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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1929-07-01 · 7 (7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
6 (1929)
Issue
7 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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116 Breslauer Jüdische» 0emeindefcl«ff Nr. 7 Herr Littauer hat es sich gefallen lassen müssen, vor der Tür seiner hiesigen Stiftung, die nicht seinen Namen, sondern den seines Vaters trägt, photographiert zu werden, wie das - nebenstehende Bild zeigt. Nach dieser schmerzlosen Operation besichtigte er alle anderen Teile des Krankenhauses, die ihn außerordentlich befriedigten. Bei dem offiziellen Frühstück begrüßte der Vorsitzende des Krankeyhausvorstandes, Herr Adolf Tanziger, ihn milj herzlichen Worten des Willkommens. Diesen Worten schlost sich der Tank der Aerzte an, in deren Namen Herr Geheimrat, Rosenstein sprach. Herr Littauer antwortete sichtlich tief' bewegt in englischer Sprache. Seine Worte ließen so recht das Herz und den Verstand des seltenen Mannes, erkennen. Nicht ihm gebühre der Tdnk, sagte er, e r habe zu danken dafür, daß man ihm Gelegenheit gegeben habe, einen kleinen Schritt zu tun auf dem Wege, der kranken Menschheit Hilfe zu bringen. Immer sei ihm dieser Weg notwendig erschienen und immer seit den Tagen seiner Jugend sei die Ueberzeugung, nur gesunde Menschen könnten glückliche Menschen sein, für ihn ein Ansporn zu Leistung und zu weiteren Plänen gewesen. Ter Besuch in Breslau habe ihn in seiner Anschauung bestärkt, ) und was ihm, dem 70 jährigen noch zu leisten möglich sein wird, werde er dem Ziel widmen, für das man auch hier in vorbildlicher Weise arbeite. Ten ergreifenden Worten des Herrn Littausr folgte ein Willkommensgruß der hiesigen Synagogengemeinde durch den uns leider inzwischen entrissenen Justizrat Hirschberg und durch Frau Paulo- Lllendorff. Frau Ollcndorff führte in englischer Sprache aus, daß in Herrn -Littauer, den sie von 'Amerika her kenne, sich drei Typen in schönster Vollendung verkörpertcy. Er verwirkliche im edelsten Sinne das Wort „Humanitas", er sei ein Mensch, der immer an die anderen, und nie an sich denke, was auch aus seinem Wahlspruch hervorgehe, „die Menschen gesund zu machen, heißt sie glücklich machen". Zu zweit sei er der beste Typus des Amerikaners von jenem Holze, aus dem Washington und. Lincoln stammten, erfüllt von der hohen Idee der Verantwortlichkeit gegenüber der Mitwelt. . Verantwortlich auch mit dem Besitz, den seine Arbeit geschaffen, und der ihm nur gegeben sei zur Verwaltung für die vom Glück weniger Begünstigten, und zu dritt sehen wir in ihm den herrlichsten Vertreter des Judentums. Tankbar seinen Vorfahren für das große Erbe der Zeiten, für die Religion, die die Welt lehrte, daß höchste Menschenliebe auch Gottesdienst sei, hält er diese Religion heilig in Sein und Tun. Wenn die amerikanische Welt in ihm den Menschenfreund, den Patrioten und den Juden ehrt, so wissen auch wir in Europa, was diese drei Begriffe bedeuten und wir ehren, lieben und bewundern einen Mann, der sie in so vollendeter Weise in sich verkörpert. Sein Beispiel gibt uns neue Sicherheit und neuen Lebensmut und dafür danken wir ihm. In diesen Worten läßt sich nicht erschöpfen, wie tief und nachhaltig der Eindruck war, den die Persönlichkeit des Herrn Littauer .allen vermitteln muß, die die Sreude und das Glück hatten, mit ihm zusammen zu sein. Er versprach wiederzukommen. Wir hoffen, daß dieses Versprechen Erfüllung findet. Die leuchtenden Augen des Gastes, seine große Beweglichkeit und Frische lassen ihn so jugendlich erscheinen, daß die Lzeanreise kaum für ihn eine Anstrengung zu sein scheint. Wenn unser letztes Wort an ihn hieß glückliche Rückkehr nach — Breslau", so war darin die sichere Hoffnung ausgedrückt, ihn bald wieder in unserer Mitte zu sehen. «»««a »»«s» Gemeinüevektreter-Sitzung vom 27. Juni 1829 Bericht von Tr. R e ch n i tz. Der Vorsitzende J.-R. P e i s e r verpflichtet zunächst das neu gewählte Vorstandsmitglied J.-R. K a l i s ch durch Handschlag zu treuer und gewissenhafter Erfüllung seiner Pflichten als Vorsteher, wobei er in anerkennenden Worten seiner bisherigen langjährigen Tätigkeit in der Gemeindevertretung gedenkt und führt den an seine Stelle getretenen R.-A. Tr. Tarnowski in sein Amt als Gemeindevertreter ein. Er teilt ferner einen Antrag der Jüd. Volkshochschule mit, zur Mendelssohn-Feier und zum zehnjährigen Stiftungsfest einen Beitrag zu bewilligen, zu dem der Vorstand am Schluß der Sitzung Stellung nehmen wolle. Herr Gins verliest hierauf das Dankschreiben von J.-R. Peis er für die Glückwünsche der Versammlung zu seinem 60. Geburtstage. Darauf begründet R.-A. I a c o b s o h n die nachstehenden Anträge der zionistischen Fraktion. Die Gemeindevertretung wolle folgenden Beschluß fassen: Der Vorstand wird ersucht, den Entwurf zu einem Gemeindebeschluß über die Belegung von Grabstellen und über die Gebühren von Grabsteilen vorzulcgen, der folgenden Grundsätzen »entspricht: р) Solange die Gemeinde mehrere Friedhöfe hat, steht die Wahl zwischen den Friedböfen nicht im Belieben der Beteiligten. Vielmehr erfolgt die Beisetzung auf dem «inen oder dem anderen Friedhöfe nach festen Grundsätzen, wobei die Wohnung der nächsten Hinterbliebenen maßgebend ist. b) Niemandem steht da.» Recht zu, eine Grabstelle für sich oder seine Angehörigen auszuwählen. Vielmehr erfolgt di« Belegung der Grabstellen nach einer fest bestimmten Reihenfolge. Erbbegräbnisse sind nicht mehr zulässig. Ertaubt ist lediglich, daß neben einem Grabe i weitere Plätze für den Ehegatten, die Kinder oder die Eltern des j Begrabenen frei gehalten werden, wenn die Gebühren dafür im vor- > aus bezahlt werden. с) Die Gebühren für die Grabstellen sind nach den Vermögens- und Linkommensverhältnissen des Verstorbenen und der Hinterbliebenen j 'abzustufen. Jede andere Art der Abstufung, insbesondere nach ddr! Lage der Grabstellen, ist unzulässig. |d) Die schon bestehenden Rechte bleiben unberührt, je) Der Vorstand wird ersucht, schon von jetzt ab keine Verträge zu schließen, durch die jemandem ein Recht auf eine bestimmte Grabstelle eingcräumt wird, es sei denn, daß es sich um einen Fall des letzten Satzes von Punkt b handelt. Die Tendenz der Anträge gehe dahin, keinen Unterschied zwischen Armen und Reichen bei der Grabstelle zu machen. Eine nähere Begründung sei nicht erforderlich, da dieser soziale Grundgedanke von jeher im Judentum Geltung gehabt habe. Er könne daher auf Zitate aus dem Religionsgesetz verzichten. Ter jetzige Zustand könne peinliche Situationen schaffen, z. B. wenn ein armer Angehöriger einer angesehenen Familie sich für verpflichtet hält einen teuren Platz zü kaufen. Die Bedenken gegen die Anträge verkenne er nicht. Insbesondere würden die im Süden ansässigen Familien vorzugsweise auf Friedhof Lohestr. beerdigt werden, was aber, nur ein vorübergehender Zustand sei. Finanzielle Bedenken' seien nicht stichhaltig, weil der Preis nach der Leistungsfähigkeit abgestuft und nach dem Etat im schlimmsten Falle eine Einbuße von RM. 14 000.— entstehen könnte. Zur Deckung solle inan lieber die Gemeindesteuer um 1% erhöhen, als ethische Grundsätze außer Acht zu lassen. Zur Ausarbeitung würden dann technische Einzelheiten berücksichtigt werden müssen, die besser in einer Sachverständigen-Kommission erörtert werden. Herr H o f f m a n n , der Friedhofsdezernent im Vorstände, stimmt vom ethischen Grundsätze aus mit den» Anträge durchaus überein. Leider ließen sich diese! Grundsätze nicht durchführen, nachdem einmal zwei Friedhöfe mit unterschiedlichen Kosten errichtet worden sind. Eslist auch nicht einzusehen, weshalb man bei den Gräbern anfainge und nicht bei anderen Einrichtungen, z. B. den Synagogeyplätzen. Anders wäre es, wenn unsere Friedhöfe von vornherein auf eine Art Plätze eingerichtet wären. Auch aus finanziellen Gründen könne er den Vorschlag nicht befürworten, zumal die Beerdigungsgebühren sehr schlecht eingehen. Wenn die Gräberpreise ebenso wie die Beerdigungsgebühren nach dem Vermögen gestaffelt würden, so würden die Vermögendem: doppelt belastet werden, während sie sich jetzt vernünftigerweise mit einfachen Gräbern begnügen. Er schlage wor, die Beerdigungen und die Grabstellen kostenlos zu gehen und dafür die Steuer um 1%% zu erhöhen. Eine Ungleichheit wird sich trotz aller Friedhossordnungen schon bei den Grabdenkmälern zeigen, wie dies auf den alten Friedhöfen erkennbar ser. S.-R. Horn erinnert daran, daß er aus denselben ethischen Gründen gegen die Erweiterung des Friedhofes Lohestr. gewesen sei. Aus der heutigen Verhandlung müßte sich der

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