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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1931-05-01 · 5 (5.1931) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
8 (1931)
Issue
5 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Breslauer Jüdisches Gemelndeblall -■ 69 Jüdische Tuberkulose-Fürsorge [Beratungsstelle) "««»siraeerr!»» Versammlung des Vereins einen Imposanten Verlauf. Unter den Anwesenden bemerkte mag neben gen zahlreich erschienenen Mitgliedern des Vereins aus Berlins, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Königsberg. Leipzig,- Nürnberg, Potsdam, Swinemünde, Stettin, Wiesbaden und anderen Städten eine Reihe stihrender Persönlichkeiten des deutschen Judentums. Die Iewish Colonizätion Association hatte ihren Generaldirektor Louis Oungre zgr Versammlung entsandt. Das Auswärtige Amt mar durch die Legationträte Dr. T. Böhme und Prof. Dr. M. Sobernheim vertreten. . 3n den auf der Tagung gehaltenen Referaten wurde ein anschauliches Bild des 30 jährigen Wirkens des Hilfsvereins entrollt, wobei bemerkenswerte Schlaglichter auf die politischen Verhältnisse und die Lage der jüdischen Bevölkerung; in den ostpreußischen Ländern, insbesondere in Rußland, Polen, Litojuen und Rumänien fielen. Die innige Zusammenarbeit des Hijlfsvereins I mit anderen großen jüdischen Organisationen, insbesondere Mit der Iewish Colonization Association auf dem Gebiete der Auswandtrerhilse, kam vor allem in den Ansprachen Dr. James Simons und Dr. Maf:k Wischnitzers zum Ausdruck. _ In seiner Eröffnungsansprache erklärte der Vorsitzende, Dr. James i m o n, daß sich diä Lage dfr Juden, besonders in den östlichen Ländern, dauernd verschlechtere find eine Aussicht auf Besserung der Verhältnisse nicht bestehe. Im Hinblick auf die jüdische Not im Osten gewinne die Arbeit des Hilfsvxteins besondere Bedeutung. Die Anerkennung, die seinem Wirken i>^ der Öffentlichkeit zuteil wurde, finde in der von keiner anbfren jüdischen Organisation erreichten Zunahme an Mitgliedern-ihren Smisdruck. Im Jahre 1030 allem würden -1-1 neue Gruppen in Deutschland geschaffen. Die regulären Eingänge des Vereins llnd um 30% gestiegen, j Dies berechtige zu der Hoffnung auf eine immer stärkere Anteilnahme des deutschen Judentums an der Arbeit des Vereins. Generalsekretär Dr. Mark Wischnitzer erstattete den Tätigkeitsbericht für das Jahr 1930. Durch die von den überseeischen Immigralionsländern getroffenen l^inwänderungsrestriktionen erwuchsen den Emigrantenfürsorge-Orgjanisationep besonders schwierige Ausgaben. Unter der Fürsorge dies Hilfsvtreins passierten im Jahre .1030 den Schlesischen Bahnhof ist Berlin 22 880 Aus- und Rückwanderer, unter diesen 7303 Nichtjuden.! Im Büro der Zentrale des Hilfsoereins fanden löoo Personen Beratung und Hilfe. Durch die Zusammenarbeit mit Hicem iHias-Ica-Emigdirect) in Paris und seinen Zweigstellen in Europa und Ilebersee sowie afideren Organisationen war die Möglichkeit zur Durchführung kombinietter Aktionen gegeben. Für die Cmigrantenhilfe wurden 104 000 Mark aufgeweitdet, wodurch jüdische Gemeinden und Wohlsahrtsanstalten in hohem Maße entlastet wurden. Die schweren Ausschreitungen gegen |bie Juden in Rumänien im Sommer 1930 veranlaßten das Präsidium des Hilfsvcreins, ein Protestschreiben an den damaligen Ministerprä identen Dr. Maniu zu richten, in dem der Erwartung Ausdruck'gegeben wurde, daß die rumänische Regierung für die Durchführung der! en Juden! gesetzlich gewährleisteten Gleichberechtigung und die Verhinderung antisemitischer Agitationen Sorge fragen werde. Die Kulturarbeit in Rumänien wurde durch Ausstattung der im Jahre 1929 begründete r jüdischen Berussberatungsstelle in Bukarest mit modernen Apparaten, sowie durch Unterstützung der Bukarester jüdischen Volksuniversität und zahlreicher Elementarschulen und Wohlfahrtsanstalten in Bukarest, Jassy, Galatz. Kischinew und Czernowitz fortgesetzt. . Die Zahl der Schüler n den vom Hilssverein subventionierten Anstalten beträgt über 3000. Durch eine besondere Aktion wurden beträchtliche Mittel für deik Neubau des vor eineimiertel Jahren durch Brand schwer geschädigten jüdischen Kinderhauses in Kowno aufgebracht. In Polen stellte der Hilfsverein 00000 Merk für fünf Sommerserienkolonien, sowie Mittel iür das Kindersanatorium in Miedzeszyn, das Kriegsmaisenhaus in Bialystok und die Tacnkemoni-Schule in Wilna zur Verfügung. In den jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen in Rußland wurden 1930 bzw. Anfang 1931 zwei Ambulatorien erbaut. Das eine liegt in Krassinsk, dem Dfittelpunkt der jüdischen Siedlungen im Bezirk Nikopol, das zweite, dqs den Rainen Dr. Paul Nathans trägt, im Rayon Dschurtschinsk in der Krim, ein drittes Ambulatorium wird demnächst eröffnet. Für den Bau der Ambulatorien und die medizinische Einrichtung wurden bisher 80 638 Mark aufgewandt. Für die hebräische Universität in Jerusalem wurden zur Einführung eines deutschen Sprachkursus und das Misrachi-Lehrerinnenseminar für deutschen Sprachunterricht Mittel bewilligt. Schließlich wurden rund 30 000 Mark dem Fürsorgewerk für die Ukraine-Waisen, die scht 1922 unter der Obhut des Hilfsvereins stehen, und für notleidende jüdische Studierende aus dem Ausland, die deutsche Anstalten besuchen, zugeführt. > Redner betonte Den kiber^arteilichen Charakter der Organisation, wodurch es sich erklärt' daß die>Sympathien für den Hjlfsoerein in den weitesten Kreisen der Deutschen Iudenheit dauernd wachsen. Der Hilssoerein steht über den Parteien: er arbeitet nicht gegen die eine oder andere Partei, er ist fein störendes Element, sondern er! wirkt in seiner sachlichen Arbeit ausgleichend, aüfbouend. Dr. Sigmund Wassermann erstattete den Finanzbericht, aus dem hervorgeht, daß Im Jahre 1930 vom Hilfsverein insgesamt 278 500 Mark ausgewandt wurden. Für das StudeMen- und Ukrainewaisenhilfswerk wurden bisher im ganzen 353 000 Mark ausgegeben. _ „ Hierauf gab Herr Dr. Bernhard Kahn, europäischer Direktor des American Joint Distribution Committee und Mitglied des Geschaftslllhrenden Ausschusses des Hilfsoereins der Deutschen Juden einen geschichtlichen Ueberblick über das Werk des HUfsvereins in den 30 Jahren des Bestehens. Er hob hervor, daß der Hilfsverein von Anfarw an sich produktiven und konstruktiven Arbeiten, der Gründung von Vorschußkassen, der Einführung von Hausindustrien, der Zuführung der jüdischen Jugend des Ostens und Orients zu produktiven Berufen widmete. Bon allergrößter Bedeutung wurden die Leistungen des Hilfsoereins während des Krieges. Eie haben in der Geschichte der neueren jüdischen humanitären Tätigkeit nur noch ein größeres 'Beispiel, nämlich die Arbeiten der amerikanischen Iudenheit während des Krieges und nach dem Friedensschluß. Dr. Kahn gab ein Bild von der Arbeit des Hilfsvereins auf dem Gebiete des allgemeinen Hilfswerks, der Auswandererfürsorge und des Kulturwerks. Er führte zum Schluß aus: In den 30 Jahren der Tätigkeit des Hilfsvereins wurden vom Verein nahe an 50 Millionen Mark aufgewendet. . Ihm waren auch ausländische Gelder zur Verwaltung und zur Verwendung anvertraut? Der größte Teil der Ausgaben entfiel natürlich auf die Hilfeleistungen für die durch Katastrophen und die Kriegsnot Betroffenen, lieber 41 Millionen wurden für diese Hilfeleistungen ausgegeben, auf die Auswanderung entfielen zirka VA Millionen Mark und auf das Schul- und Erziehungswerk über 4 Millionen Mark. Für 50 Millionen Mark wurde Arbest geleistet, für 50 Millionen Mark Hilfe gespendet. Die Größe.dieser cumme, über die der Hilssverein verfügen konnte, zeugt von dem Vertrauen. das ihm von der deutschen Iudenheit und der Gesamtjudenheit entgegengebracht worden ist. Der Verein wird dieses Vertrauen auch in Zukunft rechtfertigen, indem er trotz allen Widrigkeiten festbleiben wird in seinem Bekenntnis zur brüderlichen jüdischen Solidarität auf dem Gebiete Humanitären Wirkens. In dieser unsagbar schweren Zeit für die jüdischen Massen, ist die deutsche Iudenheit seihst durch die Kriegsfolgen geschwächt, ihre Leistungsfähigkeit ist herabgedrückt und schwere Bedrohungen schrecken sie in der letzten Zeit. Doch das kann und wird sie nicht abhalten, in Reih und Glied mit den Juden anderer Länder ihre jüdische Schuldigkeit auch in der Zukunft zu erfüllen. Dazu ruft der Hilfsverein die deutschen Juden heute in seinem 30. Gründungsjahr wieder auf, wie im ersten Jahre. Hierauf hielt Herr Mar M. Marburg, Hamburg, eine Ansprache. Er führte u. a. aus: Der Hilfsoerein der Deutschen Juden ist von Dr. James Simon mitbegründet worden, von ihm und vielen anderen verdienstvollen Männern, von denen Herrn Generalkonsul Eugen- Landau heute hier zu sehen, allen eine große Freude ist. Dr. Jaznes Simon hat zusammen mit dem unvergeßlichen Dr. Paul Nathan dem Hilssverein das Gepräge gegeben. Für den deutschen Juden gilt nicht die Frage: ob er deutsche Not oder jüdische Not lindern soll, der deutsche Jude muß beides leisten. Die deutschen Juden haben den Glaubensgenossen in den anderen Ländern manches zu vermitteln, w.as ihnen Deutschland gab, vor alleni bewährte deutsche Methoden in der sozialen Fürsorge, in Bildungs-, insbesondere Schulfragen. Auch das Palästinawerk steht nicht im Widerspruch zu ihren treuesten Empfindungen für ihr Vaterland. Unbeschadet ihres Deutschtums können sie für-eine Stätte im Heiligen Lande wirken. Herr Marburg richtete alsdann herzliche Worte an Dr. James Simon persönlich: Sie, hochverehrter, lieber Herr Dr. Simon, sind uns immer ein Beispiel dafür gewesen, wie Wohltätigkeit richtig geübt werden soll, und werden uns immer ein Beispiel hierfür bleiben. Unabhängig von der Gunst oder Ungunst der Zeiten, der politischen oder wirtschaftlichen Lage unseres Vaterlandes. Unabhängig von den eigenen Sorgen, find Sie Ihrem hohen Lebensziel, Gutes und Schönes zu fördern, treu geblieben, in sich so gefestigt, daß kein Sturm Sie erschüttern konnte, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele: b'chol l'wovchoh u'wchol nafschechoh Ihren. Idealen zu dienen. Eines Ihrer Herzenskinder zu unserem und vieler Menschen Glück war und ist: der Hilfsvergin der Deutschen Juden. Freunde von Ihnen wollen Ihnen daher in dankbarer Erinnerung an Ihre 30 jährige Tätigkeit anläßlich Ihres 80 jährigen Geburtstages Gelder für eine „Dr. James Simon-Stiftung" überreichen, öle_in erster Linie für Schulwerke bestimmt sein sollen. Die Verwendung der Gelder soll dem Vorstand des Hilfsvereins der. Deutschen Juden überlasten bleiben. Wir alle haben ein Recht und eine Pflicht, da wetterzuarbeiten, wo Dr. James Simon mit Freunden vor 30 Jahren begonnen hat, damit der Hilssverein der Deutschen Juden nach schweren Zeiten alten Zielen mit neuer Kraft erfolgreich zustreben kann. Zum Schluß sprach Herr Iustizrat Dr. Julius Blau. Frankfurt am Main, über die enge und fruchtbare Zusammenarbeit des Hilfsvereins mit dem „Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden" in Frankfurt a. M. und der Iewish Colonization Association. Den 80. Geburtstag feiert am 23. Mar 1931 Frau F a n n y W o l f bei ihren Kindern Manuel und Siddy Schneider, Palmstraße 1. __

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