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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 59 Bcetfattet Jüdische» Gemetadebialk Palästina-Aufbau fteistelle, so würde seine Fraktion diesmal für den Etat stimmen. (Bravo!) — Darauf wurde der Etat im ganzen angenommen. Im Anschluß daran berichtet Herr Gins über die Steuekvorlage. Im Etat feien insgesamt Einsparungen von etwa 60 000 Mk. vorgenommen worden, deshalb bitte er, an Stelle der vorgeschlagenen 15^ nur 14 % Zuschlag zu beschließen. Gech. Rat G o ld f e l d äußert seine schweren Bedenken gegen einen Satz von 14 K. Wie aus der eingehenden Begründung lmd den zahlenmäßigen Angaben hervorgehe, sei schon der Satz von 15 & unzureichend. Der Ausfall durch Erlaß und Ermäßigungen werde bei der wirtschaftlichen Not einen besonderen Umfang annehmen.' Der Betriebsfonds fei auf über die Hälfte zufammengefchmolz^n und dürfte schon im ersten Halbjahr 1930/31 vollständig iaufgebraucht sein. Das eine Prozent mache selbst bei großen Steuerzahlern nicht viel aus, während es für die Gemeinde ein« Gefahr für die gesamten Gemeindefinanzen bringen könne. Nach einer Entgegnung von Herrn Gins wird der Stieuerprozentsatz von 14 A beschlossen. Um Mitternacht wird die Sitzung abgebrochen und zur weiteren Verhandlung auf den 10. April vertagt. (Fortsetzung folgt.) Ge-enkfeker für 3. R. hirfchberg s. J\. Am 1. Mai jährt sich zum ersten Male der Tag. an dem der in weitesten Kreisen bekannte und geschätzte Justizrat Felix Hirschberg zur ewigen Ruhe einging. Seine aufopfernde Tätigkeit für alles Jüdische, seine Mitarbeit in dem Dorstande der Synagogengemeinde, seine unermüdliche, meistens leitende Betätigung in den wichtigsten Ausschüssen der Gemeinde, sind auch heute noch und voraussichtlich für lange Zeit in aller Erinsnerung. Aus Anlaß seines Jahrzeittages veranstaltet die Demokratische Bereinigung zur Förderung der konservativen Gemeindeinteressen in Breslau am Donnerstag, den 1. Mai, abendq 8V2 Uhr, im großen Saale der Lessingloge zur Erinnerung an den Verewigten eine Gedenkfeier unter Mirwirkung der Herren Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann und Oberkantor Weiß, sowie des Chores der Alten Synagoge. Alle Mitglieder der Synagogengemeinde sind zu dieser Feier herzlichst eingeladen. vom jüdischen Museum Es liegt in der! Natur eines Museumsvereins, daß er nicht ununterbrochen mit grghen Ausstellungen vor die Oesfentlichkeit treten kann, sondern daß in den Pausen zwischen diesen Ausstellungen seine Sammeltätigkeit sich chehr im stillen vollzieht. So hat auch der Verein Jüdisches Museum, Nachdem «r zu Beginn 1929 mit seiner großen epochemachenden Ausstellung: Das Judentum in der Geschichte Schlesiens, hervorgetreten war und ihr im Herbst eine kleinere jüdisch« Textilausstellung hat folgend lassen, das Jahr dazu benutzt, seine Bestände zu ergänzen. Wenn auch die Raumfrage noch nicht ihre endgültige Lösung hat finden können, soi dürste doch die Oesfentlichkeit an der Sammlung Interesse nehmen. ' j ' Wir heben von hen Neuerwerbungen einiges hervor. Der Magistrat Breslau überwies als j Leihgabe die Abbildung eines interessanten Grabmals, 14 Stahlstiche kvnnt« der Verein selbst ankausen. Als wertvollste Erwerbung aus dem Gebiete der Bücher dürfte ein sehr seltenes Exemplar ^der reuchlinschen hebräischen Grammatik anzusprechen sein. Bor allem aber hat der Verein eine große Menge von Ritualien der oberschlesischen Gemeinde Langendors übernehmen können, die aus diese Weis« der Zukunft erhalten werden. Daneben flössen ihm aus gleicher Quelle ihre Akten zu, ebenso di« der Gemeind« Groß-Strehlitz, und aus Dyhernfurth kamen als Leihgabe sehr wesentliche Archivalien über die Geschichte der dortigem Druckerei. Die Gemeinde Tost überwies als Leihgabe «ine Beschyeidungsbank, aus Rawitfch kamen sechs Thora- Vorhänge, aus Langendorf vier. Wir können die vielen Einzelerwerbungen, wie Ähoraschilder, Thorazwiger, Besomimbüchsen, Beichneidungsmesser u. a. nicht auszählen, möchten aber als für die Breslauer Geschichte besonders wesentlich noch aus einen Originalbrief Abraham Geigers Hinweisen, dessen Ankauf durch den Verein ermöglicht wurde. Das große Interesse, das die Tätigkeit gerade dieses Vereins in unserer Gemeinde Isindet, sollte so manchen, der bisher noch abseits i'teht, veranlassen, seins Anmeldung an das Büro des Vereins (Striegauer Straß« 3) einzusenden. Schließlich möchten wir noch daraus Hinweisen, daß der Verein durch Veranstaltung von Vorträgen, wie jüngst des yon Pros. Maser Balaban, Warschau^ „Bau und Ausschmückung alter polnischer Synagogen", auch zur Hebung des jüdisch-geistigen Lebens unserer Stadt beiträgt. Dieser Vortrag eines auf seinem Gebiets bahnbrechenden Gelehrten, brachte neben einer Fülle unbekannter Lichtbilder außerordentlich interessante Ausführungen. W. C. JlacAricfttefi' «ms dem Uwfcwule * det$yna$o$en-%emwiden dee$w\MzTtiedw5zhleäw Anschrist de» Büro,: " > Verband der Synagoaen-Gemernden der Provinz Niederschlesien. Breslau 1, Wallstraßc 9. Fernfprech-Anschluß Nr. 21611, 21612. Anschrist de» Lezirkr-Labbmer»: Rabbiner Dr. Wahrmann, Oels i. Schlesien, Große Feldstraße. , Fetnsprech-Anschluß Nr. 392. Anschrift de, Verbandslehrer,: Richard Czollack, Breslau, Höfchenstrah« 72. Am Montag, den 28. April 1936, 1814. Uhr, findet in Breslau. Wallftraße 9, eine Sitzung de» Verbands-Ausschusses statt. Die diesjährige ', Hauptversammlung des Verbandes der Synagogen-Gemeinden der Provinz Niederjchlesien wird am , S 0 n.n t a g, d e n 25. Mai 1930, in Breslau abgehalten. Tagesordnung und Einladung wird rechtzeitig oerösfentlicht werden, l Die Gemeinden. und Einzelmitglieder werden gebeten, Anträge für die Hauptversammlung möglichst bald, -jedenfalls zum satzungsgemäßen Termin dem Verbands-Ausschuß (Büro) zuzüleiten. Neumarkt. Vor kurzem hielt Frau Dr. Rabin-Breslau hier einen Vortrag über Jacob Wassermanns Lebensweg, seine Werke und seine Stellung zum Judentum. Der uns durch die Beihilfe des Bezirksverbandes ermöglicht« Vortrag war recht gut besucht und hat die Zu- Hörerschaft außerordentlich befriedigt. Am 6. April waren einige Vertreter des Bezirksoerbandes hier, um wegen der Umgemein düng von Dtsch. »Lissa nach dem Bezirk oer Synagogen-Gemeinde Breslau zu verhandeln. Die Derireter der Synagogen-Gemeinde Neumarkt konuten eine endgültige Erklärung nicht abgeben und sicherten zu, demnächst eine solche folgen zu lassen. I < Seit der Amtstätigkeit des Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Wahrmann im Bezirk Niederschlesien findet in unserer Gemeinde regelmäßiger Freitagabendgottesdienst statt, an dem die Gemeinde- Mitglieder gern und zahlreich teilnehmen. Londeshut. Die Gemeinde veranstaltete in diesem Winter fünf Vortragsabende. Es sprachen Herr Prediger Falten st ein. Landeshut, über: „Moses Mendelssohn als Vorkämpfer der politischen und geistigen Emanzipation", Herr. I. Pleßner, Breslau, über: „Jüdischen Witz", Frl. Studienassessor Foerder. Breslau, über: „Die jüd. Frauen der Vergangenheit und Gegenwart", Herr Dr. Felix mann, Breslau, über: „Erlebnisse und Erfahrungen im Abwehrkampfe" und schließlich Herr Rabbiner Dr. Nellhaus, Hirschberg, über: „Goethes Stellung zur Religion, insbesondere zum Judentum". Alle Äorträge fanden das regst« Interesse der zahlreichen Zuhörer. Falke mst e i n. Fraustodt. Am 19. d. M. sprach in einer großen Aüsklärungsversammlung, die der Landesverband Niederschlesien des Zentraloereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Fraustadt veranstaltet hatte, der Direktor der Breslauer Volksbüchereien. Lic. theol. M oerin g über das Thema: „Das Wesen des Nationalsozialismus und seine Agitation gegen di« Juden". Etwa 806 Personen füllten den größten Saal des Ortes, der lange vor Beginn der Versammlung polizeilich ge> schlossen werden muhte. Etwa 40 Mitglieder des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten aus dem benachbarten Glogau hatten mit den am Orte wohnenden jüdischen Frontsoldaten den Schutz der Versammlung übernommen. Moering wies in seiner etwa 154 Stunden langen ausgezeichneten Rede überzeugend nach, daß der Nationalsozialismus weder national noch sozial und sein« Theorie unhaltbar sei. Seine Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Gegner meldeten sich trotz wieder- Holter Aufforderung des Versammlungsleiters, Rechtsanwalt Dr. Jacobsahn, Glogau, nicht zu Worte. In der Diskussion warnte Rechtsanwalt Foerder, Breslau» eindringlich vor dem Wirlschaftsboykott, den die Nationalsozialisten -propagieren, und betonte, daß durch diesen Boykütt durchaus nicht nur die jüdischen Geschäftsleute, sondern in vielleicht noch größerem Umfang« die christlichen Fabrikanten und ihre nichtjüüischen Arbeiter betroffen würden. Der C. V. hat lich mit der Veranstaltung dieses Ausklärungsvortrages gerade in dem wirtschaftlich schwer darniederliegenden und der nationalsozialistischen Agitation insolgedeffen sehr zugänglichen Grenzgebiet zweifellos ein besonderes Verdienst erworben. Werbet fSr be« Hrrmbotbt-verei«!

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