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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1929-01-01 · 1 (1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
6 (1929)
Issue
1 (1.1929)
Date
1929-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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bilfe gleichzeitig behandelt/ weil ji vrerkauer Jüdische» Gemel »deblalt verwandte Gebiete berühren. Herr Kober begründet len Vorstandkantrag, der Jüd.' Mittelftandshilfe zu gestatten, Tarlehne auch -ohne Bürgen und Pfandunterlagcn irn Einzelhöcbstbctrage von ZOO Mk. und im Gesamtbeträge bis zu 5000 Mk. zu gewähren, wenn nach der Erklärung des Jüd. Wohlfahrtsamtesdas Darlehen werbenden Zwecken dienen soll. Diese ungesicherten Darlehen sollen ans das Risiko des Tarlehnskontos der SynagogeniGemeinde gehen. Ter Berichterstatter befürwortet die Annahme des Antrages unter Hervorhebung der bisher geleisteten umfangreichen Arbeit der Mittelstandshilfe, die vielen zur Ausrechterhaltung ihrer Existenz nach streng kanfmäisnischdu Richtlinien geholfen habe. Wie die Statistik der Mittelftckndshilfe ergäbe, befänden sich unter den Darlehnsnehmern nicht bloß Handwerker und Gewerbetreibende, sondern auch freie Berrrfe und sogar Beamte und Angestellte. — Herr Walsch begründet an Stelle des in letzter Minute verhinderten Herrn Unikower die Resolutionen des jüd. Handwerkervereins, die verlangen^ Tarlehns- und Kreditkassen zu begründen, gegen die Verdrängung jüdischer Arbeitnehmer anzukämpfcn und die jüdischen Arbeitsnachweise auszubauen und zu vereinheitliche«. Er beleuchtet zuwächft die allgemeine Wirtschaftslage und die der jüdischen Handwerker im besonderen. Ter hierorts bestehende Jüd. Arbeitsnachweis arbeite vorzüglich,^könne aber durch Ausbau der Berufsberatung dazu beitragen, die jüdische Jugend nmzuschichten, d. h. vom Handel hinweg in aussichtsvollere Berufe überzuführen. Das Handwerk sei gegenüber dem niedergehenden Kausmannsstande der Zukunftsberuf. Tüchtig und vielseitig aüsgebildcte Handwerker seien immer sehr gesucht. Leider begingen die jungen Leuteden Fehler, nach vollendeter Ausbildungszeit sich nicht weiter fortzubilden, was allerdings manchmal nur runter Entbehrungen und Hungern möglich sei. Auch die F^üge der Betreuung der Lehrlinge durch Lehrlingsheime sei-von der Gemeinde gelöst, soweit dies die Finanzlage gestatte. Ein Jugend- und Vereinshaus habe die Gemeinde weiterhin in Aussicht genommen. Sorgen Sie auch dafür, so ruft der Berichterstatter zum Schluß der Versammlung zu, daß die jungen Mädchen ordentlich ausgebildet werden, damit sie eine Gehilfin und Stütze des Mannes sein können, dann wird die Bcrussumschrchtpng den Judentum Segen werden. (Brkwo!) R.-A. Jacoblohn begrüßt die Vor-, standsrwrlage betr. die Mittelstandshilfe. .Erfreulicherweise seien in der Praxis auch an freie Berufe Darlehen gegeben jj worden. Wegen der Beschränkung des Risikos aüf 5000 Mk. i erwarte er im Bedarfsfälle eine weitere Vorlage. Zu der Resolution des Handwerkervereins wünsche er, daß nicht bloß die Synagogcn-Gemeinde jüdische Unternehmer! und Hand- > werter beschäftige, sondern daß auch die von ihr beschäftigten j Unternehmer Unteraufträge an jüdische Handwerker vergäben. I Da- Lehrlibgsheim könne durch Mietung einiger Zimmer ohne' große Kosten weiter ausgebaut werden. Geh.-Ra- Goldfeld vom Vorstände verweist auf die bittere Nott > Wendigkeit, mit den Mitteln streng hauszuhalten. Ein Drittel i des gesamten Steueraufkommens werde für Wohlfahrtsj zwecke verwendet, worauf die Verwaltung stolz sei. Nachdem aber der Betriebsfonds im laufenden Jahre durch die erhebliche Steuersenkung zum großen Teil verbraucht sei, könne der Steuersatz von 10% vermutlich nicht aufrechterhalten werden, deshalb bitte er, keine Beschlüsse zre fassen, deren finanzielle Auswirkung für unsere Steuerzahler nicht tragbar sei. Bei der Berufsberatung und Arbeitsvermittlung seien j wir nicht dazu da, den öffentlichen Stellen die ihnen obliegenden ’ Lasten abzunehmen. Tie Mittelftandshilfe habe auch bisher schon'ihre Bestimmungen in gewissen Fällen gemildert. Bei der Risikobeschränkung über den Antrag der Mittelstandshilfe hinauszugehen, liege kein Anlaß vor. Streng zu prüfen.fei die. produktive Verwendung; die Neuerrichtung eines Betriebes falle hierunter nicht. — S.-R. Tr. Bach hält eine besondere jüdische Berufsberatung nicht für erforderlich, weil das früher städtische, jetzt staatliche Amt ausgezeichnet arbeite. Rr. 1 Dagegen körne der Arbeitsnachweis aus verschiedene Berufe aufmerksam machen, die bisher, vielleicht aus Unke rntnis der Chancen, von jüdischen Leuten nicht ergriffen worden sind, und so diese Leute aus dem Stande der! Hausierer und Kleinkaufleute he aussühren. — S.-R. Tr. H o r n hält die vorgebrachten Anregungen für höchst dankens- und unterstützungswert. Umgekehrt müsse er aber von Iden jüdischen Handwerkern fordern, daß diese sich sorgsam« der Ausbildung der Lehrlinge w dmen und sie'nicht zu Nebenarbeiten benutzen. — Herr Goldschmidt und Herr P a l s ch wenden sich gegen letzteren Borwurf. Solche Neben ieschäftigurgen, z. B. mit häuslichu Arbeit, kämen.höchstens bei kleinen Meistern vo!r, doch kontrolliere die Innung scharf. Rcg.-Rat Marcus hält es für ur möglich, heut einen Teil desischwiejcigen Problems der Berufrumschichtung der Juden zu löten. Die Frage hänge mit der Sorge für die Jugend im allgemeitren^;usammcn, deshalb forderten seine -Freunde schost lange eit: Vereins¬ und Jugendhaus. Ter Jüd. Arbeitsnachweis arbeite in dauerndem Kontakt mit dem Städt. Arbeitsnachweis und dem Staat!. Borufsamt ersprießlich auf dein Eebiete der Berufsberatung und Eignungsprüfung. Ein Nebeneinanderarbeiten müsse unbedingt vermieden werden. — Tr. Schlesinger fordert von den jüoischen^ Ha rdwerkern, die wir gern unterstützen, daß sic tüchtiger seien als der Durchschnitt, um konkurrenzfähig zu bleiben.! Es gibt Handwerke, wofür er Beispiele nennt, denen sich Jstdcn bisher nicht zugewandt haben. — Nach weiteren Erklärurrgen c>on J.-R. Kalisch und Herrn Kober wird per Vorstcndsantrag betr. die Tarlehnsbestimmnngcn der Mittelstandshilfe angenommen und die-, Anregung, das Risiko auf l O OOO Mk. zu erweitern, an den Vorstand verwiesen. I Tie Vorstandsvorlagc, 1000 Mk.I als >Hulda-Schaps- Stiftung anzunehmen mit der Auslage, drei Gräber zu pflegen und drei Jahrzeiten abzuhalten, wird mif den Bericht von R.-A. Spitz ohne Aussprache angenorymen.I — Ter Rechnungsabschluß 1927/28 witd vojn Brnkdirektvr Sander vorgetragen und erläutert. Mehreinnahmen und Ersparnisse seien bei allen Haushalten, außer bei den Synagogen, den >Zweiggottcsdiensten ustd deür Twhlfahrtswesen erzielt worden, und zwar im Gesamtbeträge von 100 300 Mk., demgegenüber ständen Mehrausgaben bzw. Mindereinnahmen im Gesamtbeträge bin 1.^9 001 Mk. bei den Synagogen, den Zweiggottesdienstm und d?m Wohlfahrtswesen. — Tic Mehrausgaben von 12|7 00 ) Mk. hei der Allgemeinen Verwaltung erklärten sich durch Anschaffung von Wertpapieren für den Betriebsfonds von rund l l)0 000 Mk. Inzwischen seien aus dem Betriebsfond s zur Tjeckung der Fehlbeträge im laufende.» Etatsjahr bere ts jetzt Wertpapiere im nom. Wert von 108 000 Mk. wieder verkauft worden. Auf Vorschlag des Berichterstatters wrd der Rechnungsabschluß ohne Aussprache genehmigt; cls Rcchn werden die Herren Kober, Fritz Goildshmidt m wiedergewählt. Mit eingehender Begründung legt der Vo mit' der I. K. V. A. über das Beerdiguygsrnd wesen geschlossenen Vertrag zur Genejmigrng Berichterstatter Reg.-Rat Marcus erinnert c n die historische Entwicklung des hiesigen Beerdigungs vesens. An dieser Tradition halte der Vertrag fest; er sei lediglich nach der bisherigen Hebung und der neuen Satzung abg, ändert worden, 'wie er im einzelnen darlegt. — Geh.-Rat G o l d f l d möchte nicht bloß aus Tradition die I. K. V. A. mit dem Beerdigungswesen weiter betraut wissen, sondern weil sie hierzu auf Grund hervorragender Kenntnisse und jahrhundertelanger Erfahrung am besten geeignet sei. Nach einigen k eine cen Auskünften wird hierauf der Vertrag en bloc genehinigt. Aus dem Verwaltungsbericht werden aus Verschlag von J.-R. Peiser genehmigt die Sondervergütujng an die Synagogenaufseher für die Mehrarbeit on den hphen Feiertagen> desgleichen die für die Choristen, feister werden genehmigt die Abrechnung für die Neupfla terustg bes Bürger-!i ' t rngs Prüfer ib Sander :stand dcu Friedhofsvor. Ter

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