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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-11-01 · 11 (11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
11 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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172 Breslauer Jüdische» Gemeinde bi alt Nr. 11 Gememüevertreter-Sitzung vom 30. Dklobtr 1930 Bericht von Dr. Rechnitz. Die vorangehende Sondersitzung zur Beratung der Satzungsänderung fiel aus, weil die Zionistische Fraktion ihren Antrag auf Herabsetzung des Wahlalters als zur Zeit aussichtslos zurückgezogen hat, sich aber die Wiedcreinbringung zur gegebenen Zeit vorbehält. I.-R. P e i s e r legte in der ordentlichen Sitzung die von ihm entworfene Geschäftsordnung für die Gemeindevertretung vor. Dieser Entwurf ist von einen: Ausschuß unter Vorsitz von R.-A. Iacobsohn beraten worden. Herr Gins bittet mit Rücksicht aus die Abwesenheit von R.-A. , Iacobsohn um nochmalige Beratung im Ausschuß, zumal dieser für den umfangreichen Entwurf bisher nur eine Sitzung verwenden konnte. Der Vorschlag Gins wird angenommen. Der Vorstand bittet in einer eingehend begründeten Vorlage uin Zustimmung, einen Montcssori Kindergarten und -Kinderhort hurch de«: Verein Iüd. Jugendheim in diesen:?zcin: einzurichtcn. Die einmaligen Ejnrichtungskosten von etwa 2000.-f* Mk. will Frau Paula Ollendorsf aus einer Spende aus Anlaß ihres 70. Geburtstages zur Verfügung stellen. Zu den laufenden Kosten von etwa 250;— Mk. monatlich soll die Gemeinde 150.— Mk. beitragen, während die restliche«: 100.— Mk. durch den Verein und von anderen Stellen aufgebracht werden sollen. — R.-A. Spitz begrüßt diese Vorlage mit warme«: Worten für die Kleinsten unserer Bedürftige,: u«:d zollt Frau Ollendorsf für ihre unermüdliche«: Anstrengungen iin Interesse der Jugend Da«:k und Ä«:- erkeninntg. Gr wünscht schnlichsk, daß soviel Kindergärtc«: eingerichtet würdcir, daß allen Kindern der notleidenden jüdische«: Bevölkerung in: Winter eine warrne Anterkunft geböte«: werde anftatt der kalten Räu«ne zu Haus, womöglich noch bei hungerndem Magen. Erschwert werde seinen Freunde«: die Annahme der Vorlage jedoch dadurch, daß ein Montessori- ..Kindergarten vcrla«:gt werde. Redner setzt die Systeme Montessori und Fröbel auseinander, soweit er sich in der Literatur darüber habe unterrichten können. Danach hätten selbst so hervorragende Pädagoge«: wie William Stern und Sprangcr gcge«: das Montessori-System erhebliche Dede«:ken, die bei«:: jüdische«: .Kinde besonders beachtlich seien. Gr hoffe auf eine Zerstreuung dieser Bedenken durch Frau Ollend 0 rff. Diese hält das Montcssori-System für das fortschrittlichste und de«) «:cucsten pädagogischen Grundsätzen entsprechend. Sie gibt von der «Verschiedenheit der Systeme ei«:e von Rechtsanwalt Spitz abweichende Darstellung. In Breslau sei nur der Arbeiter-Kindergarten «:ach dem Montessori- System eingerichtet und habe ausgezeichnete Erfolge. I«: Amerika und Eitglgnd habe sie nur Montessori-Kindergärte«: i«: mustcrgültsger Arbeit gesehen; sie halte gerade dieses System für jüdische Kinder für bestens geeignet. Dr. S ch l e s i.n g e r hält de«: Kindergarten für höchst notwendig, kann sich aber auch nach der Aufklärung durch die beide«: Vorredner nicht für das Montessori-System entscheide,»: Daß dieses Systen: sich gerade in England und Ainerika durchgesetzt habe, lasse auf die Betoining des Intellekts schließen, was für die Kintzer der deutschen Juden nicht empfehlenswert sei, denn es führe zur bedenklichen Zunahme nervöser Erkrankungc«:. Auch ,nüsse er darauf Hinweisen, daß das erste Jahr allein vOOO.— Mk. koste«: soll. Wieviel davon durch die Gemeinde und wieviel vo«: anderer Seite getragen werde, sei unerheblich; denn die letztere«: Gelder, würden dann für andere gute Zwecke frei werde«:. Ist die Einrichtung erst eipmal geschaffen, so werde die Gemcindc die weiteren Mittel bewillige«: müssen. Die Bedürsnisfräge wird mit dem Hinweis auf die 41 Meldungen aus dem Open und Rordosten bejaht; das fei aber nicht die Gegend mit starker jüdischer Bevölkerung. Eine Notwendigkeit bestehe nur für diese Gegenden. Das tägliche Sammeln und Transportieren der Kinder aus diesen Gegenden nach dem Jugendheim werde sich praktisch nicht durchführen lassen. Besser wäre es auch, wenn die Kinder rücht wieder um % 15 Uhr entlassen würden, sondern den ganze«: Tag dort betreut werden könnten. Zusammensassend bitte er, keine kostspieligen Versuche zu machen, sondern den Kindergarten nach dem bewährte«: Fröbelschen System auszubauen, Ina«: könne später immernoch zu einem anderen System übergehen. Die ersparten Kosten soll man zur Ai:stellung weiterer Kräfte benutzen, um zahlreichere Kinder für den ganzen Tag betreuen zu können. Er bitte daher, die Vorlage unter Streichung des Wortes „Montessori" anzunehmen. Frau Dr. R a b i n fällt es schwer, gegen Frau Paula Ollendorsf, die unermüdlich für Jugend und Kinder wirke, Ausführungen zu machen. Sie vermißt bei der Vorlage den warmen jüdischen Geist. Die bestehenden große«:, gut geleiteten Kindergärten werden durch die neue Einrichtung geschädigt, und dadurch wirkt diese soziale Einrichtung unsozial. Die Bedürsnisfrage könne nicht so ohne weiteres bejaht werden, wie die Vorlage es tue. Da bei den Bewerbungen die Straßenangabe fehle, müsse das Bedürfnis zunächst in ciirem Ausschuß geprüft werden. Auf die örtlichen Schwierigkeiten habe Herr Dr.,Schlesinger bereits hingewiesen. Das Systen: Fröbel sei durchaus gut. Vor der Entscheidung, ob u«:d welches System des Kindergartens eingeführt werde«: soll, «nögc die Geineinde de,: arinen Kindern täglich ein! warmes Zimmer in: Jugendheim zur Verfügung stelle«:.! Frau Paula Ollendorsf ist gegen einen Ausschuß,! ider ein langsaines Begräbnis sei. Die Bedürfnisfrage sei durch die Meldungei:, die wir nicht gesucht hätten, nachgcwicsen. Die ihr gespendete«: Gelder dürfe sie nur für einen Moiitessori-Kindergarten verwende«:; der Gemeinde stehe hierüber keine Verfügung zu. Das Jüdische sei in der Vorlage Nicht bctoi:t worden, weil cs selbstverständlich sei. A«:dere 1 Kindergärten werden nicht geschädigt, weil diese«: Kindergarten 1 nur solche Kinder besuche«: solle«:, deren Eltern die Kosten für j eine«: Privatkindcrgartc«: nicht aufbringen können. Sie bittet! Vertraue«: dazu zu haben, daß der Kii:dergartc«: gut, zweck-! mäßig und jüdisch eingerichtet wird und un: unveränderte j Annahme der Vorlage. Der V.-E. Herr R.-A. Spitz warirt j in seinem Schlußwort vor Verweisung an einen Ausschuß, ' weil dainit die segeirsrciche Einrichtung bis tief in den Winter hinein hinausgeschoben wird, deshalb wolle er manche seiner Bedenken zurückstellen. Eine Konkurrenz für den Kiirdcrgarte«: , in der Sonnenstraßc, in dem nach den: Fröbelschen Systen: | ganz ausgezeichnet gearbeitet werde, besteht nach seiner Ansicht nicht. In der Systemsrage entsprechen die Ausführungen vo«: Dr. Schlesinger feinen Bedenken, deshalb sei auch er für die Streichung des Wortes „Montessori", dainit der Vorstand freie Hand habe, für welches System er sich entscheiden wolle.— Daraus wird, unter Ablehnu«:g des Antrages Rabin auf Verweisung an einen Ausschuß, die Vorstandsvorlage unter Streichung des Wortes „Montcssori" angenominc«:. Aeber die Kasscnprüfung berichtet Herr Kober. Der Rechnungsprüfer hat nach seinem Revisionsbericht Beanstandu::gen nicht gefu«:den. Desgleichen nicht der Nevisionsi ausschuß der Gemeindevertretung. Den: Vorstände wird daher die erbetene Entlastung einstin:mig erteilt. Es werden ferner ohne Aussprache angeiwnnnen: die Grabpflegestiftungen Louis Matzdorff und Earl und Pelagia Pulvermacher sowie die Aufsüllu«:g des Grabpflcgelegats I. und Sara Friedmann. In dem Dcrwaltungsbericht, über de«: I.-R. P e i s e r berichtet, gibt der Vorstand Abrechnung über die Kosten der Instandsetzung der Wohnung Eerini für Kantor Wartenberger. Ferner wird angenoinmen die Herabsetzung der Verwaltungsgebühr für die Tobias Falk'sche Fainilienstiftung und die Sondervergütung für die Aufseher zu den hohen Feiertagen. Mündlich berichtet Geh.-Rat Goldfeld über die Genehmigung der Aenderung des Zweckes der Oestreicbcr- Stistung durch die Erben. Danach soll an Stelle eines Waisenhauses ei«: Wohnheim für minderbemittelte jüdische Familien errichtet werden. Herr Kober tritt dafür ein, das Kapital zur Aufstockung der Altersversorgungs-Anstalt zu verwenden. Herr Gins schlägt vor, die Verwendung der Gelder heute noch nicht festzulegen. — Dr. R e ch n i h ben:erkt zum Vor-

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