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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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«r. 2 Bitilaiec 3iiif4(i Ve> ein&eblatl 37 70. Gehurtstag K-olf danziger Der Vorsitzende deei Vorstandes der Israelitischen Kranken-Verpflegungs-Anstalt. Herr Adolf Danzig er, feierte am Sonnabend,' den 22. März, seinen 70. Geburtstag, den er, um sich allen Ovationen zu entziehen, fern von Presläu im engsten Familienkreise beging. Geboren in dem schlesischen Städtchen Aura», von wo die Eltern später nach Kreuzburg l).-S. übersiedelten, begnügt« sich der Heranwachsende Jüngling mit dqn engen Verhältnissen seiner Heimat nicht, und es zog chn schon in jungen Jahren in die weit« Welt. Durch langjährigen Amenthalt in Amerika. England und Rußland vervollkommnete der wissensdurstige junge Mahn seine Bildung, sammelle reiche geschäftlich« Erfahrungen u«d knüpfte international« Verbindungen an, die später, nach seiner Rückkehr, als er die von seinem Vater in Kreuzburg gegründete Fabrik übernahm, reiche Frücht« trugen. Durch sein« unermudliche Arbeitskraft und fein« hohe kaufmännische Befähigung hat Herr Danziger es verstanden, die väterliche Fabrik zu einem bedeutsamen internationalen Unternehmen! zu gestalten, das, alle Schwierigkeiten des Kriege» und der Nachkriegszeit überwindend, sich auch heute noch hohen Ansehens erfreut. Bor etwa 20 Jahren zog Herr Danziger sich teilweise vom Geschäft zurück und.verlegte seinen Wohnsitz nach Breslau. Hier wurde man In den Kreisen unserer Gemeinde recht bald auf die außergewöhMiche Persönlichkeit des Herrn Danziger aufmerksam, und gern stellte er, als man ihn darum ersuchte, seine Arbeitskraft gemeinnützigen Bestrebungen zur Verfügung. Schon nach kurzer Zeit in die Kommlfsion für die Neue Synagoge berufen, hat er sich hier den übernommenen Pflichten afs Vorsteher beim Gottesdienst und in den Kommissionsarbeiten mit großem Eifeir unterzogen. Seit Jahren ist Herr Danziger auch Mitglied der Gemeindevertreterversammlung, und auch hier wurde seine auf praktische Lebenserfahrungen gestützt« Mitarbeit stets außssordentlich geschätzt. Im Jahre 1919 wurde Herr Danziger zum Mitglied des Vorstandes, der Israelitischen Kranken-Verpslegungs-Anstalt gewählt, und hier, aus diesem weit umfassenden Gebiete werktätiger Menschenlieb«, fand seine humane Gesinnung und sein soziales Empfinden esn reiches Betätigungsfeld. Sehr bald erkannte der unvergeßliche Herr Eduard Sachs die westoolle Arbeitskraft eines solchen mit reichen Gaben des Geistes und des Herzens ausgestatteten Mannes, und so veranlaßte er, daß ihm nach dem Heimgange des Herrn David M u g d a n im Jahre 1921 dar Amt des stellvertretenden Vorsitzenden übertragen wurde. Rach dem dann! leider im Jahre 1925 erfolgten Dahinscheiden des Herrn Eduard Sachs wurde Herrn Danziger durch einstimmigen Beschluß des Borstandes das verantwortungsvolle Amt des ersten Borsitzenden übertragen. Wenn die Israelitische Kranken-Verpflegungs- Anftalt und die ihr angeschlossenen Anstalten, di« Israelitische Altersoersorgungs-Anftalt und j das Israelitische Siechenhaus, trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Rot. die auch an diesen Wohllätigkeitsinstituten nicht vorübergegangen ist, sich weiter entwickeln konnten und sich als stolz« Denkmäler jüdischer Wohltätigkeit in allen Kreisen der Bevölkerung heute höchsten Ansehens erfreuen, so ist dies, das darf am heutigen-Tage ausdrücklich hervorgehoben werden, der aufopferungsvollen Hingabe, mit der Herr Danziger Tagt für Tag an der Spitze der Verwaltung des Krankenhauses wirkt, zu verdanken. Jeder, der, mit Herrn Danziger in amtliche Berührung kommt imi> der sein Wirken im Krankenhaus« beobachten kann, weiß, wie ihm diese Tätigkeit ans Herz gewachsen ist und daß' er kein« Mühe und Arbeit scheut um dem Krankenhause uick» seinen Zweiganstalten zu dienen und deren Interessen zu fördern. Der Borstand der Israelitischen Kranken-Verpslegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft lChewra Kadischa) hat beschlossen, Herrn Danziger anläßlich seine» Ehrentages und in Anerkennung seiper hervorragenden Verdienste um die Gesellschaft die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen und ihn hiermit in eine Reihe mit den hervorrag Männern unserer Gemeinde zu stellen, dje vor ihm. dieser höchsten Ehrung durch die^Lhewra Kadischa teilhastig geworden sind. Möctten Herrn Danziger noch viele glückliche und gesunde Jahre beschieden und möchte es ihm vergönnt fem, die chm lieb gewordene Stelle seiner Wi, ksamkeit. im Krankenhause noch recht lange zu bekleiden. L. Für Bufföning ' Am 28. 2. d I. erschien in der, jüdischen Zeitung für Oftdeutschlmch ein Artikel „Wandlungen?" Er beschäftigte sich mit dem Wohlsahrtswesen der hiesigen Jüdischen Gemeinde, und zeigt trotz der behaupteten Sachkenntnis derartige Entstellungen, daß es schwer wird, Zweifel at dem guten Willen des Schreibers zu unterdrücken. An der Hand des Handbuch» der Verwaltung und der Wohlfahrtspflege der Gemeind« Biertau will der Derfaffer beweisen, daß das Wohlsahrtswesen von „Cliquen, Borständen. Kuratorien und Ausschüssen" geleitet werde, deren hol«» Durchschnittsalter und deren-.wirtschaftliche Kraft sie zu sozialer Arbeit ungeeignet mache. Daraus erklärt er die angebliche Unpopularit« t des Wohlfahrtsamtes. Der Bersasier weih erstens nicht, daß di« genan rten Ausschüsse fortwährend ergänzt werden aus allen Kreisen der Bevölkerung, au» Handel, Handwerk, Beamten, Angestellten. Akademikcrn, er will auch nicht wissen, daß ein großer Teil der gegen hundert Mitglieder dieser Ausschüsse die Not der Zeit am eigenen Leibe erfahren hat. Er müßte, aber wissen, daß di« Mitarbeit der Hitssbedürfttgei selbst nach Erfahrungen in Reich, Staat und Städten*) und nach allgi meinen Erfahrungen, die wir aus unserer Arbeit bestätigen können, s lbst aus ihren eigenen Kreisen nicht gewünscht wird. Ueber die Mitw rkung der Jugend weiß der Bersasier ebensogut wie wir, daß sie im W> chlsahrtswesen durchaus vertreten ist, dann aber auch, daß der Versuch, sie in größerer Anzahl zu beteiligen, daran gescheitert ist, daß sie entweder kein Interesse oder keim Zeit für diese sozial« Arbeit aufbrmgen kunpte und nach und nach zum großen Teile aus diesen Gründen di« Arbeit ausgegeben hat. Das soll kein Vorwurf sein, hängt aber auch dam t zusammen, daß unter den heutigen wirtschastlichen Verhält- 1 nissen die Jugend nicht mehr als durchaus seßhaft bezeichnet werden kann, son rern durch Beruf, Wohnungswechsel und dergleichen zu stark fluktuiert. ~ - y Die Voreingenommenheit des. Artikelschreibers zeigt sich auch darin, daß er dir angebliche Unpopularität des-Wohlfahrtsamtes aus der Zahl der geringen Spenden ersehen will, während er selbst die steigenden Zahlen der Spender angibt. Er weiß auch, daß es den Gemeindebehörden nicht erwünscht ist. daß das Wohlfahrtsamt, wie es bei vielen privaten Organisationen üblich ist, Spendenpropaganda gelegentlich von Feiern, Familienfesten, Trauersällen usw. treibt." Und ebenso weiß er, daß aus der gestiegenen Zahl der Spender und. der gesunkenen Spendensumme d utlich die wirtschaftliche Rot und nicht die Unpopularität des Wohlfahrtsamts zu folgern ist. Er muß auch wissen, daß die angegebenen Zahlen gqr nicht die wirkliche Summe aller Spenden wiedergeben, denn in der Form von Zuschüssen zu bestimmten Unterstügungsfällen werden vielfach Beiträge geleistet, die bei dem Betrag« der Spenden nicht zum Ausdruck kommen. Zu dem Mangel einer inneren Verbundenheit ist zlj. bemerken, daß der Verfasser sich selbst widerspricht, wenn er zuerst bemängelt. daß Cliquen usw. immer wiederkehren. Dann aber verkennt er vollkommen den inneren Gehalt der Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes. Diese besteht im Einvernehmen mit den BerwalMngsbehorden Und im Geiste der sozial-ethischen Grundlagen des Judentums, nicht in Unterstützung, sondern in H i l f e l e l st u n g. . Darin sehen wir die sinnvolle Verwaltung des Geldes der Gemeindemitglieder, ohne daß iwir dem Verfasser eine Entscheidung darüber zugestehen, ob die Ausgaben und die Ausgaben für den KuUus höher oder niedriger fein müssen. Daß die Wohlsahrtslasten 33% der Gesamtausgaben betragen — übrigens entspricht di« Zahl fast genau den augenblicklichen Verhältnissen in Stadt und Land — ist ob seiner Höhe zu beklagen, weil man daraus di« Rot erkennt. Ihn zu niedrig zu finden und als Mangel cm sozialem Berständüis auszulegen, ist ebenso bequem als abwegig. Auch die „wohlwollende^ Beurteilung der Kinder- und Jugendfürsorge zeigt ein bedenkliches Maß von Unkenntnis. Wenn der.Verfasser di«' Arbeit wirklich geprüft hätte, hätte er feststellen müsien. daß sie in Prozentsätzen überhaupt nicht ausgedrückt werden kann. Auch hier ist die „Leistung" das wesentliche. Auf die Frage der Strafgesangenen-Bersorgung (Pasiah- Bespeisung) und der Entlassenen-Fürsorge lohnt es sich bei der Oberfläch, lichkeit der Angaben des Verfassers nicht näher einzugehen. Er scheint nicht einmal die einfachsten Dinge zu kennen, so z. B. daß die 527,25 Mk. für 35 Fälle für entlasten« Strafgefangene nicht di« Leistung des Wohlfahrtsamtes betreffen, sondern auf Anweisung einem Spezialfonds entnommen werden, über den die Herren Rabbiner zu verfügen haben. Die Leistung de» Wohlfahrtsamtes an Strafgefangenen, Entlassenen und deren ~*) Bergl. Mittelstadt, Beigeordneter des Reichsstädtebundes, Selbstverwaltung und Demokrafi« Hest 3 1930. I Fehlsithligen £7, Oailarium g»9faDb«r Paltrsdorfl I

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