Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. I o Brolaner Jüdische» Geweladebialk Jüdische Tuberkulose-Fürsorge (Beratungsstelle) [• , Ehrfurcht vor -er Weisheit ' Bon Rabbiner Dr. I o j ephsohn -Breslau. Die Breslauer Zeitung vom 23. November bringt unter der lieberschrift „Die meisten N ob el preis träger Deutsche" solgenüe Eingaben: „Mit der Verleihung des 'Nobelpreises für Chemie an den Münchener Professor Hans Fischer ist wieder emem Deutschen die höchste wiss.mlchastliche Auszeichnung jutcH gewoöden. Im ganzen sind 27 deutsche Gelehrte in den dreißig Jahren seit der Stiftung des Preises aas diese Weis« geehrt worden. Mit 27 Nobelpreisträgern steht Deutschland an der Spitze .aller Bänden." Diese Ausführungen beweisen, daß Deutschland nach wie vor eine führende Stellung, ja den höchsten Rang aus dem Gebiete von Kunst und Wissenschaft einnimmt. Für um deutsche Juden aber kommt noch die bedeutsame Tatsache hinzu, daß unter den 27 deutschen Nobelpreisirägern sich fünf .Glaubensgenossen befinden. Ich nenne sie hier auf die einzelnen Fächer verteilt, nach Jahroängen der Prcisocrteilung: Medizin: l. Paul Ehrlich-Franksiirt a. M., zuletzt Berlin. 2. Meyer. Hof (früher Kiel, jetzt Kaiser-Wilhelm Institut, Berlin). Physik: 3. Albert Einstein-Berliti. -I. James Frank-Göttingen. Chemie: 3. Richard Willstätter-München. * Der recht kleine jiidische Bevölkerungsteil hat also einen unverhältnismäßig großen Beitrag zur Förderung des Ansehens der deutschen Wissenschaft im Auslande geliefert. Denn im Deutschen Reiche lebe» «2 Millionen Einwohner, unter ihnen 600 000 Juden. Wir bilden also nur ein Prozent der Bevölkerung: dem gegenüber stellen die süns jüdischen Nobelpreisträger mehr als 22 Prozent ihrer andersgläiebigen ..Kollegen dar. Bon sämtlichen Nobelpreisträgern sind.sogar zwölf Juden, nachdem in diesem Jahre Professor Lnnüsteiner, früher in Wien, jetzt in Amerika, den Mcdizinpreis erhalten Kat, Der Grund für diele unserer Gemeinschaft zur hohen Ehre gereichenden Erscheinung liegt in dem llmstände, daß die eifrige Beschäftigung mit gelehrten Dingen schon seit Jahrtausenden in unserer Mitte «ine Stätte gesunden hat: von Generation ans Generation vererbte sich der Scharfsinn, der ursprünglich meistens auf das richtige Verständnis von Bitel und Talmud verwendet wurde. Durch diese aitdaüernden Studien erhielt der Geist eine Geschmeidigkeit, eine fast wunderbare Eignung für die Forschungstätigkeit, die ihn später, in der modernen Zeit befähigte, auch in den profanen Wissenschaften glänzende Erfolge zu erringen. Dazu kommt noch, daß unsere Religion ihren Bekenner» aus Herz legt, Weisheit, Einsicht und Erkenntnis als die kostbarsten Güter, ja als Gnadengeschenke Gottes zu beträchten. Wo findet man beispielsweise anderwärjs ein Gebet, wie es der Jude dreimal täglich in der Sch'mone «fre wiederholt, also lautend: „Du verleihst gnädig dem Menschen die Erkenntnis und lehrst Len Sterbliche» Einsicht. Berleihe du uns von dir <g>s Erkenntnis, Einsicht und Berltändnis. Gelobt seist du, Ewiger, dir verleiht die Erkenntnis." In dieser ' Hinsicht verdient ferner eine religionsgesetzlichc Bestimmung hohe Beachtung. j Sie besagt nämlich, man solle, wenn man einen ausgezeichneten Thoragclehrten'erblickt, die Bcnediktion sprechen: „Gelobt seist du. Ewiger unler Gott, König der Welt, der zugeteilt hat von seiner Weisheit seinen Verehrerin" Doch noch merkwürdiger ist es, daß das Religionsgesetz uns die Verpflichtung auferlegt, eine Benediktion zu sprechen, wenn mir «inen andersgläubigen großen Gelehrten er blicken, der in weltlichen, profanen Wissenschaften Außerordentliches leistet. Oer Wortlaut dieser Benediktion ists „Gelobt seist du, Cwichm unser Gott, König der Welt, der .sugeteilt hat. von seiner Weisheit den Sterb-. lichen" (d. h. allen Menschen ohne Unterschied der Abstainnrung und des Glaubens). Welch «ine hochherzige Gesinnung zeigt sich in der eben erwähnten religionsgesetzlichen Anordmgng! Nicht nur die neidlose Anerkennung fremder Berdienste kommt darin zum Ausdruck, es wird uns .logar als Pflicht auferlegt. Gott sreichig unseren Dank auszusprechen beim Anblick jedes Menschen, dem er Weisheit verliehen hat. Man darf wohl ohne Uebertreibung sagen. Laß das Judentum hierdurch eine vorurteilsfreie, bildungszreundliche Gesinnung bekundet, die ihm zur Ehre gereicht. Die Liebe zur Wissen>chait, der! Drang nach Erkenntnis und die hohe Berehrung, die stets den Gelehrt«», den Bertretern der Wissenschast bei uns Juden gezollt wur-en, Habeis es im Verein mit vortrefsliche» Geistesanlagen zuwege gebracht, daß i unsere G'aubensgenossen überall, wo man ihnen die Möglichkeit gewöhne, ihre Fähigkeiten gedeihlich zu entwickeln, als Sieger aus der Arena der geistigen Wettkämpfe hervoxgegangen sind. Bibliographie -er ju-isch-schleflschen Literatur für!-as ^ahr 1Y2Y Don Btrnharh Brillin g. Schon zum dritten Male gibt mir die Gastfreundschaft des Breslauer Jüdischen Genmiindeblattes die Gelegenheit, einer weiteren Oeffentlichkeit eine Zusammenstellung alles dessen, was das Gebiet der lüdisch-schlesischen Beziehung^ anbelangt und gedruckt vorliegt, zu überreichen, wofür ich hier meinen Dank asusspreche. Leider ist dieses lobenswerte Beispiel unseres Gemeindeblattes nicht von den sonstigen Gejueindeblättern jüdischer Gemeinden beachtet worden — etwas, was sih später für die künftigen Bearbeiter der Geschichte der jüdischen G« neinden in Deutschland hemmend auswirken wirb. - Inzwischen ist in i nescm Jahre wieder — noch sehr langen Zeiträumen — die schon lange als notwendig empfünbene „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" erschienen, deren erfte1 bereits vorliegende Heft« Zeinen, rerheißungsvollen Ansang bedeuten. In dieser Zeitschrift ist auch eine B bliographie der historischen Literatur der letzten Jahre, betreffend die Judm in Deutschland, erschienen, um so die Arbeit der (leider nicht meh: existierenden) .Leitschrift für hebräische Bibliographie", der „Soncino-Blätter" (deren Schriftleiter, Herrn H. Meyer-Berlin, ich 1 lier für die Mühe der. Durchsicht dieser Bibliographie nochmals meinen Dank ausspreche), der historischen Sektion des jiddisch-wissenschaftlich m Instituts (deren erster. Band Schriften jetzt erschienen ist) und der p, lästinensischen Zeitschrisi „Kiriath Sepher" an: diesem speziellen Arbeitsg:bi«t zu ergänzen. Die Ernte des vergangenen Jahres aus bibliographischem Gebiete war eine ziemlich reiche Dazu gaben aber auch die verschiedenen Jubiläen, die in dieser Ze t in unserer Gemeinde gefeiert werden-konnte», genug Milaß: als die wichtigsten seien das des hundertjährigen Jubiläums der Synagoge ,Lum Stcrch" sowie das des fünsunüsiebzigjährigrn Bestehens des Jüdisch-theol »gischen Seminars (Fränckelsche Stiftung) erwähnt. Daneben sind ncch die durch die Bem'ühungeMdes Archivleiters Herrn Rabb. Dr. Heppmr in jüngster Zeit neu in das Gemeindearchiv gekommenen, interessanten Archivalien sowie die der Initiative des Ber -«ms Jüdisches Museum entsprungenen Ausstellungen zu nennen, die der Forschung Anreize gaben Alles in allem zeigt eine Durchsicht der oerlchiedenen Druckwerke, kie die Geschichte und das Sein der Jitden Schlesiens m»d in Schlesien im vergangenen Jahre zum Gegenstand ihrer Behandlung »rächten, das dieses Gehret jüdischer und zugleich schicsischsr Geschichte reich an in j ber Hinsicht interessanten Tatsachen und Erscheinungen ist. Bei dem verstärkten Antrieb, den gerade in letzter Zeit das Studium der Heima geschickte überall genommen hat, war es 'auch nicht zu verwundern, me, n auch das Studium der jüdisch-lchlesischen Geichichte viele — darunter auch den Bcrsasser dieses — veranlaßt«, sich mit ihr zu beschäftigen.; Gerade von unserer jüdischen Jugend, der doch jetzt bei der Wahl und Behandlung von Themen in den Schulen viel mehr Freiheit Zusteht, als es bei der alten Ge ieration der Fall war, sollte es im Interesse unserer Gemeinschaft zu »erlangen und zu erwarten sein, daß auch sie, wie es jüngst aus dem Äymnasium in Glatz geschehen ist, einen Test ihrer Arbeit der Geschichte u>?.d der Erforschung ihrer Gemeinschast und der Rolle, die sie spielte, widme, damit, wieder das Interesse an dem Bestehen.unserer Gemeinschaft geweckt-und der Stolz auf unsere Herkunst nicht nur verküirdet sondern auch begrüirdet werden könne. Als ein kleines Hilssmittel für solche und auch andere Arbeite» will diese bescheidene Zril ammenstellung aller.die jüdisch-schlesischen Beziehungen betrtjsenden Druckschriften u>Ä> Artikel des Jahres 1929 gelten, deren dritte Folge ich hiermit — wie bereits oben gesagt — einer größeren Leser- und Benutzerichar übergebe mit der Hoffnuirg, daß sie recht viel benutzt werde und Nutzen stifte. Abkürzungen der in der Bibliographie erwähnten Zeitschriften: Mschl Altschlesien, Mitteilungen des fchles. Altertumsogreins und der Arbeitsgemeinschaft für oberschles. Ur- und Frühgeschichte. BNN ---- Breslauer Neueste Nachrichten. GBL Gemeindeblatt (mit daraus folgender. Ortsbezcichnung). GBr Breslauer jüdisches Gemeindeblatt. -l JFB Israelitisches Familienblatt (Hamburgs. JFF Mitteilungen d. Gesellschaft f. jüd. Familienforschung, Berlin. JZO Jüdische Zeitung für Ostdeutschland, Breslau. MGWJ --- Monatsschrift s. Gejch. ü. Wissenschast d. Judentums. Schi =.. Der Schild, Zeitjchr. d. Reichsbundes jüdischer Frcntsoldaten. SM Schlesische Monatshefte, Breslau. i ZGJD Zeitschrift f. d. Gesch. d. Juden' im Deutschland: I 1929 ZGS — Zeitschrift d. Vereins ft Geschichte Schlesiens, Breslau. Die Druckschriften, die ich persönlich nicht eingesehen habe, d. h. nur aus Anzeigen kenne, find mit einem Stern* bezeichnet. Die Herren Verfasse? > von Druckschristen, die der Behandlung jüdisch-schlesischer Beziehungen gewidmet und hier nicht ausgenommen sind, werden gebeten. Mitteilungen darüber oder Abzüge an den Verfasser dieses gelangen zu lassen, damit ein möglichst vollständiges Verzeichnis zustande kommt. * * * . Antisemitismus: Reminiszenzen an den Artikel der „Schles. Bolkszeitung" vom Juli 187-1 „Der jüdische Referendarius".' Abgedruckt aus der Breslauer Zeitlich; in: 2FB 1929, Nr. 10 (Beilage „Stimmen der Presse"). . Bernstein, Eduard: Ferdinand Lassalles Kampf um Bismarck. In: Me Gesellschaft VI, 4, Sk 314-^317 zu Gustav Meyers Buch über den Briefwechsel zwischen Bisnkarck und L. Sinder. Kurt: Astoberschlesische Fayence» uird Steingutwaren. In: Gleiwitzer Jahrbuch 1928, S. 230—305. Darin S. 201 erwähnt Stilbeeinslussung in der Proskauer Steingutsabrik durch den ge, lausten Juden Pros. Carl Bach „Leiter der kgl. Zeichenschule zu Breslau": ferner die Beteiligung des Juden Salomo» Baruch (er^