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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblall Nr. 2 'I Fraktion könne J.-R. Peiser nicht Wiederwahlen, weil er die „Erklärung, deutscher Juden" mitunterzeichnet habe. Die Abstimmung ergibt 11 Stimmen für J.-R. Peiser, 3 Stimmen für Herrn Handelsgerichtsrat Gins und 4 unbeschriebene Stimmzettel. J.-R. Peiser ist somit gewählt;■. er nimmt die Wahl an und übernimmt wieder den Vorsitz. Herr Freundlich beantragt wegen des Abstimmungsergebnisses eine kurze Unterbrechung der Sitzung. R.-A. Jacobsohn widerspricht, jedoch wird der Antrag Freundlich angenommen. Nach Wiederbeginn der Sitzung, spricht R.-A. Spitz namens der lib. Fraktion sein Bedauern darüber aus. daß die Mitglieder einerFraktion den vorgeschlagenen bewährten Vorsitzenden, nicht wiedergewählt hätten. Sie würde daher bei der weiteren Wahl von Mitgliedern dieser Fraktion weihe Zettel abgeben. — Dr. Schlesinger erklärt, daran sei weder die konservative noch die zionistische Fraktion schuld. Diese hätten ermattet, von der liberalen Fraktion zur Besprechung der Wahl eingeladen zu werden. Er habe aber erst heut von Herrn R.-A.^ Spitz erfahren, daß die Wiederwahl von Herrn J.-R. Peiser vorgeschlagen werde und sofort erklärt, jetzt könne er die Stellungnahme der konservativen Fraktion nicht mehr herbeiführen. Die Abstimmung^könne daher nicht überraschend gekommen fein. — R.-A. Spitz erwidert, die verspätete Nachricht sei ein Berschulden seines Büros, die Wiederwahl aber selbstverständlich, denn im anderen Falle wäre sicherlich eine vorherige Einvernahme mit den anderen Fraktionen erfolgt" Bei den weiteren Wahlen werden die bisherigen Inhaber der Aemter vorgeschlagen und wie folgt gewählt: R.-A. Spitz als 1. stellvertr. Borsitzender mit 15 Stimmen bei 4 Stimmenenthaliungen, Dr. Schlesinger als 2stellvertr. Vorsitzender mit 8 Stimmen bei 11 Stimmenenthaltüngen, R.-A. Jacobsohn als Schriftführer mit 8 Stimmen bei 11 Stimmenenthaltungen, Herr Gins als stellvertr. Schriftführer mit 19 Stimmen. Die Gewählten nehmen die Wahl an. , Rach Verlesung einiger Dankschreiben teilt der Vorsitzende mit, daß der Gemeindevertreter Herr Oberregierungsrat Marcus wegen Versetzung nach Düsseldorf sein Amt niedergelegt habe und dafür Herr Markowicz als Gememdevertreter einberufen fei. Der Dorsitzende würdigt die großen Verdienste von Oberregierungsrat Marcus und vereidigt Herrn Markowicz^aus sein Neues Amt. — Die Denkschrift von J.-R. Peiser über § 18 der Gemeindesatzung (Ausschluß eines Gemeindemitgliedes von Verhandlungen, an denen er persönlich beteiligt ist), wird einer Geschäftsordnungskommission überwiesen, in die gewählt werden die Gemeindevertreter J.-R. Peiser. R.-A. Jacobsohn, Dr. Schlesinger und Max Gins. Die Julius Sachs-Jahrzeitstiftung und die Rosalie Sachs- Jahrzeitstiftung werden ohne Aussprache angenommen, desgleichen die Dr. Max und Rosa Heimann-Grab- und Denkmalspflegestiftung. R.-A. Spitz berichtet darauf über den Antrag des Vorstandes, die selbstschuldnerische Bürgschaft für die auf dem Beate Guttmann - Heim eingetragene 1. Hypothek von 100 000 Mark der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte zu übernehmen. Er gibt seiner Freude darüber Ausdruck. daß das schöne Heim soweit fertiggestellt ist, daß die 42 Wohnungen voraussichtlich am' 1. Mai 1930 beziehbar find, bedauert aber gleichzeitig, daß so viele Be- - werberinnemabgewiesen werden mußten. Die Bedingungen für die 1. Hypothek mit 7% Zinsen und 3% Amortisation bei 97% Auszahlung seien zeitgemäß. Unangenehm sei die Möglichkeit der Rückforderung in 3l/2 Jahren; es sei allerdings anzunehmen, daß hiervon kein Gebrauch gemacht wird. Die Bürgschaft durch eine öffentlich-rechtliche Korporation sei vorgeschrieben, und er sehe in Uebereinstimmung mit dem Vorstand in der Uebernahme kein Risiko. Allerdings müsse für die Finanzgebarung des Heimes Lek Einfluß der Gemeinde gesichert werden, insbesondere müßte ein Veto möglich sein. Hierzu reiche der satzungsmäßige Sitz des Vorstandes und der. Gemeindevertretung im Kuratorium nicht aus.« Geh.-Rat Goldfeld erklärt, der Vorstand hätte nichts einzuwenden, daß sich das B rate Guttmann-Heim unter Aufsicht des Vorstandes stelle, w, »durch dieser nach 8 70 Abs. 1 u. 2 der Gem.-Satzunßl u. a. dos Recht habe, alljährlich einen Nachweis über die Einnahmen ur d Ausgaben und über die Verwaltung de? Vermögens einzüfordern. Für erforderlich halte er es allerdings nicht, da genügend Vertreter aus Vorstatid und Gemeindevertretung im Kuratorium sitzen. — R.-A. Nothmann freut sich ebenfalls über die Vollendung des Heimes, hält aber die Bürgschaftsübernahme nicht für so gefahrlos. Man müßte wissen, wieviel Zmsunh sonstige Lasten das Heim im ganzen übernommen hcche und wie die finanzielle Lage wäre. — Frau Bial erklärt, daß das Heim mit überaus großer Vorsicht vorgegangen sei; die üoernomchenen Lasten könnten erfüllt werden. — Herr (B^jj s erinnert daran, daß schon oft Haushaltspläne ohne Zuschuß ckssfgeistellt worden seien, später aber ein solcher erforderlich gewprden sei. Es ließen sich eben nicht alle Ausgaben im voraus übersehen; deshalb halte er die Aufsicht nach § 70 für erforderlich. Der Antrag des Vorstandes wird hierauf mit der Maßgabe angenommen, daß das Beate Guttmann-Heim sich unter die Aufsicht des Vorstandes stellt. Im Anschluß daran wird als Vertreter der Gemeindevertretung Herr Gins und als dessen Stellvertreter Herr Rechtsanwalt Nothmann in das Kuratorium bejs Beats Guttmann-Heims abgeordnet.! Den Verwaltungsbericht trägt der Vorsitzende vor. Auf seinen Vorschlag wird die Grabpflegestiftung Rosa Lewin genehmigt, desgleichen die Ausschlagung der Erbschaft des Provisionsreifenden Simon Cdhn-Berlin wegen Mangel an Masse. Bon der Aenderung der Satzung der Kommerzienrat Sternbergschsn Wohnungsstiftung wird ohne Widerspruch Kenntnis geinommen, desgleichen von der Abrechnung für den Umbau Tirtenstraße 10. — Des weiteren berichtet der Vorstand unter M itteilung seines letzten Schreibens an die Ist. Waisen-Derpfl- Arstalt, daß er seine Bemühungen, eine Zusammenlegung der beiden Waisenhäuser herbeizuführen, als gescheitert ansehe. R -A. Nothmann regt an, eine dreigliedrige Kommission zu bi den, da nach Beseitigung der wichtigsten Hindernisse in perso leller Beziehung auf eine Einigung zu hoffen sei. In diesem S nne sprechen auch die Herren S.-R. Dr. Bach (Vorstand). J.-R. Peiser und Dr. Schlesinger. Die Kommission wird daraus gebildet mit den Herren J.-R. Peiser, R.-A. Nothmann und D°. Schlesinger. Dem Borstand wird anheimgegeben, zwei seiner Mitglieder in diese,Kommission zu entsenden. l In der g e h e i m e n S i tz u n g wird die Pensionierung dejs Büroboten Lewy und die Pensionsregelung für die Rstualbeainten angenommen. Ferner werden gewählt: in den Shnagogein-Ausschuß II die Herren Adolf Stein und Max Korn, in den Zwerggottesdienstausschuß die Herren Lehrer Schönfeld und Rechssanwalt Littmann. j Wohltun und Wahrhaftigkeit In den verschiedenen Berichten des Wohlfahrtsamtes über se ne Tätsgkeit ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dc ß die Fürsorge der Gemeinde, die sie ihren bedürftigen Mit gliedern angedeihen läßt, nur eine ergänzende sein fany und in allererster Reihe die rechtlich verpflichteten Stellen^ (Stadt usw.) eintreten müssen. Wir zeigen unseren Bedürftigen die entsprechenden Wege, die sie zu gehen haben, damit sie zu itrem Ziele gelangen, während wir im Rahmen der vorhandenen Mittel ergänzend helfen. Trotz aller dieser Hin rreise werden an uns dauernd Anforderungen gestellt, die wir b im besinn Willen nicht zu erfüllen vermögen. Es kann hier bi nicht ^verschwiegen werden, daß unsere Bedürftigen es bis weilen an der erforderlichen Wahrhaftigkeit fehlen lassen und unrichtige Angaben machen, um Unterstützungen von uns, Vereinen^ Einrichtungen unh Privatpersonen herauszuschlagen. Einzelne dieser Fälle sind so kraß und . schwerwiegend gewesen, daß wir|uns entschließen mußten, entsprechende Abwehrmaßnohinen gu treffen. So bedauerlich es. auch sein mag, mußten tüir in einem ganz besonderen Falle Strafanzeige erstatten, um Wiederholungen vorzubeugen. Es handelte sich um eine Person, hie sowohl bei uns, als auch bei anderen Stellen hier

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