Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 7 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3970005-7569524-7569687--1501-3971406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
96 Bctflaaet Jüdisches Gemeladeblalk Nr. 7 sich wegen dieser qualifizierten Kräfte mit uns in Verbindung zu fetzen. f i < Gelegenheitsarbeiter bei Umzügen, Großreinemachen, Reparaturen etc. können bei rechtzeitiger Anforderung in zuverlässiger Weise vermittelt werden. - UnsereSchreibstube fertigt Schreibarbeiten, Vervielfältigungen etc. zu ortsüblichen Preisen schnellstens und bestens an. * Weißnähen können weibliche Arbeitslose in einem von dem Jüdischen Wohlfahrtsamt eingerichteten Kursus erlernen. Meldungen in unserer Sprechstunde. Arbeitsnachweis jüdischer Organisationen Schlesiens. Breslau II, Schweidnitzer Stadtgraben 28. Telephon: 268 63. Postscheckkonto 26309. , Gemeinüeverlreter-Sihung am Z. 2uni 1931. Bericht von Dr. Rechnitz. Zunächst wird in der Beratung der Einzeletats fortgefahren, die in der letzten Sitzung nicht zu Ende geführt worden ist. Ueber den Etat der Zweiggottesdienste berichtet Herr Silbermann (W.-P). Er hebt di« großen abftridje1 hervor, insbesondere bei den Vergütungen für die Borbeter, und die Mindereinnahme bei den Platzmieten, bezweifelt aber, ob eine Ersparnis von RM. 11000 gegenüber dem Vorjahre durchführbar sein wird. Herr Sander gibt namens des Vorslandes die gewünschten Auskünfte. Die Ersparnisse werden durch den Fortfall der Jugendgottesdienste und durch Ermäßigung der Saalmieten erzielt werden mühen. Diej Mindereinnahme an Platzmieten erkläre sich durch die Herabsetzung der Preise. Der Etat wird hierauf angenommen. Beim Etat des Beftaftungswesens und der Grabpflege bedauert der B. E. Korn (lib.), daß im Gegensatz zu den Vorjahren diesmal nur ein ganz geringer Ueberfchuß ausgewiesen wird, was aus der wirtschaftlichen Lage zu erklären sei. Insbesondere seien die Beträge für Ausbesserungen und Anschaffungen äußerst beschränkt. H o s f m a n n vom Dörstande gibt auf «ine Anfrage von N o t h m a n n (B.-P.) an, daß die auf den Friedhöfen Lohestraße und Cosel angestellten Erwerbslosen sich große Mühe geben und sich int allgemeinen bewähren. Herr Kober (kons.,- wünscht die Schließung der Friedhöfe an den Sonnabenden. Herr Korn bittet, an der bisherigen Uebung nichts zu ändern, schon mit Rücksicht auf das Wahlkompromiß. Der Vorsitzende des Vorstandes. Goldfeld, betont, daß das Offenhalten mit Rücksicht auf die Fremden seinerzeit ungeordnet worden sei, die häufig zu v Barmizwahs von weit Herkommen und dann den Friedhof besuchen wollen. N o l h m a n n >V.-P.) hält das Bedürfnis für gering. Die wenigen auswärtigen Besucher müßten sich nach dem Din des Ortes richten. Spitz (lib.) entgegnet, für die Befürworter sei es eine religiöse Angelegenheit. Die Ruhe des Friedhofes werde durch die Besucher nicht gestört. Jacobsohn!V.-P.) beantragt Vertagung, da sich nicht übersehen lasie, ob der Antrag gegen das Kompromiß verstoße. Der Vertagungsantrag wird mit großer Mehrheit angenommen und darauf auch unverändert der Etat, Bei der Allgemeinen Verwaltung teilt der Vorsitzende der Etatskommisiion Smoschewer (lib.) den Vorschlag der Kommission mit. RM. 500 für den Schwimmoerein und RM. 600 für unvorhergesehene Beihilfen einzustellen, letzteres zwecks Bewilligung von Beihilfen an die im vorigen Jahre unterstützten Vereine, wobei für alle Jugenüoereine 25 Prozent für dar Jugendheim einbehalten werden sollen. Namens des Vorstandes bittet Herr Goldfeld vor der Bewilligung Mittel zurj Deckung zu zeigen. Die Vereinsmeierei machten wir leider anderen nach. Hiergegen wendet sich Gins (lib.) mit dem Hinweis, der^ Vorstand habe noch nicht für die Deckung des Fehlbetrages von RM. 150000 gesorgt, da käme es auf die Deckung von weiteren RM. 1100 nicht an. Jarobsohn (V.-P.) wendet sich gegen den Vorwurf der Vereinsmeierei. Durch Zusammenschluß würden die Kosten der Jugendoereine nicht verringert. Die Jugend sei das wichtigste für die Gemeinde. Die fraglichen Vereine seien nur zufällig im Etat nicht namentlich aufgeführl. Hoffmann vom Vorstand bemerkt zur Deckung des Fehlbetrages: Oer Gemeindevertretung stehe es frei, schon jetzt das fünfte Steuerquarlal zu beschließen. Gerade Herr Gins fei es gewesen, der den Steueroorschlägen des Vorstandes im vorigen und vorvorigen Jahr eMgegengetreten und dadurch die Aufzehrung des Betriebsfonds verursacht habe. Rach weiteren Ausführungen der Herren G o l d st « i n (Oftz.) und Spitz (lib.) werden die Vorschläge der Etatskommission angenommen. Darauf berichtet Gins (lib.) über di« Allgemein« Verwaltung. Die Ausgaben seien hier größtenteils zwangsläufig, soweit es sich um Gehälter und Pensionen handle. Dennoch sei erheblich gespart worden, insbesondere durch den Gehaltsabbau. Weitere Ersparnisie müßten aber durch den Sparausschuh angestrebt werden. Jacobsohn wendet sich gegen die Subvention des C.-V. als einer politischen Organisation. Er sei zwar führend in der Abwehr gegen den Antisemitismus, führe aber gleichzeitig einen Kampf gegen den Zionismus, wie insbesondere der Wahlkampf in Berlin gezeigt habe. Deshalb fei eine Beihilfe aus Steuermitteln unzulässig, da die Steuern auch von Zionisten ausgebracht würden. Einem Abwehrverein würden wir Mittel bewilligen, selbst wenn wir die Methoden nicht für richtig hielten, das hätten die Zionisten mit ihrer Mitarbeit im Reichstagswahlkommitee bewiesen. Der Preuh. Landesverband Hab« inzwischen beschlossen, die Abwehr selbst in die Hand zu nehmen. Er erwarte von dem Gerechtigkeitsgefühl der Versammlung, endlich die Subvention für den C.-V. zu streichen. Wolfs (M.-P.) stellt im Einverständnis mit G l u s k i n o s (kons.) einen Antrag dahin, daß die Beihilfe unter der Voraussetzung gewährt werde, daß den Juden aller > Richtungen künftig die Mitarbeit ermöglicht werde. Es falle Nichtliberalen schwer für den C.-V. einzutretcn. Das Flugblatt des C.-V. :m letzten Berliner Wahlkampf enthalte die Aufforderung, für die liberale Lifte zu stimmen. Im Zusammenhang sei gesagt, daß die anderen Parteien nicht zur Gesinnungsgemeinschaft der deutschen Juden gehören. Ihm sei natürlich der Einwand bekannt, daß nicht alle Führer des C.-V. auf liberalem Boden ständen. Aber dann müßten diese solche Flugblätter verhindern. Wolsf verliest den Wortlaut des Flugblattes. (Zuruf: Unterschriften). Das Flugblatt sei allerdings nicht vom C.-V. herausgegeben, aber doch von prominenten Mitgliedern in dieser Eigenschaft unterzeichnet. Damit sei die Neutralität des C.-V. verletzt. Sein Antrag bezwecke hier Abhilfe zu schaffen. T a r n o w s k i (lib.) vergleicht Jacoblohn mit Cato. Den Antrag Wolfs könne er wörtlich unterschreiben. Bekanntlich seien auch Zionisten Mitglieder des C.-V. und erst recht Mittelparteiler und Konservative an leitender Stelle. Das Flugblatt spreche nicht gegen die Neutralität des C.-V. Allerdings wäre besser die Bezeichnung der Unterzeichner als Hauptvorstandsmitglieder des C.-B. fortgeblieben. Das Flugblatt sei aber von der liberalen Partei in Berlin ohne Wissen des C.-V. so gedruckt worden. Was hätte der C.-B. nachträglich tun sollen? In der Jetztzeit seien seine Aufgaben wichtiger denn je. Davon hätten sich auch die Zionisten überzeugt. Der C.-B. mache keinen Unterschied bei der Abwehr zwischen den Juden der verschiedenen Parteien. Weltanschaulich bestehen natürlich diese Unterschiede, sie seien aber von nebensächlicher Bedeutung, namentlich jetzt, wo das ganze Judentum zur Abwehr zusammenstehen müßte. Schlesinger (kons.) wendet sich gegen die Behauptung Jacobsohns, daß der C.-V. sich zur Aufgabe gemacht habe, den Zionismus zu bekämpfen. Er fetzt sich ferner ein für die Erhöhung der Beihilfe des Vereins „Synagoge zum Tempel". Spitz (lib.) bittet, im Antrag Wolff lediglich das Wort ,,künftig" zu streichen. Jacobsohn wendet sich gegen den Vorwurf, die Zionisten fielen dem C.-V. in den Rücken. Das Gegenteil sei der Fall, wenn der C.-V. sie als schlechtere Deutsche hinftelle. Die Resolution auf Ablehnung der Zionisten sei bis- I her vom C.-B. nicht ausgehoben. Sie seien also ausgeschlossen, obwohl sie bei der letzten Reichstagswahl mit Ueberwindung aller Gegensätze gezeigt haben, daß sie ernstlich und verantwortlich Mitarbeiten wollen. Sie wünschten nichts weiter, als daß die Propaganda gegen den Zionismus aufhöre. F ö r d e r (M.-P.) bedauert, daß Himer dem Kampf gegen die Judenhasser nicht die gesamte deutsche Judenheit stehe. Die Abwehrarbeit, die der Preuß. Landesverband leisten soll, könne nicht von Berlin aus geleitet werden. Hierzu sei der C.-V. und seine Ortsgruppen nötig. Er könne andererseits dem Kollegen Jacobsohn nachfühlen, daß er gegen das Flugblatt austrete und deshalb Geld für den C.-V. nicht bewilligen wolle. Wir wollen eine Aenderung in der Taktjk des C.-B., deshalb soll man ihm aber nicht die notwendigen Mittel für seine Arbeit verweigern. Kalisch (lib.) entgegnet persönlich, daß der C.-V. alle Zionisten gern aufnehme, die sich weltanschaulich auf seinen Loden stellen. Wer sich aber in Deutschland fremd fühle — und solche I Zionisten gebe es — der könnte im C.-V. nicht Mitarbeiten, denn er! teile den Standpunkt der Antisemiten, die wir bekämpfen. Der Antrag! auf Streichung der Beihilfe wird abgelehnt. Darauf wird unter An-! nähme des Antrages auf Streichung des Wortes „künftig" die Resolution j Wolff angenommen. Der Etat der Allgemeinen Verwaltung und der > Haushaltsplan im ganzen wird hierauf angenommen. Di« Johanna-Wendriner-Stiftung zur Pflege dreier Gräber wird! auf den Bericht von Herrn Wolff ohne Aussprache angenommen.! Ueber den Antrag des Vorstandes, im letzten Teil der Kastanienallee im alten Teil des Friedhofes Loheftraße eine neue Mittelreihe anzulegen, berichtet Spitz (lib.), dev Plan habe Beunruhigung erregt bei '1 denen, die Angehörige an der großen Allee liegen hätten. Die Anlage werde sicherlich schön aussehen. Die wenigen Kastanien, die dem Frost nicht zum Opfer gefallen seien, würden ohnehin auf die Dauer nicht zu halten sein. Allerdings werde die Breite der Allee, die jetzt etwa 6 Meter beträgt, dann nur noch 2,10 Meter betragen. Sofern rechtliche Bedenken nicht beständen, empfehle er Annahme. Namens des Vorstandes gibt Goldfeld eine Darstellung der Rechtslage. Rechts feien überhaupt keine Randgräber und links würden sie den Charakter als Randgräber behalten, da der Weg 2,12 Meter breit bleibe. Ueber die Breite seien Zusicherungen nicht gemacht worden. Jacobsohn bemängelt, daß die Unternehmer sich zur Einstellung nur eines jüdischen Arbeitnehmers verpflichten sollen. Der Verwaltungsdirektor antwortet, daß die Anzahl erst bei der Uebergabe der Arbeiten näher normiert