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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1929-01-01 · 1 (1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
6 (1929)
Issue
1 (1.1929)
Date
1929-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Areslauer Jüdisches Gemelndeblatt kommen, um noch besonders für ihre spätere bäuerlich« Betätigung ovr- ' gebildet zu werden, d. h. um siedlungsreif zu werden. Speziell gehört hierzu! die Handwcrkkiche Fertigkeit, die der zukünftige Bauer sich anzueignen hat! und ähnlicbe» mehr. Bei den Sicdlungsbcjtrebungen wird von. Voraussetzungen aus- '■ gegangen, die das Leben und die tatsächliche» wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Deutschland diktieren. Es sollen nur solche Menschen zur Ansiedlung gelangen» die durch innere Berufung, physische Eignung hierfür in Betracht kommen und vor allem auch ber»flicb tüchtig vorgebildct sind. E» iit dankenswert, das; der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten sich mit Liebe und Energie der Siedlungsbestrsbungen annimmt; er beginnt seine Arbeit mit den Tüchtigsten, »m dann dif Siedlung im breiten Rahmen durcbnibrcn zu helfen. Sepiiarölsche Juden in Schlesien Bon Bernhard Drilling - Breslau. , An; Tage, da Lolumbus einen neuen Erdteil zu entdecken in di ■ Lee stach, fand fn Spanien die Austreibung der letzten, dem Judentum nv<; treu gcb.iebcncn' Pvrcnäen-Dcwobner statt. Dort oerblieben nur noch die sogenannten „Ncuckristen" oder TNarannen, von der Inquisition trotz! ibres Glaubenswcchscls mit argwöhnischen Augen beobachtet und von der übrigen Bevölkerung gebaßt. Die Lage dieser Unglücklichen verscblimmerte sich nacb Abzug der „echten" Duden, da sieb der Dolksgroil gegen sie wandte, genährt von den Dricftern und anderen fanatischen Esferern. Auch diese Marannen ergriffen, der argwöhnischen Deobacvtungcn Und Nachstellungen überdrüssig, soweit sie nicht ga;rz die väterliche Religion aufgegeben hatten, den Wanderilab und verließen ihre Heimat, um sich in fremden Landen unbehelligt nicderzulasien. Länder und Staaten, die schon lange Zeit keine Duden beherbergt oder die nie Juden gejebcn hatten, wurden jetzt von den beiden Gruppen vertriebener scphardifcher Duden überschwemmt, ebenso wie seit dem Cbmielnicki-Aufstanh in Polen Mitteleuropa von den unglücklichen Ostiuden, die noch kurz 'vorher als deutsche Duden nach Polen ausgcwandect waren. Aber zum Unterschied ooN diesen wagten es die ehemals jo itvlzcn Sepbardim vorerst nicht, ihren wahren Glauben herauszukehren. Dm gasttrenndlicben Holland, in Frankreich eoenso wie in England — nicht in der Türkei - ar^indeteiT sie als Katholiken, portugiesischer Ration jüdische Gemeinden, die cnsl später ihren -offiziellen Charakter als den einer jüdischen Gemeinde deklarierten. Auch noch Deutschland verirrte sich eine Schar dieser Unglücklichen: im Norden, den seit Dahckhundcrten kaum der Fuß eines Duden betreten hatte, und zwar in der altberübmtcn Hansestadt Hamburg, liehen sic sich nieder und konstituierten dort die erste und auch die einngc sevbardischc Gemeinde Deutschlands, die bis I heute ~ wenn auch stark zujammengeschniolzen »nd an die aschkenasiscben Duden assimiliert » noch e riitiert. Bor cineni Dabre - 1927 - feierte diese portugiesisch-jüdische Gemeinde ibr 275 jäbrigcs Bestehen; anläßlich tiefes Jubiläums wurde von einen« Mitglied dieser Gemeinde ldie sich leider ganz von der dortigen aschkcnaiischcn Gemeinde adschließt) eine Festschrift herausgegeden, die neben überaus interessanten Details über die Gemeinde und ihre Geschichte auch ein Schlesien betreffendes Dokument bringt, j Dn dieser von A. Cassuto- Hamburg verfaßten Schrift, die in Amsterdam bei M. Hertzberger in nur dreihundert nuinerierken. Exemplaren erschienen ist. findet sich nämlich auf Seite 15 ein Teil einer Riederlassungsurkundc aus dem Jahre 1625 .Photograpbisch -wiedergcgcben, die sephardischen Duden eine» Niederlassungserlaubnis für die schlesischen Herzogtümer Trsoppau und Dägerndorf gibt. Diese Urkunde erscheint darum besonders aufscstluhreich, weil sie in eine Zeit fällt, in der die Wicdcrbencdelung Schlesiens! mit Duden beginnt. Kaum Hundert Dabre vorder 1543 - - batte die ^Vertreibung'der) Duden arls Schlesien ini Herzogtun; Dägerndorf ibren Anfang genommen und 1582 mir der fast völligen Vernichtung aller alten jüdischen Siedlungen in Schlesien geendet; nur in Zülz und Glogau fristeten kleine Gemeinden kümmerlich ibre Existenz. Der Umschwung der wirtschaftlichen Verhältnisse Schlesiens, die durch den seit 1618 währenden Krieg zerrüttet waren, der'dataus resultierende Geldmangel und das Ucbergehcn dch polnisch-schlesischen Warenbandels in die Hände der Duden hatten es erwirkt, daß die judenfeindlichc Gesinnung nur mehr Gesinnung blieb und nicht mehr in die Tat umgesetzt wurde. Ebenso wie es zu Beginn der jüdischen Einwanderung am Rhein und in Rorddeukschland im frühen Mittelaller offen ausgesprochen wurde, daß n>an die Duden nur als Träger des Kapitals, und als wirtschaftliche Faktoren benötige und deswegen ihnen Einlaß in die Städte gewähre, findet sich jetzt das offene Geständnis, daß die polnischen Duden zur Förderung des schlesischen Handels, besonders mit den slawijchen Ländern unentbehrlich seien, und daß man ibnen dementsprechend den Zutritt nach Schlesien nicht verwehren lännc, au» wenn sie solche Orte betreten müßten, die stolz auf ihr Recht wären, deine Duden bei sich aufzuncbmen. Vor den Stürmen wirtschaftlicher Rot fivanziellen Druckes schwiegen all diese Stimmen. Dieses' alles ist Uns schon zur Genüg« bekannt, aber aus der jetzt folgenden Urkunde können wir die uns vorher nicht bekannte Tatsache ersehen, daß auch die sephardischen Duden umschmeichelt wurden, daß man sich auch an sie mir der Bitte wandte, sich in Schlesien niederzulassen, nicht etwa aus Toleranz, sondern aus der kühlen Erwägung heraus, daß die sephardischen Duden zwar nicht den polnisch-schlesischen Handel, ivohl aber den Ueberseehandel, soweit er damals überhaupt betrieben - wurde, kn ihren Händen hotten. Dieser letztere Grund war auch dasjenige) Moment, das den im Grunde doch judenfcindlich gesinnten Hamburger Senat veranlaßt«, die portugiesischen Duden inilde zu behandeln und ihren; Judentum gegersüber^ nachdem sie, es offen bekannt hatten, ein Auge zuzudrücken. Die ^>bsn ermähnte Urkunde lautet Mach dem bei Casfuto pbvtograpbierten Text): Nr. „Don Gottes Gnaden Wir Carl Hertzog in Schlesien zu Troppau und Degerndorfs, und Regirer de» Hauses Lichteststeist, Ritter vom Orden des Güldenen Flüsscs, röm. Kay. May. Geheime, Ratb, und Dollmechtiger Stattkalter im Königreich Böheim Thun Kund Dedcrmenniglichcn, demnach auf abgangene Unsere Schreiben, und gnedigds Erfordern, die zu Hanfburg rcsidirende Dortugisiscbe Hedrcische Nation ihre« Mittel» einen genand Albertum Dionis Königlichen Dcnnemarkjschen Diener und Bürger zu Hlücksstadt an uns abgeordnet, welcher wei n er, uns zu Prag nicht antroffen, bis auf Wien qcfolgct, Haben Wir den selbes strack» seiner Ankunf. t zu erkennen geben, was Massen Wir c nedi« entschlossen weren, in Unseren Hertzogtbümern Troppau und t cgerr dorff portugiesische hebreische Kauffleuthe von Hamburg und anlercn Oertlern zu haben, denen Mir alda fren sicher zu ncgociren, zu ban 'len tznd ichrc Eommercia (-Waren) einzusübren gncdig vergönnen und U;scre Fürstliche Drivilegia darüber ertbeilen wollen. Wie Wir dann nc ch g, pflogener sattsamer Unterredung und Erwegung der Sachen vörberürter portugie)ischen hebreischen Nation nachfolgende Dmmunitetcn (— Befreiung von Abgaben) und Privilegia mitgetbeilt und gegeben Haber" . . . Des weiteren enthält diese Urkunde, wie sich aus den bei Casfuto Seite 8 inilgeteiitcn Notizen ergibt, die einzelnen Privileäicn, ,uf Grund derer die sephardischen Duden Hamburgs den christlichen Einwc hnern dieser beiden Herzogtümer gleichgestellt worden wären, so z. B^doß sie^voin Zusatzsteuern und Einquartierungen (wie übrigens damals alle puderi Schlesiens, auch die Ascbkenasim) befreit sein sollten. Nach der mir gegeiübcr freundlich geäußerten Ansicht des Herrn Casfuto sollte diese lUrkuilde hauptsächlich als Druckmittel benutzt werden, dessen sich die politisch klugen Sephardim bedienen wollten, um dem Hamburger Senat gegenüb er, der sie, von der protestantischen Geistlichkeit aufgebctzt, stets zu schikancrcn versuchte, eine Waffe in der Hand zu haben. Mit dem Abzug dieser sephardischen Duden wäre nämlich der ganze damalige Amerika- und Dndicn Handel, den sie überhaupt erst in Hamburg heimisch gemacht haben, mit bi iwcggegangen. Der Vertreter der Hamburgischcii Duden, der c ne Reise nach Prag und Wien unternommen hätte, um die Ausstellung hicser Urkunde zu erwirken, gekörte zu denjenigen Sephardim, die vor der Unouldsa nkeit des Hamburger Senats nach Glücksstadt, wo die Dänentönigc febr' groß: Toläran; ausübten, übergesicdclt waren. Albertus Dionys aus dct in >er spanisch-jüdischen Geschichte bekannten Familie der Dachia stammend — s:in hebräischer Name war Samuel Dbn Dachja — war noch in Lissabhn g, borest und von dort zuerst! nach Amsterdam, dem Asyl aller Vertriebenen geflohen. Er verfaßte selbst noch Reden in spanischer Sprache zur Erbauung an Fest- und Fasttatzen, die >829 in Hamburg als seinem damaligen Wohnsitz erschienen. So machte er sich nicht nur in politischer Hinsicht um die sephardischen Duden verdient. Dn Hlücksstadt, wohin er von Hamhurg aus gezogen war, wurde er der Münzmeister des dänischen Königs Christian IV., der in dem Bestreben, Glücksstadt zu einem Handelshafen zu machen, sich schon seit 1622 bemühte, dort eine Dudennicderlassung unter günstigen Dedintzungen zu gründen. Die Urkunde der Glücksstadtcr Duden, die ihnen günstige Bedingungen für die Niederlassung zusagtc, ist wohl als Vorbild hcs für die zivei schlesischen Herzogtümer ausgestellten Privilegs anzuseben. Aber während jene ihren Zweck erfüllte und die Glücksstadtcr jüdische Gemeinde mit begründen half, blieb dieses Privileg nur Papier, das allein im Notfälle als Waffe benutzt werden konnte und sollte. Dazu kam cs glücklicherweise nicht: die Hamburger versuchten im Gegenteil den Duden soweit Haß un > Neid es ihnen erlaubten cntgegcnzukomtsten. So treffen wir in Schic icn >während des ganzen 17. Jahrhunderts keine über Hamburg cingcwand wtc isepharbische Familie, nur Familiennamen wie Caro u. a. - unter dH; schlesischen Duden am Anfang de» 18. Dahrhunderts vertreten roeisen auf sephardischen Ursprung hin. Aber diese Familien sind über Polen und Böhmen zusammen mit den polnischen und böhmischen afchkenasischen Duden eingewandert, ohne irgendeine Vorzugsbehandlung vor den Aschkenasnn, denen sie sich ganz „assimiliert" batten, zu erhalten. Umgekehrt kaum ivar stach der Zerstörung des spanisch-jüdischen Kulturzentrums der Stron; der Flüchtlinge aus der Vyrcnäenhalbinsel versiegt, so zeigten sich schon unterirdisch grollend die ersten Zeichen beginnenden Niedergangs des blühenden polnisch-jüdischen Zentrums. Die unter dem Namen Chmielnicki-Vcrfo'lgung bekonnth Geserah (bezeichnet als (1648) n"n rin) vertrieb wiederum zahlreiche Unglücklich« au» ihrer Heimat und zwang sie, ähnlich wie vorher die sephardischen Duden, fremde Länder aufzusuchen. Da erinnerten sich tue so stolz auf die „Polackos" und „Tedeskos" berabschatiendcn Sephardim—als sie! dieser ihrer unglücklichen Brüder ansichtig wurden — ibres kaum vergessenes; Elends. Wie eindrucksvoll wirkt es auf uns, daß die sephardischen Duden Hamburgs sich anläßlich der ersten Opfer dieses Gemetzels von 1648, die nach Hamburg verschlagen und sich von ihrem „Chacbam" auf die Bedcutun ließen. Dedoch bat die aschtenasisch-polnische Gcme entstehen begann, durch die seit diesem Dabre imn Wanderung aschkenasischer Duden die ältere sepl überflügelt. Heute nimmt sich die portuoicsisch-jüd kaum 100 Mitglieder,; wie ein Zwerg aus neben der deutsch-israelitischen Geineinde, die 20 000 Du Diese kleine Gemeinde zeigt uns aber noch heute, u Glaubenstreue bei den sephardischen Duden gew, ihre- Glaubens willen eine Heimat verließen, mit d und Kultur länger verbunden waren als mancher ( erst kürzlich erworbene Staatsangehörigkeit ibn da zu beschimpfen.; dieses Tages Hinweisen nde, die damals erst zu er stärker werdende <kinardische Gemeinde bald schc Gemeinde mit ihren hrer jüngeren Schwester, den als Mitglieder zählt, ie hoch Aufopferung und riet wurden, da sie um;r sie durch ihre Geschichte ichreier von heute, dessen >u ermächtigt, die Duden H Wir bitten um veachtung öeo H^zeigeateiles i j

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