Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- 7 (7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 vre»Iauer Jüdische» Semeiudeblait 117 #| Jüdische Tuberkulose«Fürsorge |i Beschluß ergeben, daß von einer Erweiterung des Friedhofs Lohestr. künftig abgesehen und nach dessen. Schließung nur ein Einheitsfriedhof in Cosel unterhalten wird. Eine derartige Resolution schlage er der Versammlung vor. Herr H o f f - mann hält eine derartige Resolution für einen Schlag ins Wasser, da sie niemanpenbinde und überdies die Amtsperrode des Vorstandes Ende 1930 ablaufe. Es wäre denkbar, daß wir doch einmal das Bordergelände i Omnibusdepot) dem Zwecke zuführen, für den cs jbestimmt sei, oder hierzu einen Austausch mit Hintergeläiche vornehmen. Geh.-R. Goldfeld hat den Eindruck, als I wenn aus Anlaß dieses Antrages die ganze soziale Frage gelöst werden solle. Wie soll man sich den Gemeindemitgliedern gegenüber stellen, die heut eine Grabstelle zum vorgeschriebesten Preise erworben haben, die morgen zum Einheitspreis abgegeben werden müsse? Durchführbar sei die Sache nur fo,j daß nach Schließung des Friedhofes Lohestr. das neue Verfahren eingeführt wird. Ter Preis der Grabstellen berechne sich bei jedem Friedhof nach den Anlagekosten. Bei einem Einheitspreise müßten die niedrigsten Preise erheblich erhöht werden, um die Selbstkosten einzubringen. Dadurch würden grade die Armen belastet, die jetzt durch die höheren Prc se der besonderen Grabstellcn entlastet werden. Ober-Reg.-R. Marcus ist überrascht, daß die Grundsätze des Antrages nicht allgemein geteilt werden, insbesondere hätte er erwartet, daß der konservative Vertreter das jüdische Prinzip dör Gleichheit nach dem Tode rückhaltlos anerkennen würde. Wenn die Beerdigungsgebühren nach den Vermögensverhältnissest abgestuft werden, so müsse dasselbe auch bei den Grabstesien durchführbar sein. Bon den Begüterten könnte sehr wohl ein Mehrfaches für die Grabstelle genommen werden. Ter Unterschied zwischen den beiden Friedhöfen müsse unbedingt beseitigt werden. Finanzielle Gründe dürfen bei Durchführung jüdischer Grundsätze nicht hinderlich sein. Herr H o f s m a n n bedauert, daß sein Konservativismus in die Debatte geworfen werde-. Er habe eingangs erklärt, daß die vollständige Kostenlosigkeit der Beerdigungen und der Grabstellen in seinen Augen das Erstrebenswerte seien. Wir können aber jetzt auf einmal aus dem kostspieligen Bau nicht heraus. Er protestiere gegen die Bezeichnung des Friedhofs Cosel als den der Minderbegüterten. Das sei durchaus nicht der Fall. Er erfreue sich, dank der' guten Verbindung, beim Publikum sehr großer Beliebtheit, werde von begüterten Familien in den letzten Jahren wachsend bevorzugt und seine Pflege liege dem Vorstand mindestens sb am Herzen wie die deslFriedhofs Lohestr. Die Gleichheit solle man zuerst an anderen Stellen durchführen, z. B. bei den Luxusbeerdigungen. Bei den Gräbern komme es nicht so sehr auf die Lage an, sondern darauf, wer unter dem Grabe liege und ob es von den Angehörigen pietätvoll gehalten werde. Nach weiteren Entgegnungen von S.-R. Horn und dem Schlußwort von R.-A. Jacobsohn wird der Antrag gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Ohne Ausiprache wird die Annahme der Max Moschkowitz- Jahrzeitstiftunß von RM. 1000.— auf Bericht von R.-A. P o l l a ck und der Jstlius Mldegans-Grabpflegestiftung auf Bericht von Dr. Schlesinger angenommen. Ferner werden auf Bericht von J.-R. P e i s e r angenommen: Die Auffüllung des Grabpflegelegats Aron und Erna Zernis durch Frau Paula Engel, Charlottenstr. 27, des Denkmalspflegelegats Süßtnann durch Rittergutsbes. Bernhard Süßmann, des Susette Steintal-Legats zur.Pflege der Gräber der Familie Friedeberg durch Herrn- Ernst Lichtwitz, Berlin SW 19, des Jakob und Amalie Perlschen Grahpflegelegats durch Herrn Moritz Perl, Berlin. Die Versamnllung nahm ferner Kenntnis daß der Herr Regierungspräsident die Kultussteuer 1929 in Höhe von 11% Zuschlag zur Reichseinkommensteuer 1928 genehmigt hat, und daß anstelle des verstorbenen J.-R. Hirschberg Herr Mendel Hoff mann als stellvertr. Vorsitzender des Vorstandes gewählt worden ist. | Außerhalb der Tagesordnung fragt R.-A. NoLhmann an, ob es richtig sei, daß beim Beate Guttwann-Heim am Sabbath gearbeitet werde, und was der Vorstand hiergegen zu tun gedenke, denn man werde dies dem Vo stand zur Last legen. Herr Geh.-R. Goldfeld erinnert zu rächst an seine wiederholte Bitte, solche Anfragen vorher anzukündigen, damit das Aktenmaterial beigebracht werden könne.! DeM Beate Guttmann-Heim könne der Gemeinde-Borstastd keine Vorschriften machen und wolle es auch nicht aus dem Grunde tun, weil er einen Beitrag gegeben habe. Was die Arbeit am Sabbath überhaupt anbetrifft, so habe eine Umfrage bei den Gemeinden ergeben, daß die Handhabung verschieden sei. Er habe die Sache auf der letzten Sitzung der Konferenzgemeinschaft zur Sprache gebracht, weil dieselben'Schwierigkeiten sich beim Umbau der Schäfer-Stiftung ergeben hätten. Biele Gemeinden ständen auf dem Standpunkt, daß am Sabbath gearbeitet werden könne, wenn der Bau als- Ganzes einem Unternehmer übergeben sei. Auch bei dem Pau der Alten Synagoge sei damals Rabbiner Tr. Rosenthäl dieser Auffassung gewesen. Bei profanen Bauten könne man dieser Ansicht wohl beitreten, zumal die Arbeitsruhe ach Sabbath die Kosten enorm erhöhe und wegen der Weigerung der Gewerkschaften nicht durchführbar sei. Er hoffe jedoch, daß der Preußische Landesverband mit der Spitzenorgästisation der Gewerkschaften in dieser Hinsicht erfolgreich verhandeln werde. R.-A. Nothmann bittet dep Vorstand seinen ganzen Einfluß geltend zu machen, um die Arbeit am Sabbath luwerhindern. Der § 70 der Gemeindesatzung böte hierzu eiste formelle Handhabe. Ten Borstandsantrag, dem Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten eine Beihilfe von RM. 500.-^ zur Her rusgabe eines Gefallenen-Gedenkbuches zu bewilligen, befürwrrtet der B.-E. Herr Malsch unter Anerkennung ^er vom > Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten geleisteten Aufklärung Sojcbeit gegen den Vorwurf der Drückebergerei. R.-A. Ä dt h mann erklärt namens seiner Freunde, diesem Anträge nÜ)t beitreten zu können. Das Andenken an die gefallenen Kamsraden sei natürlich auch ihnen teuer, er selbst sei ja 4% Jahre in der Front gewesen. Der erste Gefallene seines Reg ments sei eist Jude gewesen, der erste Nichtoffizier, der das eiserne Kreuz erhalten habe, ebenfalls ein Jude und zwar aus Breslau. Er selbst habe einen Bruder in Sibirien verloren. Tie Gegnerschaft gegen den Antrag komme lediglich daher, daß sie es für einen Irrglauben halten, den Antisemitismus abwehren zu können. Unsere jüdischen Kameraden sind gefalle t zum Schutze des deutschen Bodens, und wir ehren sie ym b;sten dadurch, daß wir den Juden Anteil an der deutschen Erde verschaffen. Er bitte daher den Betrag von RM. 500.— iietn jüdischen Siedlungswevk des Frontbundes zuzuwenden. $>ett Wa^lsch entgegnet, er habe sich kurz gefaßt, weil der Antrrg nach seiner Ansicht keiner Begründung bedarf. Natürlich we den wir nicht den Asttisemitismus, der nach einem bekannten sluespruch aus Dünkel und Dummheit bestehe, beseitigen. Wi^ sind es aber I Okiausff gsgsnübsr Wenn AUgenglMser — dann Ocularium, Kostenlose ärztliche Bestimmung der erforderlichen Glasstärke Str.82 Petersdorff v