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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1929-06-01 · 6 (6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
6 (1929)
Issue
6 (6.1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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93 Nr. 6 Breslauer Züdlfche» «emeladeblall Vorsitzender der Verstorbene gewesen ist. Rechtsanwalt Georg T a r n o w s k i dankte dem teuren Toten für seine aufopfernde Tätigkeit im! Zentralverein, desgleichen Rechtsanwalt Jacobsohn namans der Jüdischen Arbeitersürsorge und des Keren Hajesiod, wuhrend Seminardozent Dr. Heinemann in bewegten Worten der großen Verdienste des Verstorbenen um das Jüdischi-theologische Seminar gedachte, das er in der schlimmsten Finanznot dadurch gerettet hat, daß er den Verein der Förderer des Seminars gründete und auf diese Weise die Mittel zum Fortbestände äufbrachte. Mit Justizrat Hirschberg ist ein Großer in Israel; dahingegangen, ein Mann von der jetzt leider so seltenen Art, die nicht nur Ehrenämter übernehmen, sondern auch die hiermit verbundene Arbeit mit Aufwendung aller verfügbaren Freizeit leisten. Rabbiner Dr. Hoffmann hat, wie er selbst heroorhob, keine leere Phrase gebraucht, wenn er in seiner Traueransprache sagte: Justizrat Hirschberg ist für uns cksierfetzlich! Gemeinöevertreter-Sitzung vom 15. Mai 1829. ' - Bericht von Dr. R e ch n i tz. Der Vorsitzende Justizrat P e i s e r eröffnete die Sitzung ' unter dem unmittelbaren Eindruck des Schmerzes über den Tod von Justizrat H i r s ch b e r g, der vpr zwei Stunden unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde zu Grabe getragen worden i-ist. Er widmete dem verstorbenes Dorstandsmitgliede einen tiefempfundenen Nachruf unter Würdigung seiner vielseitigen Tätigkeit für die Gemeinde und ihre wohltätigen und kulturellen Anstalten, für den Preuß. Landesverband und für r die anderen Organisationen des deutschen Judentums sowie sein unermüdliches Streben,' die Traditionen des jüdischen Hauses und der jüdischen Religion aufrechtzuerhalten. Es , hätte nahe gelegen, die Versammlung wegen des Trauerfalles : ausfallen zu lassen; dies hätte aber dem Wesen von Justizrat Hirschberg nicht entsprochen, der ohne Rücksicht auf seine persönlichen Angelegenheiten stets in erster Linie für das Gemeinwohl gearbeitet hat. Die Versammlung hörte diesen Nachruf tief ergriffen stehend an. Der Vorsitzende verlas darauf das Dankschreiben des Jüdischen Frauenbundes für die Schenkung des Grundstückes zum Bau des Beate-Guttmann-Heims und die Einladung zur Hauptversammlung des Provinzial-Verbandes am 2. Juni 1929. Hieizu werden die fünf bisherigen Delegierten der Gemeindevertretung. nämlich die Herren Gins, Kalisch, Nothmann, Wilhelm Kober und Freundlich wiedergewählt. Es liegt ferner vor: eine Eingabe des Mädchenheims auf eine Beihilfe von 2000 Mk., von der er nicht wisse, ob der Vorstand hierzu Stellung genommen habe. Geheimrat Goldfeld erwidert, daß die erste, viel weiter gehende Eingabe des Mädchenheims mangels bereiter Mittel vom Vorstande abgslehnt worden sei. Die Lage der Gemeinde zwinge den Vorstand, mit gewisser Rücksichtslosigkeit auch berechtigte Wünsche auf Beihilfen abzulehnen, dies um so mehr, als die Steuereingänge sehr schlecht, seien. Die neue Eingabe wurde dem Vorstande überwiesen. Die nachstehenden Dorstandsanträge wurden auf den Bericht der Berichterstatter ohne Aussprache angenommen: Die Errichtung einer Bankier Dr. Hugo Sonntag-Grab- Pflege-Stiftung von 1200 Mk. <B.-E. Herr Matthias), die Bewilligung eines einmaligen Zuschusses von 300 Mk. zu den Druckkosten der Arbeit des Herrn Studiendirektor Dr. K l i b a n s k y über den „Jüdisch-geschichtlichen Inhalt des Breslauer1 Stadtarchivs" (B.-E. Wilhelm Kober), die Errichtung seiner -Julie - Philippsborn - Jahrzeit - Stiftung von 200 Mk. (B.-E. Wilhelm Kober), die Errichtung einer Adslf- und Berta-Pinner-Grabpflege-Stiftung von 600 Mk., die Auffüllung des Grabpflegelegats David und Auguste Kanter mit 300 Mk. (B.-E. Justizrat P e i s e r). die Errichtung einer Benno-Pinczower-Jahrzeit-Stiftung von 500 Mk. durch Frau Lizzie Dzialowski-Beuthen und die Bewilligung einer einmaligen Beihilfe von 1500 Mark an den Jüdischen Wohlfahrtsverband für Niederschlesien aus den beim Wohlfahrtsamt ersparten Mitteln des Haushaltsplanes 1928 29 als Ersatz für die in diesem Jahre gestrichene Beihilfe von 1500 Mark (B.-E. Wilhelm Kober). Den Vorstandsantrag, dem Jüdischen Museum e. D. die bewilligte Beihilfe von 500 Mk. zu den Kosten der Ausstellung auf 1000 Mk. zu erhöhen und den Betrag dem zu bildenden Extra-Ordinarium zu entnehmen, kann der Berichterstatter, R.-A. Nothmann, nicht zur Annahme empfehlen trotz der Wichtigkeit der Ausstellung und der von ihr ausgehenden Befruchtung der jüdischen Belange, weil die Finanzlage der Gemeinde zur Einschränkung solcher Beihilfen zwinge. Herr Kober dagegen befürwortet die Annahme, während S.-R. H o r n um Zurückstellung bittet bis zur Entscheidung über das Extra-Ordinarium. Dem schließt sich Herr Gins an, der an sich nichts gegen die Bewilligung habe, aber nicht zulassen könne, daß das Extra-Ordinarium aus Anleihemitteln gebildet werde, weil diese nur für werbende Anlagen verwendet werden dürfen. Der Vorsitzende regt daher an, zunächst über die Dorstandsvorlage zu verhandeln, ein Extra-Ordinarium von 20 000 Mk. aus Anleihemitteln zu bilden, aus dem alle nicht im Etat vorgesehenen Bewilligungen der Gemeindekörperschaften entnommen werden sollen. Geh.- Rat Goldfeld beantragt namens des Vorstandes, das Extra- Ordinarium nicht aus Anleihemitteln, sondern aus dem Betriebsfonds zu bilden. Es müsse aber unbedingt ein Titel geschaffen werden, auf den alle außeretatsmäßigen Bewilligungen gebucht werden können. Mit dieser Aenderung wird die Vorstandsvorlage angenommen und hierauf auch die erhöhte Beihilfe für den Museumsverein mit Stimmenmehrheit bewilligt. Beim Verwaltungsbericht, über den der Vorsitzende J.-R. P e i s e r referierte, wendet sich Dr. Schlesinger bei dem Anträge, eine Beihilfe von 200 Mk. für den Verein zur Speisung armer Israeliten zu bewilligen, gegen die Bemerkung. daß der Verein in Zukunft auf eine Beihilfe nicht rechnen könne. J.-R. Peiser und Geh.-Rat Goldfeld erklären dies damit, daß der Zersplitterung in der Wohlfahrtspflege vorgebeugt werden solle, es bestehe die Gefahr der Doppelunterstützung. Geh.-Rat Goldfeld betonte, daß eine^Enklastung des Wohlfahrtsamtes durch derartige Vereine nur eintrete, wenn die Mittel ausschließlich von Privaten aufgebracht würden. Die Beihilfe selbst wird bewilligt. Bei dem Bericht, daß entsprechend dem Beschlüsse der Gemeindevertretung der Vorstand zugunsten der jüdischen Mittelstandshilfe eine selbstschrsidnerische Bürgschaft bis zum Höchstbetrage von 20 000 Mk. übernommen habe, erklärte Geheimrat G o l d f e l d namens des Vorstandes, daß die Mittetstandshilfe zu Unrecht der Ansicht sei, die Gemeinde würde die Zinsen für das aufgenommene Darlehn von 20 000 Mk. tragen. Davon könne nicht die Rede sein. Dies sei auch der Mittelstandshilfe mitgeteilt worden. Herr Gins glaubt den Beschluß in der letzten Gemeindevertreter-Sitzung dahin zu verstehen, daß die Gemeinde die Zins d i f f e r e n z tragen solle; es sei davon die Rede gewesen, daß diese etwa 1000 Mk. jährlich, ausmachen wülde. Generalkonsul Smoschewer und Oberregierungsrat Marcus bestätigen diese Auffassung. Geh.-Rat Goldfeld wendet sich dagegen, daß der Bank, ein direkter Anspruch gegen, die Gemeinde auf Zinszahlung eingeräumt werde, vielmehr müsse die Mittelstandshilfe allein verpflichtet sein. Wenn ihre Mittel zur Zinszahlung nicht ausreichen, so müsse sie eine Aufrechnung uorlegen, worauf der- Vorstand prüfen werde, ob und wie weit er helfen könnte. Dr. Rechnitz verweist auf das zinslose Darlehn der Gemeinde von 40 000 Mk., aus desien Zinseinnahme die Zinsdifferenz getragen werden könne. Falls die Gemeinde die Zinsen tragen müsse, so wäre es wirtschaftlicher gewesen, wenn die Gemeinde aus ihrer Anleihe 20 000 Mk. gegeben hätte, da die von der Gemeinde zu zahlenden Zinsen vermutlich

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