Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 6 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 6 \! Breslauer Jüdisches Gem^iadevlaii 92 Jüdische ijuberkulose-Fürsorge (Beratun jsstellel |* dafür danken. Wir wohnen in einer ganz kleinen Stadt, so daß uns so ein großer Genuß nie hier zuteil werden kann, und Gelegenheit in die Großstadt zu kommen haben wir selten. Wir sind zwei ältere Leute und waren so ergrissfen, sogar zu Tränen gerührt. Leider kommen in Breslau oft Störungen vor, so daß uns viel von der schönen Andacht verloren yeht. Würden nicht Uebertragungen nach Königswustcrhausen zu ermöglichen sesn? Auch würden wir fahr bitten,, wenn, es sein könnte, daß mal Soimabend oder Freitag abend der Gottesdienst übertragen würde." Hochachtungsvoll ergebenst Fiau Meta C. Die von vielen Gemeindemitgliedern angeregte und vom Vorstand wiederholt erörterte Frage, ob man ab und zu einen Freitagabend» oder ßonnabendvormittag-Gottesdienst durch Rundfunk übertragen ’ lassen soll, ist durch das Synagogen- Konzert wieder in Flitß gekommen. R. Iü-ifche Persönlichkeiten in und aus Breslau b" Von Rabb. fer. Heppner, Gem.-Archivar. | (Fortsetzung.) Levy Prof. Dr. jJacob, Lexikograph, geb. 2. Isar 1819 in Dobrzyca (Pos.), Schüler Akiba Egers, von dem er auch d. Autorisation als Rabb. erhielt, stud. in Bresl. und in Halle, war einige Jahre Rabb. in Rosenberg (O.-S.), dann Rabb.-Ass. in Breslau, seit 1871 Rabb. an d. Mora Leipziger Beth-hamidr.-Stift. und starb hier am 27. 2. 1892. Außer oersch. Arbeiten in Fachzeitschriften veröffentlichte L. 1. Chald. Wörterb. über d. Targumim, Leipz. 1865—68; 2. Neuhebr. und chald. Wörterb. über d. Talmudim- und Midraschim, Leipz. 1875 bis 89. Sein Vater Jsadk L. war aus Krotoschin und bekleidete die Posener Rabbinate Bomst, Dobrzyca, Pinne und Schildberg, und sein jüngerer Bruder war h. Amtsgerichtsrat Ed. L. in Beuchen (Heppner- Herzb. 373). ' ■ Levy Dr. Mör. Abrah. Prof., Altertumsforscher, Autorität aus d. Gebiete d. Epigraphik, Vf. einer „Gesch. d. jüd. Münzen" u. a. W.. geb. 11. 3. 1817 in Altona und gest. in Breslau 22. 2. 1872, war last dreißig Jahre Lehrer an det odn Geiger am 6. 5. 1843 ins Leben . gerufenen Relig.-Schule. Seine „Biblische Gesch." wurde'von 1862 bis 1919 vierzehnmal aufgelegt und in 94 090 Exemplaren verbreitet cAllgem. Zeit. d. Jud. 1917, 10, I. L. und W.). Er war mit Sophie Meyerstein (gest. 1. 7. 1907 in Charlottenbrunn) verheiratet und hinter- Ueß 8 Kinder: Anna (oerh.! mit Siegfr. Laqueur), Paul, Elise (Jacobsohn). Toni (verh. mit Rabb. Prof. Gottl. Klein-Stockholm), Ida (Loewenthal), Alfred, Eduard und Marie (Loewenthal). — In Anerkennung seiner groß. Verdienste um d. Wissensch^ u. um d. relig. Bildung der jüd. Jugend trat . kurz nach s. Tode! ein Ausschuß, bestehend aus den Herren: Komm.-Rat I. Friedenthal, Bernh. Frgnck, Louis Burgfeld, M. W. Heimann, Julius Schottlaender und Jul. Häinauer zusammen u. brachte ein Kapital von 15300 Talern zu einem Pros. Dr. M. A. Levy-Familienfonds zusammen (Gem.-Arch. Aktenst. II I. 14). Der bekannte Parlamentarier Eduard Lasker und Prof., Ludw. Geiger waren Schüler von Prof. Levy. L o b e t h a l Dr. Iuliiis, Arzt. geb. 18. 10. ,1810 in Breslau als Sohn des 1850 ocrst. Nathan u. Enkel des folg. Vict. Aron L., Kurator d. hies. Rabb.-Sem. von 1865 Jbis1 zu seinem am 12. 12. 74 erfolgt. Tode, war nn Mann, der „durch -s. Erziehung und Ueberzeugung d. innigste Lieb«;. Relig. u. zur Wissensch. des Judent. besaß u. jederzeit in s. Leben bewährt hat". Der Seminar-Bibliothek hinterließ er die hebr. Bücher aus d. Nachlaß s. Vaters, in denen er selber in d. knappen Zeit, die ihm -ein Berus als vielbeschäftigter Arzt übrig ließ. Belehrung und Anregung zu suchen liebte. Er war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Rosalie Kronenberg a. Warschäu (gest. 1853) und in zweiter mit Marie Rosenbacher (gest. 1915). Eist bei Hirsch Sulzbach 1851 gedruckt, und jüngst in den Besitz des Gem.-Archios gekommenes hebr. Gedicht und eine an der Ostwand der Tempel-Synagoge angebr. Tafel berichten, daß s. Vater 41 Jahre Vorst, d.. Seylerhvs-Synagoge gewesen und die Absicht, das Bethaus zu erweitern, inicht mehr zur Ausführung bringen konnte, ynd daß daher sein« Söhnes Iuftus und Marcus (geb. 1809 u. gest. 1890) zu Ehren des Vaters dieses taten. Lobethal, Victj Aron, um 1745 in Galizien geb., war Lehrer in Glogau u. Berlin, kaist 1783 nach Breslau, war seit Begründung der Wilhelms-Schule (1791) Lehrer an derselben und starb hier am 14. 7. 1813 (Elaassenstr. 2556). Einer s. Nachkommen war der am I. 12. 1928 hier verst. Geh. Rat Dr. Felix Simm und ist Dr. Paul Rosenstein, Lorst.-Mitgl. d. Bresl. Synagogen-Gem. (Gem-Akt.). Löwe Joel (Bril)^ Prof., Hebraist, Bibelerklärer u. Literat, Inspektor u. Oberlehrer an der Breslauer Wilh.-Schule, geb. 27. 2. 1762 in Berlin, lebte hier im Mendelssohnschen Kreis« und war 10 Jahre im Hause Dav. Friedländers 'Erzieher. Er vereinigte in sich reiche bibl. talmud. Kenntnisse mit allaem. Wissen, hat sich vielfach liter. betätigt und starb in Breslau am 9. Apar 1802 (beend. Claassenstraße 2911). Seine am 3. 11. 1797 in der .Kandschul" gehaltene deutsche Predigt ist im Brannschen Kalender 1898, S. 95 abgedruckt. (Freudenthal in Mon.» Schr. 1893 u. Heppner j im Bresl. Gem.-Bl. 1927, 5). Marl Dr. Alfons, geb. in Breslau am 25. T. 1860 als Sohn des Stadtrats I r. Siegfried M., war der Nachsolger desselben im Kuratorium der Fränckelschen Stiftung, Bors, der Gesellsch. der Brüder, der Waisen- Verpsl.-Ans alt u. des Frauen-Vereins,-und seit 1897 Vorstandsmitglied der Synagi-gengemeinde. Als würdiger Sohn s. Vaters stellte er sich kurz nach si iner Niederlassung als Rechtsanwalt in Breslau seiner Stadkgemeind« z> r Dersügung und war bis zu s. Tode (4. 11. 1917) 20 Jahre in ihr tätig zuerst als Hilfsarbeiter, dann als unbejold. Stadtrat (Allg. Zeit. d. Ju!>. 1917, 48.) Kant Dr. Siegfried, Stadtrat, war, da Juden in Prepßen die Befähigung zum Richteramt nur durch einen Glaubenswcchfel erlangen konnten, we (. Freund Hugo Milch, einer der ältesten Assessoren der Monarchie, und trat, als 1879 die Advokatur freigcgcben wurde, u. dieser, sich in Bre üau als R.-A. niederließ, in den Magistrat ein und widmete feine Kräft« als unbesold. Stadtrat s. Brest. , Mitbürgern. Bis zu seinem am 23. 6. 1888 erfolgten Tode war er 24 Jahre läng ein eifriges und tätiges Mitstied des Kuratoriums der Fränckelschen Stiftungen. (Brann, Gesch. d. Sun. und Allg. Zeit. d. Judent.) Marcus Max, Berlagsbuchhdl., geb. 26. 1. 1862 in Posen u. gest. in Breslau am 29. 10. 1929, stud. in Berlin und in München Geschichte, übernahm - us. mit s. Bruder die hies. Buchhdl. von Koebner, vertauschte den Buchhendel aber bald mit dem unter d. Firma M. u. H. Marcus gegründeter Verlage, da dieser s. wissenschastl. Neigungen weit nrehr entsprach. Ee ne umfassende Bildung u. s. reich. Kenntnisse stellte er gern in den Dienst!«r Allgemeinheit. Et war einer der Gründer des hies. Vereins für jüd. Gesch. u. Lit,. Bibliothekar und Mitgl. des geist. Ausschusses der .Lessing-Log >, ftellv. Vors, im Vorst, d. jüd. Schwesternheims und 12 Jahre lang Mitgl ed des Vorstandes der SynagogÄvEemeinde, in welchem er durch s. He zensgüte, seinen vornehmen u. ausrechten Charakter aus den Ausgleich d:r Meinungen versöhnlich wirkte. Durch s. Mutter war er mit dem bereits erwähnten Ad. Hepner vetwandt, gehörte er dieser Posener Familie an deren Ahne schon 1747 diesen Stammnamen sührte. '(Bresl. Gem.-Bl. 1 >29. 11.) , Milch Löbei, Sprössling einex. Familie, die bereits .um di« Mitte des 18. Jahrhunderts in Breslau ansässig war, wurde am 24. 5. 1798 hier geb. und nar einer der ersten Kuratoren d. Fränckelschen Stift., wurde 1846 als erster Jude Breslauer- Stadtrat, gehörte auch dem Ober-Dorft.- Kollegium < n und starb hier am 2. 9. 1864. (Brann, Gesch. d. Sem.) Milch Hugo, Sohn des Vorigen, Stadtrat, geb. 13. 12. 1836, war Direktor de: Schles. Boden-Kredit-Aktienbank, Mitglied des Kuratoriums d. Fränckelschen Stift, und seit 1888 des Magistrats, in welchem er das Dezernat fi r Promenaden, Museum und Theirter hatte. Bon 1870 bis Oktober 18k 0 gehörte er dem Vorstand dev Synag.-Gemeinde Breftlau an und war 1-: Jahre hindurch Vorsitzender desselben. ' Mir» Heinrich. Urenkel d. Rabb. Präs, von Mir in Litauen (daher der Name», Großneffe der Bresl. Rabb. Jizch. Jof. Fränckel u. Schwiegersohn des B ieger Rabb. Joseph Bär, war Lehrer a.d. Breslauer Wilhelms- Schule, dicktete und verf. oersch. Arbeiten in hebr. u. deutsch. Sprach« und starb h er im Alter von 65 Jahren am 18. 10. 1854 (Elaassenstr. 193). Ganz des. bekannt wurde er durch s. Andachtrbuch (Techinnah)-prrrz dessen erste Ausgabe 1829 gewidmet ist s. Mutter Chaje geb. Kusnitzke,. und den Gründerinnen eines Vereins zur Erzieh, jüd. Waisenmädchen, len Frauen: Liebe Freyhan, Frjedericke Frank, Zippora Schnitzler, Taroline Friedeberg, Babette Silberstein. Luise Dyhrenfurt. Henriette 1s eimann, Johanna Dyhrenfurt und Sophie Prager; die 1842 erschienene 5. Auflage ist seiner ehemal. Schülerin, der Frau Elara Jafsö- Posen, eine - Tochter von Sal. Tiktin, zugeeignet. Aus s. Grabstein stehen die Worte: r'z ,-n irx und der Vers: „Nicht ganz bist Du oon hier oekschwunden — Noch lebst du fort in „Anüachtsstunden". - Morgenstern Lina, Schriftstellerin u. Philanthropin, Heb. 'in Breslau 251 11. 1830 als Tochter d. Fabrik. A. Bauer u. gest. in Berlin 16. 12. 1909, eine Schülerin von Abrah. Geiger u. M. A. Levy, gründete schon mit l!8 Jahren den „Pfennigverein z. Unterst, ariner Schulkinder", heiratete 1854 d. Kfm. Theod. Morgenstern a. Kalisch und lebte seit dieser Zeit in Bcxlin; sie hat aus sozialem und litFrar. Gebiete eine überaus , reiche und gesegnete Tätigkeit entfaltet. Näheres über sie vid. Konv.-Lexik. von Brockhaus u. Meyer. Brümmer, Lexik, deutsch. Dicht, des 19. Iayrh., stohut, berifhmte isr. Männer und'Frauen und Wininger a. a. O. M u a d a n Abraham aus Kempen (Pos.), gestorben 'in Berlin am 24. 1. 1927 u. beerdigt in Breslau (Lohestraße). ein talmud. Gelehrter, war über W Jahre hier Rabb.-Asseffor (Dajan). Muädan Dav., ein Verwandter oon Abrah. M., geb. 22. 6. 1840 in Kempen, gerichtsrat 23. 8. 1921 N e i e r 10. 10. 1848 in Lissa (Pos.). geboren, besuchte daselbst die höhere Töchterschule und Vorstandsmitglied der Breslauer- Synag.-Gemeinde, Handclru. stello. Vors, der Breslauer-^Hastdelskammer, starb hier am Regina geb. Löwentyal, Schriftstellerin, wurde am ging dann zu ihrer weiteren Ausbildung nach Berlin) wo sie den Unterricht von Dr. Mich. Holzmann genoß und mit Begeisterung Vorträge von Raumer, Virchow u. a. hörte.' Im Juni 1868 heiratete sie den Kfm. Adolf Reiher in Breslau und nahm hier an allen geistigen Siewegungen den regsten Antell. Sie hielt zahlreiche Vorträge und' veröffentlichte außer den Erzählungen „«pätes Glück" und „Treu bis n den Tod" eine Reihe vortrefflicher Arbeiten in der „Allgem. i