Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 6 (6.1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Amtliches Blatt der Synagogengemeinde zu Breslau Echriftleitung: DerwattungSbireN« vr. Nechnitz, Breslau, Wallstraß» - I Druck und Anzeigen-Bnnahme: Drucker»« Th. «chatzkg MaengefeNfcho». Verlag! Büro der «gnagogengemeinde, Breslau, Wallstr.S , Tel.21 »11/12 | Breslau 5, Neue Sraupenstraße Nr. 7 , Fernsprecher 2««« «. 2«« Aluelamprp»«- Dt» 6 0tf». Tnunmcttr-Srilt otcr Bcrcn 2taum iS Ofgj - 2M laufenden arufteSgen Ttabott. ........mim...>»»«m»»»»^>» 80t die unter dem Namen des Berfafler« erscheinend«, Artikel und die Dereinsnachrichten Übernehmen wir nur die preffegesetzllche Derantworkm, S. Zahrg. Äunl 1931 Nr. s Die Telle Jakobs Die biblische Erzählung von dem heidnischen Seher Bileam, '« der, von dem Israel feindlichen Moabiterkönig zum Fluche gedungen, auf göttliche Weisung Hill gezwungen ist, die herrlichsten Segensworte auszusprechen, ist außerordentlich lehrreich und 1 von wertvollem Ertrage für die Kenntnis der religiösen Weltanschauung Israels. Der Ewige ist gewiß der Gott Israels. , Er hat dieses Volk errpählt, aüf daß es ihm ein Reich von [ Priestern und ein heiliges Volf sei. Aber er ist doch nach K ältester Anschauung des heiligen Schrifttums zugleich der Gott der ganzen Welt, Voll! ist bie gstnze Erde von seiner Herrlichkeit. Wie die Thora stach der Tradition zuerst den anderen '' Völkern der Erde vorgesegt wurde und erst zuletzt, nachdem sie von diesen verworfen lstar, Israel gegeben wurde, so hat auch ' der Geist Gttes in berj Form ster Gabe der Prophetie nicht bloß auf Männern aus Israel, sondern auch auf Erwählten heidnischer Abstammung geruht. ' i i Als ein solcher hat! der Seher Bileam den tiefsten Grund jüdischen Wesens und jüdischer Stärke erkannt. Während er anfangs nur gleichsam widerstrebend sich zum Segen bereit , fand, heißt es im dritten Spruche: „Und als Bileam sah, daß es gut war in den Augen des Ewigen, Israel zu segnen, da ging er nicht wie die vorigen Male auf Zauberei aus, sondern wandte sein Angesicht de!r Wüste zu." Damals tat er den denkwürdigen Ausspruch: „Lsiie' schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen", Israel. Damit wcckf er einen Blick in die Gegenwart und schaute in die fernste Zstkunft hinaus. Dreierlei Zelte zeugen für die Schönheit und Stärke Israels. In dreierlei Wohnungen" weilt es fest und sicher, inst Familienhaus, im Gotteshaus und im Lehrhaus. Wer Israel kensten lernen will, der isehe sich um in den Häusern, wo noch das alte, reine, geschlossene Familienleben sich findet, wo die > Gattin gewissenhaft in überlieferter Satzung waltet, wo der Vater mit den Kindern, Thora ternt und die Kinder in Ehrerbietung zu den Eltern aufblickest, der besuche die Gotteshäuser, in denen morgens und abends fromme Beter sich scharen, der lausche den wetteifernden Stimstien der Jünglinge, welche in , den Lehrhäusern sich gegenseitig!zur Forschung in den tiefsten Lebensfragen anfeuern.! Dort fühlte man sich sicher, mochte es , auch draußen toben unst stürmest. Man saß im Schutze des ‘ Höchsten und weilte im Schatten des Allmächtigen. Und wenn wir heute zittern und zagen und uns bangen und unsicher fühlen, so liegt es daran, daß wir zum größten Teil diese Zelte Jakobs und Wohnungest Israels verloren haben. Und wenn ‘ wir erreichen wollen, haß auch heute wieder der moderne Bileam den mit Flüchenj gefüllten Mund zum Segen öffne, so muß es unser Erstes feist, dafür Sorge zu tragen, daß er auch der Wahrheit gemäß segnen kann mit dem Worte: „Wie schön sind deine Zelte, Jakob, steine Wohnungen, Israel.! H o f f m a n n. lüöische Arbeitgeber! Lassen Sie bei Neueinstellungen von Arbeitskräften jeder Art auch jüdische Arbeitnehmer ist Konkurrenz treten and helfen Sie damit, die große Erwerbslosigkeit innerhalb unserer Gemeinste zu mildern. Fragen Sie auch bei Ihren Lieferanten- und Hanstwerkern, die Sie beliefern, ob bei ihnen auch jüdische itrbeunehmer beschäftigt sind und veranlassen Sie, daß bei Neueinstellung auch hier jüdische Arbeitnehmer in Konkurrenz «treten. Bauarbeiter, Elektrotechniker, Chauffeure'und ungelernte Ast beiter sind in großer Zahl bei uns gemeldet, fo daß wir für jede Vakanz geeignete Arbeitskräfte vermitteln können. Aushilfskräfte für die Urlaubszeit werden in den meisten Betrieben benötigt. Wir! bittest dringend, solche rechtzeitig telephonisch unter 268 63 bei uN - anzufordern, damit wir ist der Lage sind, geeignete und anpassungsfähige Aushilfskräfte zu stellen. A n w a l t s ft e n o t y p i st i n‘n e n können wie nach Beendigung einer Spezialausbildung für dast Anwaltsfach vermitteln. Wir ersuchen die Herren Anwälte. sich wegen dieser qualifizierten Kräfte mit uns in Verbindung zst setzen. ' Gelegenheitsarbeite» bei Umzügen, Großreinemachen, Reparaturen etc. kömistn be> rechtzeitiger Anforderung in zuverlässiger Weise »erstrittest werden. . -. i Hausmeister und Haushälter, die auch gelernte Handwerker sind, müssen Vertrauenspeist'oner sein. Wir können solche stets empfehlen. Taufchwohnstnger sind nicht mehr Bedingung. Unsere Schreib st ube fertigt Schreibarbeiten, Vervielfältigungen erc. zu ortsüblichen Preisen schnellstests und bestens an. Weißnähen können weibliche Arbeitslose in einem von dem jüdischen Wohl fahrtsamt eingerichtetest Kursus erlernen. Meldungen ist unserer Sprechstunde. Arbeitsnachweis jüdischer Organisationen Schlesiens Breslau II, Schweidnitzer Stadtgraben 28. Telephon: 268 63. Postscheckkonto: 263 s)d. - Gemeinöevertreter-Sihüng am 20. Mai 1931 Bericht von Dr. R « ch n t 4>. Die Sitzung ist der Beratung des Haushaltsplanes 1921/32 gewidmet Den allgemeinen Bericht erstattet R.-A. stacobsohn und nicht. nach der bisherigen Gepflogenheit, ein Sprecher, der größten Partei. Der 35 erlchterstatter betont die großen finanziellen Schwierigkeiten. Nachdci, die Ctatskommission rigoros Abstriche von fast 80 000.— RM. gemacht bade, darunter 30 000.— RM. beim Wohlfahrtsamt, verbleibe immer noch ein ungedeckter Fehlbetrag von 149+44.— RM. Dabei fei der Steuerrückgang mit 15% zu niedrig gescyähr. Die Abstrich« seien uns allen sehr schwer gefallen, insbesondere die für die Vereine und Anstalten, lieber die Kürzm g des Woblfahrtsetats um 20 000.— RM. werde noch zu sprechen sein. Redner