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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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| Breslauer isches GemeWblatt ches Matt der Ggnagogengemeinde zu Breslau SchNftlitzung: Deaooltzmgadkrkor Or. Rechnitz, Breslau. Wallstratze 9 I Druck und Bnzeigen-Armayme: Druckerei Th. Schätzt» AM engeseNßhofl, Verlag: Büro der Sgnatzogrngemetnde. Breslau. Wallstr.y / Tel. 21611/12 | Breslau 5, Neue Sraupenstrahe Nr. 7 / Fernsprecher 2446» u. 2446» SnirigntnU: Ok t ged». IMümMi-Silli öfter fteten 5taam iS Ofg. — 3Sci lotifenftca Aufträgen Hafte«. uiWimiiinwiwuinB«nromiraramiuMiiniminmmtmmuMiwniiiiiHiiit £*Qi die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Artikel und die Dereinsnachrichten übernehmen Mir nur die prrffegesetzlich« Verantwortung 7 . 3< avrg. 3onuar 1930 Rr. 1 Hermann Bogelstein;«m fechfigsten Geburtslage ($. Januar 1-ZS) Gemeinde-Rabbiner > Dm Vogelstein hat in seiner bekannten Bescheidenheit gewünscht, daß über seinen 60. Geburtstag nichts verlauten solle. Aus diesem Grunde werden die nachstehenden Artikel erst nachträglich gebracht. Die Echristleitung. Nun soll auch Freund Bogelstein unter die Jubilare eingereiht werden! Man kann sich den Mann mit dem glücklichen, heiteren Temperament, der noch heute mit der Jugend fröhlich und ausgelassen sein kann, als Sechziger kaum vorstellen. Zumal ich, der ich ihN noch immer als den munteren, frohen Studenten vor mir sehe, der zu jedem lustigen Streich bereit ist. Dabei gehörte er zu denjenigen unter uns, die ihr Studium am ernstesten nahmen; niemand hatte tiefere und ausgebreitetere wissenschaftliche Interessen als er. Tagtäglich erschien er und sein Freund Rieger in den Vorlesungen mit einem großen Pack Bücher unter dem Arm (in unseren Tagen pflegte man Bücher noch offen zu tragen und nicht vornehm in Aktenmappen zu verstecken), die in eine!r Bibliothek abgegeben wurden, um gegeneine neue Ladung eingetauscht zu werden. Als Frucht dieser ernsten Studien entstand die „Geschichte der Juden in Rom" von Hermann Dogelstein und Paul Ringer (2 Bände, Berlin 1896), die bei ihrem Erscheinen nicht geringes Aufsehen erregte. Zweimal war dieses Thema als; Preisaufgabe gestellt worden, man erwartete die Lösung von einem anerkannten Gelehrten, der sich häufig lange in Italien aufgehalten, die dortigen Archive durchforscht hatte und nun seine Studien abschliehen sollte. Da wurde «a* zur Ueberraschung her Preisrichter ein zweites Manuskript eingereicht, das so hohe Borzüge aufwies, daß ihm unmöglich der Preis versagt werden konnte, und das Staunen wurde noch größer, als zwei; junge unbekannte Studenten, die nie italienischen Boden betreten hatten, als die Berfaffer festgestellt wurden! Seitdem ist die „Geschichte der Juden in Rom" ein unentbehrliches Standardwerk für alle diejenigen geworden, die sich mit der Geschichte der Juden in der römischen Kaiserzeit oder in Italien überhaupt beschäftigen. Seiner Jugendliebe ist Bogelstein dis heute treu geblieben, es zog und zieht ihn immer wieder zur historischen Forschung. In Königsberg Hatz er den Berichten der Religionsschule wertvolle Studien zur Geschichte der dortigen und der preußischen Juden überhaupt beigegeben sowir zur Zweihundertjahrfeier der Chewra Kadilcha (1904) und zur Hundertjahrfeier der Wohttätigen Gesellschaft (1909) die Festschriften verfaßt. Bon . Breslau aus erschien u. a. eine wichtige Studie zur Geschichte > Gem.-Nadb. Dr.Dogelstein des. Apostolats im Judentum sowie ein Bortrag über Religion und Staat im nachexilischen Judentum, beides Vorarbeiten zu einem großen Werke über das Judentum zur Zeit des Zweiten Tempels, an dessen Abschluß Bogelstein arbeitet, so weit die Fülle der Amtsgeschästi es ihm möglich macht. Er gehört nicht 'zu denen, die ihr Amt leicht nehmen. Er ist in einem Rabdinerhaus groß geworden, hat an seinem Vater, dessen Amtsführung in der Gemeinde und in k e? Stadt Stettin noch heute unvergessen ist, ein glänzendes Vorbild ernster Pflichlerfi llung kennengelernt und in der eigenen Wirksamkeit befolgt. Bon seiner Mutter, ein^r der Mitbegründerinnen des Jüdischen Frauenbundes, hat.er die Bedeutung der sozialen Fürsorge gelernt, und er hatte das Glsick, in seiner Gattin eine treue Helferin in. Vieser schweren Arbtit zu finden. Einzel heitien sollen hier, nicht erwähnt werden, aber jeder, der während des Weltkrieges mit der jüdischen Not in. Ostpreußen, und im angrenzenden Litauen in Berührung farm, hat die unermüdliche Hilfsbereitschaft des Königsberger Rabbinerpaares kennengelsrnt. Mit peinlichster Gewissenhaftigkeitj und sorgsamster Liebe hat Bogelstein stet? den Religionsunterricht organisiert uni gepflegt? nicht als eine seiner amtlichen Aufgaben, sondern weil er in der religiösen Unierweisung der Jugend einen heiligen Dienst und die sicherste Gewähr, für die Zu kunift unserer Religion erkannt shat. Darum hat er auch in den Provinzialverbänden Ostpre ißen und Schlesien der Organisierung uni Beaufsichtigung des Religionsunterrichts so viel Kraft und Zeit geopfert, und es ist ein stolzes Wort, das )er verstorbene Justizrat Hirschberg gelegentlich einer Beratung des Preußischen Landesverbandes sprechen konnte, daß in Niederschlesien dank der Arbeit des Provinzialverbandes, dessen Borstand Rabbiner Bogelstein angehört, »in jüdisches Kind ohne Religionsunterricht bleibt. Dieser Euer für den Religionsunterricht und die Kompetenz in allen methodischen Fragen hatten zur Folge, daß bei der Einsetzung d?s liberalen Unterrichtsausschusses der Preußischen Landesver sandes Bogelstein der Borsitz übertragen wurde, und! daß er, wo gemeinsame Fragen zu beraten und gemeinsame Forderungen zu vertreten'sind, in bestem Einvernehmen chit dem B esitzenden des konservativen Unterrichtsausschusses zufammenc rbeitet. Dieses* Festhalten an der Gemeinschaft hat Bogelstein in seiner jüdischen Wirksamkeit stets am Herzen gelegen. Er ist ein Mann von ausgesprochen liberaler Richtung, dem die Ent

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