Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- 10 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 10 Breslauer Jüdisches Gemeinde bl all 175' 8rüber*®ef. die Trauerrede auf Friedr. Wilh. ll. Er ist Vers, der Schrift ni-!N2i nin^>' (Berl. 178«) u. n* nib’b: (Brest. 1819), einer debr. u. jüd.-deutfch geschrieb. Geographie Palästinas mit 2 interessanten Karten. Dieses Buch ist dem Breslauer Bankier Salman Friedeberg gewidmet. — Br. war ein Verehrer u. Schüler Mos. Mendelssohns und gedenkt dankbar der vielen Wohltaten, die dieser u. Dav. Friedländer ihm in Berlin erwiesen haben; sein Grabstein aus Friedhof Claassenstraße hat die Nr. 2259. (Akt. im Gem.-Archiv Breslau.) B u k a Felix, geb. 1851 in Breslau u. gest. 5. 12. 1896 in Berlin, Borst, der jüd. Gem. Charlottenburg und Pros, an der Techn. Hochschule, des. bekannt durch seine Studien und Verössentlichungen z. Kenntnis und Verwertung der Röntgenschen Entdeckung. (W.) B u r g s e l d Louis, gjeb. 2. Januar 1828 und gestorben am 25. Juni 1912, war langjähriges Vorstandsmitglied der Geineinde und einer der bekanntesten Wohltäter; ganz besonders galt seine Fürsorge den mit der Not des Lebens ringenden Mitmenschen. Seine hochherzigen Stiftungen, wie die Burgseld-Stistnng am Südpark und die Augen-Abteilung des Jüdischen Krankenhauses zeugen von dem Edelsinn dieses hochherzigen Mannes. Zur Vollendung seines 80. Lebensjahres wurde vom Vorstand der Synagogengeineinde (dem er damals noch angehörte) und von der Repräsentanten-Bersammlung ein« .Louis Burgsetd-Ehrenstistung". ins Leben gerufen, deren Zinsen an dem jedesmaligen Geburtstage Burgseldsan Arme verteilt wurden. (Akten der Gemeistde Breslau.) Caro Jak., Dr., ord. Un.-Prof., Vers, einer „Geschichte Polens" u. a. bedeut. Werke, geb. 1836 in Gnesen als Sohn von Jos. Heim. C., Rabb. in Pinne, Fordon ul Wloclawek, st. in B r e s l a u an> 10. 12. 1904 und ist aus Friedhof Cosels Feld 15 a. beerdigt. C e r i n i - Steismany, Sekmar (Salomo Jzch.-ha-Kohen), geb. 1860 in dem poln. Dorfe Wulka, betete schon im Alter von 12 Jahren in Plonsk mit Chorbegleitung vor und errang schon damals sehr großen Beifall. Mit 21 Jahren heiratete er und wurde Kaufmann, oerlor aber bei den russ. Judenverfolgungen sein Hab u. Gut und nahm daher die Kantorstclle in Zagorow b. Kalisch an. Hier blieb er aber nur wenig« Jahre, kam 1887 nach Breslau, uni von Oberkantor Deutsch und dem Direktor des Stadttheaters f. Stimme prüfen zu lassen,-ging dann n. Berlin u. studierte an der kömgl. Hochschule Musik u. Gesang, sang gleichzeitig als Solist in der Berl. Synagoge bei Lewandowski, tjot dann in versch. Städten als Sänger auf und wurde 1891 als erster^Tenor nach Breslau engagiert. Von 1893 bis zu seinem am 11. 5. 192» plötzlich erfolgt. Tode war C. Oberkantor an der neuen Synagoge; er hatte auch ein nicht unbedeut. jüd. Wissen und lebte auch alp Opernsänger streng religiös. ^(Mst-sky, Biographie von Cerini, London 1900.)! Cohn Ferd. Jul., hjervorrag. Botaniker, Vorläufer von Rob. Koch u. Schöpfer der Bezeichnung „Bazillus", seit 1872 ord. Pros., Ehrenbürger v. Breslau, Vers, des bek. Werkes „Die Pflanze" u. versch. anderer, gleich groß als Mensch u. Gelehrter, wurde am 24. j. 1828 in Breslan geb., war schon mit 16 Jahren Abiturient und mit 19 Dr. u. starb hier am 25. 6. 1898. — Seine Fron Pauline geb. Reichenbach widmete ihm 1901 die Schrift „Ferd. Cohn, Mütter der Erinnerung" (I. L., W.. H e p p n e r, Jud. als Erfinder u. Entdecker, und Pinn im Brest. Gem.-Bl. 1928, 1); sein Bruder war der bek. Schristst. Osk. Justmus (geb. 1839 in Breslau ii. gest. 1893 in Nauheim). Cohn Herm. (Augen-Cohn), Dr. phil. u. med.< Pros. u. Geh. Med.- Rat, Begründer d«r Augeichygiene der Schulkinder, Vers, zahlreicher wertvoller Werke, wurde am 4, 6. 1838 in Breslau als Sohn d. Bankiers Löbel Sam. C. und seiner Ehesr. Philippinr Falk a. Posen geb. und starb daselbst am 11. 9. 1906. Während seiner 40 jährig. Tätigkeit hat er gegen 45 000 Krank« unentgeltlich behandelt und ungefähr 5000 größere Operationen vorgenommen. Im Sonderheft der „Menvrah" (Jüd. Kultur in Schlesien), Mai 1926, hat sein Sohn, der bekannte Schristst. Emil Ludwig (geb. 25. 1. 1883 in Breslau) ihm unter dem Titel „Mein Vater" ein liter. Denkmal gesetzt; desgleichen der 1927 in Berlin verstarb, und nach Breslau überführten Muster mit der Schrift „3n memoriam Valeska. Eohn geb. Friedlaender". Cohn Leop., Pros.>Dr. u. Ob.-Bibliothekar an der Breslauer Universität, geb. 1856 in Zempelburg, stud. in Breslau und starb hier am 18. 11. 1915; er ist des. bekannt als Philo-Herausgeb. u. Uebersetzer. Sein Schwiegervater war der Brest. Sem.-Direkt. Dr. L. Lazarus und f. Sohn, der am 9. 9. 1920 im Riksengebirge tödlich verunglückte Assistent an der Univ. Frankfurt a. M., Dr. jur. Arth. Wolsg. C. (geb. 1894 in Breslau). Cohn Solomon, Dr., Rabb. in Oppeln, Schwerin (Mccklenb.) und Berlin (Potsdamer Brücke), geb. 1822 in Zülz und gest. 20. Elul 1902 in Breslau, vorzügl. Kanzelredner, Schwiegen), des Bresl. Gem.-Vertreters Wilh. Kober. : ■ Daniel Salomvn, j Kfm., bedeut. Talmudgelehrter, geb. 1831 in Krotoschin, lernte bei seinetn Vater Bär D., s. Schwager Menach. Wiener in Ostrowo u. bei d. Schranmer Rabb. Naphtali Caro, siedelte 1896 nach Breslau über und starb hipr am 19. Jjar 1911; seine Frau, eine Lichtenberg aus Schrimm, war ein Nachkomme hes Rabbi Meir Posner, Vers, des i'KB r"3, f. Schwester diel Frau des Sem.-Rabb. Pros. Israel Levy, und seine Söhne sickd der Brech. Gem.-Bertr. Heimann und sein Bruder Carl Daniel. I ' . Davidson Dr. Anselm, San.-Rat, geb. 24. 6. 1804 in Breslau, war mehr als 40 Jahre in) Dienste der,Ch. Kgd. und zwar von 1840 bis 1864 als Bezirks- und biSj zu seinem Tode (7. 6. 1888) als dirigierender Arzt tätig. Bis zum Heimgange Dr. Henichels vertrat er diesen viele Jahre als Geburtshelfer in» Jüd. Krankenhause, und von ihm ist auch eine iMeressant« Biographie Dr. Henschels erschienen. Am 23. 10. 1863 J ' ■ ' beging Dr. D. die Feier feister silb. Hochzeit unb am 19. 12. . 50 jähriges Doktorjubiläum. (Akt. der JKBA. im Gemeindearchi Deutsch Felix, Geh. Komm.-Rat, Großindustrieller, ’ führende Rolle in der A. E. G., deren Bors, er nach d. > Rathenaus war; er ist in B r e s l a u als Sohn des Oberkantors l 1858 geboren,und 1928 in Berlin gestorben. Er war eine aus; Führernatur u. hat als Mann der Praxis nach dem Kriege ustd slation uns. Industrie und der Wiedergewinnung unserer Welt vortrefflichsten Dienste geleistet. (Zeitungsberichte.) Deutsch Jmnianuel, Dr., geb. 1847 in Sohrau O.-S. Breslauer Rabb.-Sem., war seit 1874 Rabb. in s. Heimat. . folget s. Vaters David D., von 1897—1901 Stistsrabb. in L u. bis zu seinem Tode (4. 1. 1913) stellvertr. Rabb., Bibliothekar \ Lehrer in Breslau. — Bon Ihm sind erschienen: Chronik der G j Sohrau u. a. Arbeiten. (Brjinn, Gesch d. Sem, S. 153, u. Br> Archiv I H. r. 5.); ' ' Deutsch Moritz, geh. 16. 12. 1818 in Nitolsburg 27. 2. 1892 in Breslau, war 1842—14 Kantor in Wi^n und Zeit 1. Kant. u. Chördirig. int Breslau; er war ein „gottbegnadete u. gefeiert. Liederu. Oratoritensänger, ein tüchtiger Hebraist un > sühliger deutsch. Schriftstellers ein gewandter, genialer Komponis minder ein hellsehender, objektiver Beurteiler fremder Musilsp (Friedmann, Lebensbild, berühmter Kantoren, I, 44.) Dohm Lewin Benjanstn, Assesior d. königl. Jud.-Komnsi Syndikus d. Gem., Mitbegründer d. „Gesellsch. d. Brüder" u.!f selben von 1785 bid zu s. Tpde, war auch Mitgl. d. ersten Sck 1791 gegr. „Wilhelmsschule",Iim Vorst, d. Waisenanstalt-u. stan» im Dienste ber P'c. Er wurde 1754 geb. u. ist in B r e s l a u ai 1825 gest. Sein Gräbst. Fricdh. Claassenstraße trägt die Nr. 28 ü ' verh. mit Rebecca (gest. 29. 4. 47), einer Tocht. d. Altonaer Ol < Nichte d. R. Jesaja Berlinex (siehe diesen!) u. hatte d. Name i zu Ehren d. Berliner KriegSrats Christ. Wich. Dohm, der näi als erster Christ sür d. Menschenu. Bürgerrechte b: Jud. e getreten ist, angenommen. Sein aus Pergament geschrieb. befindet sichln uns. Gem.-Anchiv u. s. Bild in einem.Zimmer Verwaltung. (Bresl. Gem.-8l. 1924, 6 u. Prann „Gesch. d. schule.) 1878 -sein io.) spielte eine ode Emil -> Moritz D ■q esprochen« rd der Jnx eltüng di« »«suchte d. der Nachstsa (Pos.) u. Relig.» Syn.-Gem. sf. ®ftnj und gest. seit dieser r Kantor ein fein* und nicht rodukte." ssion und Porst, derulkoll. der 54Äihre 14. Jjar!3; er war trabb. u. .Dohm" Lessing u. aus. schutzbries uns. Gem<- Industrie- Ol e -l . cstt ei i» Die Breslauer Iuüen undie jüdische Musik; siege. Die jüdische Gemeinde Breslaus, die dis zweitgrößte Gemeinde Deutschlands ist, hat es immer für ihre vornehmste Pflicht gebalten, aüs allen jüdisch-kulturellen Gebieten führend zu sein. Das theologische Seminar Breslaus ist eines der bedeutendsten Zentren jüdischtr Wissenschaft, das Breslauer jüdisch^ Museum und di« hiesige jüdische Volkshochschule sind weitere Beweise! sür den Willenzu einer fortschreitenden geistigen Entwicklung. I Ueberall gibt es weites Kreise, denen Kunstbetätigung und Kunstgenuß Lebenselement' bedeutet. Gerade die Musik ist ja von all, n Künsten die volkstümlichste, denn gerpde die Musik hat Vorhallen anderen Künsten die Fähigkeit, unmittelbar den tiefsten Einfluß aus das Seelenleben des Menschen zu haben. Deshalb ist auch di«' jüdische Musik urch 1 ie jüdische Musikpflege berufen, unseren Mitmenschen, die uns nicht kennen — denn wir sind ja!durch die Jahrtausende hindurch immer gezwungen worden, uns abzuschlteßen und abzusostdern —, von der jüdischen Seele, von ihrer Freude und-Trauer, ihrer Liebe und all den anderen Empsin »ungen-HU erzählen. -Musik ist Völker! uich Menschen verbindend und versöhnend. Musik bedeistet sür alle diejenigen, die sie lieben, immer eine Lebensbesahung, utid gerade die jüdische Seele, die, durch schweres und langes Leid geläutert, für alles Schöne tief empfänglich ist, hat die! Fähigkeit, i Musik zu empfinden und djirch sie für das Leben positives Erleben gewinnen. Warum sollten üun die Breslauer Juden nichts für hie Pflege jüdischer Musik übrig haben? Ich bin fest davon überzeugt, daß es unter ihnen weite Kreise gibt, die «s bestimmt'mit großer Freude begrüßen würden, wenn sie sich innckhalb einer größeren Musikvereinignng, ganz unter sich, ntusikalisch betätigen könnten. Deshalb habe ich es unternommen, im Mai dieses Jahres die B e r - einigten jüdischen Chöre Breslaus zu gründen, denen ich später noch ein eigenes jüdisches Orchester angliedern werde. Wir wollen musizieren, wir wollen gute, und schöne Musik pflegen und kennen lernen. Wir wollen uns aber in erster Linie mit den Werken jüdischer Komponisten und mit i»er Chormusik beschäftigen, die von jüdischem Leben (Psalmen, Texte aus dem alten Testament etc.) erzählen. Der Chor soll nicht aus der Mitgliederzayl von 120,^die er schon jetzt . nach vier ivsonaten hat, ste!»en bleiben. Er wird und muß einmal alle musikliebenden Kreise der Breslauer Juden zu seinen Mitgliedern zählen. Heute mehr denn je müssen mir-uns und vor allem unsere Jugend gege» den bei uns aus allen Gebstten überhand nehmenden, alles verflachendep Ämerikanisnius — mit feinen mechanischen Musikinstrumenten, seinem .Radio und Nrammopho» und jetzt gar, noch seinen sensationellen Tonj-! filmen — sckützen. - i Deshalb rufe ich Ihnen allen zm: Helsen Sie an!dem Ausiiau dieses lxhores, in dem sich alle die wieder zw sammenschliehen können, di« di« Verflachung und Hohlheit des heutigen— Tages erkan nt haben, die lliusik lieben und in der Musikbetästgung ein ^Gegengewichts eine positive Freude/ den heutigen schweren, Wirtschaft)_ lichen Zeiten gegenüber, finl«n wollen. ' Hans Krieg.!