Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 3 (3.1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3970005-7569524-7569682--1435-3971344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 Bcetlauer Jüdische» <9 e m e i n 6 e bla f t Nr. 3 Gemein-evertreter-Sihung am 5. März 1931. Bericht von Dr.?! c cb n i tz.?>ie Sitzung dauerte von 16'2 bis 24V« Hbr. Die Tagesördiumg entbleit 15 Punkte, darunter 4 Zinsragen. Dennoch wurden alle Punkte erledigt bis auf die Wahl der Ausschüsse. Der Porsitzende 3.-9!. P c i se r erössnctc die Sitzung mir einem Nachruf für den verstorbenen früheren Syndikus der Gemeinde Iuftizrat. 3oci, der stehend angchört wurde. Nach Perlesung einiger Dankschreiben und Einladungen und nach dH: Aufforderung, die den Gcmcindcvcrtretern zugegangene Geschäftsordnung sorgfältig aufzubewahrcn, trägt der Porsitzende die iicuc Dezcrnatsvcrteilung im-Porslande vor. Sie wird besonders amtlich bekannt gemacht, "w e h e i in r a t Goldfeld bemerkt hierzu, daß die beiden Stellvertreter des Vorsitzenden gleichberechtigt sind und sicb vierteljährlich im Dienste ablösen. Dr^ Schachtel sei nur deshalb an erster Stelle genannt, weil er mit dem ersten Picrkeljabr beginne, j— Die vom > Vorstande beantragte Ergänzung der Bcerdigungsgcbührcn-Ordnung dahin, daß Personen, die aus einer Synagogen-Gcmcinde ausgetreten find, mir gegen eine vom Vorstand fcstzusctzcnde Sondcrgebühr bier zu beerdigen sind, begründet ausführlich R.-A. F 0 e r d c r. Ec gehr auf die rechtlichen Streitpunkte des Näheren ein, die aber sür Breslau durch die Satzung geklärt sind. Die Gebührenordnung enthalte insofern eine T'ücke, als Personen, welche ,z. B. aus einer Provinzgemeinde., ausgetreten sind, hier lediglich gegen Fremdcngebührcn ,;u beerdigen sind, also zu demselben Satze, wie Angehörige einer Provinzgemeindc, die nicht ausgetreten sind. Die Vorlage wird auf Antrag des Berichterstatters angenommen. Nuninebr begründet Herr Gins den Antrag des Vorstandes, sür die Jüdische Wittelstandshilfe zur Erlangung weiteren Betriebskapitals eine selbstschuldnerische Bürgschaft für weitere 3? 300?!W. zu übernehmen. Er erinnert an die Beratungen im Nolstandsausschuh. Wan glaube, daß durch einen erweiterten Geschäftsbetrieb der Wittclstandshilfe der Krcditnot zunächst abgcholsen werden könne. Damit sei aber der Gedanke einer Genossenschaftsbank nicht beiseite gelegt.- 3a, er könne sogar sagen, diese Bank marschiere. Er vermisse übrigens jede Angabe über die Zusammensetzung des Vorstandes der Wittelstandshilfe E. B. Auf jeden Fall mühten Sicherllngen für die Zusammensetzung des Vorstandes bei einen. Inskitut geschaffen werden, das 100 00Ü NW. Kredit von der Gemeinde habe. Erst wenn der Einfluß des Gcmcindcvorstandcs gesichert sei, könne er für die Annahme der Vorlage eintrctcn: Deshalb beantrage er Vertagung. Bankvorsteber S i l b e r in a n n macht Angaben über die jetzige Jusannnensetzung des Vorstandes der Mittesstandshilfe, dein u. a. Herr Guido Neustadt, und von der Gemeindcnertretung Herr Kcmpe und er selbst angehörcn. Bei der nächsten Wahl soll Herr R.-A. Spitz zugewählt werden. Redner erläutert ferner die Grundsätze, nach denen Kredit gegeben und Wechsel giriert werden sollen. §cct Julius Perl tritt dringend für Annahme der Vorlage ein. Er benennt die übrigen Mitglieder des Vorstandes, zu dessen BcrattUlgcn zwei Kuratoten der Fraenckel'schcn Stiftung zugezogcn werden. Die Nachfrage nach Kredit sei sehr groß; es werde mit größter Vorsicht vorgegangen. Darlehne werden nur sür die Existenz, nicht aber für den Unterhalt gewährt. Nach weiteren Ausführungen der Herren Goldstein, Silbcrmann und Gins wird die Vorlage mit der Maßgabe angenommen, daß ein Gemeindevorsteher in den Vorstand der Wittclstandshilfe E. V. gewählt werden müsse. Hierauf begründet Dr. Schlesinger die Anfrage wegen der Freitagabend-Veranstaltung im Jugendheim. Er verliest sein Schreiben an den Vorstand über diese Angelegenheit, auf das er nach etwa 7 Wochen Antwort erhalten habe, die er ebenfalls vorträgt. Vermutlich sei der Vorstand in Verlegenheit gewesen, seine Ausführungen zu widerlegen. (Zuruf: „Durchaus nicht.") Der Vergleich mit der Orgel in der Antwort sei nicht zutreffend. 3n die Neue Synagoge brauche niemand hineinzugehen, dein das Orgelspicl nicht pass!?. Das 3ugendheim dagegen stehe allen Richtungen zur Beifügung. 3m. Jugendheim-Ausschuß sei Einigkeit darüber gewesen, auf jegliches Spielen am Freitagabend zu verzichten, nicht bloß auf die profane Wusik. Das Protokoll sei in diesem Punkte unrichtig. Frau Ollcnd 0 rff erinnert daran, daß sie dein 3ugendlciter bei seinem Dicnyantritt. ans Herz gelegt habe, Freitagabendfeicrn zu veranstalünr, die sür die 3ugcnd dringend notwendig seien. Aber erst der 3li habe solche Feiern veranstaltet. Das genau und geschickt abgefahte Protokoll gebe den 3nhalt der Verhandlungen richtig wieder. Es sei nur aus das Klampfen verzichtet worden, niemals auf religiöse Wusik. Was Dr. Schlesinger von der Rücksicht auf andere religiöse Anschauungen ausgcführt habe, müsse auch sür die liberale Richtung gelte,). Der 3li habe sich bitter beschwert über das Verbot der Klavierbegleitung zu seinen religiösen Gesängen. Wit dem Verbot werde dein Frieden nicht gedient. Auch die konservativen Mitglieder sollten aus dein tief religiösen Empfinden hcraup i die religiösen Feiern des 3li unterstützen. R.-A. S p i tz bestätigt ebenfalls, daß in der fraglichen Sitzung des Iugcndausschusfcs nur davon die Rede war, wie die Bünde sich gegenüber dem Klampfen ain Freitagabend verhalten sollten.! Die Art der Veranstaltungen des 3li sei durchaus ernss. Redner verliest den Ablauf einer solchen FreitagabendseicH Nach Schluß einer solchen Veranstaltung seien etwa 15 Bar Kochbaer hcrcingckommen, um mit den, 3li,dcn Sabbath feiern zu können. Der Abend verlief mit ernsten Diskussionen; und ernsten deutschen und hebräischen Gesängen. Gewiß ein gutes Zeichen, wie sich hier die Jugend über alle Partcilgcgensätze hinwcggesctzl habe. Die Bünde könnten bei dein geringen Besuch am Freitagabend so verteilt werden, daß keinen Bund die Klavierbegleitung des 3li zu stören brauche.- .Die liberale Anschauung müsse in, 3ntcrcssc des Friedens ^ebenso berücksichtigt werden wie die orthodoxe. Die Vcbech zcugung dürfe und könne man nicht opfern. Er würde es ' begrüßen, wenn Dr. Schlesinger einmal an einer solchen Freitagabendfcicr des 3li teil^chmcn würde. Frau Dr.?! a b i n dankt Dr. Schlesinger, daß et bei, Anschauungen weiter Kreise Ausdruck gegeben habe, und R. -A. Spitz dafür, daß er die liberale Anschauung so auss führlich dargelcgt habe. Sie bestreitet, daß in der Ausschuß- Sitzung nur von profaner Musik die Rede gewesen sei. Es . wäre von Musizieren überhaupt gesprochen und Klanipfcn nur als Beispiel angegeben worden. Die Grenze zwischen profaner und ernster Musik sei flüssig. Schubert werde als ernste Musik gewertet, und das sei doch zweifelhaft. Toleranz werde gern geübt, aber nicht innerhalb der gemeinschaftlichen Räume, wie sie das Jugendheim darstcllt. 3m Gegensatz zu der Zlnsicht des Vorstandes störe das Klavierspicl des 3li. Was störend sei, könne nur der beantworten, dm es angche. S. -R. Dr: Horn entgegnet, daß gerade die liberale Anschauung wiederholt gestört worden sei, so bei der bekannten Simchas Thauro-Feier mit der wilden Tanzveranstaltung im Hofe vor breiter Oeffentlichkeit der Nachbarschaft, wobei sogar ein Rabbiner mitgewirkt habe. Seine liberalen Freunde! brächten aber diese Störungen nicht vor die Oeffentlichkeit in Form einer solchen wilden Interpellation. 3m Interesse des Friedens bitte er ernstlich dafür zu sorgen, daß das Iugendheim nicht in den Ruf einer ausschließlich konservativ-zio-i nistischen Institution komme. Das Iugenddeim sei unter Zutun auch liberaler Männer und Frauen errichtet worden, deren Anschauungen cs ebenfalls Rechnung tragen müßte j 'Herr D a v i d s 0 h n verwahrt sich energisch dagegen, i daß die ernste eindrucksvolle Feier des Iii, die tiefe Religiosität in die Jugend trage, „eine musikalische Veranstaltung" genannt werde. Der Iugendheimleiter, dem das Programn, vorher mitgeteilt worden sei, habe, keinen Anstoß genommen! sondern sogar gebeten, mit seinen Freunden nach Schluß l des Geschichtskursus an dieser Feier teilnehmen zu dürfen. Es war ein Klall Iisrocl und habe ihm Veranlassung gegeben,