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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-07-01 · 7 (7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
7 (7.1930)
Date
1930-07-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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CIc. 7 112 Breslauer Jüdisches Gemeindrblakk Es folgt sodann die Wahl von sechs Vorstandsmitgliedern an Stelle der ausscheidenden Herren: Josef Deutsch, Dr. Paul Schottländer, Mendel Hoffmann, Eugen Perle, Meyer Koppenheim, Siegfried Freudenthal. Das Ergebnis der Wahl wird dahin feftgestellt, daß alle vorgenannten Herren fast einstimmig wiedergewähit worden find. Die Generalversammlung verlies in harmonischer Weise und lionnte von dem Herrn Vorsitzenden bereits kurz -vor 12 Uhr mittags mst dem Dank des Vorstandes an die Erschienenen geschlossen werden. j Eine Kundgebung gegen Ehräbschneiüerei und! Pogromhetze j veranstaltete am 3. Juli 1936 der Reichsbunü jüdischer Fronts o l L a t e n, Ortsgruppe Breslau, in der ,Zefsing-Log«". In der trotz der großen Hitze gut besuchten Versammlung stellte der Vorsitzende des Landesverbandes Riederschlesien, Kamerad Dr. Ernst Rechnitz, in seiner Begrüßungsansprache gegenüber die großen Verdienste des in der 'Versammlung anwesenden Bundesführers Dr. Leo Löwen ft ein. des genialen Erfinders und Organisators des allen' Kriegsteilnehmeim bekannten Schallmeßverfahrens, mit den „Heldentaten" des Friedens- Reseroe-Offiziers Fr ick, zur Zeit Innenminister in Thüringen, in Pirmasens und die Kriegsleistungen der Kameraden im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der bekanntlich als Mitglieder nur Frontsoldaten aus dem Gefahrenbereiche oder Verwundete aufnimmt, mit den verhetzten Jugendlichen der nationalsozialistischen Arbeiterpartei, die nie einen Schuh gehört haben. Alsdann sprach der Bundesoorsitzende. Kamerad Dr. Löwenst e i n.der eben aus der Grenzmark Oberschlesien gekommen war. Er wies auf di« Gefahr des Nationalsozialismus hin, welcher die Beoölkerung spaltet, statt sie zu einen, was besonders bedauerlich im Grenzgebiete sei, schilderte die Pogromhetze, die allerdings in bekannter „Ehrlichkeit" nicht direkt betrieben werde, unh beleuchtete schließlich die ..Kriegstaten" der Führer F r i ck, G ö b b e l s u. a., die demnach bester laten, den Mund zu halten, als andern Kriegsdrückerei vorzuwersen. Hierauf hielt Kamerad Dr. Ernst Fraenkel ein groß angelegtes Referat über die politische Lag«. Er ging auf die inneren Gründe für dcss Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung ein. Diese sei heroorgerufen durch die nationale Rot unseres Vaterlandes, wobei die Jugend die Vorkriegszeiten zurückerträume, durch die soziale Rot der früher in Verwaltung, Wirtschaft und Organisation führenden Stände, di« den früheren Zustapd naturgemäß wi«der erstreben, notfalls durch Umsturz, und durch die.allgemeine Wirtschastsnot, welche stets den Parteien die Malle der Stimmen zuiührt. welch« unverantwortlich unhaltbare Versprechungen mqchen. Gegenüber der Gefahr einer solchen Verwirrung des politischen! Lebens fordert« der Redner nicht nur Aufklärung und Eintritt für tue eigene Ueberzeugung, sondern auch Verantwortungsgefühl jedes Einzelnen. An die Arbeitgeber richtet« er beherzigenswerte Mahnungen um Verständnis für die Arbeitnehmer. Schließlich forderte er oon seinen stidiichen Glaubensgenossen, daß sie bei dem Ernst der Zeit zuiammenstehen und nicht durch Zwietracht stich selbst zerfleischen. Rach einem Schlußwort des Vorsitzenden wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die in den Landesverbänden Miederschlesien und Oberschlesien des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten vereinigten ehemaligen Frontsoldaten des deutschen Heeres und mit ihnen alle jüdischen Männerund Frauen dieser Gebiete erheben Einspruch gegen die immer stärker werdende Hetze gegen uns deutsche Juden. Wir haben in Krieg und Frieden für unser Deutsches Vaterland unsere Pflicht getan wie jeder Anders. Wir können daher von unseren Mitbürgern verlangen, daß sie unsere Ehre und unsere Rechte genau so achten, wie di« eigenen. Gerade von unserem schwer ringenden Grenzlande aus gesehen, erfordert es das Wohl unseres Vaterlandes, daß seine wertvollen Kräfte, und zu diesen rechnet sich mit Stolz auch das deutsch« Judentum, nicht gehemmt und lahmgelegt werden. Wir weisen hin auf die unwahren Agitationsreden, di« um so verbitternder wirken, als sie auch von hoher amtlicher Stelle, die eigentlich zu -unparteiischer Amtsführung verpslichtet ist. gehalten werden, und die nur einen Teil der maßlosen, aus Partennterefse geübten Dolksoerhetzung bilden, di« sogar vor einigen Tagen zu einer direkten Drohung mit .Judenpogrom" in einem maßgebeichen Blatte der Pärtei des betrefierwen Minstters führte. Demgegenüber erwarten urü> fordern wir, daß die für bas Wohl unteres Vaterlandes verantwortlichen Stellen, und alle van dieser Verantwortung erfüllten deutschen Männer und Frauen eingedenk der Mahnung zur Einigkeit unseres Führers in Krieg und Frieden, der heute unser Reichspräsident stt. diesen Kampf mit niedrigen Mitteln von sich weisen und alles tun, um die auis äußerst«, gefährdet« innere Geschlostenheit unseres Grenzlandes und unseres gesamten deutschen Vaterlandes zu erhalten." . pcimärarztjubiläum Herr Geheimer Sanitätsrat Dr. Moritz Rosen st ein feierte am Dienstage den 1. Juli d. I., sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Primararzt der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung an» Israelitischen Krankenhaus«. Als langjähriger Assistent des verstorbenen Gynäkologen/ Herrn Professor Dr. Ernst Fraenkel. und sodann als In- Haber einer stiel besuchten Privatklinik tätig, wurde chm am 1. Juli 1963 als Rachfokgejr feines Lehrers Professor Fraenkel die Leitung der damals noch kleinen gynäkologischen Station am Israelitischen Krankenhausübertragen. Hier hat er mit unermüdsicher Arbeitskraft eine von hohem wissenschaftlichen Geist und humanstech Empfinden getragene Tätigkeil entfaltet und die Abteilung dank feiner hervorragenden Kunst als Arzt und Operateur zustets wachsender Entwicklung gebracht. Wenn das Jüdische Krankenhaus bereits nach berhältnismäßig kurzer Zeit aui seinem Gelände an der Hohenzollernsisraß« ein besonderes Gebäude für die geburtshilflich-gynäkologische Abteilung verbunden mit der Augenftation errichten und diesen Erweiteruingrbau im Jahre- 1914, kurz vor Ausbruch des Weltkrieges, glücklich vollenden konnte, so war dies sicherlich in erster Reihe dem weit verbreitefen ärztlichen Rufe und dem hohen Ansehen des Herrn Geheimrot Rosenstein zu verdanken. Auch bei der Errichtung und Ausstattung Visses Neubaues hat der Jubilar durch semen sachverständigen Rat und fein hohes künstlerisches Empfinden der Derwaltung unschätzbare Dienste geleistet. Herr Gcheimrat Rosenstein hat sich seinem ärztlichen Berufe stets mift Treue und Hingabe gewidmel. Den Kranken war der Jubilar ein fttts bereiter und mit segensreichem Erfolge arbeitender Helfer, seinen Assistenten ein vorbildlicher Lehrer und väterlicher Freund, seinen Schwestern und Angestellten ein gütiger und «rechter Vorgesetzter und aufrichtiger Gönner. Sein wohlwollendes Interesse für die jüdischen Schwestern hat Herr Goheimrat Rosenstein auch anläßlich seines Jubiläums erneut dadurch zum Ausdruck gebracht, baß er di« von ihm seinerzeit zum Andenken an seine Heimgegangene Gattin. Frau Ellen Rosenstein geb. Ebstein, errichtete Stiftung oerdoppell und so das Stiftungskapital auf 4066 Mark erhöhte. Die Zinsen dieses Stistungskapitals finden nach feiner Bestimmung als Beihilfen zu Erholungsreisen für di« jüdischen Schwestern des Krankenhauses Verwendung. -Da Herr Geheimrat Dr. Rosenstein bereits vor einiger Zeit zum Ehrenmitglied der' Israelitischen Kranken-Derpflegungs-Anstalt ernannt wurde, so hat der Borstand anläßlich des jetzigen Jubiläums beschloffen, der vorbezeichneten Stiftung gleichfalls 2666 Mark zu überweisen und die Stiftung fernerhin auf die Namen Geheimrat Dr. Moritz und Frau Ellen Rosenstein geb. Ebstein zu führen. Hierdurch wurde das Kapital der Herrn Geheimrat Dr. Rosenstein so sehr am Herzen Uegenden Stiftung für die vorbegeichnete Zweckbestimmung auf 6600 Mark erhöht und Herrn Geheimrat Dr. Rosenstein soll zeitlebens das Borschlagsrecht für die Vergebung deriZinsen zustehen. Mit dieser schönen Stiftung hat sich Herr Geheimrat Dr. Rosenstein die dankbare Anerkennung der jüdischen Schwestern, des Krankenhauses für immer gesichert. Zu Ehren des Jubilars fand qm 1. d. M., mittags 12 Uhr, im Sitzungssaal« des Krankenhauses eine schlichte Feier statt, an der der Vorstand und sämtliche Aerztedes Krankenhauses, Herr Geheimrat Goldfeld als Kurator der Anstalt, die früheren Assistenten und einige Freunde des Jubilars teilnahmen. In den hierbei gehaltenen Ansprachen kam die aufrichtige Anerkennung und di« dankbar« Verehrung, deren sich der Jubilar allenthalben erfreut, in herzt Möge Herrn Geheimrat Dr. Kunst zahllosen Mitgliedern unserer chster Weise zum Ausdruck, siosenstein, dessen hoher ärztlicher Gemeinde Hilfe und Heilung verdanken, noch viele Jahre ungebrochen, r Kraft und Frische beschieden sein. jüdische Persönlichkeiten i Von Rabb. Dr. H e p p lFortsetz, Oberndorf Benjam. Moses. Besitzer einer Fischbeinfabrik, «in reicher und angesehener Mann, verheir. mit Malk« Zuckermann, einer Tochter des Urgroßvaters des Sem-Doz. Dr. Bened. Z., wurde 1747 geboren und starb hier am 18. Tebe'h 1818 (beerd. Claassenstrahe). Er war Inhaber der Stamm-Rr. 71, II. Brüder-Gesellschast und von 1 i und aus vreslau b“l net, Gem.-Archivar. ung.) einer der Angesehensten in der 71—1800 Mohel; sein Mohelbuch (436 Eintragungen) befindet sich im. Archiv der Syn.-Gem. (Gem.-Akt und Brest. Gem.-Blatt 1925, 5). O e l s n e r Mordechaj (Marcus), Rabb. in Festenberg, starb in Breslau im Alter von 77 Jahren am 8. Jjar 1842 und ruht auf den, Friedhof Claasienstraße Rr. 1333: sein Bruder Alexander (Sender) war um 1800 im Vorstand der I. K.-B.-A. und sein Sohn Bavuch Rabb.-Asi. in Kurnik (Pos.) und von zirka 1817 bis zu seinem Tode (12. Jjar 184tzft in Landsberg O.-S. Dieser war mit dem Breslauer Rabbi Salomon Tiktm verwandt oder befreundet: denn die Verlobung des spät. Landrabb. Gedalje Tfttin (am 3. Jjar 1829) mit Mirjam Bornftein aus Lenczyce fand in Landsberg bei Bar. Oelsner statt, und die Derlobungs- Pakten sind von diesem geschrieben - und mittntt«rschrieben. Ein Sohn von Bar. Oelsner war David (geh. in Schwerjenz (Pos.) im Haus« seines Großvaters, des Borst. Samuel b. Pinkus am 23. Eiwan 1820, oerh. mit Rahel Baginsky und gest. in Breslau am 1. Chefchwcm 1871), ein frommer und gelehrter Mann,! der gut Hebt, schrieb und dichtete und wie sein Vater viele Jahre (1849—71) als Mohel in Schlesien tätig war. In seinem Mohelbucha das seine Schwiegertochter, Frau Max Oelsner-Vreslau, «ine Urenkelin des bekannten Rabbi Joste Spiro- Kurnik und Hohenfatza, uns freundl. zur Verfügung gestellt hat, befinden sicy 128 Einttagungen oon s. Vathr und 260 von ifojnn Br. Ludw Oelsner, Lehrer in Gleiwitz und später in Frankfurt a. M.. Bf. von „R. Sabbathai Bassista und sein Prozeß" (Leipz. 1858) und „Schlei Urkunden" (1864) gehörte dieser Fm Eie Oelsner an. Oliven Dr. Albert. Geh.-Rit, bekannter Psychiater, geb. 1866 in Breslau als Sahn von Jo!ob Oliven und gest. in Berlin am 7. 16. 1921.

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