Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- 1 (1.1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I Breslauer Jüdisches Gemeindeblakl Ir. I ' Wicklung des Judentums zu dem prophetischen, messianischei» Ideal hin Herzenssache ist, der darum alles bekämpft, wan diesem! Ideal widerspricht oder zuwiderläust, aber> er ist ein Mann! von unwandelbar jüdischer Gesinnung: von ernstei jüdischer Religiosität, von tiefem historischem Bewußtsein. Gr ist ein > Mann geraden Denkens und strenger Grundsätze, dei für seine Person keine Kompromisse liebt, aber weiß, daß di, Gemeinschaft ohne sie nicht immer auskommen kann. Es ist schmerzlich, daß gerade in einer so heiligen Gemeitischaftssachk wie dem Aufbau Palästinas, dessen sachliche Bedeutung er nicht weniges hoch einschätzt als irgend jemand, seine Anschauungen mit denen der Mehrheit der deutschen Juden nicht' überein stimmen, und ein bedauerliches Zeichen für den Grad der Ver hetzung in unseren öffentlich^ Auseinandersetzungen, daß mit einem Gegner von so ehrlicher Gesinnung, von so! sachlichen Argumenten keine Verständigung möglich ist. Dogelstein ist kein Politiker und Feind jeder politischen Wendung in unseren Religionsgemeinden. Er ist ein Theologe und will es bleiben, wlll darum die theologischen Grundlagen des Judentums wissenschaftlich geklärt und vertieft sehen. Darum drängt er seit längerer Zeit auf Begründung einer wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie und hat auch erreicht, daß ber 5 ..Weltverband für liberales Judentum", dessen Vorstand er j angehört, ihre Veröffentlichung beschloß. Hier eröffnet sich ihm ' ein neues Arbeitsfeld: neben der Historie, die er bisher ge pflegt, die Systematik. Es ist unser herzlicher Wunsch, daß ihm die Zeit und die Kraft hierfür gegönnt sei, daß er von Kleinarbeit befreit werde, ' um sich großen Aufgaben zu widmen. Und der arideste Wunsch lei binzügefügt, daß seine Frische und sein Frohsinn ihm er- > halien bleiben, auf daß wir heute im zehn Jahren auch den Siebziger noch unter die Jungen und nicht unter die Jubilarc rechnen! Prof. Dr. I. Elbogen, Berlin. : Ein Glückwunsch öem Kollegen! Den Geburtstag zu feiern entspricht eigentlich nicht ganz dem altjüdischen Herkommen. Man wies daraufhin: daß der einzige Geburtstag, welcher ausdrücklich in der heiligen Schrift -erwähnt -wird, der' des Aegypterkönigs Pharao ist. Den Königen und Herrschern wurden gerade in den orientalischen Staaten und später auch in Rom an ihren Geburtstagen oft besondere göttliche Ehrungen erwiesen. Hierbei kam es oft zu Zusammenstößen mit den in den betreffenden Ländern lwohnenden Judep, welchen ihre Religion derartige Ehrenerweisungen verbot und inachte wohl die Feier des Geburtstages bei ihnen unbeliebt: Die Leiden und Verfolgungen riefen auch vielfach bei ihnen eine Stimmung hervor, wie sie sich in den Worten des Predigers Salomonis ausspricht: „Besser ist der Tag des Todes als der Tag der Geburt". So konnte eine Feierstimmung nicht aufkömmen. Eine Ausnahme machte neben dem siebzigsten der sechzigste Geburtstag. Mit sechzig Jahren erreichte man die Zeit der "ipT des reifen Alters. ,p> ist nach einer Deutung nsrn ripc n;, I der, welcher sich wahre Lebensweisheit erworben hat. Die C'ipl, die Aeltesten, waren von jeher dis Führer in Israel. In diesem Sinne möchte ich dem verehrten Kollegen zu seinem sechzigsten Geburtstage meine herzlichsten Glückwünsche aussprechen, nicht nur in Erwiderung der Teilnahme, die er mir gegenüber jederzeit in Leid und Freud bewiesen hat, sondern über alle nicht zu verwischenden Gegensätze der Weltanschauung hinweg in ehrlicher Anerkennung einer ringenden und strebenden Persönlichkeit. Die mustergültigen Statuten unserer Gemeinde haben jeder religiösen Weltanschauung ihr Recht und ihre eigene Aufgabe gewiesen, tber darüber hinaus gibt es Arbeitsgebiete, welche vost beiden stchtükigen gemeinsam betreut werden müssen. Dazu gehören sozialen Aufgaben, die Ordnung des Religionsunterrichts än den höheren Schulen und die Vertretung nach außen. Hier hatte ich immer wieder Gelegenheit, die unermüdliche Arbeitskraft, den rastlosen Fleiß und die große Organisationsgabe des Kollegen zu bewundern. Die praktische Arbeit führte auch die widerstrebenden Meinungen zusammen, und man war beiderseits froh, wenn es gelang, etwas Gutes für die Gemeinschaft zu erreichen. Vogelstein ist ein entschieden wissenschaftlicher Kopf und seine methodische Art ist geeignet, eine jede Diskussion zu befruchten. Möge der Allgütige es ihm vergönnen, die guten Gaben, welche ihm verliehen sind, auch weiterhin zum Wähle unserer Gemeinde und der jüdischen Gesamtheit zu verwenden! j " H 0 f f m a n n. Besichtigung der neuen Orgel. Am Sonntag, den 9. Februar, vormittags um 10 Uhr, findet in der Reuen Synagoge eine kostenlose Besichtigung und Vorführung der neuen Orgel für die Gemeindemitglieder und ihre Bekannten statt. Leitung: Herr Organist Erich Schäffer Treffpunkt der Teilnehmer: Eingang Schweidnitzer grab,m 8, um '' ,10 Uhr. Dr. Schösser, der n^ue'Staatssetretär im Reichsfinanzministeriui», ist ein Kind unserer Stadt! und unserer Gemeinde. Er besuchte das hiesige Johannis-Gym nafiutti, wo er ein Lieblingsschüler von Prof. Badt s. A. war, und widmete sich nach glänzend bestandenen juristischen Prüfungen zunächst dem Anwaltsberuse. Nach dem Kriege trat er in den Staatsdienst über, wo er dank seiner überragenden Fähigkeiten und außerordentlichen Gewissenhaftigkeit rasche Karriere machte. Für jüdische Angelegenheiten bewahrte er dabei sein reges Interesse. Zu Breslau hat er als Schwieger >'ohn von Gehcimrat Heilbcrg seine persönlichen Beziehungen behalten. Den 80. Geburtstag _ feiert am 23. Januar 19:10 Herr Arnold Friedländer, Schwert straße ». Den tzo. Geburtstag feiert am 3. Februar 1930 Herr Leo Freund, Sadowaslraße 42, i ältestes Mitglied der Vereinigung der 18 Männer. Den 75. Geburtslag ' feierte am 12. Januar 1930 Herr Louis Hirschberg, Friedrich Wilhelm-Straße 22. c Den S0. Geburtstag ieiert cm 14. Februar dieses Jahres Herr Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schottländer auf Schloß Hartlieb. Als Sohn des unvergeßlichen Herrn Rittergutsbesitzer Julius Schottländer, dessen Hochherzigkeit unser« GenreiNde die Stiftung wichtiger Wohlsahrtseinrichtungen, wie die Israelitische Altersocrsorgungsansialt und das Jüdische Schwesternheim verdankt, hat auch Herr Dr. Paul Schottländer getreu den Traditionen seiner Familie cs stet? als eine heilige Pflicht 'betrachtet, die Interessen unserer Gemeinde und deren Wohliahrtseinrichtungen mit Rat und Tat zu föri ern. Eine Reihe von Jahren gehörte Herr Dr. Schottländer unseren Gemeindevorstande an und nur die Arbeitsüberlastung zwang ihn voll einiger Zeit, dieses Ehrenamt niederzulegen. Im Jahre 190!! wurde Herr Dr. Paul Schottländer in den Vorstand der Israelitischen Kranken-Verpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft gewählt und seit kurzer Zeit bekleidet er in der Verwaltung dieser wichtigen Wohl» sahrtseiarichtung unserer Gemeinde das Amt des stellvertretenden Vor fitzenden. Auch bei anderen jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen, wie dem 'Jüdischin Schwesternheim, dem Jüdischen Hilssvereili u. a. hat Herr Dr. Schottlinder als Mitglied des Vorstandes seine wertvolle Mitarbeit stets in selbstlosester Weise zur Verfügung gestellt und durch seine reiche Erfahrung und den ererbten Wohltätigkeitssinn diesen der Allgemeinheit dienenden Einrichtungen unschätzbare Dienste geleistet. Dankbar muß bei dieser Gelegenheit hervorgehoben werden, daß Herr Dr. Schottländer fast all« jüdischen Wohltätigkeitsanstalten in unserer Gemeinde nicht nur durch hochherzige Jahresbeiträge, sondern auch durch laufende Zuweisung von wichtigen Naturalien in hochherzigster Weise unterstützt. Wir wünschen dem hochverehrten Wohltäter und Menschenfreunde, der mit Gottes Hilfe »erst kürzlich von seiner erheblichen Verletzung durch einen Autounfall genesen ist, noch viele Jahre ^ungetrübter Gesundheit ' und segensreichen Schaffens. L. Den 60. Geburtstag feiert am 17. Februar dieses Jahres Herr Heinrich Oschinsky, der sich in den weitesten Kreisen unserer Gemeinde allseitiger Hochachtung und Bekehrung erfreut. Erzogen im Geiste seines leider allzufrüh heimgegangenen, um unsere Gemeinde hochverdienten Vaters Theodor Oschinsky s. A. hat auch Herr Heinrich Oschinsky von Jugend an seine Arbeitskraft und seine reichen Erfahrungen den. jüdischen Einrichtungen, insbesondere aus dem Wohlsahrtsgebiete stets gern zur Verfügung gestellt. Im Jahre 1921 wurde Herr Oschinsky in den Vorstand der Israelitischen Kranken-Verpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft gewählt^ und hier hat er seit^enn als Mitglied der verschiedensten Kommissionen, insbesondere als Vorsteher des'Beerdigungswesenr eine überaus! segensreiche Tätigkeit entfaltet. Auch ändere Wohlfahrtseinrich. tungen,! wie die 111. Brüder-Gesellschaft, das Chanukka-Komitee, der Israelitische Hilfsoerein usw. verdanken der aufopferungsvollen Wirksamkeit des! Herrn Oschinsky wertvolle Förderung und Erfolge. Wir beglückwünschen Herrn Oschinsky auf herzlichste und wünschen ihm nocs, viele Jahre segensreichen Schaffens. L.