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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1929-10-01 · 10 (10.1929) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
6 (1929)
Issue
10 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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174 Nr. 10 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatl die landwirtschaftlichen Besitzer zwar. Grund und Boden besitzen, der zur Vermögenssteuer veranlagt wird, aber Einkommensteuer überhaupt nicht zahlen. Es werde eine gerechtere Verteilung der Steuerlast bezweckt durch Zuschläge zur Vermögenssteuer» die nach der Satzung zulässig sei und deren Einführung nach den Novellen zu den Kirchensteuergesetzen leine Schwierigkeit mehr mache. Es gäbe weite Kreise, die zwar kein Einkommen aber Vermögen haben, und diese Kreise würden voraussichtlich noch zuuehmen, namentlich durch die Zulässigkeit des sogen. Verluftoortrags bei der Einkommensteuererklärrmg. Dazu kommen die Inhaber der sogen. Familiengesellschaften. Allerdings müsse man die kleineren Vermögen, etwa bis 20 000 Mk., frei lassen. Redner stellt gegenüber die-^Zuschläge zur Vermögenssteuer und die Zuschläge zur Einkommensteuer und schließt daraus, daß selbst große Vermögen nicht stärker belastet würden als ein mäßiges unfundiertes Einkommen. Verwaltungsdirektor Dr. Rechui tz berichtet über die im Frühjahr'stattgehabten Verhandlungen der drei Religionsgesellschaften über diese Fragen. Nach inoffiziellen Mitteilungen aus Berlin wolle die Regierung einen Satz von höchstens 1% zur Vermögenssteuer zulassen. Das ergäbe für sämtliche Vermögenssteuerpflichtigen in Breslau jährlich 80 000 Mk. Davon gingen ab die Anrechnung auf die Zuschläge zur Einkommensteuer und die Erhebungskoston, so daß für die einzelne Religionsgesellschaft ein nennenswerter Betrag nicht bleiben würde. . RA. Jacobsohn gibt zu, daß bei 1% die Erhebung unlohnend sei. Nach seiner Berechnung müßte und könnte der Zuschlag zur Vermögens-' steuer auf 20—25% bemessen werden. Er beantragt, den Vorstand zu ersuchen, baldmöglichst eine entsprechende Vorlage der Gemeindevertretung zugehen zu lassen. RA. Spitz bittet mit Rücksicht auf die schwierige Materie um Vertagung und Einsetzung einer besonderen Kommission. Geh. Rat Goldfeld warnt vor neuer Steuerbelastung des Vermögens in einer Zeit, wo allgemein über zu hohe Steuerlasten geklagt und bedauert wird, daß eine Bermögensbildung in Deutschland nicht möglich sei. Darauf wird der Vertagungsantrag Spitz mit großer Mehrheit angenommen. In der anschließenden geheimen Sitzung wird für den alisgeschicdencn Herrn Bankier Steuer Frau B i a l und für den in den Vorstand gewählten Bankdirektor Sander Herr Trogenkaufmann M a t t hä a s in den Finanzausschuß gewählt. Als Rechnungsprüfer werdet die Herren Gemeindevertreter Kober und Fritz G-o l d s ch m i d t wieder und Herr Matthias neu gewählt. 3üdtfd)t Persönlichkeiten in unö-aur Von Rabb. Dr. Sj e p p n e r, Gem.-Ai-chioar. Adler Gäcilic, Philanthropin, geb. in B r e s l a u 1828, Tochter ides Möbelfabrikanten Bauer, Schwester von Lina Morgenstern, Jenny : Asch und Annp Honigmann, heiratete ihren Oheim, lebte zuerst in Krakau, dann in Wien und widmete besonders den Blinden ihre Fürsorge: seit 1883 gehörte sie, auch dem Kuratorium des isr. Blindeninftituts aus der hohen Warte in Wien an, das ihr manch jegensräiche Einrichtung ver- ' dankt. Sie führte den Ehrennamen „Mutter Ver Blinden". (W i n i n g e r (©.], süd. Nat.-Biographie.) A sch Sicgismund, Dr. mcd., einer der beliebtesten Aerzte Breslaus, der „alte Asch", der „Doktor Klaus" in Ad. L'Arronges gleichnamigem Lustspiel, geb. 5. Januar 1825 in Schweidnitz, kam 1843 auf die Breslauer Universität, wo er der Burschenschaft der Raczeks beitrat, kämpfte 1848 als junger Doktor in den ersten Reihen für Tue Rechte des Volkes und erhielt dafür ein. Jahr Festungshaft. 1850 ließ er sich auf der Klosterslraße als Arzt nieder,, heiratete 1855 Jenny Bauer, war Vorsitzender des Vereins der Breslauer Aerzte und Leiter der „medizinischen Sektion" der Schles. Gesellsch. für vaterländische Kultur, gehörte-oon 1863—79 der Stadtoerordn.-Bers.. an und leitete während des Krieges 1866 ein Lazarett von 600 Betten. Er starb in Breslau am lt- März 1901, und Tausende folgten seinem Sarge. Seine Gattin, die Mitbegründerin und Vorsitzende des hies. Kindergarten-Vereins, starb hier am 1. Mai 1907 (Bresl. Zeit). Auerbach Leop., Arzt und Biologe, geboren 27. April 1828 in Breslau, praktizierte hier, war seit 1872 Professor an der Universität und machte wichtige Entdeckungen aus dem Gebiete der Zellenverteilung und Zellenstruktur: er starb am 1. Oktober 1892. (Heppner, Juden als Erfinder und Entdecker: W. und Jüd. Lexicon.) Bach Mos. Aron, Rabb., geb 1809 in Hohcnsalza (Pos.), lernte in Lissa, heiratete ein« Tochter von Isr. Goldmann a. Mieschkow, war Rabb. in Roschko«, Schwarzenau, Myslowitz und Schildberg und starb in Breslau, woselbst er mehrere Jahre lebte, am 27. Cheschw. 1879; ein Sohn von ihm war mehrere Jahrzehnte Lehrer in Myslowetz, und dessen Sohn, San.-Rat Dr. Joseph B.. ist Vorstandsmitglied der Bresl. Sy nag.- Gemeinde. (Heppner- Herzberg. 482 u. 918.) Badt Benno. Prof. Dr.. Oberl. am Bresl. Johannes-Gymnasium, geb. 1844 in Schwersenz (Pos.), Urenkel d. nbxv besuchte d. Bresl. Rabb.-Sem., war Repräs. d. Gem. und starb hier am 25. Nissan 1909. Er ist Vers, der .Finderbibel": seine Gattin Martha geb. Guttmann, eine über Breslau hinaus bek. und geschätzte Frau, starb hier am 6. Juli 1929; ihr Sohn ist der preuß. Ministerialdirektor Dr. Herm. Badt. (Sj e p p n e r ■ Herzberg, 588 u. 980.) Baß Schabtai, Druckereibesitzer in Dyhernfurth und Begründer der hebr. Bibliographie, Vers, versch. Werke (Sisthe jeschenim u. Sisthe Ehachamim), geb. in Kalisch 1641, gest. in Breslqu 22. Tammus 1718 u. beerd. in Krotoschin. (Hiernach sind Zunz. Zur Gesch. u. Lit. Brest. 1845, S. 245, sowie Wininger. Äüd. Lexic., u. Encycl. jud. zu berichtigen.') (Heppner-Herzb. 572 u. Krot. Totenbuch im Ges.-Arch. der deutsch. Juden in Berlin.) Baßfreund Jak., Dr. phil., Rabb. in Hannover, Tarnowitz u. Trier, geb. in Kempen (Pos.), 11. 4. 1850, besuchte d. Bresl. Rabb.-Sem. und starb hier am 15. 1. 1919. B. warVrrf. versch. Schriften und Abhandlungen. (Heppner-Herzberg sH. H.jTHlus Berg. u. Gegenw. der Jud. in d. Pos. Landen, S. 522.) ,1—f Berliner Jesaja Löw, Freuhd-äi. Nachf. des Bresl. Landrabb. Jos. Jonas Fränckel, geb. 1725'in Eisbnstadt. heiratete um 1755 Fromet, di« Tochter des Privilegiert. Wolf Löbel Pick in Breslau und starb hier am 8. Ijar 1799. Er besah eine staunenswerte Belesenheit u. umfassende Kenntnis aus dem Gebiete d. jüd. Schrifttums und verf. versch. Werke von bleibendem Werte; er hatte 6 Söhne und 5 Töchter, von welchen eine (Sara) an den Buchdr. Jos. May verheiratet war. B i b e r f e l d Carl, Dichter u. Schristst., geb. 5. 2. 1856 in Breslau, gest. 8. 9. 1924 in Zuckmantel und beerd. in Breslau, Friedhof Cosel: er war Bankbeamter, ein eifriges Mitglied der „Bresl. Dichterfchule" und ' seit I960 Vors, derselben. 1882 erschien von ihm ein Band „Gedichte" und später eine Reihe von Festspielen. (Allgem. Zeit. d. Iudent. 1917, 2 u. W.) . - Bloch Elisa, geb. Marcus, franz. Bildhauerin, geb. in Breslau 25. 1. 1848. Nach entsprechender Vorbildung ging sie mit ihren Eltern nach Paris, veranstaltete dort versch. Ausstellungen und erregte ganz bes. durch ihren „Moses" (Bronze) 1896 großes Aussehen; viele Denkmäler .in versch. Städten Frankreichs find ihre Schöpfui^en. (W. u. jüd. Lex. ,J. L.„ Bloch Georg, Komponist, geb. 2. 11. 1847 in Breslau u. gest. 11. 2. 1910 in Berlin. Begründer und Leiter des Blochschen Gesangvereins u. Lehrer am Konservatorium von Breslauer in Berlin, war auch Musik- - direktor in der Berliner Synagoge. (W.) Bloch Isaak, Sohn des Joel, starb 73 Jahre alt, 1855 in Breslau, war Borst, der P'N u. des „Malbisch arumini"-Vereins u. spielte auch in der „Gesellsch. der Brüder" eine Rolle; seine Grabsteininschrist rühmt bes. sein« hingebende Tätigkeit im Dienste der Kranken und Verstorbenen. Bloch Herm. (Chajim), geb. in Brcslau 26. 4. 1826 und gest. 19. 11. 1896, war ein Enkel des Rabbiners Abroh. Tiktin und verf. eine Einleit. z. Talmud (Mewo Hatalmud) u. versch. and. hist. u. talmud. Schriften. .Bl. war Ksm. und Lehrer an der M. S. Leipziger Beth- Hamidr.-Stistung. (I. L.) B r a n n Mark., Dr. phil., Prof., Gelehrter u. Historiker, einer der besten Kenner und Bearbeiter \ ber Gesch. d. Jud. in Breslau u. Schlesien, Doz. u. Bibliothek, am Bresl.' Rabb.-Sem., geb. 9. 7. 1849 in Rawitsch (Pos.) u. gest. in Breslau 14. Tischri 1920; er war stelloertr. Rabb. an der Neuen Synagoge zur Zeit Jogls, dann Waisenhausdirektor in Berlin und von 1885—91 Rabb. in Plcß^ — Von s. zahlreich, u. vortrefsl. Arbeiten seien hier bes. erwähnt: Die Hundsselder Druckerei, Geschichte der Gesellschaft der Brüder, Geschichte dys Landrabbinats jn Schlesien, Geschichte der Juden in Schlesien und Geschichte d. jüd.-theol. Seminars in Breslau. Breinersdorf Sani. (Sanwil). Dr. phil., Arzt, geb. in Bresl. 13. 7. 1780, stud. u. praktizierte hier und starb am 12. 5. 1817; er war auch liter. tätig und wurde königl.-preuß. Med.-Rat sowie Ritter des königl. bayer: Zivilverdienstordens. Auf s. Grabstein (Claassenstr. 2487) stehen die Worte: „Dem liebenden Gatten, dem helfenden Arzte — die weinende Gattin, die trauernde Menscl)heit". ■ <W. u. Gem^Akt.) Breslau Arje Löb b. Chajim, geb. 1741 in Breslau, war Rabb. in Emden u. von 1781 bis zu f. Tode. 22. 4. 1809, Oberrabb. in Rotterdam, stand wegen s. großen Wisiens in hohem Ansehen und zählte viele christl. Theologen zu s. Freunden; er ist Vers, der Responsensamml. „Pne Arjeh" u. sein« Gedichte „Mismor leschabbath" sind von dqm Rotterdamer Rabb. Dr. Ritter herausg. worden. Seine Familie nahm später den Namen L ö w e n st a in m an. (I. L.) Breslau Jos. b. David, geb. 1691 in Brcslau, war der erste Rabb. in Grabseld b. Fulda u. von 1743—52 Rabb/ in Bamberg, wo er am 22. 1. 1752 gest. ist. Er verf. versch. Werke (Schoresch Josef. Chok Joses u. Kessaunes Jos.) (W.) B r o e s e (Brese oder Breslauer) Menach, Mendel b. Jehuda Leib Taubeles a. Prag, hebr. Dichter u. Schristst., geb. 1761 u. gest. in Breslau 22. 6. 1827, war feit 1818 als „Gem.-Beglaubter" (Schwurzeuge) mit einem Jahresgeh von 250 Tal. angeftellt. 1786 lebte er in Königsberg, wo er zus. mit Jsaac Euchel den „Verein der hebr. Lit.-Freunde" ins Leben rief und sich lebhaft in der Zeitschr. „Measief" schristst, betätigte. 1796 heiratete er Zerel Friedländer-Breslau und wurde durch diese Be- ..sitzer der Etamm-Nr. 10. Am 3. 11. 1797 hielt er in der Synag. d.

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