Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 4 (4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7lt. 4 53 I ' Breslauer Jüdisches Gemeindeblalt Jüdische Tuberkulose-Fürsorge (Beratungsstelle) "oimenslr nscr 2^. als auch mit der Kunstwissenschaft verknüpft ist, haben bekanntlich die Numismatiker stets in diesen Streifen der historisch und kunsthistorisch Interessierten wenig Anklang mit der Numismatik gesunden. Wenn rs der Redner dennoch yewagt hat, über das Thema zu sprechen, so leitete ihn dabei die Erwägung, Daß er einer besonders schönen Aufgabe gerecht zu werden versuchte, nämlich e^nem Kreise, der es sich zum Ziele gesetzt hat, die' Lebensäußerangen jüdischen Geistes und jüdischer Seele in ihrer ganzen Breite zu erfassen und der wechselvollen Geschichte des jüdischen Volkes nachzugehen, mit eitzem Gebiete bekannt zu machen, das zwar etwas abseits vom allgemeinen Interesse liegt, von dem sich aber unendlich viele Fäden zu jenen!anderen Gebieten der Geschichts- und Kunstwissenschaft hinübirspannen.! Der Redner hat es in vorbildlicher Weise verstanden, diese sich selbst gestellte Aufgabe zu läsen. Es m ihm gelungen, im Laufe seiner Ausführungen nicht nur eirfe treffliche Beschreibung der im Lichtbilde gezeigten Münzen und Medaillen zu geben, sondern er hat es vor allem vermocht, einen klaren geschichtlichen und kulturgeschichtlichen Ueberblick über das wechselvolle Geschick des jüdischen Volkes vom Anbeginn seiner Dolkwerdung bis zum Zerfais des jüdischen Reiches, und über das -Wesen und Wirken der Juden aus idem Gebiet der Münzprägung in der Zerstreuung zu geben. Zunächst definiert der Vortragende den unterschiedlichen Begriff zwischen „Münze" und „Geld" dahingehend, daß man unter „Geld" jegliches Zahlungsmittel von dem Stück Vieh der Naturvölker bis zu den Produkten modeiner Bank- und Börsenwirtschaji oersteht, während di« „Mürzze" eine besondere Form des Geldes, „en. handliches Stück Metall ist, das vom Staate mit einem durch Gießen oder Prägen hergestellten, einen Wirt erkennbar machenden Zeichen versehen ist". Daraus, daß |ur Gntftejung der Münze ein selbständiger, lein Geldwesen aus eigener "Hoheit regelnder Staat gehört, erklärt sich daß die Münze bei den Julien erst spät auftritt. Auch bei dem Hang der Juden zum Althergebraczten ist everständlich, daß man nur lang sam sich im jüdischen Start zum Gebrauch der Münze bekehrt hat. Herr Dr. Reich erwähnt an Hand bei jüdischen Geschichte einzelne uns erhaltene Münzen, beginnerd mit dci Zeit von 138 v. Ehr., wo dein damaligen Führer der Inden, Simon Makkabi, vom Syrerkäuig Antiochus Sidetes das Recht, eigene Münze im Lande zu schlagen, erteilt wurde. Auch belegt d:r Redner" aus den Inschriften und Abbildungen der Münzen geschi htliche Tatsachen und Ereignisse und den Einfluß der späterhin übe ■ Juda l egierenden Fürsten, sowolil aus griechischer wie römischer Jeit, ferner aber auch die Einwirkung der jüdischen Münzen aus die Ausgestaltung fremdländischer Münzen. 1 Aber auch nach dem Z-rfall des jüdischen Reiches haben die Juden liyren Anteil an der Geschichte der Numismatik gelieserl. Da die Juden stets im Handel und in Geldgeschäften eine bedeutende Rokle^ in der Welt gespielt haben, ist es erklärlich, daß, sie auch späterhin" in der ..Zerstreuung und unter ihrer Wirtsvölikern als Geldgkinr »nd Bankiers 'im Hinblick aus ihre Handelsbeziehungen, aufiraien und dadurch auch von den Fürsten der betrrffenden Länder vom Mittelalter bis iüs 19. Jahrhundert zur Hilfe bii der Beschaffung des für die Münzprägung erforderlichen Materials uid zur Pträgung selb-'r zugezmen wurden. Der Redner erinnerte hierbei besonders an die Miinzmeister aus der merowingischen Zeit, erwählte ferner Namen wie Jßig Ephraim, Jakob Bassevi und Juo Süß, ferner bekansite Medailleure aus der zweiten Hälfte des 18. und der erstein Hälfte des IN Jahrhunderts, Abram und Abramson. Diese letztgenannten Münzen und Medaillen batten teils den Zweck, auf geschichtlich! Tatsachen hin zumeisen, teils Fürsten zu feiern bzw. deren Großtaten unsterblich zu gestolten Aber auch zur Verunglimpfung der Juden wurden Medalllen geschaffen, z. B. die sogenannten „Kornjuden-Müyzen". Die letzte geschichtlich tedeutsame Medaille stammt aus dem Jahre 1808 anläßl-ch des von König Jerome herausgegebenen Gesetzes, wonach die Juden zu völlig gleichberechtigten Staatsbürgern gemacht.wurden, und enthält durch Zeichnung und Umschrift den Dank an Gott ursd den König. Der Vortragende schloß seine Ausführung:!! mit dem Wunsche, daß es ihm gelungen sein möge, Interest! kür das Gebiet der Münzkunde zu erwecken. z . | die Kalen-erreformfvage auf -er Konferenz für vermehr un- Transit - Die Frage der Kalend rreform ift in ein neues und entscheidende-- Sladium getreten. Der Ge reralsekretjir des Völkerbundes hat die Einladungen zu der 4. Allgemeinen Konferenz für Verkehr und Transit, guf deren Tagesordnung di ■ Frage der Vereinfachung des Gregorianischen Kalenders gesetzt ist. herausgeschickt. Die Konferenz findet am 25. Oktober dieses Jahres in Genf sta t. Die vorbereitende Kommission, die aus 12 Mitgliedern besteht, wird bereits im Juni zusammentreten Die Konferenz für Versehr und Transit trägt einen rein wirtschasrlichen Charakter. Dementsprechend wird sie sich auch bei der Behandlung der Kalenderreform auf die Berücksichtigung der wirtschaftlichen sind sozialen Probleme beschränken. Damit sollen jedoch die religiösen Momente nicht ausgeschaltets werde», sie bleiben vielmehr der Entscheidüng der religiösen Jnstanzikn Vorbehalten. Dessenungeachtet scheint e-. wünschenswert, den religiösqn Behörden einen genauen Ueberblick über die Arbeiten der'Ottoberkonserenz zu verschaffen. Es soll ihnen dahel Gelegenheit geboten werden, Beobachter zu der Konferenz zu entsenden Wie die „Jta" meldet, lausen von Zeit zu Zeit beim Völkerbünde Zuschriften jüdischer Gemeinden ein, in denen die Bitte ausgesprochen wird, bei der Kalenderreform auf den jüdischen Standpunkt Rücksicht zu nehmen und den Gedanken des Blankotages fallen zu lassen. Ein ausführliches Memorandum wurde vom Weltverband Schomre Schabber oorgelegt, der die bekannte Resolution des Sabbath-Weltkongresses mn einer eingehenden Begründung nach Genf weitergeleitet hat. Bibliothek -er Spnagogen-Gemein-e Die Bibliothek der Synagogen-Gemeinde im Jahre 1930.! Die Benutzerzahl ist gegen das Berichtsjahr 1929 gestiegen.' An 2708 Entleiher wurden 5640 Werke in 5783 Bänden verliehen. Dos Lesezimmer wurde von 3492 Besuchern benutzt.. — Der Bücherbestand wurde um 174 Neuanschaffungen vermehrt, die jeweils im Keineindeblatt veröffentlicht wurden. , Bibliothek und Lesezimmer sind an den Wochentagen (Montag bis Donnerstag) von 18—21 Uhr, am Sonntag Vormittag von 9'A—13K Uhr, am Sonnabend Vormittag von 11—13 Uhr geöffnet. Rabbiner Dr. Sänger. N e u a ns cha s s u n g« n im Februar 1931. Bloem, Walter: Brüderlichkeit. Roman. . - 7684 Deimling, Bertold: Aus der alten in die. neue Zeit? Erinnerungen. Berlin 1930. 7688 Doeblin, Alfred:-Berlin Alexanderplatz.. Roman. 7683 Freud, Sigmund: Zur Psychopathologie des Alltagslebens. Wien 1929- ' '7687 Heine, Heinrich: Werke. 4 Bände. Berlin. Beng. 7686 Hirschberg, H.: Vater Adam. Berliner Roman. 7682 Jacob, B.: Mischehen. Eine biblische Studie. Berlin 1930. 3610, 64 König, Fr. W.: Geschichte Elans. Leipzig 1931. 3610, 66 Lohmeyer, Ernst: Glaube und Geschichte in vorderasiatischen Religionen. Breslau 1931. - 3610, 67 Meisels, 2.: Klassiker der Weltliteratur-im jüdisch-hebräischen Kulturkreise. Wien 1930. 3610, 68.. Ne'man:: Praktisches Judentum (Richtlinien). Leipzig 1931. 7690 Stern, Erich: Krankheit und religiöses Erleben. . Berlin 1930. 3610, 65 Wiener. Meir: Von den Symbolen. Zehn Kapitel über den Ausdruck des Geistes. Berlin 1924. 7680 Zola. Emil: Der Fall Dreysuß. Dresden 1930. 7685 Zweig, Stefan: Die Heilung durch den Geist. Mesmer Baker: Eddy — Freud.) Leipzig 1931. 7689 Central Conference of American Rabbis.. 41. Convention. 1930. > 5577, 41 Israelitisches Familienblatt Hamburg 1930. Jüdische Zeitung für Ostdeutschland. Breslau 1930. Die Wahrheit. Wien'1930. Der Israelit. Frankfurt a. M. 1930. ' Haolam London 1930. Men orah. Wien 1930. Blätter des Jüdischen Frauenbundes. Berlin' 1930. ii Der Schild. Berlin 1930. - Deutsche-Israelitische Zeitung (Die Laubhüttej. Hainburg 1930, Gemeindeblatt Magdeburg 1930. ' Frankfurt a. M. 1930, Königsberg 1930, , ' Leipzig 1930. Kassel'1930. ' Breslau 1930. Tieferschüttert beklagen wir den Heimcahg unscrea.Vorsitzcnden Herrn Dr. jur. Ernst Llpmann. Der Entschlafene, seit 1913 Mitglied, seit 1918 Vorsitzender unseres Vorstandes, hat sich während dieser* {ranzen Zeit durch seine milde, gerechte und vornehme Gesinnung» mit der er sich den Geschäften unserer Anstalt widmete, unserer aller Vertrauen und Liebe im höchsten Made erworben. Viel zu früh ist er uns entrissen worden. Wir werden ihn nie vergossen und seine treue, hingebende Fürsorge für unsere Anstalt und deren Zögling^ stets in dankbarster Erinnerung behalten. Breslau» 11. April 1931. , Der Vorstand, die Repräsentanten und der Leiter der Israelitischen Walsen-Verpflegun^s-Anstalt.