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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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\ Breslauer Jüdisches löemeindeblall . Nr. I j Zranz Rosenzweig Von Dr. Ioseph Pr-ager. , ln 10. Dezember 1920 »erstarb in Frankfurt a. M der hervo:- ragend.^ jüdische Philosoph und Ucbersetzer Franz Rosenzweig. -In din jüdischen Zeitungen aller Richtungen sowie auch in der allgemeinen Pres e ist augsührlich über diesen ganz ungewöhnlichen Menschen berichtet »vordem über seinen erstaunlichen Entwicklungsgang vom Assimilation >- juöcn, [ber allem Jüdischen fernstand, zum Volljuden, dessen ganz, s Denken! und Tun von der Lehre des Judentums beherrscht war, üb> r seine gewaltigen Leistungen und seine weitreichende Wirkung, wie au h .endlich lüber sein erschütterndes Schicksal, daß zwar olle Bewegungen ,seines Körpers, nicht aber die Kraft und der Glanz seines Geistes Jahic "lang gelähmt waren. Trotzdem mutz auch an dieser Stelle noch besondeis von iln» gesprochen werden. Gerade die Mitglieder der Gemeinde müssen von ihm hören. Denn Rosenzweig war nicht das, was man sich sonst unter esncm Gelehrten vorstellt. Ein Mann von unerhörter Fülle dos Wissens ain jedem Gebiet, Naturwissenschaftler, Historiker, Philosoph. Theologe, Kunn- und Sprachforscher von hohem Rang, in all diesen Wissenschaften .methodisch aufs gründlichste geschult, fühlte er sich doch nie als -Mann der Wissenschaft. Wissen war ihm nie Ziel und Selbst-, zweck, sondern stets nur Mittel, nur Material, um damit das Leben zu gestalte». Das Leben, das hich für ihn, nachdem er auf. langen und schwere», steilen Pfaden zum vollen Judentum gelangt war, das jüdische Leben, lind.das jüdische Leben, das hietz für ihn das Leben der jüdischest Gemein;e. Freilich ist -das kür ihn nicht nur die Synagogen-Gemeind»!, wiewoh gerade er der Snnagoge, dem Beth hakncsseth, des»» Versa»»» lungshcuis, die grötzte Bedeuning zumitzt. Wesen der SynagoglMgcMeins ichaft, definiert er einmal i» seincin Hauptwerk, dem „--lern der Cn lösung"^ ist die Versammlung zum Zweck des gemeinsamen Hörens. Nut wo genteinsam zugehört werden kann, entwickelt sich wahre Gemeinschaft!. Darum ist das gemeinsame Hören der Lehre Haupt- und Kernstück de' iimagogtilen Veranstaltung. Darum muß die Predigt, die ja alle hören Zollen, 'immer „über einen Tert" sein, d. h. von einem Worte ausgehen. \all»» eine gemeinsame Grundlage des Hörens ist, also ein Wor gemeinsamen Grundbuches, der Bibel. Aber die jüdische Gemeind in ihm.noch mehr als Synagogen-Gemcinde. Sit ist überall, cho > Micha» zu gemeinsamem Hören der Lehre Zusammentritt, der! sicht > are-Repräsentant des ganzen jüdischen Volkes, des „Am echaü" der inzigen Volkes, .und des „Am olam", des Volkes, in das das ewig leben »pflanzt wurde. Die große Senkrechte, die alle Generationei :es VoKes, von Abraham an, über das Geschlecht des Sinai, dei Propheten, der Makabäer, der Lehrer der Mischnah und des Talnuchs der Märrnrer des Mittelalters, der Kabbalisten und Mystikep, und ubei die jüdischen Denker und Streiter unserer Tage-hinaus bis zü den ferner Zeiten des messianii'chen „Endes der Tage" verbindet, ustd die groß- Wagcrechte, die alle Teile des Volkes in allen Ländern der Diaspori miteinaicher verknüpft, sie treffen, sich in jeder Gemeinde' Israels, di somit in jeder Zeit und an jedem Orte das ganze Volk vertritt. Dar Lolk freilich nicht im Sinne - irgendeines Nationalismus, 'wie ihn di VölkeV der Welt lehren, sondern das Volk als Träger der ewigen Lehre, ilndvw ergibt sich für Rosenzweig die Hauptaufgabe der Gemeinden Nicht nur Bethaus, sondern vor allem und in erstes Linie immer wiede ■ das Lehrhaus. Die Lehre zu pflegen und sie der nächsten Generation in ihrer ganzen Kraft und Schönheit zu vermitteln, das ist ihm eigent licher Sjnn und Aufgabe der jüdischen Gemeinde. Die kann aber in de■ verwässerten und verdünnten Form, die der übliche unzureichend - ' „Religicmsunterricht" überall in den Ländern Westeuropas angenommen hat, nig und nimmer gelöst werden. So wendet er sich in einem flainmestden Manifest, dem er das Psalmenwort „Zeit ists, für Gott zu handeln!!— schon zernichten sie Deine Lehre" als Titel voranfetzt, ay das deuitfche Judentum unter der Adresse von Herrmann- Cohen, um am Krebsschaden dieses deutschen Judentums Heilung herbeizuführe Nicht erfolglos. Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums, di! er fordert, kommt zustande, wenn auch nicht ganz in seinem Sinne. Uni im näheren Bereich seines Wirkens schafft er in Kassel und Franksui eine neue Art der Unterweisung von Jugendlichen und Erwachsenen i allen Gebieten jüdischen Denkens und Wissens, die in Frankfurt ist der. „Freien Jüdischen Lehrhaus" eine grotzartige Organisationsform ast nimmt. Jüdische zurück). und dann vielfach nachgeahmt wird iauch unsere hiesige Freie Volkshochschule geht wohl letzten Endes auf seine Anregung ' Aber zserade, als so seine Arbeit ansängt, hinauszuwirken, besällt ihn jenes schwere Leiden, das in wenigen Monaten die gesamte Beweglichkeit des Körpers einschlietzlich der Sprache zerstört. Die Arbeit. für ' das! Lehrhaus^ der Gemeinde, noch fast ein Jahr vom Krankenzimmer aus geleitet, mutz er schließlich einstellen-, aber noch sieben Jahre lang arbeitet in dem schon abgestorbenen Körper, unfaßbar den Aerzten und zugleich erschütternd und erhebend für seine Besucher und Freunde, der Geist mit ungebrochener Frische und gesteigerter Kraft weiter und schasst, neben zahlreichen bedeutenden Arbeiten, nun die großen Uebersetzungswcrfe, erst die Lieder Jehuda Halewis und dann schließlich die Schristverdeutschung, von der er in steter Zusammenarbeit mit Martin Buber noch! neun Bände vollendet, bis zuletzt auch dieser gewaltige Geist den Gesetzen der Materie erliegt. 1 Ein Jude, ein rastloser Diener am Lichte der ewigen Lehre, ging zu feiner Ewigkeit ein. Sein Geist bleibt verbunden mit dem Geiste des lebenden, ewigen Volkes. r Preußischer Lanöesverbanü jüdischer Gemeinden Amtlich. Am Sonntag, den 21. November, tagte unter dem Vorsitz von; Dir. Ostberg der Wohlfahrtsausschuß des Preußischen. Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Die Sitzung dehnte sich bis 4 Uhr nach mittags aus. Nach der Mittagspause übernahm die stellvertretende Vor sitzende, Frau Sidd» Wronsky, den Vorsitz. Bei Beginn der Tagung 'gedachten Herr Dir. Ostberg und Frau Wronsky des verewigten bisherigen Vorsitzenden des Wohlfahrtsausschusses, Herrn Prof. Dr. Moritz Türk, und seiner besonderen Verdienste gerade aus dem Gebiet der jüdischen Wohlfahrtspflege. Herr Ostbcrg dankte Frau Wronsky, welche nach!dem Tode Prof. Türks bis zur jetzt erfolgten Neubesetzung des Vorsitzes durch den Rat die Arbeiten des Ausschusses geleitet und die heuttzze Sitzung vorbereitet hat, für ihre Tätigkeit und bat um ihre und der übrigen Ausschußmitglieder weitere tatkräftige Unterstützung. An Stelle von Pros. Türk wurden die folgenden Ausschußmitglieder in die Unterausschüsse delegiert: Berger in die Kommission zur Verteilung der für Handwerkerausbildung vorgesehenen Mittel, Frau Wronsky in die Studentenhilfe ünd Frau Meyer-Stargard in die Stipendien-Kommission für soziale Ausbildung. — Das Gesuch einer Gemeinde um Gewährung eines Zuschußes zu der dort bestehenden Haushaltungsschule mußte mit Rücksicht auf die Knappheit der Mittel, die dem Landesverband Im Augenblick nur die Erfüllung der allerdringendsten Ausgaben ermöglicht, zuruckgesleUt werden. Trotz dieses vorläufig negativen Beschlusses wurde die dringende Notwendigkeit von Haushaltungsschulen allseitig anerkannt. Vor ollem wurde darauf hingewiesen, daß es sich weniger um die Ausbildung von Lehrerinnen als darum handelt, junge Mädchen tu zweckmäßiger Wirtschaftsführung zu erziehen, was heute nötiger ist uls je. — Die Probleme jüdischer Fürsorgeerziehung wurden, insbesondere unter pädagogischen und organisatorischen Gesichtspunkten, eingehend erörtert. Die kür das Erziehungswerk des D. I. G. B. vorgesehene Untl rstützung wird!zunächst in Form eines Darlehens gewährt. — Um die Förderung jüdischer Studenten planmäßig und produktiv zu gestalten, wurde es für unerläßlich gehalten, die verschiedenen in Deutschland bestehenden Studentenhilfsoereine in einer Spitzenorganisation zusammenzufassen. Die!Zentralwohlsahrtsstelle hat bereits die entsprechenden organisatorischen Maßnahmen eingeleitet. Es wurde beschlossen, sie hierin in jeder Weise zu unterstützen und in die zu gründende Zentralstelle ebenfalls! Mitglieder zu delegieren. Das vorliegende Gesuch eines Studenten Vereins wurde mit Rücksicht auf die bevorstehende Umorganisation ab geleimt. — Bezüglich der seit langem geplanten Umwandlung des Kinderheimes in Bad Ems in ein Alters- und Erholungsheim für jüdische Kantoren und Lehrer wurde einer klein«OZlnterkommission die Aus zahläng der bereits in der vorigen Sitzung zurückgestellten Summe unter der Voraussetzung übertragen, daß die Verhandlungen mit dem Kantoren und Lehreroerband den finanziellen Ausbau und die Frequenz des Heims gesichert erscheinen lassen. — Frl. Karminsky berichtete über den Stand der jüdischen Tuberkulosefürsorge. Die Erkrankungsfälle gegenüber dem Vorjahre haben eine Steigerung erführen. Für Frauen und Kinder bestehest bereits Heime. In Anbetracht der großen Zahl der Erkrankungen von Männern ist die Gründung einer Männerheilstätte, für die ein Teil der Mittel bereits aufgebracht ist, besonders zu begrüßen. Die Mithilfe des Landesverbandes, insbesondere für die Unterhaltung des zu gründenden Heims, wird als dringend notwendig erachtet. Die Zentralwohlfahrtsstelle soll auf Antrag von Frau Wronsky aufgesordert werden, über die 3 Über ■ Bestecke: Sehr günstiges Angebot! 800 gest gravierfähig j Tortenheber, Fleischgabeln, Kuchengabeln mit Schneide, Butteru. Käsemesser, Brotgabeln, Tomatenschneider, Kompottlöffel, Saucehlöffel, Sardinenheber, Zuckerschaufeln J‘' ' Kempe, Uhrmacher jund Juwelier, Gartenstrafje 82 Eigene Reparatur-Werkstatt für Ohren und Goldwaren 4

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