Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 3re»lauer Jüdische» Gemeiadebiakl 5 Wohltätigkeit stets zu Haute war, hot auch Herr Eugen Perle es von Jugend an als eine heilig« Pflicht betrachtet, der Allgemeinheit zu ' dienen und insbefwvbm jüdische Wohlsahrtseinrichtungen trat Rat und lat nach bestem Können zu Unterstützen. Seit dem Fahre 1917 gebärt Herr Perl« dem Vorstand der Israelitischen Kranken.Vrrpslegungsanstalt und Veerdiaungs-Gesellschast an und hier Hot er seitdem als Mitglied der verschiedensten Kommissionen, ntsbelondere aber als Vorsteher für das Deerdigungswesen und als Mitglied des Unterstützungsausschusies eine überaus segensreiche Täligkeit entfaltet. Herr Perl« ist ferner seit Jahrzehnten Vorsitzender des Vereinst Peah, Jüdisches Drockenhaus und wenn diese den Aermsten unter den Armen dienende Einrichtung in den Jahren höchster Not unzählige hilfsbedürftigen Glaubensgenossen wertvolle Hilfe geleistet hat, so ist dies insbesondere der unermüdlichen und aufopferungsvollen Wirksamkeit des Herrn Eugen Perle zu verdanken. Auch als Mitglied des HauptausfchUsieKsdes Jüdischen Wohlfahrtsämter wirkt Herr Perl« feit vielen Iahrey mit großem Eifer, wie auch seine Mitarbeit im Bauausschuß unserer Gemeinde allseitig gelchätzt wird.! Wir beglückwünschen Herrn Eugen Perle zu seinem 60. Geburtstage aufs herzlichste und wünschen ihm/ noch viel« Jahre segensreichen Schaffens. >, L. ' l Den 80. Geburtstag feierten am 11.1.1931 Frau BiankaTaucher geb. Wohlfarth, Alfenstraße 93/95» und am 18. Januar 1931 Frau Johanna Philippsborn. Neu« Taschenstraße 32. Den 75. Geburtstag feiert am 4. Februar Herr SimonSachs. Kaiser-Wilhelm-Stratzc 222, Seniorchef der Firma Julius Sachs jun., Tauenßienstraße 81. Den 75. Geburtstag feiert am 11. Febniar 1931 Herr Sally Baum, Gartenstraße 51. Die goldene hochzelt feiern am 23. Januar 1931 die Eheleute Herr Emanuel Koltonski und Frau Fanny geb. Lubliner, Cyarlottenstraße 5. Arbeitsnachweis jüd. Organisationen Schlesiens. Am Mitvwoch, den 19. November (Bußtag) fand in den Räumen des Jüdischen Jugendheimes die Vertreteroerjammlung der Arbeitsnochweirgemeinscbast statt. Die Tagung war 'von Vertretern aller größeren Organisationen und einer Reihe interessierter jüdischer Arbeitgeber wie Arbeitnehmer besucht. Der Vorsitzende, Herr Alfred K a - l i s ch e r, weist bei der Eröffnung auf die in seinem bereits vierjährigen Bestehen geleistete Arbeit des JiMchen Arbeitsnachweises hin. Die Vermittlung von insgesamt 1800— |200(J Stellen bedeutet in einer Zeit höchster wirtschaftlicher Krisis eine! oußerordenlliche Tat, auf die num mit besonderer Genugtuung zurückblicken kann. Nach Erstattung des Tätigkei sber'.chtes durch den Geschäftssührer, Herrn Samson, wird dem Borkt and« Entlastung erteilt und der bisherige Vorstand wicdergewählt. An Stelle von Herrn Obcrrea.-Rat Marcus, der nach Düsseldorf verzogen ist. und dem Herr K ä I i s ch e r herzliche Dankesworte widmet, wirb als Vertreter der Angestellten Herr Kirstein einstimmig hinmgcwählt. Daraus hielt Herr Philipp Lachs ein Referat über „Die jüdische Wirtschostskrisis". Der Redner schildert ausführlich die allgemeine mirrlchaiiliche Lage Deutschlands, sowie ihre spezielle Auswirkung auf di« in Deutfch'nnd lebenden Juden. Er bedauert den Zug der Juden vom stand« und der Kleinstadt zur Großstadt. Da die Juden der Großstadt zumeist zwischen Erzeuger und Konsumenten, d. h. im Handel stehen, ist ihre wirtschaftliche Daseinsberechtigung in der Nachkriegsentwicklung lehr geschmälert Aus vielem Grunde ist eine Rückkehr der Juden in dis Kleinstadt und aus das flache Land erstrebenswert. Die Möglichkeit hierfür fei in der Nachkrie z-zeit durch die Siedlungsbestrebungen für Arbeitnehmer durchaus gegeben Die schlechte stage der Landwirtschaft trifft mehr den Grohgru.chbesitzer als den kleinen Siedler, der für die Bcwürsniffe seines Kreises arbeitet. Daneben empfiehlt'der Redner die erhöhte Bevorzugung des Handwerks, sowie auch di« mittlere und untere Beamtenlausbahn. Nach Herrn Lachs behandelt Frl. Dr. Heilberg das Thema .„Wirtschaftskrisis und Frauenarbeit". Sie weist aus die erheblich gewachsene Zahl der Arbeitnehmer im allgemeinen hin. die nicht zum wenigsten aus die verstärkte Frauenarbeit in der Nachkriegszeit zurückzuführen ist. Demgegenüber sind die Möglichkeiten der Frauenarbeit immer noch begrenzt, insbesondere kommt nur Arbeit im Textil- und Bekleidungsgewerbe, häusliche Berufe, kaufmännische Berufe und gewerbliche Wirtschaftszweige in Frage. All« dies« Berufsgruppen' sind aber fast ausschließlich von der Kaufkraft des letzten Honsumen'en abhängig, und deswegen ist damit zu rechnen, daß die aüoenblickliche Wirtschaft-kris« .die Frauenarbeit besonders lange beeinträchtigen wird. Sie empfiehlt aus die'er Situation heraus möglichst vielseitige Berufsbildung auch erwachsener Per» sonen. um eine größere „Wendigkeit" der zur Vermittlung kommenden weiblick-en Arbeitskräfte zu erreichen. Frl. Dr. Heilberg unterstreicht die Bedeutung der Berufsberatung. die neben berusskundlichem Wissen Fühlungnahme mit denjenigen Stellen verlangt, die menschliche Bindung mit den zu beratenden jungen Menschen haben. Voraussetzung jeder Berufs» wie Arbeitsberatunq ist, daß di« zu beratenden Menschen ethisch und kulturell aus seinem Niveau stehen, das sie für den Rat zugänglich macht. In dielet ethisch-kulturellen Einwirkung aus die Arbeitslosen liegt eine der wichtigsten Ausgaben der caritativen Arbeit, welche notwendig ist, um di« Rückführung solcher Erwerbsloser ins Wirtschaftsleben zu ermöglichen. An der Diskussion über di« beiden Referate beteiligen sichchie Herren Preuh, Amtsgerichtsrat Bildhauer, S'adtrat Leß. Rechtsanwalt Nochmann, Herr Goldberg sowie' Frau Dr. Rabin, Frau" Justizrat OUendorss und Frau Meyerstein. Herr Lachs betont den Ein- Wendungen verschiedener Diskussionsredner gegenüber, daß das Schlagwort vom Boykott der Juden auf di« Provinz nicht anwendbar sei, vielmehr das Verhältnis zwischen Juden uyd Nichtjuden in der Provinz erträglich wäre. Der Antisemitismus fei «ine t^mgersrage uttf> werde!nach Rückkehr normaler wirtschaftlicher Verhältnisse .zurückgehen. Die Rückkehr der Juden m die kleinen Städte und aus das platte Land werde unter dem Zwange des Hungers erfolgen. Die Lösung dieser Frage lei jedoch ohne einen gewissen Optimismus nicht zu erreichen. Im übrigen hält er die Zentralisierung des jüdischen Arbeitsnachweiswesens für das Reichsgebiet notwendig, um über das Stellenmaterial aus dem ganzen Reiche insorrniert zu sein und Juden aus dem Osten nach dem Westen verpflanzen zu können. * ' . TMbliotfieF -er Svnogoyen-^emekn-e Schrifttum über Antisemitismus (Auswahl). Anklagerede der Großherzogl. Staatsanwaltschaft in Luxemburg wegen. Beleidigung der jüdischen Religion und ihrer Bekenner. Berlin 1925. 3609. 13 Anti-Anti. Blätter zur Abwehr. Tatsachen zur Judensrage. Berlin 1928. ' . 7586 Antisemitenspiegel oder Antisemiten im Lichte des Christentums, des Rechts und der Moral. Danzig 1890, I960. 1693 Bebel, A.: Sozialdemokratie und Antisemitismus.' Berlin 1906.' 3601,61 Bell, H. I.: Juden und Griechen im römischen Alexandria. 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Heft 2 und 3. 3/606, 31 u. 3606, 33 Efendi, M. E.: Antiscmitica. Berlin 1926. 7376 Fischer, B-: Talmud und Schulchan Aruch. Ein Portrag für den Leipziger Antrsemi en-Berein. Leipzig 1906. ' - 3601, 70 Foeoder,'Ludwig: Antisemitismus und Justiz. . Berlin 1924. 3608, 47 Förster, P.: Der Fall Ahlwardt in der össentlichen Meinung und im stichle der Wahrheit. Berlin 1903. 3603, 30 Freund, Jsmar: Der Judenhaß. Ein Beitrag zu seiner Geschichte und . Psychologie. Berlin 1922. . 7151 Fri^emann, E.: Jüdische Moral und christlicher Staat. -Berlin 1891. 3602, 7 Friedhofschändungen. Maßnahmen zur Bekämpfung der - Friedhof - schändungen. Berlin 1929. 3610. 33 Goldmann. F.: Das Irrationale im Antisemitismus (in „Oer Morgen" 1927). . , Goldmann, F.: Vom West» des Antisemitismus. Berlin 1921. 7210 inYcnfnr-AiisTerhaof _ Beginn: Monfag, den 26. Januar rv b",Sonder- Angebote 2eu.*,.\; KmdePrtKleidun^ Mädchen* und Knabe n-Mäntel Knaben-Anzüge Wollwaren Mädchepu. 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