Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- 6 (6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Breslauer Amtliches Blatt der Synagogengemeinde zu Breslau ig: Verwaltungsdirektor Dr. Nechnltz, Breslau, WalMraße - I Druck und Anzeigen-Annahme: Druckerei Th. «chahku AMen SchrWekkung: Derwaltun Verlag: Büro der Sgnagog rekkor 0r. Nechnltz, Breslau, WalMrahe - I Druck und Anzeigen-Annahme: Druckerei Th. «chatzkg AMengefelffchafk.' gemeinde, Breslau. Wallstr.» / Tel, 21Ü11/12 I Breslau 3, Neue Graupen stratze Nr. 7 / Fernsprecher 21468 u. 2446» lu^tarnpn««: »I» » gesv. 9t*r ftcrm Ttaum 16 Mg. - 3M (aufm6m 3fciftr0«m (Rabatt. «MtmtiiininiitmHwtiianiiminBmuanituiiiiiniiiNiimiMiiiiiminiiiiun« injgn ipe4 FUr die unter dem Namen heS Verfassers erscheinenden Artikel und die veresnsnachrlchten übernehmen wir nur die Preffegefrtzliche Verantwortung 6. Saftro. 3uni 192g Ttr.6 Beruf und Berufung Eine kaum zu bewältigende Last lag auf dem großen Führer. Nur widerstrebend hatte er sie auf sich genommen, aber mit dem ganzen Verantwortlichkeitsbewußtsein eines großen Charakters trug er sie. ctjnft und doch freudig. Freilich, es gab Augenblicke, in denen auch er fast verzagte. So einmal, als in dem unter den Mühsalen der Wüstenwanderung leidenden Volke die Gier nach Genuß alle Schranken zu durchbrechen drohte. Da rief er die Aeltesten als feine Helfer zusammen.. Prophetengabe kam ihnen, aber gqr rasch wich dieser Geist von ihnen, nur zwei fuhren fort, prophetisch zu reden. Eilends kam der Diener mit dieser Meldung zu Mose, und Josua forderte ihn auf, der Anmaßung der Männer zu wehren. Doch Mose: „Bist du für mich eifersüchtig? Wäre doch das ganze Volk Gottes Propheten, daß Gott feinen Geist auf sie legte!" Die Erzählung bietef mehr als bloß einen Bericht aus dem Leben Moses oder aus her Geschichte der Wüstenwanderung. Sie stellt die bescheiden stolze Freiheit des großen überragenden Geistes gegenüber den kleineren Geistern. Die sind an Beruf und Amt und Stellung gebunden. Wohl, sie erfüllen in vollem Umfang ihre Pflicht und, leisten das Ihrige, aber ängstlich sind sie auf ihre Würde bedacht, eifersüchtig wehren sie jeden Versuch eines außerhalb Stehenden ab, in der Sphäre ihres Berufs etwas zu leisten, und gar jede Kritik verletzt sie. Sie sind Berufsmenschen, denen der Beruf fast Selbstzweck wird. Die Idee geht ihnen fast verloren, auf die der Beruf gegründet ist. Die feste Organisation ist überall notwendig, ohne sie vermöchten wir kaum etwas zu schaffen. Aber die Gefahr besteht, daß sie uns. Selbstzweck und daß die Berufsarbeit uns zur Routine, wird. - ' Wem sein Beruf Berufung zu einer Aufgabe ist, wer dies Bewußtsein stetig in sich erneuert, der steht frei von kleinlicher' Eifersüchtelei seiner Ausgabe und den Menschen gegenüber. Nicht das ist feine Sorge, daß nur durch ihn der Erfolg herbeigeführt wird, sondern daß die Sache vorwärts gebracht wird, ohne Rücksicht auf seine. Person und deren Ehre. Wir alle haben Sendung und Berufung: nur daß viele sich dessen nicht bewußt werden und in Kleinlichem ihr Sein erschöpfen. Der unschätzbare Wert biblischer Erzählungen besteht darin, daß sie uns nicht nur die ganz großen, weltbewegenden Gedanken bringen, sondern an Vorbildern uns für unser tägliches Leben den Weg weisen. fiermann Bogelstein. T i Jültizrat hirschberg wurde am 15. Mai 192st unter Anteilnahme. der ganzen Gemeinde auf Friedhof Lohjestraße zur letzten Ruhe gebettet. Trotz des strömenden Regens i folgten Hunderte dem Leichenwagen vom Trauerhause nach dem Friedhofe. Bevor die sterblichen Ueberreste dem Leichenwagen zur letzten Fahrt übergeben wurden, trugen Angehörige und Freunde sie einmal um den Synagogenhof in der Wallstrahe. um symbolisch den teuren Derblichenen Abschied nehmen zu lasten von der Alten Synagoge, die er von Jugend auf regelmäßig besucht und für die er in seiner Eigenschaft als Vorstand der Synagogen-Kommission I - und als Vorstandsmitglied mit allen Fasern seines Herzens gesorgt hat. Die von ihm bis zum letzten Atemzuge bearbeitete Instandsetzung hat er nicht mehr erleben sollen! In der Leichenhalle des-Friedhofes Lohestrqße, die. das..! zahlreiche Trauergefolge kaum fasten konnte, sprach Gemeinde-l! rabbiner Dr. Hoffmayn in schlichtes eindringlicher Weise von dem herzensguten Familienvater, der ein wahrhaft jüdisches Suftlzrat Hirschberg Haus führte, von dem unermüdlichen Arbeiter ynd Kämpfer^ für die Gemeinde, für ihren Frieden und ihre Einigkeit, für c lle ihre wohltätigen gemeinnützigen Einrichtungen und für )ie Jnteresten des ganzen deutschen Judentums. Immer bestrebt. Gegensätze auszugleichen, den Frieden unter den Widerstreitenden Parteien aufrechtzuerhalten und die Errungenschaften tesT Judentums auch in der schweren Nachkriegszeit nicht untergehen zu lasten, habe er unter Hintenansetzung seiner Pflichten gegenüber Beruf und Gesundheit unermüdlich für dar Gemeinwohl gewirkt. Darauf widmete Geheimrat Goldfeld dem allseits beliebten Amtsgenof^en im^Dorstande die letzten Abschiedsgrüße, zugleich im Namen des Preußischen Landesverbandes, der in ihm einen fleißigen Mitarbeiter im Großen Rate und tm Rechtsausschuh verloren hat. Alsdann sprach Gerpeindeältester W a l d st e i n fiir den Psovinzialverband ' der Synagogen? gemeinde Niederschlesien,> besten Begründer und langjähriger S y