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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Breslauer emeinbeblatt Amtliches Blatt der Synagogengemeinbe zu Breslau SchNftlrttung: DerwaltungSvireNor Dr. Nechntg, Breslau, WalMatzr 9 I Druck und Anzeigen-Annahme: Druckerei Th. SchatzkU AMengesellschaft, Verlag: Büro der Sgnagogeutzemeinde, Breslau, Wallstr.9/ Tel. 21611/12 | Breslau s, Neue «raupenstrahe Nr. 7 / Fernsprecher 244ÜS u. 244ÜY anirignM*: Sk 6 geg». MMImekr-LrNe o*«t deren Raum 16 Mg. — 39d laufenden Aufkggea Rabatt Avjdie unter dem Namen de« versaller« erscheinenden Artikel und die veretnsnochrichtrn llbemehmen wir nur die prefiegesetliche Verantwortung 7. Saftrg. Februar 1930 Nr. 2 ^ller Weisheit Anfang und letzter Schluß Ein erhabenes und ergreifendes Bild zugleich ist es, welches uns der letzte Abschnitt des ersten Buches der Thora entwirft, das lange und inhaltreiche Leben unseres Stammvaters Jakob findet seinen Abschluß. Gering und von Leiden erfüllt waren meine Lebensjahre, mit diesen Worten hatte er selbst dem AegypterPnige gegenüber sein Leben gekennzeichnet, lind in der Tat, von den 147 Lebensjahren, welche ihm bestimmt waren, waren nur 34, entsprechend dem Zahlenwerte des Wortes TH, von Sonnenschein und Glück bestrahlt. Es waren die 34 Jahres welche er zusammen mit seinem Lieblingssohne Joseph verlebte, die siebzehn ersten Jahre, wo er als Kind zu seinen Füßen spielte und von dem liebenden Vater verzogen wurde, wo er mit Aufmerksamkeit jedem Worte aus dem Munde des Vaters lauschte und sich die ganze überlieferte Weisheit der Familie dem empfänglichen und gewandten Geiste des Knaben und Jünglings einprägte, und endlich die letzten siebzehn Jahre, die er mit dem so lange verloren Geglaubten und endlich Wiedergefundenen verbrachte. Die Träume des Jünglings hatten sich verwirklicht. Mit Herrschergewalt lenkte er ein mächtiges Reich, und auch das Schicksal der Seinen konnte er zum Heile und Segen lenken. „Da nahte sich nun auch die Stunde, wo ein Jakob sterben mußte." Zu diesem Satze der heiligen Schrift bemerken die Alten: „Die Tage sterben gleichsam dahin, aber die Gerechten sterben nicht. Denn wenn die Sonne aufgeht, sprechen sie: „Gepriesen sei der, der das Licht gebildet hat." Geht die Sonne unter, so sprechen sie: „Gepriesen sei der, der die Abende dämmern läßt/ Der wahrhaft Gerechte läßt sich durch die wechselnden Schicksale des Lebens nicht anfechten. Er trägt Tag und Nacht mit gleich getrostem Gemüte. Er stirbt darum erst, wenn seine Lebensuhr wahrhaft abgelaufen ist. Seine Kraft wird durch des Lebens Stürme nicht zermürbt, und des Sommers Gluten vermögen nicht an seinem Marke zu zehren. In Glück und Unglück, in Reichtum und Armut sieht er Gottes Schickung. Was immer sich ihm an Glanz und Freude, an 'Wonne und Genugtuung bietet, der irdische Segen vermag ihn ' nicht zu befriedigen. .Gr trägt nach Höherem Verlangen. So erging es auch unserem Stammvater Jakob. Er genoß noch in seinen letzten Tagen das höchste Glück, was einem Vater begegnen mag. Er sah alle seine Söhne und Enkel um sich versammelt. Er sah sie, geeint und getreu seiner Stimme lauschen. Eine höher« Macht schob für einen Augenblick den Vorhang beiseite, der sonst dem Sterblichen die Zukunft sorgsam verhüllt. Er schallte auf den künftigen Glanz seiner Lieben, ihre Herrschergewalt im eigenen Lande. Er sah den chahren Messias, den Welterlöser, aus ihrer Mitte hervorgehen. Und in all dieser Herrlichkeit entschlüpfte ihm doch der Seufzer der Sehnsucht: -I \-np finswS »Auf deine Hilfe hoffe ich, o Ewiger. So fühlte der Sterbende am Schlüsse eines reichen Daseins, worauf es imletzten. Grunde ankommt. Dem gleichen Ge- .danken gab der königliche Sänger Ausdruck auf Grund leidvoller Erfahrung. „Aller Weisheit Anfang ist Gottesfurcht." Ein Gleiches war das Ergebnis des lebenslangen Grübelnsj des Weisen auf dem Königsthron: „Das letzte Schlußergebnis ist: „Fürchte Gott und beobachte'fein Gebot. Denn das ist^ der ganze Mensch." Das ist auch für uns heute noch aller Weisheit Anfang und letztet Schluß. Wir brauchen ganze Menschen^ das sind Menschen, beseelt durch Gottesfurcht, durch tiefinyiges Fühlen ihrer Verbindung mit der Ewigkeit des Göttlichen. Unser jüdisches Leben ist so furchtbar seelenlos, so praktisch und sachlich, so oft nur eine Betätigung auf einem Teilgebiete geworden, rein äußerliche Pflichterfüllung reglementierte und studierte soziale Betätigung, politische Berechnung und Zielsetzung für zeitliche Probleme. Wir kurieren an der Oberfläche und dringen nicht in die Tiefen.' Wir vermögen Stürme zu beschwören, erkennen aber nicht ihre Ursachen. Wir sammein und sammeln, ohne daran zu denkenfür uns selbst Sammlung zu finden. Wir sezieren den Körper des Judentums und kennen ihn in allen seinen Teilen, haben aber seine Seele nicht gefunden. Wir sind betriebsame Geschäftemacher und stellen jeden kleinen Gewinn in Zahlen fest, und vergessen, daß das Ewige, das wahrhafte Sein, nicht statistisch zu erfaflen ist. Jeder arbeitet für andere und unterläßt es, bei sich selbst den Anfang zu machen. Wir sprechen von -Volksseele und Bolksgeist und bleiben dabei selbst seelenlos und geistlos. Und doch kann das Heil der Gemeinschaft erst kommen, wenn die Einzelnen dafür reif sind. Die religiöse Erfüllung kann erst kommen, wenn wir alle religiöse Persönlichkeiten geworden sind. Vom Messias kündet der Prophet Jesaja: „Und er wird sein Wohlgefallen haben an der Gottesfurcht." Gottesfurcht ist die Seele der Religion. Da heißt es, demütig sich beugen, ge duldig ertragenmilde urteilen, Selbstvervollkommnung suchen, wahrhaft brüderlich lieben, tief sich verbunden fühlen mit aller Kreatur, mit ihrem Leide und ihrer Freude. Das rechte, sinnvolle Leben lehrt uns Gottesfurcht, Und in' Gottesfurcht leben ist erst das rechte Leben. Möge dahin unser Streben gehen. . uns solche zu erwerben, auf daß wir dem Stammvater Jakob gleich, den letzten Schluß aus unserem. Leben ziehen mit den Worten: „Auf Deine Hilfe hoffe ich immerdar, o Ewiger!"; , Ho.ffma n n , Gem.-Rabbiner. Gemejnüevertreter-Sitzung vom 30. Januar 1930. Bericht von Dr. Rechnitz. Für den 1. Punkt der Tagesordnung, nämlich die Wahl des Büros der Gemeindevertretung, gab der Vorsitzende J.-R. Peiser den Vorsitz an den Alterspräsidenten Herrn. Kober ab. Dieser erinnert an die wirtschaftliche Not unserer Gemeinde, die leider zu Höheren Steuern »führen dürfte, und dankt der bisherigen Leitung für die aufopfernde Geschäftsführung. Daraus wird der bjsherige Vorsitzende, J.-R. P e tf c r, zur Wiederwahl vorgeschlagen. — R.-A. Jacobsohn erklärt, die zionistische

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