Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 4 (4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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ZI- .'ir. Breslauer Iüdisches Geineindeblatt Sßi?^At5w| große finanzielle Hilfe für die Gemeinde, die in dem Angebot der Jüdischen Schule läge. Schon um nicht den Anschein zu erwecken, daß nicht sachliche Gründe maßgebend gewesen seien, bitte er, der Jüdischen Schule Räume versuchsweise zu überlassen. J.-R. Kali sch entgegnxt, daß bekanntlich viele G?- meindemitglieder gegen hie Jüdische Schule seien. Der Antrag auf Ueberlassung/von Risumen verstoße auch gegen das Wahl- 1 kompromiß, das ohnehin! >n der Gemeinde Kopfschütteln erregt habe. (Herr Hoffmann! vom Vorstände springt auf und mit ihm zusammen verlasse» die konservativen und zionistischen Vorstandsmitglieder den Sitzungssaal.) Die Ueberlassung »würde, nach der Erklärung der Antragsteller, zeitlich unbeschränkt sein, da die Gründe fortdauern, nämlich die Notwendig- . keit, im Inneren der Stadt Klassenräume zu haben. Geh. Rai S f e l d erhebt sich sofort zu der Erklärung, daß J.-R. im eigenen Namen gesprochen habe. Die vier Vornitglieder betreten wiederum den Saal und Dr. F r e y - s h a n erklärt namens dieser Herren, er halte sich für verpflichtet, für die Ueberlassung der Räume qinzutreten, nachdem ein Vor standsmitglied entgegen der allgemeinen Bestimmung andere Gründe für die Ablehnung des Antrages angeführt habe, als der Entscheidung zugrunde gelegest haben. Herr Hoffmann begründet das Verlassen der Verhandlung damit, daß J.-R., Kalisch seine Erklärung nicht persönlich' abgegeben habe. Das j widerspreche dem Grundsatz des Vorstandes, Mehrheitsbeschlüsse nach außen hin einheitlich zu vertreten. Zur Ehre derjenigen, die den Antrag im Vorstand abgelehnt haben, müsse er erklären, daß nur sachliche Gründe maßgebend gewesen seien. J.-R. Kalisch erwiderte Herr Hoffmann sei wohl zu früh herausgegangen: denn er habe eingangs erklärt, der Vorstand habe nur aus sachlichen Gründen abgelehnt, er persönlich habe aber noch andere Gründe, die er für wichtig halte. ( R.-A. Jacobsohn wendet sich gegen die Reaktion in den eigenen Reihen. Auch im Deutschen Reiche gäbe es Schulen i aller Richtungen, nicht bloß solche jber Mehrheit. Es gehe daher nicht an, daß Jüdische Schulen astgelehnt werden, weil sie der Ansicht der Mehrheit widersprächen. Man lasse die Räume lieber leer stehen, als sie der Jüdischen Schule zu geben. Er . trete für den Antrag auf nochmalige Erwägung ein. Wo ein . Wille ist, sei auch ein Weg. Frau Dr. R a b i n stellt mit tiefer Ergriffenheit fest, daß ein Burgfrieden unter den Juden nicht bestehe: denn bei der Hilfe für die Jüdische Schule dürfte es keine Unterschiede geben. Die angegebenen Gründe seien, wie i sie darlegt, fadenscheinig, die finanzielle Ersparnis aber auf beiden Seiten erheblich. Es händele sich um die kleinsten unserer Kinder, um die Kinder der Aermsten. R.-A. Spitz bezeichnet die beiden letzten Reden für überflüssig, La die liberale Fraktion längst sich schlüssig gemacht habe, für den Antrag auf Rücküberweisung ast den Vorstand zu stimnmi. Tatsächlich widerspreche aber der Antrag der Jüdischen St^slc dem Geiste des Kompromisses. Pie Liberalen erwarteten e'n^ sprechendes Entgegenkommen. Fadenscheinig seien die Gründe nicht; man brauche nur an das gemeinschaftliche Sprechen der Lernanfänger zu denkey. Die Räume am Anger seien auch wegen der Nachbarschaft des Geutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes ungeeignet. — Hierauf wird der Antrag aup Rückverweisung an den Vorstand mit großer Mehrheit angenommen.*)! Nunmehr begründet R.-A. Nothmann die Anfrage der Jüdischen Dolkspartei,-was der!Dorstand getan hat und zu tun. gedenkt zur Beschäftigung von jüdischen Erwerbslosen auf den jüdischen Friedhöfen. Er erinnert an die Beratungen im Notftandsausschuß zur Unterbringung jüdischer Arbeitnehmer. Der Verein der jüdischen Hand-! und Kopfarbeiter sei bei Fried Hofsinspektor Marcuse, Lohestraße, vorstellig geworden, habe aber eine Ablehnung erfahren^ dabei sei unter den Erwerbslosen ein jüdischer Gärtner. ' Die Beamten &er Gemeinde müßten trotz vorhandener Schwierigkeiten die Bemühungen um Umschichtung der Juden unterstützen. Besonders schlimm sei. daß der Vorstand nicht eingegriffen habe. (Zuruf: „Wer sagt denn das?") Nun, wenn das der Fall sei, werde er sich freuen. Herr Hoffmann weist den Vorwurf an Hand der Akten zurück, daß der Vorstand nicht sofort eingegriffen habe. Bereits drei Tage später habe die dienstliche Aeußerung des Herrn Marcuse Vorgelegen, wonach sich der Vorfall wesentlich anders — abgespielt habe. Selbst wenn die Beschäftigung jüdischer Erwerbsloser uns mehr kosten würde, als die Fortbeschäftigung der eingearbeiteten Kräfte, müsse das nach feiner Ansicht in Kauf genommen werden: denn das Wertvollste für den Erwerbslosen sei die Tätigkeit. Er habe sofort mit beiden Friedhofsinspsktoren darüber verhandelt, wieviel ungelernte jüdische Kräfte eingestellt werden könnten, und wie die Mehrkosten aufzubringen seien. Bedenklich sei natürlich, alle langjährigen christlichen Kräfte aus diesem Grunde zu entlassen. R.-A. N o t h m a n n freut sich über den Beginn des Eingreifens, vermißt aber noch die praktische Folge. (Zuruf: „Cs liegt ja noch Schnee!") Mit seiner Anfrage habe er der drohenden Mißstimmung vorgreifen -ivollen. Auch anderwärts sei noch Platz für jüdische Erwerbslose zu schaffen, z. B. bei der I. K. V. A. R.-A. Dr. Wolfs teilt die Bedenken, daß man jahrelangen christlichen Arbeitskräften kündige, wünscht aber, daß bei Neueinstellungen nur jüdische Kräfte verwendet werden. In der anschließenden Geheimen Sitzung wurden zu Ratsmitgliedern gewählt: 1. Geh. Rat Goldfeld, als dessen Vertreter Gemeindeältester Waldstein, 2. Rabbiner Dr. Simonsohn, als dessen Vertreter Rechtsanwalt Nothmann. Zum Dajan wurde Rabbiner Wassermann aus Darmstadt gewählt. ferner wurde eine Stiftung angenommen, Die Wahl der Ausschußmitglieder wurde wegen der vorgerückten Zeit vertagt. das zehnjährige Bestehen -er jüdischen Schule wurde am 29. März durch eine zahlreich besuchte Festveranstaltung im Konzerthaus gefeiert. Nach einem eindrucksvollen- Dortrage des Schülerchors unter "Leitung von Herrn Lehrer^ Tichauer trug ein Kammerorchester geschätzter Dilettanten unter Leitung von Kapellmeister Hans Krieg formvollendet Kotnpositionen von Händel, und Vach vor. In der *) Inzwischen hat der Vorstand abermals die Ueberlassung von Räumen abgelehnt.