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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1931-06-01 · 6 (6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
8 (1931)
Issue
6 (6.1931)
Date
1931-06-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblakk Nr. ö 82, vermißt bei der Lratsvoclage ein Programm des Vorstandes, in dem dieser Stellung nimmt zu den brennendsten Problemen wie z. B. zu dein neu entstandenen jüdischen Proletariat, zur jüdischen Iugendfrage, zur Bevöskerungspolitik der Juden und zur Fühlungnahme init den zugezogenen Gemeindemitgliedern aus den abgetretenen Gebieten, Zur letzteren lange das Gsmeindeblatt nicht aus, das übrigens Vorgänge und Bestrebungen des Gesamtjudentunis nicht briirge. Auch die Jugend inüsse enger an die Gemeinde gefesselt werden. Das Jugendheim genüge hierzu nicht, wenn er, auch anerkenne, daß dies die hervorragendste Leistung der Breslauer Gemeinde seit vielen Jahren sei. Nur müsse der Apparat verkleinert und die Leistung vergrößert werden. Die Sparkommission müsse sofort ihre Arbeit beginnen und ununterbrochen während des ganzen Etatsjahres tätig sein. Nicht bedingungslos einverstanden fei feine Partei mit dem Abstrich der 30000.— RM. beim Wohlfahrtsetat, obgleich damit sich der Fehlbetrag auf ISO 000.— NM. erhöhe. Ec schlage vor, daß der gesamte Vorstand sich in den persönlichen Dienst einer großen Notstandsaktion stelle. R.-A.'Dc. Wolff will sich mit den Programmpunkten heut nur auseinandersetzen, soweit sie zu praktischen Ergebnissen führen könnten. Er inüsse sich eingehend mir den Zahlen beschäftigen, so langweilig dies fei. Eine kundige Instanz schätze den Steuerrückgang nicht auf 15%, sondern auf 31%. Da damit auch der Ertrag eines einzelnen Steuerprozentcs der Kultussteper finke, wäre nach seiner Rechnung zur vollständigen Deckung des Fehlbetrages eine Kultussteuer von 20,3% erforderlich. Das 5. Steuer* quartal bringe nur 14 000.—RM., sei also hierfür unzureichend. Es widerstrebe ihm einen Etat mit ungedecktem Fehlbetrag anzunehmen in der Hoffnung später eine Deckung zu finden. Er bedaure, daß der Vorstand so wenig über die Deckung sage und schlage vor, für diese Frage eine sechsgliedrige. Kommission einzusetzen, damit die Gemeinde vor einem Zusammenbruch bewahrt werde. Herr Gins' erachtet zwar den Haushalt für äußerst eingeschränkt, doch könne man nicht sagen, daß die Gemeinde nichts leiste. Sie könnte sich mit ihren Leistungen noch sehr gut sehen lassen, z. Bl mit den 50 000.— RM., die für die Iugendfürso'ge aurqewendet werden. Natürlich könnten bei den fehlenden Mitteln nicht alle Wünsche erfüllt werden, so sehr dies auch zu bedauern sei.- Da wir den Steuersatz nicht erhöhen wollen, so müssen auch bciim Wohlfahrtsamt Abstriche gemacht werden. Die Aufwendung von über 232 000.— ,RM. für Fürsorge sei immer noch recht erheblich.. Die allgemeinen Ausgaben mühten noch weiter eingeschränkt werden, wenn er auch zugeben müsse, daß hierin schon vieles geleistet worden sei. Die Öffentlichkeit müßte besser über die Leistungen der Gemeinde aufgeklärt iverdcn, Wichtiger als Unterstützung fei die .Aufrechterhaltung der Eristenz. . Ob allerdings die 30 000.— RM. für die produktive'Fürsorge richtig .verwendet würden, darüber könne man verschiedener Ansicht sein. Der Vorstand »verde rechtzeitig dafür sorgen müssen, daß wir nicht von einer Leere in der . Kaise überrascht werden. ' •» [ R.-A. Spitz begrüßt die Forderung nach Programmen. Sie seien in Mißkredit gekonunen, weil sie meist auf dem Päpier stehen. Wir müßten uns aber mehr den Tatsachen widmen. Zur Erfassung der Jugend hat der Jugend Pflegeausschuß bereits beschlossen, eine Kartothek der Jugendlichen aufzustellen. Der Kritik am Gemrindeblart müsse er zustimmen. Das Blatt könnte ein starkes Bindemittel sein. Es sei nicht zweckmäßig, dem überlaneten Derwaltu)chsdirektor die Leitung anzuoertcauen, ohne ihm eine auvccicbende Redaktions-Kommission zur Seite zu stellen. Von der Notstcmdsaktion verspreche er sieb nicht viel, da die frühere Aktion statt 300 000.— 9JJ71. nur knapp 5 000.— RM. znfammengebracht habe. - Man könnte und müßte aber 1000 Gemeindemitglieder finden, di« wöchentlich mindestens 0.50 RM. für Wohlfahrtszwecke geben. Dies würde der Not ausreichend steuern. Mit der produktiven Fürsorge hängt zuiammen die Wirtschaftsbelatung, die von unserer jüngsten Partei mit frischer Kraft gefördert worden seil Die Verwendung der Mittel dürfe man nicht allein nach fürsorgerischen Grundsätzen beurteilen, sondern vielmehr nach kaufmännischen. Hierin müßte manches' geändert werden. Die Zahlen von Herrn R.-A. Wolff Häjken ein erschreckendes Bild gegeben. Er glaube aber nicht, daß eine; Kommission die Schwierigkeiten beheben würde. - Dr. S ch! e s i n g e r verlangt von dem Etat, daß Einnahme und; Ausgabe sich decken. Wir müßten daher den Mut haben, die Steuern so zu! erhöhen, daß Deckung geschaffen werde. Die Furcht vor dem Austritt seil unbegründet. Wer so gewissenlos sei, trete auch bei dem bisherigen ' Schtz aus. Die Darlehnaufnahme, wäre nicht so schlimm,.wenn es sich um! eiste einmalige Notmaßnahme handeln würde und wir hoffen könnten, das , Dchlehn bald zurückzuzahlen. Redner erörtert ferner die akademische Frage, ob die Geineinde eine Roligionsgemeinde oder Volksgemeinde fei. »Tr ' beklagt weiter, daß die Friedhöfe am Sabbät geöffnet Heien und daß die Subvention für die Synagoge zum Tempel gekürzt werde. Ferner wünscht er Auskunft über den Stand der Schechita. Das Badt'sche Minjan werde vofn Montessori-Kindergarten beeinträchtigt. Der Kindergarten sei zwar schic schön, er .werde aber die Gemeinde noch chel Geld kosten, wenn erst - einmal der Fj>»d von Frau Ollendorff erschöpft sei. Gcn.-Konsul Sinoschewer beschäftigt sich mit den Zahlen von R. A. Aolff. Er glaubt, daß die kommende Notverordnung allein an Grhälkern eine Erspar!' s von 25 000 RM. bringen wird. Der Etatsausschuh . ha >e ferner vorgeschlagcn, beim Preußischen Landesverband die Kürzung de; Beitrages um 25 000 RM. zu versuchen. Eine besonders Kommission sei nicht zweckmäßig, aber der Lparausschuß sollte rücksichtslos durchgreifen auf die Gefahr hin unpopulär zu fein. a.-R. E) orn nimmt das Wohlfahrtsamt gegen die Angriffe in Schuh, ure/daß die Wirtschaftspartei nicht mit diesem zusammen, sondern ein: besondere Beratungsstelle 'eingerichtet habe. Die Verfügung über die Mistel müßte im Wohlfahrtsausschuß vereint bleiben. Jede Zersplitterung im Wohlfahrtswesen sei bedauerlich.' * Direktor Silbermann erinnert R.-A. Iacobsohn an das Wort von Gem.-Rabb. Dr. Hoffmann in der II. Brüdergesellschaft: „Ohne Mehl keine Thora". Ueber die Wirtschaftsberatungsstelle sei S.-R. Horn nicht imBilde. Eine solche könne nicht eine Partei sondern nur die Gemeinschaft einrichteit, dies aber habe das Wohlfahrtsamt zunächst abgelehnt, so daß in der Zwischenzeit die Wirffchaftspartei allein habe arbeiten müssen. Es gehe nicht an, daß ein Dutzend Männer der Wirffchaft einen ganzen Abend beraten, ihr Beschluß über die Bewilligung einer Beihilfe aber vom Wohlfahrtsdezernenten genehmigt oder abgelehnt werden könne. R.-A. Färber schließt sich der Kritik am Gemeindeblatt an. Dieses Blatt werde auch von Leuten gelesen, die sonst keine Beziehung zur Gemeinde hätten. Aber sie fänden darin nicht das, was sie suchen. Er trete dem Vorschlag bei, den Redaktionsausschuh zu erweitern. G.-R. Goldfeld vom Vorstände erwidert, ein Pcogramnr sei bisher mit der Etatsvorlage niemals gegeben worden. Das hätte auch kauin einen Zweck, wenn es nicht Phrasen auf dem Papier enthalten solle, denn es könnte nur drei Punkte enthalten: Fürsorge für die Gemeindemitgljeder, für den Kultus und für den Unterricht. Die Ausgaben mühten wie in Staat und Stadt aufs^ äußerste gedrosselt werden, denn wollen Sie vielleicht die Steuern auf 20 Prozent erhöhen? Entschieden müsse er der Ansicht entgegentreten, es käme nicht darauf an, ob der Fehlbetrag 150 000 RM- oder 200 000 RM. betrage. Die Jugend heranzuziehen sei schwierig, weil es ungewiß sei, ob sie geleitet werden könne oder wolle. Man sollte die Jugend anregen am Gemeindeleben teilzunehmen. Das Gemeindeblatt könne verschieden aufgezogen werden. I. D. als Unterhaltungszeitschrift wie in Berlin, was viel Geld kostet, oder aber als amtliches Organ, das in erster Linie bringt, was die Grmeindemitglieder wissen müssen oder sollen. Um es für alle Kreise interessant zu machen, braucht man viel Geld zur Ausstattung. Der Wunsch, vom Beitrag an den Landesverband 25 000 RM. zu streichen, verkenne den Zweck des Verbandes, der in erster Linie die kleinen Gemeinden auf Kosten der großen Gemeinden stützen soll. Die Kürzung der Wohlfahrtsmittel werde auch vom Vorstand bedauert. Wir können mit Unterstützungen nur ergänzend neben Staat und Stadt eintreten. Die Probleme der Wirtschaftsnot seien so groß, daß es vermessen wäre, sie innerhalb einer Gemeinde zu lösen. Es ist natürlich angenehmer bei Unterstützungen ja zu sagen aber inan müsse den Mut haben, oft auch nein zu sagen. ~~ I.-R. Peiser dankt allen Rednern für die überaus sachliche, eingehende Kritik, die den Wunsch aller Parteien zur Meisterung der schwierigen Lage zeige. Ec dankt dem Vorstand für die mühevolle Arbeit und hofft, daß er der Schwierigkeiten Herr werde. Herr Gold st e i n spricht gegen eine Erhöhung der Kultussteuer, empfiehlt aber den ' Zuschlag zur Vermögenssteuer. Bei der produktiven Fürsorge habe er in den letzten Wochen die überaus eingehende sachliche Beratung persönlich kennengelernt. Er regt an, beim Wohlfahrtsetat den Abstrich der 30 000 RM. zu unterlassen und dafür beim Krankenhaus und den angeschlossenen Anstalten 30 000 RM. zu kürzen, da die Stadt für die mittellosen Kranken eintreten müsse. Auch bei der Provinzialwohlfahrtsstelle könne man Abstriche machen. Die Erhöhung der Beihilfe für den Verein Kehillath Schaloin von 200 RM. auf 400 RM. sei dagegen unzureichend. Herr Kober wendet sich gegen die Ansicht von Herrn Goldstein, daß das Krankenhaus eine Kürzung der Beihilfe vertrage unter Darlegung der finanziellen Verhältnisse. Frau Ollendorff bedauert die Kürzung beim Wohlfahrtsetat außerordenttich. Mein im April 1931 seien 20 000 RM. für Wohlfahrtszwecke ausgegeben worden, also mehr als nach dem Etat statthaft, rveil sie mehr Einnahmen beschafft habe. Selbstverständlich beständen Grundsätze für Bewilligung von Unterstützungen. Solche erhalten nur Alte, Kranke und Gebrechliche, alle anderen werden produktiv versorgt. Ueber die umfangreiche Tätigkeit des W.-A. erscheinen regelmäßig Berichte im Gemeindeblatl. Die Arbeit liege für jeden offen und sie wünsche, daß alle Gemeindeoertrcter oft Einsicht in ihre Arbeit nehmen würden. Etwa 60 Prozent der Bewerber habe das W.-A. in ihrem Fortkommen helfen können, in anderen Fällen habe es zusätzig zu Staat und «stabt geholfen. Die Heranziehung der Jugend werde auch von ihr ersehnt, leider sei ein großer Teil der Jugend der Religion entfremdet. Daran sei die große Politik schuld. Es werde schon mit der Fürsorge im Kindesalter begonnen. Der neu eingerichtete Kindergarten betreue 26 Kinder ärmster Eltern. Die Kinder erhalten auch Verpflegung und Bekleidung und werden zu ordentlichen Menschen erzogen.^ R.-A. Wolff kann es nicht verantworten, einen Etat ohne Deckung des Fehlbetrages zu verabschieden. Das Wort Anleihe klinge sehr schön, wenn man das Geld erhalte, weniger, wenn man es zurückzahlen soll. Er beantragt Vertagung solange, bis über die Deckung ^Sicherheit bestehe. Direktor Sander wendet sich gegen die Vertagung, da doch nichts anderes herauskommen werde. Zunächst wolle man die Steuereingänge abwarten. Im Laufe der letzten 20 Jahre hätte die Gemeirrde erhebliches Vermögen thesauriert, dann könne auch einmal aus der Substanz gewirtschäftet werden. Nachdem R.-A. Iacobsohn in einem Schlußwort zu allen Rednern Stellung genommen hat, wird' zur Abstimmung geschritten. Der Antrag auf Vertagung und der Antrag auf Einsetzung eines Sonderausschusses wird abgelehnt, desgleichen der Vorschlag Iacobsohn über eine Werbeaktion für Wohlfahrtszwecke. Darauf wird in die Beratung der einzelnen Etats eingetreten. Ueber den Etat der Grundstücke berichtet Grn.-Konsul S m o s ch e tv e r. Auf seinen Antrag wird dieser Haushalt unverändert angenommen. Ueber den Haushalt Fürsorge berichtet Dr. R o s e n st e i n unter Darlegung der hier eingetretenen Veränderungen. Dr. Korn beantragt Erhöhung der Beihilfe für den Schwimmverein durch Halbierung der Gesamtsumme der Beihilfen Dar-Kochha und Schwimm-

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