Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 7 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3970005-7569524-7569687--1500-3971405- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1 Breslauer Jüdisches Gemeindebla Amtliches Blatt der Synagogengemeinde zu Breslau iSchrifilettung: VnwaNung-btrrktor 0r. Nechnltz, Breslau, Mallstraße 9 I Druck und Anzeigen-Annahme: Druckerei Th. «chatztz, MiengeseNschaft, Verlag: Büro der «gnagogengemeinde. Breslau. WaNstr.» / Tel.2l«ii/12 I Breslau 5, Neue Sraupenstrahe "3tx.ll Fernsprecher 244M a. 244ÖQ 3tni«ig*nt>rrt*: Sk 6 Otft). SRimmMt-Sdle obtt tma 2»>mm 14 Bffl; — 2M ImifmAtn aiutlragm Rabatt : — ..— ....- — im.minimii—■ | Für die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Ariilel und die DrreinSnachrichien übernehmen wir nur die preffegefehiiche DerontwoeiunG s. Lahrg. Juli 1931 mm Jtr. 7 Der Monat Aw Als wir ihn oerküstdet haben, stellte der Prophet Ieremia die Frage: 12^ .l'.l Vrt2 sin Vr'cs Snir 127.1 „Ist Israel ein Knecht oder! ein hausgeborener Sklave? Warum ist es zur Beute geworden?" Die erschütternde Tatsache, daß diese Frage noch bis zur Stunde von jedem von uns mit Berechtigung gestellt werden kann, veranlaßt auch unsere Generation, die Trauer, die vor zweieinhalb Jahrtausenden ihren Anfang genommen hat, jn uneingeschränkter Weise auch zur unseren zu machen. Denn in Zeiten, in denen man Tag für Tag Juden und Judentum in Wort und Schrift und Geste beleidigen darf, in denen die Verächtlichmachung des toten Juden nicht minder zur Heldentat geworden ist, wie die des lebendigen, da studierende Jünglinge an deutschen Universitäten eine Vorbereitung für ihren Beriuf darin« erblicken, eine grundlose Hetze gegen jüdische Kommilitonen ins Werk zu setzen und sie durch das Wort und nicht Minder durch die Tat gröblichst zu beleidigen, da ist die Stimmung des Monats Aw angebracht und die Frage Jeremias berechtigt: >,Jst Israel ein Knecht usw?" Aber an demselben Sabbath schloß der Prophet Ieremia seine Berkündigung mit den Worten: i^nrv '21 m: I2.i2“2nm „Es kommt die Zei^, da die Völker durch Gott sich segnen und in ihm sich rühmen werden." Das ist der jüdische Optimismus, der im Gkjist und im Gefühl noch immer Trauer in Freude hat umwandeln können, der nie die Hoffnung verloren und niemals an -er Kraft seines Gottes und an seinem Willen zu helfen gezweifelt hat. Und dieser Optimismus hat nur die erste Hälfte -es Monats Aw der so berechtigten Trauer überlassen, die zweite war schon wieder der bescheidenen Freude am Leben und an der Religion gewidmet. Nach der Ueberlieferung war derj 15. Aw 2S2 iv7 nren zurzeit des zweiten Tempels ein großes Dolksfest. Im Talmud werden dafür mannigfache Gründe angegeben. So habe am 15. Aw das Aussterben des Wüstengeschlechtes sein Ende gefunden, und auch das Aussterben des Stammes Benjamin sei verhindert worden. Am 15. Aw habe Hosest, der letzte König des Reiches Israel, das Verbot der Wallfahrt nach Jerusalem aufgehoben. Auch der Gedanke wird ausgesbrochen, daß der 15. Aw als Tag der Sommersonnenwende gefeiert worden sei, und deshalb seien an ihm die Töchter Jerusalems, weih gekleidet, in die Weinberge gegangen, dort Reigentänze aufzuführen und ihrer Freude in jugendlicher! Weise Ausdruck zu geben (Talmud, Traktat Taanith). Es wird unserem Geschlecht wahrlich schwer gemacht, mit Optimismüs in die Welt hineinzublicken, aber wir dürfen doch glauben, daß der Friedensgedanke so wenig wie der der Abrüstung jemals wieder aus den Diskussionen der Böller verschwinden werde, und daß vor allen Dingen das Bewußtsein. „nicht mitzuhassen, sondern mitzulieben sind wir da", sich doch allmählich bei bier Menschheit Bahn brechen muh. Aber wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen, nicht schmollend zur Seite stehen und nicht auf ein Wunder warten wollen, sondern müssen von dest Rechten des Staatsbürgers, die wir in gleicher Weise mit allen teilen, ausgiebigen Gebrauch machen und lehrend und aufklärend durch Haus und Familie und jeden einzelnen mitten unter die anderen treten, ihnen zu zeigen, daß nicht nur der Einzelne und nicht nur gerade dieser nur Gutewill, sondern daß er nur einer von Vielen ist, und als einer für alle spricht und handelt. Das kann jeder Kaufmann inmitten keiner nichtjüdischen Kundschaft, das vermag der Arzt so gut wie der Anwalt, das vermögen vor allen Dingen, und darauf ist größtes Gewicht zu legen, unsere Kinder im Kreise | ihrer Altersgenossen. Die.Jugend zu gewinnen, sie durch unseren menschenfreundlichen und friedlichen Geist zu beeinflusten, muß allerdings unser höchstes Streben sein. So sin! wir bereit, im Monat Aw an der auch in unserer Zeit berechtigten jüdischen Trauer teilzunehmen, wir wollen aber auch teil »aben an dem prophetischen Optimismus i^nnici c"3 '2 '2'‘2nni „Es kommt die Zeit, da die Dölker durch Gott sich segnen und in ihm sich rühmen werden." Rabbiner Dr. S äjn g e r. lüöifche Arbeiter Unter den zahlreichen jüdischen Arbeitern ist die Erwerbslosigkeit besonders groß. Ihre Arbeitsunterbringung gehört zu unseren vornehmsten Aufgaben! Wir bitten dringen^, bei Einstellung von gelernten und ungelernten Arbeitern jüdische Arbeiter in Konkurrenz treten zu lassen. Auf telephonischen Anruf (268 63) sind wir gern bereit, geeignete Arbeitskräfte zu stellen. - - Jüdische A n g e st e l l t e. Die Not der stellungslosen Angestelltenist außerordentlich groß, speziell ältere Angestellte können von den öffentlichen Arbeitsämtern nur noch in geringem Umfange vermittelt werden. Um wieviel trostloser ist die Lage der stellungslosen jüdischen Angestellten! Zahlreiche Einzelfirmen, ja sogar ganze Branchen stellen überhaupt keine oder nur vereinzelt jüdische Arbeits nehmer ein. Die Not dieser Kreise kann gemildert werden, wenn jüdische Arbeitgeber sich nicht'dem Boykott jüdisch« r Angestellter anschließen, sondern bei Besetzung frei wer!>ender Stellen auch jüdische Angestellte in die engere Wahl ziehen würden. Wir richten daher den dringenden Appell an alle jüdischen Arbeitgeber, bei jeder Vakanz auch den jü!nschen Arbeitsnachweis anzuläuten, damit auch jüdische Arbeitskräfte zur Borstellung veranlaßt werden. Anwalts st enotypi st innen können wir nach Beendigung einer'Spezialausbildung für das Anwaltsfach vermitteln. Wir ersuchen die Herren Anwälte,. Redaktionsschluß für die August-Nummer am 9.' August, für die September-Nummer am 1. September (diese Nummer erscheint noch vor den hohen Feiertagen). 'Die Schristlei ung.