Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3970005-7569523-7569666--1241-3971163- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
58 Breslauer Iidisches Gemeindeblall Nr. 4 Gegensatz zu dem Wohlfahrtswesen setze, gewissermaßen als wenn hierum der Vorstand sich nicht kümmere, weil es nicyts einbringt. Dazu könne man nur das Wort des Alten Fritz anwenden: „Niedriger hängen". Wenn der Artikel vom Cliquenwesen spreche, so kann das nur heißen, die einzelnen MitAit^er arbeiten sich in die Hände. Wer auf Reinlichkeit in ber[ Verwaltung Wert lege, müsie nach dem Verfasser eines solchen Artikels forschen. Der Artikel habe ja auch schon üble Fiu-t-re gezeitigt; denn der Schmähartikel in der „Tribüne" schöpft das Material vollständig aus dem Artikel der Jüdischen Zeitung. Sämtliche Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses halten es ,ur unter ihrer Würde, mit dem Artikelschreiber weiter zusammenzuarbeiten.' Es sei bekannt, wie schwer es heute ist, Damen und Herren zu ehrenamtlichem Dienste an ihren bedürftigen Glaubensgenossen zu gewinnen. Der Anregung des j)errn R.-A. Jacobsohn, Fühlung mit der Jugend zu gewinnen und einen Jugendausschuß zu bilden, treten wir durchaus bei. 2vrr hoffen, mit ihm und seinen Freunden zusammen wirksam zu arbeiten und werden hoffentlich den geeignetsten Mann an die Spitze stellen, anders als in Berlin wo als geeignetster Mann allseitig Herr Landgerichtsrat Lilienthal anerkannt ryurds. Leider hatte er einen Fehler: er war nicht Zionist! Da sind wir in Breslau trotz unserer Cliquenwirtschaft doch bessere Menschen. (Bravo!) Frau O l l e n d o r f f will sich trotz berechtigten Unmutes aller Schärfe enthalten. Selbstverständlich berufe der Frauenbund diejenigen an seine Spitze, die sich im Wohlfahrtswesen mit Erfolg betätigt haben. Der Frauenbund habe gemeinschaftlich mit dem Wohlfahrtsamt umfassende Aufgaben. Sie! erwähne nur die ambulante Krankenpflege durch die Gemeindeschwester, die Tuberkulosenfürsorge, die Rechtschutzstelle, die Kinderfürsorge, die Rentnerfürsorge, die Erholungsfürsorge, das Kleinkinderheim in Krietern, den Mädchenklub, den Jünglingsklub, die Beratungsstelle, die Haushaltungs- und Kochschjlle, und auch das Jugendheim fei der Mitarbeit und Initiative des Frauenbundes zu danken. Allen diesen treuen Mitarbeiterinnen müsse man danken; sie hätten nicht verdient, als Clique bezeichnet zu werden, wenn sie ohne Unterschied der Parteien alle ihre Kräfte in den Dienst des Judentums und der notleidenden Glaubensgenossen stellen. — Frau Dr. Rabin meint, das Vorgehen gegen den betr. Herrn aus dem Arbeitsnachweis chabe erst nach dem Artikel inder Jüdischen Zeitung eingesetzt. Dabei seien seine Leistungen in früheren Jahren vom Vorstände anerkannt worden. — Dr. Schlesinger betont, es sei bisher nicht üblich gewesen, Einzelheiten dieser Art in öffentlicher Sitzung zu erwähnen. Die Worte vois>R.-A. Jacobsohn seien zu scharf gewesen, und er hätte es lieber gesehen, wenn er nach den einleitenden anerkennenden Worten Schluß gemacht hätte. Auch seine Partei hätte Kritik zu üben, tue das aber stets ruhig und sachlich. — Gewiß gäbe es Cliquen, z. B. habe sich der Vorstand als Clique aller Parteien betätigt, das nennt man „klall jisroel". (Bravo!) Es wird nunmehr in die Einzelberatung des Haushaltsplanes eingetreten. Gen.lKonsul Smoschewer wünscht beim Grundstücksetat die Derwaltungskosten von 10% auf 5% herabzusetzen und führt die Vermietung des Omnibus-Depots auf zu geringe Bekanntmachung zurück. Er empfiehlt im übrigen Annahme nach den Beschlüssen der Etatskommission. — R.-A. Jacobe sohn bemerkt zum Fürsorgeetat, daß die Spenden ^m Vergleich zur Größe der Gemeinde zu niedrig seien; hier werde eine geeignete Propaganda nötig sein. Die Ausgaben für die Verwaltung betragen 22%. Die Kommission habe aber die Feststellung nicht deshalb getroffen, um dem Vorstand einen Vorwurf zu machen, -sondern um ihn zur Nachprüfung zu veranlassen. Die Kommission habe ferner die Resolution gefaßt, künftig einen besonderen Jugendpflegeetat aufzustellen. Im übrigen empfiehlt R.-A. Jacobsohn die Annahme des Etats nach den Vorschlägen der Kochmission, jedoch bittet er, die Beihilfe für den Arbeitsnachwei^-auf 6000 Mk. festzusetzen, wovon zunächst monatlich 400 Mk. gezahlt werden sollen; inzwischen solle der Vorstand wegen Beseitigung etwaiger Mißstände sich umgehend mit dem Arbeitsnachweis in Verbindung setzen. — Frau Ollendorff begrüßt die'Anregung, in den Außenbezirken Beratungsstellen einzurichten, und appelliert dringend an die jüdischen Arbeitgeber, zudisch« Stellungslose .einzustellen. Es gäbe jetzt in Deutschland ca. 2500 jüdische Wanderarme, so datz auf Anregung der Zentralwohlfahrtsstelle sich eine Aktion zur Errichtung einer Arbeitsstätte gebildet habe. Sie soll aus Mitteln der produktiven Fürsorge unterstützt werden. Nach weiterer Aussprache wird der Fürsorge-Etat angenommen, mit dem Anträge Jacobsohn betr. Arbeitsnachweis. — lieber die Rel.-Unterrichts-Anst. I berichtet Herr Daniel. Der Zuschuß von 45 000 Mk. sei bei insgesamt 200 Schülern viel zu hoch. Der Kultus-Ausschuß I solle um Vorschläge für Ersparnisse ersucht werden. Mit dieser Resolution wird der Etat nach den Vorschlägen der Kommission angenommen, desgleichen der Haushaltsplan für die höheren Lehranstalten. Schlachtwesen, der Bibliothek, Lesehalle, Archiv und der Alten Synagoge. Bei letzterer wurde jedoch der Titel von 1500 Mk. für Vertretungen im Chore wieder eingestellt, mit dem Ersuchen, hier tunlichst Einsparungen vorzunehmen. — Bei dem Etat der Badeanstalt wurde auf Antrag des Vorstandes eine außerordentliche Ausgabe von 5000 Mk. für Umänderung der Heizungsanlage eingestellt, da der 30 Jahre alte Kessel nicht mehr betriebsfähig fei, und überdies aus wirtschaftlichen Gründen die Kessel zur Beheizung der Badeanstalt, der Schule und der Büroräume anders eingeteilt werden sollen. — Der Titel Rel.-Unterrichts-Anst. II und Neue Synagoge wird auf den - Bericht von S.-R. Dr. Horn nach den Vorschlägen der Kommission angenommen. — Ein Antrag von R.-A. Dr. Grzeb i n a s ch, für den Religionsunterricht an der Jüdischen Volksschule einen Beitrag von 4060 Mk. zu bewilligen, wird auf Vorschlag von Herrn Gins vorläufig vertagt und dem Vorstände überwiesen, zwecks Vorlegung eines Vorschlages, der allen Teilen gerecht wird. — Der Etat Zweiggottesdienste wird unter Kürzung um 7000 Mk. nach den Beschlüssen der Kommission auf Bericht von S.-R. Dr. Horn unverändert angenommen. Dr. Schlesinger regt dabei an, in der „Synagoge zum Tempel", wo sehr viele PlätzL unbesetzt seien. Besucher unterzubringen und auf diese Weise einen Zweiggottesdienst zu sparen. R.-A. Dr. Grzebinasch wünscht die Einrichtung von Minjanim und Zweiggottesdiensten in den Außenbezirken. Herr H o f f m a n n und Dr. R e ch n i tz bemerken hierzu, daß im vorigen Jahre die Bemühungen, einen solchen Gottesdienst in Zimpel einzurichten, mangels Beteiligung gescheitert seien. — Ucber das Bestattungswesen und die Grabpflege berichtet Herr Kober und empfiehlt Annahme nach den Beschlüssen des Etatsausschusses. Herr H o f f m a n n und Herr Dr. Rechnitz setzen sich dafür ein, daß die Rücklagen von insgesamt 15 000 Mk. wieder eingesetzt werden, weil die Einnahmen aus den Grabstellen in Höhe von 32 000 Mark eingesetzt seien, und man bei der Verwertung der Substanz mindesftns die Hälfte zum.: Wiederersatz zurückstellen müßte. Dr. Rechnitz weist ferner darauf hin. daß wenigstens die 5000 Mk. Rücklage für die Restkaufgeldhypothek in Cosel wieder hergestellt werden müßte, weil diese Hypothek von 40 000 Mk. im November 1936 fällig sei. Herr Gins wünsche die Streichung in diesem Jahre, weil es sich um ein außergewöhnliches Notjahr handle. Das Geld zur Rückzahlung der Hypothek würde sich bei Fälligkeit schon beschaffen lassen. Der Antragi _auf Wiedereinstellung der Rücklagen wird abgelehnt, und der Etat nach den Beschlüssen der Etatskommission angenommen: i— lieber die Allgemeine und die Finanzverwaltunq berichtet Herr Gins. Er ersucht den Vorstand, auf Senkung der Derwaltungskosten hinzuarbeiten. Im übrigen wird dieser Etat lediglich mit einigen Aenderungen bei den Beihilfen für Anstalten und Vereine angenommen. Neu eingesetzt wurde in diesen Etat eitre Jahresbeihilfe von 600 Mk. für die Hebräische Sprachschule. R.-A. Jacob so hn erklärt, daß seine Freunde im vorigen Jahre allein wegen der Beihilfe für den C.-D. den Erat abgelehnt, hätten. Da der C.-V. inzwischen seine Stellung geändert habe und seinen Mitgliedern die Beteiligung am