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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-08-01 · 8 (8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
8 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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124 Breslauer Jüdisches Gemelndeblall Nr. S i gern und völlig gebührenfrei die Dernrictrnig von Eigentums- Plätze/, rmd die Verwertung von Mietsplätzen für einzelne Tage, an denen die Inhaber aus irgendwelchen Gründen an der Teilnahme am Gottesdienst verhindert sind. Es hat daher niemand nötig, sich eines Vermittlers oder einer Zeitungsanzeige zu bedienen und dadurch Anlaß zu abfälligen und unerwünschten Bemerkungen zu geben. N. J*u8 üer Werkstatt unserer jüdischen Wohlfahrtspflege (mit Tätigkeitsbericht des Jüdischen Wohlfahrtsamtes für 1929/30) ' Don Bürodirektor Glaser. II. Teil. Was bezüglich der Statistik hier angeführt worden ist, trifft auch zum größten Teil hinsichtlich der Frage der Derwaltungskosten zu. Größtenteils handelt es sich ^überhaupt nicht um Verwaltung, sondern um Aufgaben der Fürsorge s e l b st. Die Gehälter der Beamten und Angestellten des Wohlfahrtsamtes, dessen Kräfte die Wohlfahrts-i und Fürsorgearbeit leisten, wie zum Beispiel die Jugend? und Kinderfürsorgerin. die Hilfsfürsorgerin, die Gemeindeschwester u. a. sind nicht Berwaltungskosten, denn diese K r ä fjt c üben eben Wohlfahrtspflege aus. Die TrenMmg dieser Kosten im Haushaltplan der Fürsorge geschieht' lediglich aus technischen Gründen. Wer einen genauen Einblick. in unsere Tätigkeit nehmen würde, dürfte erstaunt sein, wie -gering im Verhältnis zu der geleisteten Fürsorgearbeit alle diese Kosten sind. Die ststrk überlasteten Beamten und Angestellten würden überhaupt nicht in der Lage sein, ihre umfangreiche Tätigkeit zu bewältigen — dies kann ohne Ueberhebung gesagt sein — wenn sie nicht durch die zuständigen Dezernenten sowie durch einen Stab von Ehrenbeamten im Innenals auch im Außendienst in umfangreicher Weise entlastet würden. Die irrtümliche Auffassung von den Verwaltungskosten hängt stark mit den anfänglich gemachten Bemerkungen hinsichtlich der genannten Hilfeleistungen zusammen, also mit demwon uns angewandten Methoden überhaupt. Wollte sich du- Iüd. Wohlfahrtsamt lediglich auf „Unterstützungen" beschranken, so wäre ,seine Existenzberechtigung durchaus verfehlt. Selbstverständlich belasten uns die notwendigen Uebermittlungen der Unterstützungen, die Buchhaltung, die Kartei und die technischen Arbeiten mit Kosten. Aber unsere Arbeit besteht, wie schon erwähnt. in überwiegendem Maße in geistiger und seelischer Tätigkeit. Man könnte den Beweis der Richtigkeit dieser Ausführungen in einfachster Weise dadurch erhärten, daß man eine Anzahl von Einzelfällen herausgreifen und veröffentlichen würde. Nach reiflicher Ueberlegung müssen wir jedoch aus mannigfachen Gründen davon Abstand nehmen. Wir schließen uns hier der Auffassung der Fachkreise an, daß die Behandlung solcher Einzelfälle nur der Fachliteratur Vorbehalten bleiben müssen. Das trifft um so mehr für unsere eigene Fürsorge zu, weil trotz veränderter Namen leicht die betreffenden Persönlichkeiten erraten werden könnten, andererseits abtzr auch die Gefahr besteht, daß von Unberufenen in vielfacher Beziehung eine Ausnutzung solcher Mitteilungen zum Schaden der wirklich Hilfsbedürftigen versucht werden könnte. Ein kleines Beispiel wollen wir hier ausnahmsweise bringen, weil es sich um Menschen handelt, die nur vorübergehend hilfsbedürftig waren und im übrigen nicht mehr in Breslau sind. Drei hier auftretrnde Künstler hatten ihre Stellung verloren. Durch unser Eingreifen war es möglich, sie vor dem Untergange zu bewahren und solange zu stützen, bis sie durch einen Vergleich einen Teil ihrer Ansprüche, nämlich 1500 RM., erhalten hatten. Sie waren dadurch in der Lage, die von uns gemachten Aufwendungen sofort an uns zurückzugeben. Hätten wir diesen Re-aktion«schluß für die September-Nummer am 5. September. Fall, der viel Zeit und Wege brauchte, nicht so eingehend behandelt, wären diese. Menschen nicht nur uns, sondern auch der öffentlichen Fürsorge zur Lastgefallen. Aehnlich liegende Fälle v gibt es eine ganze Anzahl. Namentlich unsere Arbeit auf dem Gebiete der Kinder- und Jugendfürsorge, Tuberkulosefürsorge, der Rechtsschutzstelle, der produktiven Fürsorge usw. kann niemals allein durch Zahlen ausgedrückt werden, weil hierbei die r e i n e n Unterstützungen eine geringfügige Rolle spielen. Ueber die produktive Fürsorge herrscht eine falsche Vorstellung. Hier kann heute auf nähere Ausführungen bezüglich dieser Gebiete verzichtet werden, da ein besonderer Artikel folgt. Schließlich sollen hier noch drei Momente kurz erörtert werden: dex^Mißbrauch der Wohlfahrtspflege, die Spenden-. Werbung und die Frage der Ueberspannung des Humanitätsgedankens. 1 Bei der Beurteilung unserer jüdischen Wohlfahrtspflege muß in Betracht gezogen werden, daß sie als eine ergänzende anzusehen ist. Wir können nur in den allerdringendsten Fällen sofort eintreten und anderen resp. jirt Dauerfällen erst dann helfen, wenn die öffentliche Fürsorge oder sonst verpflichtete Stellen seitens der Hilfsbedürftigen in Anspruch genommen worden sind. Dennoch sind die Leistungen der gemeindlichen Fürsorge im Verhältnis zu ihren übrigen Ausgaben außerordentlich hoch. Wir sind daher genötigt — auch im Interesse unserer Steuerzahler — größte Sparsamkeit walten zu lassen. Da wir jeden Fall, wie schon gesagt, individuell behandeln, können wir dabei auch in gewissem Maße nicht an einer Wertung der Persönlichkeit vorübergehen. Hierbei spielt die Lebens- und Notgeschichte des Einzelnen eine gewisse Rolle, und hier enthüllt sich uns mancher Mißbrauch und leider auch Unwahrhaftigkeit. Wir fühlen uns im Interesse der Judenheit gezwungen, jedem Mißbrauch mit aller Schärfe entgegenzutreten. Oft werden Ansprüche gestellt, die gänzlich ungerechtfertigt sind und weit über das Maß der sozialen Fürsorge über- . Haupt hinausgehen. Unsere Geduld wird dabei vielfach auf eine recht harte Probe gestellt. Wir müssen von unseren Bedürftigen verlangen, daß sie offen und wahr sind und nichts Unmögliches verlangen. Die asozialen Elemente, unter denen sich auch viele rauschgiftsüchtige und kriminelle Menschen befinden, haben leider stark zugenommen. Die Frage der Sxendenwerbung ist in letzter Zeit wiederholt Gegenstand der Anregung und Erörterung gewesen. Wir glauben jedoch, daß wir diesen, an sich berechtigten Wünschen nicht Rechnung tragen sollen, weil bei der heutigen Belastung der Gemeindemitglieder für soziale Zwecke eine besondere Sammlung für unser Wohlfahrtsamt nicht angebracht erscheint. Eine Anzahl von Gemeindemitgliedern geben uns freiwillig Spenden oder Zuschüsse zu einzelnen Unterstützungsfällen. Selbstverständlich würden wir noch unsere Fürsorge erweitern können, wenn uns solche Spenden in größerem Maße zugehen würden. Wir könnten von diesen dann in allererster Reihe jenen Bedürftigen wirksame Hilfe leisten, die dem notleidenden Mittelstand angehören. I Bei Erörterungen über dij sozialen Lasten und die Wohlfahrtspflege überhaupt ist in letzter Zeit wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob wir nicht an einer Ueberspannung des H u m a n i t ä t s g e d a n k e n s leiden. Alle, die in der sozialen Arbeit stehen, müssen diese Gedanken verneinen. Der volle Umfang des Elends und der Not sowie der wirtschaftliche Niedergang ist vielen noch nicht zum Bewußtsein gekommen. Die soziale Krise hat sich in unserer Gemeinschaft in einer Weise ausg« wirkt, die zu allerschwersten Bedenken Anlaß gibt. Ist es nicht geradezu furchtbar, daß sich unsere Fürsorge aus fast 8000 fast ein Drittel der jüdischen Aber auch diese Statistik gibt Seelen erstreckt. Das bedeutet Seelen in Breslau überhaupt, kein vollkommen richtiges Bild, weil eine ganze Anzahl Hilfsbedürftiger unsere Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen brauchest, weil Angehörige. Verwandte, Logen oder Organisationen sich ihrer annehmen. - Durch die neuen modernen Auffassungen der Wohlfahrtspflege sind unsere

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