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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1929-12-01 · 12 (12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
6 (1929)
Issue
12 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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214 S reslauer Jüdisches Ge m e i n d e b l a 11 Nr. 12 erst jetzt die gemeinschaftlichen. Punkte ich zu allen, ruhig sitzen und schweigen wir Sie' zur Besinnlichkeit zurückrüsen. In Berlin habe man sich gegenseitig die bona fides zugebiligt, und da konnten auch wir uns bei aller Gegensätzlichkeit des Standpunktes zu gemeinschaftlicher Arbeit zusammenfinden. Vielleicht wäre das Vorgehen nicht nötig gewesen, wen r die nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency gleich gesagt hätten, worin sie sich von den zionistischen unterscheiden, sie beginnen aber abzutrcnnen. Wenn sollte, dann bedauere ich die Gemeindevertretung, die mich gewählt hat Gehcimrat Goldfeld erklärt: Ich hatte nicht die Absicht, mich an der Debatte zu beteiligen, weil ich mir hiervon keinen Vorteil verspreche. Entweder es wird aneinander vorbcigercdet oder, was noch schlimnier ist, zum Fenster hinaus gesprochen. Nur weil ich direkt angesprochen werde, erkläreich, daß ich das Lecht für mich in Anspruch nehme, meine Meinung zu äußern. Ich habe ntein Amt gegen jedermann unparteiisch ausgeübt. Wer anderer Ansicht ist, stehe auf und rede. Solange das nicht der Fall ist, betrachte ich den Vorwurf als Schmähung (Bravo!). Wem, Sie eine Meinungsäußerung Ihrer Führer nicht wünschen, dann stellen Sie Leisetreter an die Spitze. Ich halte auch heute noch die Unterzeichnete Erklärung für notwendig, wenn auch manche Einzelheit hätte apders sein können. Im übrigen mißbillige ich die Art und die Schärfe-des Kampfes auf beiden Seiten. Fn unseren, Interesse müssen wir dagegen auftreten, daß unser Gemcindcrabbiner in dieser Weise geschmäht wird. Diesen Schutz würden wir jedem Rabbiner anderer Richtung ebenso angcdeihcn lassen. Es sei in der Proteftversatnmlung gegen ihn der Zwischenruf „Sonntagsjude" gefallen. Dabei ist bekannt,' daß Gemeinderabbiner Tr. Vogelstein niemals beabsichtigt hat, den Sabbath durch den Sonntag zu ersetzen. Vielmehr ivird von Zeit zu Zeit ein Sonntag-Nachmittagsgottesdienst deshalb veranstaltet, um der werktätigen Bevölkerung die Teilnahme an einem Gottesdienst zu ermöglichen. Rechtsanwalt Tarnowski weist darauf hin, daß die Gegenerklärung von Breslauer Dame« und Herren unterschrieben sei, die zu erheblichem Teil ihre Arbeit und ihre Kräfte den, Judentum gewidmet haben. Tie heuüge Erklärung der zionistischen Fraktion wiederholt die alten^Schlag- Worte, die wir in den letzten Wochen iß der jüdische» Presse gelesen haben. Ich bewundere den Akut hon R.-A. Jacobsohn, die Tinge so auf den Kopf zu stellen Und uns Angriff vorzuwersen, nachden, wir endlich einmal uns aufgerafft haben, den Veröffentlichungen der Zionisten entgegenzutreten. Gegen das Schimpffeuerwerk der jüdischen Presse ist R.-A. Jacobsohn nicht n,it einem Wort ausgetreten. Ich spreche dabei nicht Hegen den Bezug dieser Zeitüng; ich beziehe sie weiter und lese sie aufmerksam, selbst nächdem ich als Missetäter angeprangert worden bin, uüd folge hierin nicht einem gegenteiligen Beispiel. Wir. werden ßns gegenseitig nicht überzeugen, aber Rechtsanwalt Jacobsohn dürfte wissen, daß, viele Zionisten diese Art des Kampfes nicht billigen; es müssen ihm ebenso wie mir derartige Zuschriften zugegangen seit,. Redner berichtet über die Eindrücke auf die.christlichenMitbürger, auf,die die Gegenerklärung wie eine Erlösung gewirkt habe. Der Aufruf der Jewish Agency sei eine bewußte Irreführung, und die n,ei frei, Unterzeichner haben wohl nicht gewußt, was sie unterschrieben haben. Mit der behaupteten Einiguyg über das Ausbauwerk sahen sich viele sn ihrem Lcbenswerk betrogen. Das Erscheinen der Gegenerklärung in „icbtjüdischcu Zeitungen war eine Selbstverständlichkeit, wenn chir aufklärcn wollten. Ich hätte es gern gesehen, wenn der Protest nicht gerade in den Bußtagen erschießen wäre, aber was sehe ich'. Auch der Schmähartikel von! Waldmann (gelerstte Auch-Judcn) in der jüd. Zeitung sür .füstd. erscheint in den Äußtagcn und läßt sich doch gewiß, was Schmähungen a„- betrisft, nüt dem Protest nicht vergleichen. Jetzt rücken verschiedene Herren verlegen auf ihren Stühlen herum! (Zurufe). Ter Artikel in der Jüd. Zeitung für Ostd. über Rabbiner Tr. Vogelstcin ist das Schanüoscfte, ibas man sich denken fanti. Was würden Sic denn sagen, wenn wir Ihnen die Schuld an dem Blutvergießen in Palästina vorwerfen würden. a den Blättern, die Sie nicht lesen, auch in den ausländischen, bereits von dem Völkerbund verlangt worden, daß die Palfour-Tcklaration geändert werde. Sie beklagen sich über hcn Vorwurf des mangelnden Patriotismus, aber Sie werden Ivohl zugeben, daß Sie Deutsche nach Art der Iphigenie sind, >as Land der Väter mit der Seele suchend. Deshalb hoffe ch puf Ihre Erkenntnis, daß uns und nicht Ihnen Unrecht >eschehen ist. Mit unserer Erklärung haben wir die Gleichgültigen endlich aufgerüttelt. Tie - Breslauer Unterzeichner stehen zu hoch, um durch Ihre Angriffe getroffen zu werden. isch bin für Frieden und begrüße freudig die Resolution der Zreslaucr Jugendbünde, aber ich hoffe, daß Sie uns weiter ie freie Meinungsäußerung zubilligcn werden. R.-A. N o t h m a n n erwidert, niemals sollte das iecht der freien Meinungsäußerung beeinträchtigt werden, uch nicht für die Herren in leitender Stellung. Es besteht och tatsächlich ein Kriegszustand der Juden in Palästina und yüt Ihrer Erklärung sind Sie der Abwehrfront in den Rücken gefallen. Vielleicht nicht nüt Vorbedacht, aber in der Wirkung. Der Protest wendet sich gegen die ganze Agency-Politik, Und doch ist unser Standpunkt die einzige Möglichkeit, wie die jüdischen Belange in den umstrittenen Gebieten geschützt werden können. Und dann wagt man uns zu sagen, wir gefährden die religiös-sittliche Arfgabe des Judentums! R.-A. I a c o b s o h n erklärt, er mißbillige den Artikel „Naumann und Vogelstein als Helfer des Mufti", weil er den Vorwurf erhebe, daß diese Männer absichtlich den Standpunkt ^er Araber unterstützen. Tie Vergiftung des politischen tampfes bestehe nicht in einem scharfen Wort, sondern in der Zerdächtigung des ölegners. Wir bringen selbst schärfsten Gegnern unsere Hochachtung entgegen, und dazu gehören ie Vorsitzenden unserer Körperschaften, aber das kann nicht hindern, auf schwere Fehler hinzuweisen, wie es die Unter Zeichnung der Gegenerklärung und ihre Veröffentlichung in hen nichtjüdischen Zeitungen sei.!' R.-A. Spitz hebt in seinem Schlußwort hervor, daß sjchließlich alle Parteien ihre-Ausführungen in dem Wunsche yusklingen ließen, den innerpolitischcn Frieden zu wahren. Es wurde über keine der eingebrachten Resolutionen abgestimmt.! Namens des V o r st a n d e s hatte Herr Geheimrat Goldfeld den nachstehenden mit allen abgegebenen Stimmen bei zwei Stimmenenthaltungen gefaßten Beschluß des Vorstandes bekanntgegeben: „Der Vorstand bedauert und mißbilligt die persönlich herab- | setzenden Angriffe, die gegen den Herrn Gemeinderabbiner Dr. Bogel-! stein in der Oefsentlichteit erhoben worden sind. Der Vorstand hat / nach wie vor uneingeschränktes Vertrauen zu feiner Persönlichkeit und zu der seiner Weltanschauung entsprechenden Amtsführung." l In der daran anschließenden Geheimen Sitzung werden einige Gehaltsregelungcn vorgenommen und die Herren Tr. Samy Kober und Heimann Daniel in den Ausschuß der Alten Synagoge gewählt. ^Zur Turchberatung eines Angebotes zum Ankauf einer dem Friedhof Cosel bestachbarten Ackcrparzelle wurde eine besondere Kommission gewählt.! Eine Wohltätigkeits-Darstellung zum Besten seiner kriegsverletzten Kameraden und der^Vitwen rnd Waisen von Kriegsgefallenen veranstaltet am S o n n t a g , e n 2 9. Dezember, 11 Uhr, im Deli-Lichtspiel-! a u s der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Breslau. Es gelangt ein hervorragender Film mit Schildkraut in der Hauptrolle und andere Filme nebst musikalischen Darbietungen zur Aufführuitg. Näheres werden die Inserate in hen Tageszeitungen besagen. Wir bitten die Gemeindemitblieder, im Interesse der guten Sache und der hervorragenden Darbietungen bei billigen Preisen, die Aufführung zahlreich zu besuchen. R.

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