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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 3S Stdlanet 3üdtfche» Gemeln-eblall Jüdische Tuberkulose-Fürsorge (Beratungsstelle) {• 9(entn«rinn-«nkunt> und Ekholungssürsorge (Fra» Grete Lial). Der Rentnerinnenbund tagt seit 1. Oktober dreimal wöchentlich» die Abende zählen durchschnittlich 40—65 Besucherinnen. Einmal im Monat findet ein Bortragsabend oder ein musikalischer Abend statt. Die Mitglieder des Rentnerinnenbunde» konnten zu Rosch Haschonoh und zu Chanukkah mit Geschenken erfreut werden. Zwei Frauen wurden in der Altersversorgungssmstalt untergebracht, andere finden Unterkunft im Beate Guttmann^Heich. — An 124 erwerbstätige Menschen konnten Erholungsbeihilsen verteilt werden. Diese Erholungsbeihilfen wurden zum Teil aus eigenen Mitteln aufgebracht, zum Teil setzten sie sich aus Beihilfen des Aid. Wohlfahrtsamts und Bereinen zusammen. Während der Sommermonate wurde dreimal in der Woche eine örtliche Erholungssürsorge für die Rentnerifmen im Friebeberg durchgeführt. Die Fürsorge für tuberkulös Erkrankte und Gefährdete (Reserentin Frau Lisbet Cassirer) erfaßte vom 1. April bis 31. Dezember 1929 99 Erwachsene und 61 Kinder. Es wurden an .31 Schützlinge zu 42? Malen Lebensmittel verteilt. In Heilstätten konnten 36 Kuren durchgeführt werden. Die dafür nötigen Mittel wurden von der Synagogengemeinde, her Stadt Breslau und der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin gegeben. Die Referentin dankte Herrn Dr. Landsberger, dem Vertrauensärzte der jüd. Tuberkulosefürsorge, für sein« unermüdliche Arbeit, ebenso dem jüdischen Wohlfahrtsamt, insbesondere Herrn Direktdr Glaser, für die Förderung der Arbeit. Ueber das Beate Guttman^n-Heim berichtete Frau Lily Liegner. Das siaus.ift beinahe fertiggestellt und kann im Frühjahr 1930 bezogen werden. Die Plätze sind sämtlich vergeben. — Die Haushaltungsschule erhält die staatliche Anerkennung ichch einem Jahre. Sie . nimmt 20 interne und 20 externe Schülerinnen t»uf. Der monatliche Preis beträgt für externe Schülerinnen 40 Mk., für interne 100 Mk. Die Schule wird von einer Gewerbelehrerin und eine : technischen Lehrerin geleitet werden. Für die Führung des Heims ist e ne Schwester engagiert. Die Aufsicht über die rituelle Führung der Kücle wird Herr Dr. Cohn übernehmen. Der Provinzialverband des I. F. B. für Nieder- und Oberschlesien (Reserentin Frau Martha Meyerstein) kann zu seiner Freude im Verbände ein sehr reges Leben konstatieren. Bon der Vorschlagsliste für Vorträjg«, die im Herbst den angeschlossenen Vereinen zugesandt wurde, wurden! von ca. 14 Orten Jsednerinnen erbeten. Die üir die Provinz neu ausgenommen« Arbeit der Blindenfürsorge ist im Augenblick noch in der Organisation begriffen. Es haben sich eine große Anzahl von Frauen in dey verschiedenen Orten gemeldet, um die Blindenschrist zu erlernen und dünn für die hiesig« schlesische Blindenbücherei zu schreiben, wobei der Gedayke zu Grunde liegt, dieser Bibliothek auch Bände mit jüdischer Einstellung einzuoerleiben. Einen säst unerwartet großen Erfolg hat die neue Einrichtung religiöser 'Arbeitsgemeinschaften gezeitigt. In Namslau, Glatz, Reihe, Brieg. Bunzlau und Waldenburg sind solche unter Leitung von Fräulein Studienreferendarin Färber verlangt und zum Teil schon abgehalten worden. Den Kursen lag folgendes Thema zu Grunde: „Der soziale Gedanke in der Bibel und seine Auswirkung im täglichen Leben". Herr Dürodirektor Glaser sprach seine Anerkennung für die von der Breslauer Ortsgruppe des I. F. B. geleistete Arbeit aus und stellte iest, daß. die Zusammenarbeit der Organisation mit dem Jüd. Wohlsahrts amt stetä ersprießlich war Di^ Borsitzende schloß um 1 Uhr die Bersammlung. Dr. Alice Oppenheimer. Hocftcic|itea aas dem Verlande derSi^iagogen-§emeinden derftoainslUedececWesien Anschrift des Büto«j: 'Verband der Synagoaen-Geineinden der Provinz Njederschlefien, Meslau I, Wallftraße 9. Fernfprech-Anschluh Nr. 21611, 21612. Anschrift de, Bezlrkb-Rabbiner,: Rabbiner Dr. Wahrmann, Oels i. Schlesien, Große Feldstraße. , Fernsprech-Anschluß Nr. 392. Anschrift des D erbat» dslehrers: | Richard Czpllack, Breslau, Höschenstraße 72. Hauptversammlung. Die Hauptversammlung des Verbandes der Synagogen.Gemeinden der Provinz Niederschlesien wird voraussichtlich im Mai abgehalten werden. Takesordnung und Einladung wird rechtzeitig verössentlichl werden. Di« Genleinden und Einzelmitglieder werden gebeten. Anträge für di« Haupkdersiunmlung möglichst bald, jedenfalls zum satzungsgemäßen Tennen demDerbands-AUsschuß (Büro) zuzuleiten. DorträatkXDer Priovinzialverband hat in den letzten Monaten Mittel zjur Abhaltung von Vorträgen in den Verbandsgenreinden beigesteuert Auf tpefS Wege sind ermöglicht worden: 2 Vorträge in Militfch, 1 Dortrag - Oels. 1 - » Trebnitz. In Aussicht genommen ist die Abhaltung von Vorträgen in Bunzlau, Bernstadt, Groß-Wartenberg. Oels, Neumarkt. Mrlitsch, Namslau. Aufklärungsarbeit in Oels (Schief.). Im« Rahinrn der Winteroeranstaltungen des Ausschusses für jüdische Volksbildung lud die Ortsgruppe des C. V. am 13. Januar zu einem Vortragsabend ein, der arißerorbentlich gut besucht war. Erfreulich »rwr das große Interesse seitens des mchtjüdischen Publikums, das zum größten Teile der Einladung des E. V. Folge geleistet hatte. Herr Bezirkrrabbiner Dr- WachrMan'n begrüßte die Erschienenen, und wies auch auf den Zweck der Veranstaltung hin, die dazu dienen soll, durch gemeinsame geistige Bildungsarbeit dem Rassenhaß und der konfessionellen Zwietracht, die von gewissen' Kreisen in das deutsche Volt getragen werden, jeden Boden zu entziehen. — Hierauf ergriff Herr Dozent Dr. A. Lewkowitz -Breslau das Wort zu seinem Dortrag üver das Thema: „Die geistigen Grundlagen der Emanzipation, der Juden und die Weltanschauung der Gegenwart". ' Nach einem geschichtlichen Ueberblick über die nrannigsachen Schick-- sale der Juden, auf deutschem Boden seit dem Beginn des 4. Jahrhunderts, zeigte er die stete Abhängigkeit der Lage der Juden von der jeweiligen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Struktur des herrschenden Staates, in dessen Mitte sie lebten. Die Emanzipation der Juden In Preußen im Jahre 1812 wurde eiirerseits pon den de»ttschen Philosophen des 18. Jahrhunderts vorbereitet, andererseits »var sie bedingt durch den politischen Zusammenbruch Preußens, der den Staat vor die Notwendigkeit stellte, aör Kräste für den Wiederaufbau frei Zu machen. Nach ansänglichen Rückschlägen brachte das Jahr 1848 erneut den Juden die Anerkennung ihrer staatsbürgerlichen Rechte, und seit dieser Zeit vollzog sich immer mehr die Synthese zwischen Deutschtum und Judentum,. die bis auf den heutigen Tag die geistige Struktur der deutschen Juden ausmacht und deren typischer Vertreter unserer Zeit der große Marburaer Philosoph Hermahn Cohen »var. — Der Redner ging dann aus die Gegenwart ein, in der gewisse Kreise im deutschen Volke die religiös-idecsie Weltanschauung verwerfen und nur dem politischen Machtwillen huldigen. Diesem Treiben entgegenzutreten, ist Ausgabe aller Deutschen, denen das Bekenntnis von Weimar, das den Menschen -als Geistgeborenen ansieht, heilig ist. Auf dieser Grundlage sollten Deutsche und Juden in wahrer Gemeinschaft Mitarbeiten an der Zukunft Deutschlands. Der einstündige Vortrag hinterließ einen nachhaltige» Eindruck uird -and allgemein starken Beifall. — . Am 24. Januar besuchte die Untersekunda des städtischen' Lyzeums in Begleitung zweier Lehrer, unsere Synagöge. Herr Radhiner Dr. Wahrmann führte die Erschienenen in eineit» einstündigo« iVortrage in das Wesen des jüdischen Gottesdienstes ein und machte sie mit dem synagogalen Ritus verttaut. Am Schluss«! lud Herr Rabbiner Dr. Wahrmann die Schülerinnen ein, des öfteren das Gotteshaus zu besuchen, um aus eigener Anschauung das J»»dentum kennen zu lernen. Hierauf dankte der evangelische Religionslehrer im Namen der galten Klasse für die gelungenen Ausführungen, die uuf alle Schülerinnen sichtlichen Eindruck gemacht haben.- Acuh die Leiterin der Schicke »rahm noch '.'«sonders Getegenheit, Herrn Rabbiner Dr. Wahrmann für die Führung zu danken. Archivalien. In vielen Gemeinden Niederschlesiens sind alte Akten, Mohel-, Chewrah- und Maskirbücher vorhanden, die feit Jahren nicht mehr gebraucht werden und daher meistens auf dem Boden der Synagoge oder des Gcineindehauses liegen und allmählich der Verwesung anheimiallen. Es ist schon mehrfach oorgekommen, daß derarttge Archivalien in 'Privatbesitz gelangt sind. Alle Gemeindevorsteher und Gemeindebeamtsn seien hierdurch darauf hingewiesen, daß alle Archivalien, gleichviel welcher Art, für die Wissevschast des Judentums im aQgemeinen und zur (Eriorschung der Geschichte der J»»den in Schlesien im besonderen von großer Wichtigkeit sind. Zwei Stellen sind zur Sammlung solcher Materialien berufen: Das Gesamtarchiv der deutschen Juden in Berlin und das Archiv der Synagogengemeinde zu Breslau. Hier »verden die Archivalien fachmännisch geordnet ui»d der Oessentlichkeit z»»r Benutzung zugänglich gemacht. ' | Es ist daher ratsam, daß unsere schlesischen Gen»einden, sofern sie dies bis jetzt noch nicht getan haben, ihre entbehrlichen Materialien sammeln und dem Breslauer Gemeinde-Archiv zur AufbewahrutiA übergeben. Die Synagogengemeirde Breslau übernimmt die Kosten kur Verpackung und Versgnd und beläßt den Gemeinden aus Wunsch auch fernerhin das Eigentum über ihre abgelieferten Archivalien. < Dr. W. Centn». Den Angehörigen der jüdischen Insassen der Provinzial- Heil» und Pflegeanstalten in Kloster- und' Städtel-Leubus sieol« im Deutschen Samariter-Ordenr-Stift in Kraschnitz sei hierdurch ntttaeteitt, daß die Seelsorge in diesen Anstalten Herrn Bezirksrabbiner Di. Wahrmann. Oel? i. Schl., Große Feldstrahe, übertragen wurde. 5 [nftogen jeder Art, die Pattenten betreffend, sind daher an Herrn Haobiner Dr. Wahrmann zu richten.

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