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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1929-02-01 · 2 (2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
6 (1929)
Issue
2 (2.1929)
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Nr. 2 2a/ Bteslanec Jüdische» Semeiaveblatl zur Erbauung tund Belehrung, gewissenhaft geprüfte Vollständigkeit! wie geschickt zysammengesrellte Auswahl in praktischer Brauchbarkeit und in sorgfältiger Fornü , SÜirt diesen Erzeugnissen gewann der Nams Dyhernfurth weithin in der jüdischen Welt Linen guten Klang. Auch die christliche jBürgerschaft der Stadt wußte den Wert de^ jüdischen Leistung-zu schätzen. Die Hoffnung auf eine Hebung des Gewerbes nn» der allgechcinen wirtschaftlichen Lage des Städtchens! die den .Herrn von Tyhernsurth") bei der Eriieuerung der Konzession ui einer Umwastidlu'ng de c^eutscbcn in eine hebräische Druckerei veran^ läßre, ging voll und ganz in Erfüllung, Für die kleine Stadt bedeutete eine Druckerei^ in der 'i 1 Setzer und Drucket arbeiteten und deren Beirieb eine Z>,bl von belehrten und Besyckilern her-nzog, sehr »iei:. Hot eo Tjylierniu^! > sonnt durch Scb. Bäß zu einem Ehrenplatz in der Reibe det hervorra, enden jüdischen Truckorte, zu'ciner „jüdischen Weltbernhinthcil" gebra, n, so nvar die.Bedeutung der Dyhcrnfurthcr Druckerei auch für Schlesien nicht gering. Als pm das Jahr 1770 durch den Willen der Regiernn, eine priviicgicrte-lZeitung in jüdisch-deutscher Sprache ins ükeben gerufen wurde, konnte sey Druck Nicht in Breslau dnrchgefiihrr nferd>!n,'- w> die Tradition und Schulung hebräischer Trucklnnik sei,sieu. Der Besitzer der Konzession, der Preslauer Michel Lodel (Mrn>, lilbertrug dc ber den Truck der Dnhernfurfher Druckerei."! Tie Zeitung, di^ insvekon ere die Aufgabe bätte^ alle aisttlichcn Bekannt-! fle» zu verbreiten) firmierte ^als »issiiLri.N'1 Lie Zeitung, d» :nsoe>on inachungen nstv Aachrich Aur iveiuge.Ereinvlare dieser Z-eirung ijnd erhalten. Als Erster »and L.r-.aru-e .L-'-ndsbuk I in Jrhre 1865 diu Fragment dieser Zeitung! dauert ’.vjit 91^ T-"-einbei 1771,; Oir. 2, das er von eiyem Buchcinbaich abioüe."> Somer fand A. F.'eiviann,zwej Quartblättckr dieser Zeitung) i'i'.ip 1'!. Teitriiber 177 und 16. Avrif 17m, die gleichfalls einem Buchdeckel a»f!iek.ebt wa e'n."i Bor einiger Z'il sauf) ich unter losen .äitera ,der B.bliokhel des Jüdisch-theologischen i Seminars zwei weitere noUiiändig erhalicne Nummern der Dyherniurther Zeitung, die eine vom 110. J ni ar 1772, die andere vom 21. Jacku.tr 1772. Anßerdeiu kensiie ich vi n ciiusm Einbanlidcifel eines Buches einige tte,nere Fr.-,uhenre ablisen. ' , j ■ Tie Z uktiiig barte den Charakter Lines'Moniteur und Handels-' plattes. Ter T-'r: ist in gutem deutschen Stil gehalten, jedoch stark mit hebräischen Ausdrücken durchsetzt und in hebräischen Lettern gedruckt. Alles Literarische und Publizistische ist^ wie cs scheint, geflissentlich ferngckholten worden. Weitere Nachforschungen niüjscn noch übcr.dic Tauer des Erscheinens dieser Zeitung Aufklärung bringen. Tie Tgsterniuriher Druckerei bestand bil zum Jahre 1834. Tid Wandlungen ilu Leben d>er schlesischen Jtiden machten schließlich den Fortbestand einer Buchdruckcrei in der kleijnen Stadt unmöglich. Ihre Wirksamkeit vpn cineiisthalb Jahrhunderten verdient >edoch in deg Erinnerung Heft schlejisckPn Judcnheit fefl^chälten zu werden. >) M. Bräun, Geschichte und Annalcnder Dnhcrckfurther Druckerex, M. G. I. 33.,;2;. 4’ Jahrgang, Breslau 1896, S. 474 ff., vgl. über die Konkurrenz das holländischen und böhmischen Buchhandels 517, r. die ^Gegnerschaft der Jesuiten S. 5V0. Hermann (üraniLr, Dyhernfurth, Zlsckir. d. Vereins f. Gejchickil u. Altertum Schlesiens, Bd. 35^ 1901, S. 346 ff.; vgl. I. E. Scheibet Geschichte der.. . . in Breslau befindlichen Siadtbuchdruckcrey Breslau 1804, S. 75 und BranN a. a. O., S. ^75. *) ibd. S. 518 ff. : " ~ *f Gcschjck'te nnö Versassimg der Juden im Herzogtum Sck'l S. 27: s. Brann, Geschichte des ljandrabbinats in Schlesien, S. 5, Anm.^. *i Braust a. a. £., S. 475. •) Slaa(s-A. Breslau. F. Svp. Rat f. 71/74, abgcdr. Rabitz, Vom Rechtskcnnpf der Juden in Schlesien, 1927, Anh. Il, S. VIII js. T) Rabinla. a. £., S. 40 ff.; vgl. Fr. Bloch, Tie Juden in Militsch, Breslau 192>>l. ') Zwei Exemplare dicjetz Schriftchens befinden sich in Händen viele hebräische Werke gedruckt haben soll, ist nur ein einzige» Exemplar auf die Nachwelt gekommen, eine in deutscher Sprache verfaßte jiddische Grammatik. Diese ist mit der Rehdigerbibliothek in den Besitz der Stadt Breslau übergegangen und befindet sich in der Stadt dibliothek. . Ueber dieses „Elemental« oder lezcbüchlcn" etc. s. zuletzt N. Stif in „Philologische Schriften", Bd. III, S. 517 ff. (jiddisch), Ansg. d. jüd. wissenschastl. Institutes, Wilno 1929. Rgl. Brann, T. Hundsfelder Druckerei, 1878, Bresl., Th. Schatzky. > Eine jidd. Ausgabe d. neuen Testamentes von P. Helicz aus d. I. 1540 hat dieser ivohl noch in Krakau besorgt, vgl. M. Balaban: Z. Gesch. d. jüd. Buchdruckereicn in Polen im Almanach z. lOjähr. Jubiläum d. „Moment" (jidd.h Warschau 1921. "> Nach Braun a. a. £., S: 475, Anm. 3 u. 518 tiuir es Herr von Gmubist: Nach Granier a. a. O., S. 349, gehörte D 16§8 noch d. Grafen Jul. Ferd. v. Jaroschin, dessen Töchter erst 1701 Tphernfurtli an Glaubitz verkauften. Tie Regierung wird uin Zustimmung znm Pachtverträge gebeten, „um den Rahrungsftaird des Fleckens zu verbeffern". ") Rach Scheibe! a. a. O., S. 75, ging die Buchdrr ganz in den Besitz von M. Locbcl (May) über, vgl. I. L Zur Geschichte der jüd. Buchdruckerei in Dyhernfurtb, M N. F.. Z.^Jahrg., 1895, S. 128 u. 129, Anm. 2. "> 2. Hainaskir, hebr. Bibliographie, 15. Jahrg., 18 und Z'itschrift für Geschichte des Judentums in Deutschland, Bd. V, S. 156. 3. Zeitschrift für hebr. Bibliogr., Jahrg. 5, 190 l, S. 159 ckerci 1775 indsbergcr, G. W. I.. 75, S. 64, des Dll!- Lcwin, Breslau, detc'sie von Einbanddeckeln abgeschält hät. Beide Ekcmvlare sind beschädigst Das Exemplar der Seminarbibliothik ist vollständig intakt erhalten. *) Entgegen Brann (Ein Breslauer Gedenktag, Jahrb. z. Unterhaltung u. Belehrung, Hrsg. v>. Brann, 1899, S. 93, Anm. 39), der iniolge feinest irrtümlichen -Amrahme, daß eine Niederlassung von Juden in Dyhernfurth nicht vvr 1688 existierte, in diesem Chronost ch „einen vorläufig unheilbaren Rechenfehler" sah. Eine Identifikation Her Privatsynagoge A. S. sollw. a. Stelle versucht werden. ") Im übrigen weist eine andere Angabe, der leider jeder Quellqn» Nachweis fehlt, daraus hin, däß Judezr in Dyhernfurth (damals nqch Brzig) schon Mikte des 16. Jahrhunderts, also noch vor der Vertreibung, von einem Böhmen Michael Hvratius Wagner eine Druckerei gepachtet hätten. Nach Scheibe!, a. a. O., <5^5, übernahmen die Juden, „welche -sich nach dem großen Schirm in Ocjls (den 1. Sept. 1535)" noch D. begaben (vor der Ubeifiediung nach Augsburg?), die Buchdruckerei. Asle . weiteren Aussührungen Scheibels find unhaltbar. Da weder irgestd welche Druckwerke aus jener Zeit erhalten sind, noch urkundliche Belege hierfür bisher zu :rmitteln waren, so muß die Existenz dieser älteren jüdischen Druckerei mit einem Fragezeichen versehen werden. Allerdings besteht die Möglichkeit, daß die sichtbaren Zeichen djer 's. Arbeit in Kriegs- und i lustreibungswirren verloren gingen. Berhtlt es sich doch ähnlich mit den Erzeugnissen d. ältesten hebräischen Buchdruckereiin Ocls,vonderuns nurein Pentateuch-Druck erhalten geblieben ist. Aus einer anderen Di uckerejin der Umgebung Breslaus, derbes Paul Helicz in Hundsseld, die narb Mitteilung Scheibcls im 16. Jahrhundstrt hundert-Iahr-Zeier üer Klten' Spnagoge Aufruf zu Spenden. Im April 1929 wird unsere Alte Synagoge i» der Wall straße (Zum Storch) 100 Jahre bestehen. Aus dicschn Anlaß hat das Synagogengebäude bereits einen neuen Außenanstrich und eine neue Heizanlage erhalten. Während der bevorstehenden Wintermonate sollen die Jnnenräume eine gründliche Erneuerung erfahren. Aus Kreisen der Gemeindejmitglieder ist eine Spendensammlung angeregt worden. Wir siiid über zeugt, daß die traditionelle Opferwilligkeit unserer Mitglieder sich bei diesem Anlaß, der Gelegenheit bietet, das Gotseshaus zu schmücken, ganz besonders bewähren wird. Vorhänge und Decken, Thorarollen und Behänge, sowie andere gottesdienstliche Gebrauchsgegenstände sollen, soweit sie nicht von einzelnen Familien oder Personen selbst gespendet werden, ^von Geldspenden nach einheitlichem Plane angeschafft werden. Die Anlegung eines Spenderverzeichnifses ist zur dauernden Erinnerung ins Auge gefaßt. Gerade mit Rücksicht hierauf iß möglichst baldige Anmeldung von Spenden dringend! erwünscht. Diese Meldungen erbitten wir an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde, hier, Wallstrahe 9. Der Ausschuß der Alten Synagoge. vie Ausstellung! „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" im Kunslgewerbe-Biuseui». Graupenstraße 14, wurde am 3. Februar 1929 vor einem! zahlreich erschienenen peladeyen Publikum, darunter die Spitzen der sthatlichen und städtischen Behörden und der jüdischen Korporationen, feierlichst eröffner. Rach einer Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden des Jüdischen Museumvereins, Großkaufmann Max Silberberg, beleuchtete Dozent Dr. Heinemann die Bedeutung dieser Ausstellung als Mittel für.gegenseitiges Verständnis der religiösen Sitten und Gebräuche ich Judentum, insbesondere der Liebe zur Thora, der heiligen Lehre, die chie ein Kind gehegt, im Mittelpunkts des Gotteshauses im Doppelsinne, „entwickelt" wird, und als eine Brü)e zum allgenieinen Menschentum. Darauf hielt Prof. Hintze, der Anreger und verdienstvolle Ausbauer dieseriAusstellung. leinen erläuternden Vortrag, beginnend mit den ältesten im V'chthof ausgestellten Zeugen für die Juden in Schlesien, der Kaufurkunde von 1150, in der Gras Peter Wlast das Dorf Klein-Tinz bei Breslau vop den Juden (a judeis) kauft, der Urkunde aus dem Staatsarchiv Breslau (vielleicht zum ersten und letzten Male ausgestellt!) vom Jahre 12041 in der die Juden Josef und Chazkel als Besitzer des Falknerdorses (Gelände zwischen Büttnerstraße und Konigsplatz) erwähnt werden, und den Giabstein von, alten Judenfriedhof Breslau (Klosterstratze) aus dem Jahre 1203. Die zahlreichen Oelgemälde mit Männern stark semitischer Prägung wurden als die Habsburger Herrscher erklärt, die teils von unheiloollech, teils von gutem Einfluß auf die schlesische Judensiedlung waren. Die eigentlichen Kunst- und, kunsthistorischen Schätze offenbaren sich erst in den anschließenden Räumen. Welch große Ueberraschung für alle Besuch«! An der Hand des wohlfeilen (Preis 1 Mark), 126 Sesten starken Kataloges können sich selbst in jüdischen Dingen völlig Unkundige ein anschauliches Bild von der Bedeutung jedes Ausstellungsgegenstandes für Kultus, Kunst und Kulturgeschichte machen. Gehet hin und staunet! Eine! solche Ausstellung kehrt nicht mehr wieder! (Eintritt frei.) R. ft

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