Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Sit. 4 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatl 57 lich fei die Nichtvermietung des Omnibusdepots. Das Wohlfahrtsamt habe Kritik erfahren von einer Seite, die nicht Bescheid wisse. Die Leistungen des W.-A. könne man nicht nach Zahlen beurteilen: denn gerade die Leistungen, die sich nicht in baren Unterstützungen erschöpfen, seien die wahrhaft sozialen und wertvollen. Wadie unterstützten Vereine betreffe, so sei scharfe Kritik geübt rqorden am Arbeitsnachweis, dessen Tätigkeit in keinem Verhältnis zu den Kosten stehe/ Nach den Berechnungen der Etatstommission erforderte jede Dermittlung 32 bzw. £8 Mk. Kosten einschl. der Dermittlung von kurzer Hilfs arbeit: deshalb könnte die Subvention von 6000 Mk. nur unter der Bedingung bewilligt werden, daß der Vorstand für eine durchgreifende Neuorganisation des Arbeitsnachweises sorge. Bei der Rel.-Unterrichts-Anst. I bestehe ein arges Mißverhältnis zwischen den Kosten und der Schülerzahl. Hier müsse der Vorstand für Derringerurig der Ausgaben sorgen. Bei der Rel.- Unterrichts-Anst. II habe sich die Schülerzahl auf der früheren Höhe gehalten. Die Alte Synagoge sei zur allgemeinen Freud«, würdig hergestellt worden. Dagegen bedürfe die Neue Synagoge dringeneiner Instandsetzung. Die erheblichen Kosten von etwa 100 000 Mk. könnten aber nicht dadurch aufgebracht werden, daß die Option auf die letzte Darlehnsrate von 100 000 Mark ausgeübt wird, deshalb habe die Etatskommission die eingesetzten Zinsen von 5400 Mk. gestrichen und als bescheidene Erneuerungsrücklage, gewissermaßen als Erinnerungsposten. 10 000 Mk. eingesetzt. — Die Zweiggottesdienste, leider eine Notwendigkeit in den Großgemeinden, erfordern einen erheb lichen Zuschuß. Die Etatskommission wünscht eine Senkung um etwa 7000 Mk. auf 35 000 Mk.. die sich insbesondere bei den Honoraren und bei den Saalmieten erzielen ließe, jedoch wollte man dem Borstand jm einzelnen keine Dorschriften machen. — Bei den übrigen Etats sei nichts Besonderes zu bemerken. Auf die Allgemeine Verwaltung und Finanz-Derwaltung werde er noch bei der Einzelöeratung zurückkommen. — Herr Hoffmann bemerkt, daß der Borstand der Gemeindevertretung, dem Bauausschuß, sämtlichen Grundstücksagenten und den Großbanken Kenntnis gegeben habe, daß das Omnibusdepot zu verpachten sei. Es habe auch eine besondere Kommission wegen anderweitiger Verwertung beraten. Die Derwertuiig stoße jedesmal auf Schwierigkeiten wegen der Bauklaffe V. — R.-A. Jacobsohn erkennt an, daß die Verwaltung tüchtig gearbeitet , habe und spricht seine besondere Freude über das Jugendheim aus, aber die zionistische Fraktion vermisse beim Etat ein Programm des Vorstandes. Dieser arbeite immer in demselben Gleise, offenbar weil die größte Fraktion die Fühlung mit dem pulsierenden jüdischen Leben verloren habe. Dazu kommt der Fraktionszwang, der' sich bei den Liberalen herausgebildet habe, (Ist es bei Ihnen anders?) Auf den Zwischenruf erwidere sch: Ja: wenn wir uns vorher besprechen, so geschieht dies, weil Sie uns dazu gedrängt haben. Redner vermißt vor allem die Fühlung mit den aus den Ostländern und den abgetretenen Gebieten zugezogenen Gemeindemitgliedern, die eine Anlehnung an die deutschen Juden suchten und nötig hätten. Es befänden sich auch Juden in den Außenbezirken der Stadt. Der Vorstand müsie für diese mehr sorgen, -z. B. durch Verlegung der Zweiggottesdienste in die Außenbezirke und durch Zweigstellen des Wohlfahrtsamtes. Das sollen allerdings nur Anregungen sein: er könne nicht sagen, ob sie zweckmäßig seien. Redner wendet sich nunmehr gegen die Veröffentlichung des Vorstandes im letzten Gemeindeblatt wegen des Artikels! der Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland über das Wohlfahrtsamt. Diese Erklärung werfe dem Verfasser Unkenntnis vor und zitiere etwas aus dem Artikel, was nicht darin stände, und kargt nicht mit hämischen Bemerkungen. Redner verliest einige Proben. Der Artikel in der Jüdischen Zeitung sei durchaus sachlich.‘ Er mache daher dem Vorstand den Vorwurf unsozialer und unreligiöser Verhetzung. (Der Vorsitzendem rügt diesen Ausdruck.) R.-A. Jacobsohn fährt fori, er habe selbst bisher den Ausdruck für unparlamentarisch gehalten, nacydem ihn aber der Vorstand in der Erklärung gebraucht habe, müsse er ihn für zulässig halten oder den Vorstand auffordern, die Konsequenzen zu ziehen. Er frage den Vorstand, ob er der Jüdischen Zeitung im Gemeindeblatt Platz zu einer Erwiderung einräumen werde. Der Artikel habe den Vorstand veranlaßt, eine förmliche Untersuchung nach dem Verfafler anzustellen. Da man den Derfasier in einem Mitarbeiter des Arbeitsnachweises vermute, greife man diesen an und verlange einen System- und Personalwechsel. Das in dem Artikel behauptete -Cliquenwesen bestände ‘ darin, daß z. B. der Frauenbund in den Ausschüffen des Wohlfahrtsamtes mit 14 Frauen vertreten sei. — Zu den einzelnen Etats bemerke er, daß bei der Neuen Synagoge die Ausgaben für den Chor zu groß seien, desgleichen die für die Religionsschulen,.die in keinem Vergleich ständen zq den Aufwendungen für die Hebräische Sprachschule. Der Etat Fürsorge habe eine Erweiterung durch das Jugendheim erfahrey. Er ersuche, einen Jugendpflegeausschuß uyter-^tarker Heranziehung der Jugend zur Bearbeitung aller Jugendangelegenheiten zu bilden und alle diese Angelegenheiten künftig in einem besonderen Etat zusammenzufassen. In den Külturaufgaben stände die Gemeinoe Breslau abseits, insbesondere bei dem Aufbau Palästinas,Desgleichen bei dem Kampf gegen den Antisemitismus. Der C.-B. sei hierfür nicht geeignet, weil er eine' politische Organisation sei. — Geh. Rat Goldfeld erklärt, der Artikel in der Jüdischen Zeitung enthalte nach Form und Inhalt eine schwere Verunglimpfung und Kränkung des Gemeindevorstandes. Vorredner habe zwar mit ein paar wohlwollenden Worten die Tätigkeit des Vorstandes anerkannt, aber daran eine scharfe, absprechende Kritik gegen alles, was geleistet worden ist, geknüpft. Gegen Kritik habe er nichts einzuwenden, wenn sie objektiv und wohlwollend geübt werde. Eine solche Kritik, wie die von R.-A. Jacobsohn, bedauere er im Namen der ganzen Gemeinde. Wenn Unzufriedenheit mit der Arbeit des Vorstandes bestehe, so müsse ein Mißtrauensvotum gegen den Vorstand beantragt werden. Der Vorstand werde die Konsequenzen daraus ziehen, denn er klebe nicht an seinen arbeitsreichen Aemtern. — Verwaltungsdirektor Dr. Rechnitz protestiert energisch gegen die unerhörte Unterstellung, daß seine Beschwerden über den Arbeitsnachweis irgend etwas mit dem Artikelschreiber zu tun hätten: sie seien von ihm in der Vorftandssitzung am 18. Februar erhoben worden, während der bewußte Artikel am 28. Februar erschienen sei. (Hört, hört!) Im übrigen richteten sich seine Angriffe nicht gegen einen Herrn, sondern gegen eine Dame. —. R.-A. Spitz führt den scharfen Ton von R.-A. Jacobsohn auf die bevorstehenden Wahlen zurück. Die heftige Kritik sei schon deshalb nicht notwqndig, weil alle Parteien im Vorstände vertreten seien und dort Gelegenheit hätten, auf das Programm der Gemeinde einzuwirken. Gerade seine Freunde hätten die engste Fühlung mit dem jüdischen Gemeindeleben: sie hätten mit großem Erfolge Nachmittogsgottesdienste am Sonntag eingerichtet, um auch der erwerbstätigen Bevölkerung Gelegenheit zu geben, einen Gottesdienst zu besuchen, Aus denselben Gründen sei der Spätgottesdienst am Freitagabend. eingeführt worden. Ein Fraktionszwang bestehe nicht, eine Verabredung werde nur, wie allgemein üblich, bei personellen- Fragen getröffen; also alle Vorwürfe zerfielen bei näherer Betrachtung in nichts. Der Artikel in der Jüdischen Zeitung wäre alleinfchon durch den hämischen Satz gekennzeichnet, der die einbringenden Verwaltungen mit ihrer sorgsamen Pflege durch den Vorstand in I Fehlsidiligen Zi Oailarium