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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1931-04-01 · 4 (4.1931) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
8 (1931)
Issue
4 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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52 Breslauer Jüdisches Gemeindeblall Nr. -1 - Festrete legte Dr. Speiyer dar. wie Judentum und Umwelt sich von de - ältesten bis zur neuesten Zeit gegenseitig in religiösen, .ethischen und wissenschaftlichen Dingen befruchteten. Das Judentum habe gleichmäßig an die Umwelt gegeben und von der Un weit genommen. Seit der Emanzipation hab/e aber das Juden! um seine eigenen Werte nicht genügend bewahrt und ge- Dieser Tendenz wolle die jüdische Erziehung und insbtrsondtre die jüdische Schule Vorbeugen, um wieder gleichmäßig ein Gl den und Nehmen mit der Umwelt herzustellen. Auch Herr 9 abbiner Dr. Simonsohn, der lebhaft begrüßte Vorsitzende ldischen Schulvereins, betonte, in seiner Begrüßungsanspra he. daß die jüdische Schule die Jugend einerseits zu gpten : suden, andererseits aber auch zu guten deutschen Staatsichrger i erziehen will. Nach den Glückwünschen der Behörden -u S egierung, Magistrat und die Körperschaften der Slinag igengemeinde waren vertreten — und der Schulleiter dsr Dl lks- und höheren jüdischen Schule sang der gutgeschulte chüle chor noch ein größeres Chorwerk. I Oie jüdische Bevölkerung Breslaus j Von Herbert Philippsthal, Berlin.?i: Kolnessionsstatisrik der Stadt Breslau kaim auf eine jahrzehntelangx Grschicb c zurückbticken. Sie gehört zu den ältesten der deutschen Städte. Drsbalb lohnt sich eine ausführliche Betrachtung, was im folgenden geoll! Jüdisch« Wanderungsbewegung 1885 1927 Deshalb sä leben Zuzugs- Jahrfünfl Zuzug Wegzug — Wegzugsllcberscbuß 1885—1889 .10 358 10 387 — 19 1390—1894 10 490 9 935 -i- 554 1895- >899 I I 027 9 875 1 151 1900--1904 12 307 11 053 I 254 1905—1909 11 589 11 594 — 105 >910- 1914 I I 543 II 481 --- 52 1915 -1919 17 15?r 17 035 - 119 1920—1924 14 5431 10 772 -- 3 871 1025-1927 4 822' 5 052 —' 230 Insgesamt 103 944 | 97 287 -: 5 557 Aus obiger Tabelle ersehen wir mit Ausnahme der Jahre 1905—1909 und 1925—1927 einen Zuzugsüberschuß. Vergleichen wir ihn mit der jüdischen Bevölkerungsentwicklung, so müssen wir feststcllcn, dag Zuzugsübcrschnß und Bevölkerungsvcrmehrung auf Grund der fünfjährigen Volkszählungen ziemlich genau übcreinstimmcn. Hieraus läßt sich ohne weiteres schließen, daß kein jüdischer Geburtenüberschuß besteht, was wir auch mit Hilfe der Zablen belegen werden. (Gewisse Differenzen ergeben sich daraus, daß d, r Linnenwanderungsstatiftik mancherlei Mängel'anhaftcn, was an dieser Stcl e nicht rveitcr ausgeführt werden kann.) Schon jetzt können wir die Tatsache unterstellen, daß ein Aufhören des Manderungsüberschuiscs für Breslau einen Rückgang der jüdischen Bevölkerung bewirken wird. Dies trifft se t dem Jahre 1Ä4 zu und wird bei einer kommenden Volkszählung in E - schcinung treten. Geburten und Sterbefälle 1880 -1929 B> r allem interessiert es uns, wieviel Juden in Breslau wohnen und wie ihre zahlenmäßige Entwickelung sich gestaltet Hut. Dies können wir über 1ls0 Ja^re verfolgen. Breslaus iiidzsche Bevölkerung 1810—1925 Jtzbr Gesamtbcoö uäimlicb lveiblich lkerung vif¬ INÜIIill. Juden wcibl. zu,', p. 1000 1510 es 117 — . — 3 255 48. . 1821 _* » 4—! 81 815 — 4 692 56k 1831 1—; 89 509 _ 1 »4 905 54 1340 ' _ 97664 - — 5 714 59 1352 -- t— : 121 052 — , 8 080 66 1851 __ .— 1 145 589 — — 10 483 72 1871 ^543 108 454 207 997 : 7 116 6 800 13 916 67 i 1875 114 490 124 550 239 050 7 945 7 560 15 505 55) 1880 125 974 146 953 272 012 3 781 3 664 ' 17 445 64 j 1885 137 527 162 113 299640 8 812 8 843 " 17 655 sv! 1390 153 598 131 438 335 185 8 818 8 936 17 754 1395 170 140 203 023 373 163 9 019 9 450 18 449 49 1900 193 813 223 896 422 709 ■9 558 10 175 19 74-3 47 1905 214 541 255 263 470 904 . 9 596 10660 20 356 45 1910 230 945 231 156 512105 9532 10 680 20 212 40 1*25 249 740 ■ 307 399 557 139 11 008 122 32 23 240 42 .Im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung geht der jüdische Bevölkerungsrejl seit dem Jahre 1851, wo auf tausend 72 Juden kamen, bis auf 42 im Jahre 1925 stetig zurück, sö daß verhältnismäßig heutigen Tages weniger Anden in Breslau gezählt!iverdcn als im Jahre ISIS; dagegen kann man i» absoluten Zahlen eine progressive Zunahme konstatieren, und zwar von Im Geburten Geburten ans unedel. Geb. Jüb. Jahresburcbaus rein Mischehen z»s. von jüb. Stcrbescbnitt jüd. Eben Mann jüb. Fr. jüd. Mütter» fälle | >830-1884 357 12 10 22 19 302 1885—1889 304 12 10 22 15 285! 1890—1894 2^9 12 . 8 20 14 205 1 189?—1590 273 >4 15 27 18 293 1900-1904 273 13 12 25 18 329 1905—1909 255 II 14 25 17 339 1910 243 23 10 33 14 346 1911 213 >8 14 32 ' 20 344 1912 - 200 21 12 33 33 362 1915 215 15 17 33 18 405 1914 223 23 9 32 11 393 1915 >85 15 24 » 40 18 328 1916 133 19 11 30 7 342 1917 147 15 11 26 7 338 1918 139 >2 10 22 7 419 1919 198 19 11 30 13 581 1920 297 23 24 47 20 370 1921 327 29 11 40 17 376 1922 335 24 15 37 22 385 1923 337 >9 13 32 26 343 1924 319 21 0 30 26 372 1925 255 12 14 26 26 329 1926 227 21 15 37 14 ' 351 •1927 200 17 9 26 20 370 1928 220 .20 15 3s — 372 1929 155 - 15 11 24 — 428 j'. 55 im. Jahre 1810 bis auf 23-240 jüdische Seelen im Jahre 1925. So ist Breslau der jüdischen Einwohnerzahl nach die drittgrößte Audcngcnicinde Dnitschlands. An Berlin wohnen 172 572 (4,29 v. H. der Gesamtwohnbcvölkerung), Frankfurt a. M. 29 335 (5,29 v. H.) Juden. Der für die deutschen Großstädte ermittelte jüdische Anteil wird von einigen anderen erropäiseben Städten weit übertroffen. An Warschau war z. B. im Jahre 19 25 der dritte Teil der Bevölkerung jüdisch, in Budapest 1920 fast der viert« und in Wien 1923 und Amsterdam 1920 gut der zehnte Teil. Das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung ist auf dreifache Weise möglich: Dürch Zuwanderung. Geburtenüberschuß oder durch Ucbertritte von Richtiuven zur jüdischen Glaubensgemeinschaft. Betrachten wir den ersten Punkt. Breslau ist die einzig« deutsch« Stadt, die eine fortlaufende Dinnenwpnderungsstatistiknach konfessioneller Scheidung führt. Ihre Auswertung ist gerade für di« jüdische Gemeinde von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Weniger die rohen Zählen an sich, vielmehr in Verbindung mit sonstigen Wtgaben: Alter, Beruf, Stand usw. Es gibt in Deutschland keine jüdische ' Verwaltung, die von derartigen Unterlagen Gebrauch macht, obwohl sie überall erhältlich sind. Riebt allein für die Besteuerung würde man sofort gewisse Anhaltspunkte erhalten, sondern man härte auch die Möglichkeit, diic HiNzuzicbenden der jüdischen Geineinscbaft aufs wertvollste dienstbar zu machen. Dicllcicht genügt der Hinweis, um in Breslau*) den Versuch der Benutzung der pclizeilichen Meldeformulare zu unternchnien. (Siehe des rfassers Artikel: „Die Binncnwanderungsstatistik's im Dciitschen Statistischen Zjrnkralblatt, Heft 1. 1930.) 1, *) Die Snu.-Gem. Breslau hat eine ausgezeichnete Seelcnliste, für die nicht bloß die polizeilichen Meldungen, ' sondern auch andere Unterlagen nutzbar gemacht werdcn. Die Schrift!, sr wir bitten um Beachtung ües Anzeigenteiles^- Das obige Zahlenbild wirkt erschreckend. Anfang der acht,iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden alljährlich 357 Geburten gezählt, in, Jahre j929 nur noch 155. Im Jahre 1380 emfielen auf 1000 Jude» 20, im Jahre 1925 11 Geburten. Die Gcsamtbcvölkcrung zeigt günstigere Zahlen, und zwar 31 und 14. Ein Vergleich mit der Gesamtbcvölkeruiitz wirkt aber für uns verwirrend und kann für die jüdische Bevölkerung als kleine Minorität, die mir keine Blutauffcischung von» Lande her zu hoffen vermag, nur bedingt ein Dergleichsobiekt bilde». Wir sehen das trg'iscl'e Bild eines langsam verschwindenden Volkes vor uns, wie es von kundiger Seite vorausgesagt worden ist. Vorerst ist ein Umschwung dieser Situation nirgends wahrnehmbar. Die jüdische Sterblicbkeitscntwickclung paßt null ganz in den Rahmen, dessen Uinriise wir soeben geistig geschaut habe».! (Fortsetzung folgt.); Jüdische Münzen und Medaillen Am 13. April 1931 veranstaltete der Verein Jüdi,ches Museum E. L. .zu Breslau, gemeinsam mit der Kunstgruvpe der Breslauer Bne Britz-Logen, einen Vortrag mit Lichtbildern über das Thcnia „Jüdische Münzen und Medaillen", gehalten von Herrn Dr. Joseph Reichs Breslau. Herr R.-A. Dr. Littmann begrüßte die Anwesendci: zu) gleich, im Namen der Kunstgruppe der Logen, wie auch in seiner Eigen»! schaft als stellvertretender Vorsitzender des Jüdischen Museumsvereins, und wies auf die gemeinsamen Ziele der Kunstqruppe und des Museums»! Vereins hin, die darin bestehen, daß sich beide mit dem Gebiete des jüdischen Kunst und des jüdischen Kunstgewerbes befassen, und zuch Zwecke der Belehrung ihrer Mitglieder in einem vielen gänzlich unbekannten Gebiet den nachfolgenden Vortrag veranstaltet haben. ' " Herr Dr. Reich betonte in seiner Einleitung, daß es ein gewisses Wagnis darstelle, vor einem Kreise gebildeter Nichtnumismatiker über! ein -Gebiet der Münzwissenschaft zu sprechen. Denn wiewohl die Wissen»! schaft der Numismatik aufs engste sowohl mit der Geschichtswissenschaft 1

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