. Wir leben aber im Zeichen des Radikalismus, und so kann es kein Wunder nehmen, daß diese Einstellung oft Formen annimmt, die mit einer Kritik nichts mehr, zu tün haben. Es entgeht den meisten, daß jeder Sache, so auch der Kritik, Grenzen gezogen sind. Vor allem müßte jeder, der eine Kritik zu üben sich anmaßt, eine solche an sich selber üben und sich die Frage vvrlegen, ob er selbst etwas besseres zu leisten in der Lage iväre. i Es gibt aber auch Dinge im Leben, vor denen die Kritik Halt machen muß und hierzu ist es notwendig, daß die Aelteren der Jugend mit gutem Beispiel vorangehen, damit nicht später einmal eine zügellose Kritik ihnen selbst verhängnisvoll werden und Gegensätze schaffen könnte, die das früher soviel gerühmte jüdische Familienleben und de» Glauben an die jüdische Religion vernichten müßte. Wenn man die Gläubigen anderer Religionsgemeinschaften von ihrem Pastor oder Pfarrer sprechen hört, so ist meist Begeisterung und Verehrung für ihre geistlichen Führer festzustellen. Sie danken ihnen bis in ihr hohes Alter für all das, was sie von ihnen gelernt haben und gedenken mit einer gewissen Rührung der Zeit, wo sie an dem Konfirmandenunterricht teilgenommen hatten. — Wenn sie die Kirche am Sonntag oder Feiertag verlassen, schwärmen sie von der schönen Rede, die ihnen der Geistliche gehalten usw. Wie sieht es aber bei uns Juden aus? — Hier muß man erst tief Atem schöpfen, um die Erregung niederzukämpsen, die sich jedes objektiv denkenden Menschen bemächtigt, wenn er hierüber nachdenkt! Es ist oft sehr beschämend, menn nian am Sabbath oder einem anderen Feiertage beim Verlassen des Tempels hört, wie Leute, die auf keinem besonders hohen geistigen Niveau stehen, oder sogar selbst Kinder, die Rede ihres Rabbiners zu kritisieren wagen! - Liegt es daran, daß sie die Rede nicht verstanden haben, oder liegtes dn der Gewohnheit, auf jeden Fall Kritik üben zu müssen? — Die Beantwortung dieser Fragen kann offen gelassen werden. Eine viel wichtigere Frage ist die, wie dieser ilntugend zu be gegnen ist? ' Vor allen Dingen müßten die Eltern und Erzieher sich mindestens den Zwang auserlegen, daß sie unbedingt vermeiden, vor Kindern über den Religionslehrer oder den Rabbiner ein abfälliges Urteil auszu sprechen, oder den Religionsunterricht als nebensächlich zu behandeln Nur wenn die Achtung vor dem Lehrer und dem Rabbiner ge> ivahrt bleibt, können die von ihnen ausgehenden Lehren in den Herzen der Kinder Wurzel fassen, und nur dann wird unsere heilige Lehre bis .. G. ' - ' *.~ in die spätesten Geschlechter fortleben. Richard Mai). Familienangehörige Berufslose Selbständige Daß die Juden in geringerem Grade Erwerbstätige stellen, als die Gesamtbeoölkerung, ist allein auf die jüdische Altersgliederung zurückzuführen Wer beispielsweise über 60 Jahre alt ist. kann im allgemeinen nicht mehr als vollerwerbstätig angesehen werden, und bereits von der Altersgruppe 40 und höher übertreffen, wie wir gesehen haben, die Juden bedeutend die Gesamtbeoölkerung. Das obige Bild wird verdeutlicht ergänzt durch die soziale Gliederung der Bevölkerung. , Der Anteil der Selbständigen ist bei den Juden außerordentlich hoch. Bei den jüdischen Männern erreicht er mehr als die Hälfte. Die meisten Selbständigen zählt der Waren- und Produktenhandel mit 2366. ' In diesem Erwerbszweig finden sich auch die meisten jüdischen Angestellten (1644). In der Vermittlung, Verwaltung und Beratung betätigten sich 703 Juden als Selbständige und 60 als Angestellte. In der Schneiderei und Kleiderberstellung 307 und 317. In der öffentlichen Verwaltung wirkten 34 Jkchen in höheren Stellen und 74 als Angestellte oder mittlere Beamte. , In der Zeit von 1925 bis 1930 ist eine bedeutsame wirtschaftliche Umschichtung einaetreten. Zahlreiche jüdische Existenzen sind zugrunde gegangen, viele früher Selbständige sind jetzt Angestellte. Eine neue Berufszählung wird daher ein von der des Jahres 1925 stark abweichen des 1 Gepräge aufweisen. § die jüdische Bevölkerung Breslaus ' Von Herbert Philippsthal, Berlin. (Sebluß) Zum Schluß wollen wir uns mit dem Beruf und der sozialen Stellung der Breslauer jüdischen Bevölkerung beschäftigen. Den Umfang der Erwerbstätigkeit in Breslau beleuchtet folgende Tabelle: j Gesamtbevölkerung Juden , überhaupt v. H. überhaupt o. 0 276477 40,7 10 519 45,3 83 312 14,9 3 879 16,8 128 064 23,1 5 428 23.3 68 386 12,3 3 414 14.6' 557 139 100,0 23 240 100,0

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