Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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9lr. 2 l'' Ore»l»uer Jüdisches Gemeindeblatt IS und auswärts in betrügerischer Weise -falsche Anaaken gemacht, einen anderen Namen angegeben und eirp-gkfmschres Zeugnis vorgelegt hat. Es ist bezeichnend, daß auch die öffentliche Wohlfahrtspflege sich Jtn letzter Zeit wiederholt zu Strafanträgen entschließen niußte. ' ' Aus vielen Gründen wollen wir nicht alle Vorkommnisse erörtern, die uns oft zwingen, den bei uns vorsprechenden Bittstellern die Tür zu wessen. Das Bethalten Vieler stellt eine direkte Erpressung dax, wobei auch schwere Bedrohungen unserer Ehrenbeamten!und Beamten vorgekommen sind; insbesondere wird sofortig^ Unterstützung verlangt ohne daß ein nachprüfbarer Antrag vorliegt. Mehrfach haben auch die anc /blich Bedürftigen die ihnen von uns> oder von anderer Stelle zugewiesene Arbeit verweigert. Nicht selten fordern Bedürftige von uns die Bezahlung von Polizei- oder Gerichtsstrafen, und wartenhiermit bis zu dem Augenblick, wo sie die Strafe verbüßen sollen. Die Bezahlung von Strafen gehört nicht zu den Aufgaben der Wohlfahrtspflege, abgesehen davon, daß dies auch als eine strafbare Begünstigung angesehen werden könnte. Mehrfach wurden Kleidungsstücke, die wir bewilligt oder eingelöst hatten, sofort wieder verkauft oder versetzt. Ein Petent bat fast drei Jahre hindurch von uns und von anderen Stellen Unterstützungen gefordert und angenommen, obgleich er in der betr. Zeit — was genau festgestellt worden ist — eine Reichsentschädigung von über 19 000 Mk. exhalten hat. Mehrfach, ja fast täglich, werden unter Verkennung des Zweckes und des Sinnes der Aufgaben der Wohlfahrtspflege Anträge gestellt, die in jeder Beziehung ungerechtfertigt sind, so z. B. zu ganz unnötigen Reisen, Feiern usw. Dies sind nur einige wenige Beispiele von den vielen, die wir fast täglich erleben müssen. Deshalb müssen alle des uns eingehenden Anträge erst von dem ermittelnden Ehrenbeafnten und Dezernenten geprüft und im zuständigen Ausschuß beraten werden. Keinem wirklich Bedürftigen wird Hilfe versagt, und im Bereiche der Möglichkeit wird geholfen. Da die?s mit den Mitteln der Steuerzahler geschieht, kann das Jüd. ^Wohlfahrtsamt nicht dulden, daß durch ungerechtfertigte Inanspruchnahme Mißbrauch getrieben und den.wirklich Notleidenden die Hilfe entzogen wird. Hierzu kommt noch, daß infolge der Wirtschaftsverhältniffe die Steuereingänge der Gemeinde einen bedeutenden Rückgang erfahren haben, während andererseits die Zahl der Hilfesuchenden zunimmt. Die Zahl der jüdischen Seelen in Breslau beträgt zur Zeit etwa 26 000, vosi denen etwa 7000 fürsorgerisch betreut werden müssen. ' Die vorstehenden! Ausführungen veranlassen uns erneut, auch an unsere Gemeirsdemitglieder die Bitte zu richten, bei der Gewährung privater Unterstützungen größte Borsicht walten zu lassen, bei. dem Jüd., Wohlfahrtsamt Erkundigungen einzuziehen und, dazu beizutragen, daß das gute jüdische Herz nicht gemißbraucht wird. Wohltun kann nie allein eine Sache des Mitleides sein. Das Recht des Hilfsbedürftigen auf unsere Hilfe soll niemals verkürzt werden: Abet wir verlanaen, daß jeder Einzelne uns affen und ehrlich 'mit innerer Wahrhaftigkeit gegenübertritt. Die Gesamtheit aber ^hat die Verpflichtung, wo es Not tut, erzieherisch mitzuwirkeln, damit der Segen der jüdisch-sozialen "Arbeit unseren wirklich notleidenden Mitmenschen zuteil werden kann.! ' Staatssekretär Dr. Schösser vom Reichssinanzministermm hat. wie wir aufmerksam gemacht werden, in Breslau nicht nur seinen Schwiegervater, Herrn Geheimrat Heilberg, sondern auch seine Mutter, Frau Charlotte Schösser, und seinen Bruder, Studienrat Schösser vom tzohannes-Gymnasium, so daß seine Beziehungen zu Breslau recht eng fir' Jüdische Persönlichkeiten in und aus Breslau Don Rabb. Dr. He p p n e r,'Gem.-Archivar. (Fortsetzung.) | Guttmann Jakob, Prof. Dr., geb. 22. 4. 1845 in Beuchen, besuchte d. Breslauer Rabb.-Sem, und die Universität, war zuerst Relig.- Lehrer und Hilsspred in Breslau, dann Landrabb. in Hildesheim und von 1891 bis zu seinem am 5. Tischri 1919 erfolgt. Tode Rabbiner in Breslau. — Bon 1910—19 war G. Bors, des Mabb.-Verb. in Deutsch!., er war' ferner Mitbegr. und stellv. Bors, der „Gesellsch. z. Ford. d. Wissensch. d^ Judent." und Mitherausgeber des von ihr verössentl., bisher in 2 Bänden vorlieg. Werkes „Mose b. Maimon". Er hat außerdem eine Reihe bedeut. Werke über di« „Geschichte der Relig.-Philos. des Mittelalters"-versaßt. Seine Frau ist die in Breslau und weit darüber hinaus bekannte undgeschätzte Beate geb. Simonsen.a. Kopenhagen (Beate Guttmann-Heim) und sein Sohn der Berliner Religionsphilosoph Prof. Julius G. (geb. 1880). (I. L.) : ' ' Haber Hermann, Sohn des am 20. 11. 1876 hier verst. Kausm. Julius H., trat nach dem Tod» s. Vaters an dessen Stell« in das Kurat. d. Fraenckelschen Stift, ein und wirkte in. derselben 2 Jahrzehnte lang; er starb hier am '10. 2. 1897. (BranN, Gesch. b.- Sem.) Hart Aron (Uri Pheiwusch), 1670 in Breslau geb., studierte in verschied, poln. Jeschiboth, ging von Breslau nach London, wurde hier der erste Rabb. der Aschkenasim an'der neu .errichteten Synagoge in Board Court, Mitre Square, war d. Schwiegersohn d. berühmt. Fürther Rabb. Samuel b. Pheiwusch, ve'rössentlichte 1707 „Urim wetummim", das erste, in London hebr. gedruckte Buch,'und starb 1756; er war-ein bedeut. Talmudist und scharfsinniger Gesetzesausleger. (Ost u. West 1914, 220 u. I. L.) 1 Hart Moses, Philanthrop, Bruder des Portgen, Gründer der Dukes Place Synagoge in London, geb. 1676 in,Bres(au, kam frühzeitig nach L., wo er infolge, seiner kaufmännischen Tüchtigkeit zu Reichtum, gelangt«, diesen aber zur Unterstützung von Künstlern, Gelehrten und Wohltätigkeitsanstalten verwandte. Er starb in London am 19. November 1756. (W.) > / ■ Heinersdors Abrah. Jeremias, Vorsteher der von 1796 bi§ 1818, ein edler und menschenfreundlicher Man,, wird in den Akten mit des. Auszeichnung erwähnt, und Mark. Bär Frkedenthal schreibt über ihn: „Was Heinersdorf betrifft,-so bedarf es keiner weiteren Hinzusetzung von Lobsprüchen, um seinen Namen zu feiern; er zeigte Biederkeit und Ehrlichkeit in Geschäftskreisen Wohlwollen und Aufopferung bei Ausführung guter Handlungen. Hier verstumm! die Berleumdung, und der Neid muß schweigen." Geb. 1759, war er einer der ersten Mitglieder der Brüder-Gesellschast, in welcher er mehrere Aemter bekleidete; er besaß die Stamm-Nr. 27 und starb am 28. 4. 1818.. (B r a n n, Gesch. d. Brüd. Ges. — Levin, Gesch. der I. K.-B.-A. — Heppner im Breslauer Geim-Bl. 1925, 1.) Herrsche! Arje fiöb, bedeut. Talnrudgelehrter-, geb. in Kempen sPos.1 am 11. Tischri 1806 als Sohn des gelehrten Goldarbeiters David b. Anschel oder Goldschmidt, heir. in Breslau Peril, die Urenkelin des Krotoschiner Predigers Dav. Krakauer, lebte und (ehrte in Kobylin, war in Breslau als Dajan in Aussicht genommen, erkrankte aber und starb hier am 22. Schebat 1837 (beerd. Claassenstr. 1410Ü). In der Einleitung des rars (Bert. 5648) seines Schülers und Berwandten, des Ostrowoer Rabb.-Asi. Salomon Goldschmidt, wird er p*is!"i und ”nen genannt. (Heppner-Herzb. 521.) Henschel Dr. Elias bkn Anschel (ha Kohen), geb. in Breslau 4. 4. 1755, svar oerh. mit Freude! Jette Freund, starb hier um 20. 8. 1839 und ruht auf Friedhof Claafsenstraße 1316. Er war zuerst Handlungsdiener und^ später Bedienter bei dem Arzte Dr. Marburg, bei dem er 4 Taler monatlich erhielt: hiervon bestritt er seinen Unterhalt und lernte für 10 Sgr. wöchentlich Latein bei einem'Sekundaner. 1785 bekam er endlich ein Stipendium von 200 Talern für 2 Jahre, bezog die Unio. in Halle, kam! 1787 als promov. Arzt nach Breslau zurück und wurde hier einer der bieschäftigst. und beliebtest. Aerzte y. Geburtshelfer; H. war auch ichristst. tätig. — Dr. H. hat die Statuten des „Gesellsch. 'der Brüder" vom Jahre 1793 abgefaßt und gehörte derselben seit 1785 an; auch im Schulkolleg. der j Wilhelmsschule spielte er neben Dohm eine große Rolle. Anläßlich der Bollendung s. 80. Lebensjahres widmeten ihm die Borsteher der I. K.-B.-A. pnd Freunde' einige, im' Druck erschienene hebr. Gedichte mit deutsch. Hebers., und zu s. goldenen Doktorjublläum am 3. 1. 1837 wurde im Austrage des Obi-Borst.-Koljleg. eine silberne Gedenkmünze geprägt und in 200 Exemplaren verteilt, von welchen aber in d. Gemeinde nicht eine! einzige geblieben j ist. (Gem.-Akt., Davidson. Dr. Elia» Henschel, Bresl. 1837 und Bresl. Gem.-B). 1925, 5.) Henschel Gebr., Maler, Zeichner u. Kupferstecher, vier Brüder: Friedrich (Samuel ben Zjbi Reines), geb. ln Festenberg und gcst. in 'Breslau am 5. 12. 1836 im Alter von 62 Jahren, August (Anschel), geb. in Breslau 5. 8. 1783 und gest. in Berlin 22. 8. 1828 (beerb. Schön» | Fehlsithtigen zz Qqilarium gegenüber Petersdorff ärztlichen Augenprühmg