Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 5 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 5 Vreslauer Jüdisches Gemeindeblat» D7 Werbet für öe«? Humboldt-Verein! dabei betont, baß er ohnchäf schon 70 000 Mk. Anliegerkostcn bei der Synagogen-Gemcinbb verliere, weil diese erst bei einer Bebauung zu zahlen seien,^sud der jüdische Friedhof'niemals bebaut werde. Di: Borbsge wurde ohne Aussprache angenommen. lieber den Bcr valtungsbcricht referierte der Vorsitzende I.-R. P c i s e r. Die nachstehenden Mitteilungen werden ohne Aussprache zur Kenntnis genommen oder genehmigt/ nämlich die Aufstellung der abgelchntcn Anträge von Vereinen um Beihilfen, über i'ic neue Verteilung der Dienstwohnungen, über Vermietungen im Omnibusdcpot Stcinftraßc 61/63, über die Bcwilligujig einer Pcsachbcihilfe an die Leichenwärter, über die Annahme des Lisser'schen Grabpflcgelegates und über das Bauvorhaben der Oeftreicher-Stiftung. lieber die Sternberg'sche Erbschaft besagt der Bericht, baß die behördliche Genehmigung zur Annahine der Erbschaft iin Januar eingegangcn sei, und der Nachlaß der Gemeinde am 28. Januar übergeben worden sei. Die Gemeinde habe aus den verfügbaren Mitteln die Legate und Abfindungen bis zu 1000 Mk. bereits ausgezahlt.! Die weiteren Legate sollen nach Verkauf des Nachlahgrunbfmckes Clauscwitzstr. l l gezahlt worden. Ob die Geniejndc aus der Erbschaft überhaupt etwas übrigbchalten werde, sei noch ungewiß. Eine längere Aussprache schloß sich nur an die Bekanntgabe an, daß der Vorstand den zurückverwiesenen Antrag auf llebcrlassung von Räumen an die Jüdische Schule abqrmals abgclehnt habe. R.-A. Facob - s o h n bedauert diesen Entschluß des Vorstandes, nachdem durch die Rückverweisung die Gemeindevertretung doch wohl deutlich genug zum! Ausdruck gebracht habe, daß der Antrag wohlwollend beurtciilt werden solle. Es fei heute sehr viel über die wirtschaftliche Not geklagt worden, deshalb hätte der Vorstand die Miete-ausgabc dem Jüdischen Schulvercin und somit einer großen Anzahl von Gemeindemitgliedcrn ersparen sollen. Das Bedenken des Vorstandes, daß die lleberlaffung zeitlich unbegrenzt fei, wolle er durch den Antrag beheben, die Räume zunächst auf ein Jahr zu überlassen. — Geh.-Rat Goldfeld erinnut daran, daß die Sache bereits eingehend beraten worden sei. Durch innner neue Anträge neue Beratungen herbcizufrhren^ sei zwecklos. R.-A. Spitz ist der Ansicht, daß R.-Ä. 3qcobsohn aus dein Beschluß der Rückverwcisung mehr heruusgelesen habe, als gemeint gewesen sei. Er betont noci) einmal die sachlichen Bedenken bei den Räumen Anger 8!mit Rücksicht auf den dort herrschenben Verkehr und bei" den Räumen Wallstrahe wegen der damit verbundenen^ Störjung. —- R.-A. Iacobsohn reicht einen neuen Anttaä, dahingehend ein, daß die Versaminlung die Aeberlassung von Räumen wünsche, nachdem der Antrag auf Rückvehweisung nicht deutlich genug gewesen sei und beantragt namentliche Abstimmung über diesen Antrag. Der Antrag wird mit 12 gegen I I Stimmen angenonnnen. — Der Haushaltsplan der M. S. Leipziger Stiftung wird auf den Dortrag von! Dr. Glu skinos genehmigend zur Kenntnis genommen. Vor Beginn der G e h e i m c n Sitzung beantragt R.-A. F o e r d e r die' Wahl der Ausschüsse in öffentlicher Sitzung vorzunehm:n, genau so wie die Wahl des Vorstandes. R.-A. Spitz wid:rspricht dem Antrag mit Rücksicht auf die , bisherige Ileblichkci t und auf die zur Wahl stehenden Persönlichkeiten, deren Eignung zu erörtern sein wird. Die Verweisung in die' geheime Sitzung wird beschlossen, und die einzelnen Ausschuf Mitglieder werden nach sehr langer und teilweise bewegter Aussprache gewählt. Die Wahlen bedürfen noch der Zustimmung durch den Vorstand. - Sie jüdische Vevölkerliqg Breslaus Don Herbert Philippsthal, Berlin. (Fortfetzung) Vor dem Kriege wurden von allen, die sich mit der jüdischen Mortalität befaßten, die sehr günstigen Sterblichkeitsverhältnisse betont. Theilhaber wies nach, datz die jüdische Sterblichkeit durchweg in allen Ländern, zu allen Zeiten und in allen Verhältnissen bedeutend geringer als die der Nichtjuden ist. Das Bild der jüdischen Mortalität zeigt gerade die der Natalität entgegengesetzte Entwicklung. Die Geburtenzahl nimmt ständig und unaufhörlich ab, die Sterblichkeit nimmt ständig und unaufhörlich zu. Als Folge der Ileberaltcrung der jüdischen Bevölkerung, die wir auch für die Nachkriegszeit aus der untenstehenden Ausstellung zu ersehen vermögen:, Zlltersgliederung der Breslauer Bevölkerung, IW Gesamtbevölkerung Alters- Dom Hundert der männl.» weibl.. Juden männl. weibl. zu,'.', männl? llweibl. /zu,'. unter 5 8,33 6,65 7,42 7,12 ' 6,25 6,69 5—12 , 6,62 5,10 5,78 4,47 ' 3,69 4,29 12—15 ' 9,63 7,89 8,67 6,79 5,51 6,15 15—22 12,22 9,47 9,72 7,78 7,10 7,44 22—25 9'96 9,62 9,73 8,99 7,55 8,27 25—32 8,86 3,34 4,12 - 9/23 8,64 8,93 30—35 - 7,83 8,80 8,36 7,91 8,27 8,09 35—42 7,36 8,02 7,72 7,65 7,58 7,62 42—45 6,93 7,14 7,25 ' 7.39 7,32 7,36 45—52 7,22 7,01 7,00 •7,49 7,77 7,63 52—62 12,36 10,66 12,52 12,86 13,69 13,25 62—72 5,21 6,82 6,08 8,25 ’ 12,61 9,43 72—82 1,64 2,96 2,37 3,45 - 4,91 4,18 82—42 0,22 0,53 .0.39 - 0,57 1,25 0,81 92—122 0,01 0,22 0,22, 2,25 0,06 0,26 Vom 42. Jahr an sind die Juden in den Altersgruppen stärker ver- - treten als die Gesamtbcvölkerung und dies erstreckt sich bis auf die höchsten Altersgruppe», ivie man an den Derhältniszahlcn feststellen kann. Unter 5 Jahren liegt der prozentuale Anteil der Juden unter dein der Gesamtheit, woraus man ersieht, daß die Geburtenzahl der jüdischen Ehen kleiner ist als die der übrigen. Ein Umschwung tritt er>t in den vierziger Iahrcß ein, was im Zusammenhang mit der früheren günstigen Sterblichkeit steh / worüber oben gesprochen lvurde. Vom Familienstand dürfte interessier n, daß in Breslau im Jahre 1425 10771 ledige und 9444 verheiratete 3ui>en lebten. Hiernach waren bei den Juden 46 Prozent ledig und 43 Prozent i erheiratet, bei der Gesamtbevölkerung beliefen sich die Zahlen.auf 51 und 4) Prozent. Daß die jüdischen Männer mit 46 Prozent, die jüdischen grauen mit nur 42 Prozent an den Ehen beteiligt "sind, ergibt sich aus >«r hohen Anzahl Mischehen mit stärkerer Beteiligung des jüdischen inäm lichen Geschlechts. Die jüdische Frau wird also in erster Linie von der E itwickelung der Mischehe betroffen. Wer die Mischehe bekäinpft, unterstützt die jü discheFrau. Ehe» und Mischepcn 1882—1424. Durchschnitt jüdische Ehen M. j. Mischehen Fr. j. zus. 1880—1884 121 8 6 14 1885—1889 117 6 6 12 1892—1894 145 6 6 14 1895—1899 152 12 '9 - 21 1900—1904 142 r 9 18. 1925—1929 , 138 13 13 26 1910 156 15 24 39 1911 136 9 14 23 1912 ~ 128 13 •22 35 1913 105 22 11 31- 1914 114 43 20 63 1915 — — — — 1916 61 23 6 29 1917 54 4 . 24 35 1918 97 21 13 54 1919 240 49 37 _ 86 1922 282 28 46 74 1921 247 43 21 64 1922 238 38 . 21 59 1923 213 53 24 - , 77 1924 164 42 27 69 1925 125 . 32 13 45 1926 127 29 12 41 1927 124 35 13 48 1928 153 41 . ~ 20 61, 1929 128 56 26 62 Mombert sagt in seinem kleinen Büchlein „Bevölkerung! Politik nach dem Kriege" die Häufigkeit der Heiraten, sowie die Eritu'ickelur g und ööhe des Heiratsalters habe einen wesentlichen Einfluß auf die Zahbber Gebieten und wer diese steigern wolle, bezw. ihre Abnahme bekämpfe, nmsse folge^ Wenn AiHKnülättTOculariDm Ohlauer S^r.