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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1929-02-01 · 2 (2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
6 (1929)
Issue
2 (2.1929)
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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22 Btolaaec Jüdische» Semeiadeblatt Nr. 2 Aber wie anders ist d r Sinn dieses selben Wortes in der Religion Israels! Nicht um des äußeren Glücks willen wird Gott verehrt, vielmehr i ibt das Gvttesbewußtsein die wundervolle Ruhe, dfls sichere Vertrauen, mit dem jedes Schicksal getragen wird. 13,j Deine ■ Hand ruht mein Geschick" oder „Mag mein Fleisch und mein'Herz vergehen: .meines Herzens Fels und mein Teif bleibt Gl tt für ewig". So singen die Psalmisten. Viel tiefer ist! der Sinn der,Erkenntnis, und dieser veränderte Sinn ergibt mit der Foi derung unbegrenzten Strebens zugleich das Wissen uni die G> enzcn der Erkenntnis. In einer der gewaltigsten Mellen des ll. Luches Mose wird selbst diesem großen Prophelcu die Antwort, daß volle Erkenntnisdes Wesens Goires oder ruie die biblische Bildersprache es.ausdrückt. der Anblick des!lntlu;es Gottes, dem Menschen versagt ist.- Da beschchdet sich ' livse und betet: „Tu inir Deine Wege tund, daß ichlDich erkckinc", und er darf schauen, wenn Gott an ihm voriibergezogen ist und ihm seine Wege offenbart hat: Güte -und Lielie. La inhcrzigkeit und verzeihende Gnade, Wahrheit und! Gerecht! skcit. Damit aller ist ein viel tieferer Sim| der Erkenntnis gegeben. Die Erleniltniss Gottes in den. Grenzen, die dem Menschen gezogen sind, wird zur>Forderuiig an den Menschen, die Wege Gottes zu ge)en. Nicht mit dem bloßen Verstände, nicht mit aller Wissensck ast gelangen wir.»ir Gotteserkenntnis, aber auch nicht durch Weltflucht und imifusches Sichversenken. Nur wenn de!r Mensch das Göttliche,. das ihn von anderen Ledeuiesen unterscheidet das sittliche Bewußtsein immer höher entwickelt und durch sei i Handeln bewährs, gelangt er zur Erkenntnis Gottes. Und nur, wo das Streben nach Gotteserkenntnis lebendig ist, wird der Sinn der Religion zur Wahrheit. Wenn dereinst d e ganze Erde von .Gotteserkenntnis erfüllt ist, dank, schwill >et Unrecht und Gewalttat, und die messianische Zeit bricht an. das Gottesreic^h ist aufgerichtet. In diesem, allerdings gan anderen Sinne qls im Heidentum ist Gotteserkenntchs die Vorbedingung für Menschenglück. . So habeü seit Mose die Propheten gewirkt, die Dichter gesungen, die lWeisen gelehrt^ Für diese Lehre haben die Hasmonäer zum Schwarte gegriffen, haben in zahllosen Verfolgungen viele Tausende ihr Leben hingegeben. Wohl haben u allen Zeiten die gedankliche Tiefe undl er Erkenntnis erfaßt. Sie muß uns' in einer Zeit, in der neben der Uebersicherlich nicht alle und die sittliche Hoheit die doppelt bedeutsam sein steigeruitg des 'Derstan lesmäßigen oft unvermittelt die Uebersteigerung des -Gefühls flitui, dahin wavldte sich r > Stätte n jüdischer Kultur. jimum unucvtiuiniutn, ni vu vjniu,iaHC mrtiidilicficr Svltur launt bekannter Orte habieri einen für das jüdische Ohr besonderen Klang wegen der mit ihnesi unlöslich verbundenen Schöpfungen jüdischen Geisstes. Ortsnamen aus dem Babylonien der ersten Jahrhunderte christlicher Aera und aus, dem Aegnpten der Fatimidenzeit sind in die Ewigkeit geschichtlicher Erinnerungen nur deshalb eingegangcn, weil dort Hitze jüdischer Lehrakademien waren oder aus ihnen ^irdische Belehrte-von hohem Ruf herv^rgegangen sind. Wer würde sonst noch von Sura, Pümbedita, Mach,sa und Rehardea wer von Kairuwan oder Fojum etwas wissen! Wie im, Osten, so war es auch im Westen. An viele kleine Flecken auf französischer und italienischer Erde iinb so hohe Leistungen jüdischer Kultur geknüpft, mit den Namen verschiedener Orte Süd- und Rordfrankreichs (Montpelliers Troyes u. a.), Mittel- und Norditaliens (Pisa, Padua, Modena, Livornos sind die Rameit so bedeutender Träger jüdischer Lehre und hervorf ragender Lehrer auf talmudisch-rabbinischen, wie anderen wissenschaftlichen Gebieten verbunden, daß sie dem Jünger jüdischer Wichenschafl besonders vertraut sind. Ueberall, ,wo jüdische Lehre waltete, entstanden auch die wich^ »igsten Stätten jüdischer Druckkunst. Zumal in den italienischen Städten, nicht nur in dent großen Venedig, in Neapel und Mantui, sondern auch in Pesaro, Sahionetta, Ferrara, Bologna, Pieve di Saeco blühtet, am Ausgang des 15. und in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrs steht. Diese ErkenntniL-gibt uns das seelische Gleichmaß, zie )t nicht Gott in die menschliche Sphär? herab, sondern erhebt d m Menschen auf Erden über die Erdenwelt. ' Das ist der Sin i des Judentums. V o g e l st e i n. fius SphernfPlths jüöifchrr Vergangenheit. Bon Dozent £*. Israel 31 ab,in, Breslau. Ein altes Wort der i Leisen sagt: „Wohin Jjrael in die Verbannung it ihm Ver göttliche Geist." Tie Siedlungen größerer oder kleinerer 3 eile jüdischer Gemeinschaften waren zugleich Biele Namen unbedeutender, in der Geschichte Hunderts jüdische Druckereien, deren Werke die Namen jiljrft Ent ftehungsorte in der jüdischen Literatur verewigten. Bei der intimen Rolle, die das Buch allzeit in der jüdischen Gemeinschaft fpielte, bei der Bedeutung, die man dem gedruckten Worte im „Volk des Buches" beizumessen pflegte, ist dies verständlich. Aehnlich erging es auch dcnjenigen Orten Süd- und zum Teil auch Ostdeutschlands,! in dcnci>„ allerdings ein bis eineinhalb Jahrhunderte, später, jüdische Druckereien cs unternommen haben, Produkt« jüdischen Geistes zu verbreiten. Ter Talmudjünger im Osten fühlt sich in Städten wie „Fiurha" (Fürthj .in Bayern, Tiengen in Baden, Homburg und Rödelheim im Taunus^ Frankfurt a. O. und im schlesischen Tyhernsurth heimisch, ha ihm die Nanien dieser deutschen Orte von den Titelblättern seiner. Folianten entgegenleulbten. Ein Teil dieser Orte hat allerdings heute seine Kulturbedeutuna ohne Bcrbindung mit dieser kulturgeschichtlichen Leistung au» früheren Zeiten. Einige jedoch werden für die Zukunst wohl nur durch ihre Verknüpfung mit einem Abschnitt jüdischen Geistr» lebcns ihre Bedeutung behalten. Diese Betrachtung trifft besonders auf T y h e r u s u r t l, Dieses winzige schlesische Landstädtchen, anziehend durch den ro»:an tischen jüdischen Friedhof mit den alten, oft schön gcsoru tcn Grab steinen, reizvoll auch durch seine kühl-schattigen Waldwezc an der Oder, ist im allgemeinen weltverlasscn und weltenfern in seinem Tun und Treiben. Tie Stimme der Bergangenheit spricht hier lauter, als diesder Gegenwart. Eine vergangene Epoche tvägt geschichch che Würde und Verdienst nicht nur für die jüdische Gemeinschast in Schlesien allein. Tyhernsurth spielt in der 'Geschichte Schlesiens seine besondere Rolle. Glogau und Zülz haben den Ruhmestitel, den Kan pf um die gesetzlich cßcwährleistcte Zulassung und Wohnmöglichkcit von Jude» aus schlesische,in Boden als einzige zu einem siegrcichcn Ende geführt zu haben und die ersten Vorkämpfer der Emanzipation der schlesischen Juden zu sein. Tyhernsurth hat sich durch die Gründung einer hebräischen Druckerei, die entgegen allen kommerziellen und politischen Schwierigkeiten lange fortgesührt wurde, in die Geschichte all führender Faktor des jüdischen Geisteslebens -eingeschrieben?) Ter Unternehmungsgeist der Juden hat allem Anschein nach auch die Anregung zur Errichtung der deutschen Druckerei in Tnhernsurth gegeben. Wenige Jahre bevor das große Tors Prziegk oder B:zig seinen deutschen Namen Tyhernsurth und städtische Rechte erhielt (1663), war es auch Zufluchtsort einer jüdischen Gemeinde und vermutlich schon um diese- Zeit Sitz einer jüdischen Druckerei geworden. Braun setzt allerdings die Entstehung der jüdischen Buchdruckerei erst für das Jahr 1688 an und bringt mit ihr, mit dem Zuzug von jüdischen Setzern und Druckern unter ihrem Meister R. Schabtai Baß, auch die eriie Anjietlung von Juden in Tyhernsurth in Zusammenhang. Rach den Dyhernfurthcr Ortsakten erwarb der Kaiserlich-Königliche Rat, Kämmerer und Oberamtskanzler in Ober« und Riederschlesien, Georg Abraha n Freiherr von Dyhern am 12. Juli 1667. das Privileg, in seiner Stadt eine Bucbdruckerei zu gründen?) Auf Grund dieser Tatsache hat B:an>?) da« Bestehen einer jüdischen Druckerei in früherer Zeit entgegen Zimmerman,?) in Zweifel gezogen und verzeichnet als ersten Buchdrucker Dyhernsurths den christlichen Pächter der sreiherrlichcn Truckerei Johann Theophil Kopydlansky, dem erst Jahre noch dem Scheitern di:ses ersten Versuches als Nutznießer des Privilegs der in Kalisck, geborene R. Schabtai Baß folgte. In der Tat hat das erste Werk aus dieser Drückerei des Scki. Baß, die später zu großer Berühmtheit gelangte, Mitte August 1689 die Presse verlassen. Es war das Buck, ri'2, ein Kommentar zum Schulchan Aruch, T. 111. Sein Persasser war ein Rabbiner aus Kleinpolen, R. Samuel b. ll:i Sckiraga Phöbus b. Jehuda Löb. Der Kombination Brauns, daß mit der Niederlassung des Sch. Baß in Tyhernsurth der Anfang der jüdischen Siedlung überhäuft am Ausgang der 80 er Jahre in Zusammenhang steht'), widersprechen jedock, historische Quellen. In einem von mir ausgesundcncn Aktrnstüc?». einem „Extract dcßjenigcn, was ein undt andere Stände auf die obci anibtlicbe Verordnung wegen der im L^nd befindlichen Juden gcan: wolltet", dem zahlreiches neues Material über den Beginn verschiedener jüdischer Siedelungcn in schlesischen Ortschaften zu cnlnehnmn ist, wiid das Vorhandensein von Juden in Tyhernsurth bereits f£r die Zeit um 1860 bezeugt. Tie erwähnte oberamtlick,c Berordnu ig ist nack> sicheren Beweisen am 7. Dezember 1691 ergangen. Tic dc.rauf unter einer Fülle anderer behördlicher Berichte erfolgte Antwort aus dem „Fürstcnfhumb Breslau" erwähnt das Vorhandensein von Juden in Tyhernsurth ausdrücklich mit folgenden Worten: „Ruf denen Tühren fürtischen güttern wehren 13 kaniilien zu befinden, So in 18 Person» n bestehen thätcn, wehren bereitz 30 j a h r daselbst wohnhaft, und hettc n die hebraeische Buchdruckerey in mittung." Tie Angabe des amtlichen Berichtes über die Existenz von Juden in Tyhernsurth zu Anfang der 60 er Jahre und ihre Pachtung einer Truckerei wird durch weitere Belege gestützt. Zunächst ist es Tatscck »-, daß in den 30 er Jahren eine rege Zuwanderung von polnischen Juden nach Schlesien erfolgte. Während, der schwedisch-polnischen Kricgswirren verließ nämlich eine große Schar von Juden ihr berwüstetcs Heimatland und erwarb von Kaiser Ferdinand III. (1656) die Erlaubnis, sich in schlesischen Orten niederzulasscn?) Co Huben sie in Reisse, Militsch, Glogau und Zülz und aller Wahrscheinl chkeit noch auch in Tyhernsurth Zuflucht gesucht und gesunden. Einen unwidcrleglichen Beweis fü* die Existenz einer jüdischen Druckerei in den 60 er Jahren in Dyhernsurth fand ich in einem kleinen Schrislchsn, das von mir unMi alten Blättern der Bibliashck des Jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau entdeckt wurde*) Ter nur aus zwki Blättern >

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