Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 2 (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 2 Brcflaaec Jüdische» Semeiadebtatt 21 ieääeUen und W&Otje&haiM/ngen ßers cfrEßrlicf) K.-G., Breslau, Ring 25 Bettstellen-Preise teilweise 30°/o ermäßigt Zahlunperiekhteniiig — Mlt*L d. Cund.-Kredlt Ge. ISlaMdhkn aus dem Uetiande der S^nagogen-Jemeindea dee$covin&1(ttede*6cMeeien Unterichtszweckoerbllnd. Unter Führung des Bezirksverbandes Niederschlesien fand am 8. Februar in Breslau eine Besprechung der Vertreter der Gemeinden Festenberg. G r. - W a r.t« n b e r g. Militsch und N a m s I a u statt. Sie galt dem Erfordernis, den schulpflichtigen Kindern der genannten! leistungsschwachen Gemeinden einen geordneten, zeitgemäßen sprechung, welch« durck bearbeiters des Preußi worden ist, führte zu « Religionsunterricht sicherzustellen. Die Bcdie Ausführuingen des anwesenden Sachlichen Landesverbandes maßgeblich beeindruckt fnem alle Teilnehmer befriedigenden Ergebnis. Unter der Voraussetzung! der durch den Landesverband zu beschaffenden den regierungsseitigen Richtlinien 1 entsprechenden Staatsbeihilfe einigte man sich sowohl über dest Amtssitz des anzustellenden Lehrers, als auch über fein« Dienstoerteiluhg und über die Besoldungsanteil« der zu versorgenden Gemeinden. (Hs war mast zweifelhast, daß di« vier Gemeinden die Besprechung ihrer Vertreter guf heißen werden, so daß die bestehende Not an Religionsunterricht in ihrefn Kreise dann ehestens wird behoben werden können. j W. Archivalien. Pie zunehmende Entvölkerung der kleineren und kleinsten Gemeinden führt naturgemäß zu verschleppender, und erliegender Verwaltung. Damit igetangen Urkunden, Kult» und Gebrauchsgegenstwnde teils in Vergessenheit, teils in unberufene Hand. Sie sind meist von kulMr- oder historischem Wert und ihre Erhaltung ist darum von Bedeutung. Wir wiederholen! di« ost ausgesprochene Bitte an die Vorstände und an die Mitglieder der genannten Gemeinden, Gegenstände der gedachten Art, Seelenlisten und sonstige nicht dem laufenden Gemeindebetriebe dienende Akten , usw. dem Archiv der Synagogenaemeinde Breslau, welche die Trafisportkosten gern trägt, auszuliesern. Hierbei kann ausdrücklich betont werden, daß jede Gemeinde sich da; Recht des Eigentums und der Rückforderung an ihren Einlieferungen Vorbehalten kann. Ratswahl. Dell Gemeinden des Bezirks ist mit dem, bei dem Kreiswablleiter «ingegatigenen Wahlvorschlag zum Rat für den Preußischen Landesverband Mischer Gemeinden die Aufforderung zuaegangen, unter Be ach tung des ihnen vom Preußischen Landesverband zugefandten Vordrucks chr Wahlrecht auszuüben. Die Gemeinden haben ihre Abstimmungen, wen sie zum Ratsmitglied, wen sie zutn ersten Ersatzmann, wen sie zum Zwecken Erfatzmanp wählen, bis spätestens zum 2. März er. in die Hand des Kreiswahlleiters, Gemeindeältesten W a l d st e i n, Breslau, Hohenjollernstraße 70, gelangeii zu lassen^ Oels. Wie im' vorigen Äahrie haben sich auch in diesem Winter alle Vereine und Körperschaften dir hiesigen Gemeinde zu einem Ausschuß für jüdische Volksbildung zwecks gemeinsamer kulwreller Arbeit vereinigt, dessen Vorsitz! Herr Bezirksrabbiner Dr. Wahrmann führt. Mehrere namhafte Persönlichkeiten sind bereits für die Abhaltung von Vortrügen gewonnen worden. Als erster sprach am 22. Januar Herr Semmavdozent Dr. Aihert Lewkpwitz, Breslau, über das Thema: ..Deutschtum und Judentum". Ausgehend von der schwierigen politischen Lage, in der sich augenblicklich das deutsche Judentum befindet, führte der Redner etwa folgendes aus: Wwohl bereits im 4. Jahrhundert jüdische Gemeinden in Deutschland existiert haben, ist doch erst im 18. Jahrhundert ein intensiver Einfluß des europäischen! und insbesondere des deutschen Geisteslebens auf Juden und Judentum nachweisbar. Wie die Emanzipatton der Juden zu Beginn des 19j Jahrhunderts eine Frucht der Aufklärung ist, war die Aufklärung der Boden, auf! dem die Europäisierung des deutschen Judentums stattfand. Moses Mendelssohn ist hierfür Repräsentant und Weichereiter. Die sitttich-religiöse srndogmatische Weltanschauung Kants ermöglichte die immer tiefer dringende Umschmelzung des Judentums im Geiste des jüdisch-religiösen : Liberalismus. Lazarus Bendavid, Salomon Maimon, Moritz Lazarus, Hermann Elchen zeichnen diese E-ntwicklung. Die Historisierung her europäischen Weltanschauung im Zeitalter der Romantik führte zur Erkermtnis der geschichtlichen Jndioi- Qualität alles kulturellen und damit auch des religiösen Lebens. Der Einfluß der deutschen Romantik ermöglichte die Begründung der ge-' schichtlichen Erkenntnis des Judentums und di« Erneuerung der jüdischreligiösen Tradition als Grundlage der jüdisch-religiösen Gemeinschaft. Zacharias Frankel, Heinrich Graetz, Abraham Geiger charakterisieren die verschiedenen Richtungen innerhalb des in jüdisch-geschichtlichem Bewußtsein sich neu begründenden Judentums. Di« trotz oiefer kulturellen Synthese zwischen Deutschtum und Judentum hervortretenden Spannungen und Gegensätze machen, die Verteidigung des Judentums notwendig. In verjchiedenem Geiste ersaßt der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der Zionismus diese Ausgabe. Aber auch der jüdische Rationalismus kann nicht die Lebensgemeinschaft der deutschen Juden mit dem deutschen Volk im geistig-kulturellen und wirtschastlich-politischen Leben ausheben. Daraus ergibt sich die Verpflichtung der von jedem einzelnen inmier neu zu vollziehenden Synthese von Deutschtum und Judentum. Herr Dr. Lewkowitz verstand es, durch feine sachlichen, aus hohem Niveau stehenden Ausführungen, wie durch seine lebendige und formvollendet« Darstellung die Zuhörer während de? ganzen Abends in Kann, zu halten. preußischer Lanüesverbanü jüdischer' Gemeinden Amtlich. Am 11. Januar hat in Berlin unter dem Vorsitz des Präsidenten Kammergerichtsrat Leo Wolfs eine Sitzung des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden stattgefunden. Da mit Rücksicht aus die Ende November 1930erfolgten Neuwahlen - zmn Verbandstag ein früheres Zusammentreten des. Rats nicht möglich war, hatte sich «in recht umfangreicher Beratüngsstoff angesammelt. Zu feiner Bewältigung war ixr, Rat noch in feiner alten Zusammensetzung berufen. Zum stellvertretenden Schatzmeister des Landesverbandes wurde an Stelle des im vorigen Jahre verstorbenen Direktors Hugo Ostberg der neu in dest Rat eingetretene Direktor Gerson Bach gewählt. In der Sitzung wurde zunächst das Ergebnis der Wahl vom 30. No, . ocmber 1930 festgeftcllt. Es entspricht durchaus den in der Oessentlichkeit bereits bekanntgewordenen vorläufigen . Ermittlungen. Sodann lvurde beschlossen, den Verbandstag auf den 22. uird 23. März 1931 cinzuberufen ynd auf feine Tagesordnung, abgesehen von den regetmäßigen Gegenständen (Tätigkeitsbericht des Rats, Rechnungsabschluß und Voranschlag) insbesondere die folgenden Punkte zu setzen: Stand . der Bestrebungen nach Schaffung einer Reichsorganifation und Erlaß eines Gesetzes-betreffend die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen, Gründung «infr Beamtenpensionskasse sowie Schaffung eines Beamten, rechts, eines Rormalstatuts für Gemeinden. Zur Prüfung des noch fertigzustellenden Rechnungsabschlußes für 1929/30 wurdf das Kollegium der Berliner Dezernenten ernrächtigt. lieber den vorgelegten Haushaltsplan für 1931/32 fand eine sehr ausgedehnte und inhaltsreiche Besprechung statt, deren Hauptgegenstand das Problem bildete, wie trotz der schweren wirtschastlichen Rot, durch die alle jüdischen Gemeinden betrossen sind, die Aufgaben des Landesverbandes wenigstens in einigermaßen vertretbarem Umfange weites erfüllt werden könneiß. Die hauptsächlichsten dabei zu berücksichtigenden Gesichtspunkte fasten in einer demnächst einzuberufenden Zusammenkunft von VertrelerU der Groß- und Mittelgemrinden gründlich bejprochen, alsdann soll die GestalMng der Etatsvorlage und die Höh« der Umlage endgültig festgesetzt werden. Die für das abgelausene Etatshahr von dem Wohlfahrtsausschuß ausgesprochenen Uhterftützungen wurden entsprechend den fvon dem -Ausschuß gefaßten Beschlüssen bewilligt. Eitlen besonderen Rainn nahm in der Beratung die Frage ein, in welcher Weise Maßnahmen zur Milderung der wirtschaftlichen Rot unter den Juden getroffen werden können, insbesondere die Frage der Errichtung von Kreditvereinen auf genossenschaftlicher Grundlage in den einzelnen Gemeinden. Bei! der Schwierigkeit des .Gegenstandes weiden noch weitere Erörterungen sich anschiießen müssen. Der Rat beschäftigte sich im übrigen eingehend mit der Frage der Lehrerbildung! Es wurden richtungweisende Entschließungen gefaßt, die dem am 12. Januar 1931 behuss Prüfung der Lehrerbildungsfragkn zufammentretendfen Fachausschuß zur Berücksichtigung oorgelegt werden sollen. - Der augenblickliche Stand der Bestrebungen zur Reschm des Kalenders, die von den Juden aller Länder wegen der unter Umständen für die Erhaltung des Sabbaths bestehenden Gefahren mit Besorgnis verfolgt werden, wurde dargeiegt. Di« in dieser Beziehung von