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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1928-07-01 · 7 (7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
5 (1928)
Issue
7 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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114 Breflaner Jüdisches ©emcindeblakt Nr. 7 Auch aus die Unterhaltungskosten der: Krankenhaus-Synagoge, in der täglich früh und abends Gottesdienst skattfindet und die einen Zuschuß von ca. .6000 Mark pro Jahr erfordert,! wird hingewiesen. Trotz des Verlustes des Legatvermögens werden die Iohrzeiten, die auf früheren Stiftungen und Legaten beruhen, nach wi« vor in der Synagoge des Krankenhauses abgehalten. Dem Vorstand und der Repräfentanten-Versammlung der Synagogen-Gemeinde wird der Dank des Vorstandes für die dem Krankenhause und den anderen * Anstalten gewährte Förderung und Unterstützung ausgesprochen. Der Bericht hebt weiter hervor, daß die Zahl der Mitglieder der Israelitischen Kranten-Verpslegungs-Aitstalt und Beerdigungs-Gesellschaft sich erfreulich vermehrte hat und heute.mehr als 4300 beträgt. Die Gesellschaft ist neben ihren eigenen Einnahmen zur Erfüllung der ihr obliegenden Fürsorge für arnte Kranke, Sieche und Altersschwache, in der Hauptsache aus die Beiträge ihrer Mitglieder angewiesen und richtet der Vorstand deshalb die Bitte tzn die Gesellschaftsmitglieder, soweit sie dazu in der Lage sind, die satzüngsgemäßen Mindestbeiträge von 10 Mark pro^Iahr angemessen zu erhöhen. Der Derwaltungsbericht schildert sodann eingehend die aufopfernde ■ Tätigkeit der im Krankenhause wirkenden Herren Aerzte und Schwestern und spricht allen für ihre wertvollen Dienste den Dank des Vorstandes aus. Dieser Dank wird auch ausgedehnt auf die in der sozialen Krankenhausfürsorge und in der wirtschaftlichen Kontrolle auf den Stationen ehrenamtlich tätigen Damen, ferner auf den aufsichtsführenden Rabbiner Herrn Pr. Cohn, der sich auch um die Seelsorge für die jüdischen Patienten sehr verdient urmcht. * Schließlich wird in dem Bericht auch den Herren der 18-Männer- Vereinigung für ihr segensreiches Wirken im Interesse unserer Gemeindemitglieder der Dank des Vorstandes ausgesprochen. Es schließt sich hieran ein kurzer Bericht über die Entwicklung der Israelitischen Alters-Versorgungs-Anstalt und; des Eiechenhaufes, aus dem hervorgeht, daß auch diese Anstalten deii ihnen obliegenden Aufgaben im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel im vollen Umfange entsprechen. Der Berwaltungsbericht schließt nät dem Hinweis daraus, daß in der verflossenen Berichtsperiode es mjöglich gewesen ist, die großen Schäden der Krixgszeit und der Inflatipnsjahre in weitem Umfange zu beseitigen und die Betriebseinrichtungen des Krankenhauses so zu verbessern, daß-es seinen hohen Ruf, an der Spitze der Breslauer Kranken- ' Häuser zu stehen, aufs neue befestigen tonnt«. Der Erfolg dieser Bemühungen zeigt sich in der starken Inanspruchnahme des Krankenhauses / durch Patienten I„ II. und III. Klaffe aus allen Schichten der Bevölkerung und ohne Unterschied des Glaubens, und so wird sestgestellt, daß - die Wirksamkeit unseres Krankenhauses als erfolgreiches Kampfmittel gegen den Antisemitismus und gegen Glaubenshaß bezeichnet werden kann. Der Berwaltungsbericht wird von. der Versammlung ohne Debatte angenommen und nach einem Bericht der Rechnungsprüfer wird dem Vorstände Entlastung erteilt. Es folgt sodann die Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern an Stelle der ausscheidenden Herren Martin Fraenkel, Heinrich Oschinsky, Leo Smoschcwer, Alfred Bielschowsky, Medizinalrat 1 Dr. Israel. Das Ergebnis der Wahl wird dahin festgestellh, daß alle vorgenannten Herren fast einstimmig auf weitere sechs Jahrt als Mitglieder des Vorstandes wiedergewählt worden find. ^Tagung der Schriftleiter von Gemeindeblattern Auf Anregung des Herrn Rabbiner Gustav Cohn in Leipzig, Schriftleiter des dortigen Gemeindeblattes, fand am 4. Juni 1928 in Köln eine Besprechung der Gemeindeblatt-Schriftleiter statt, an der die Schriftleiter der Gemeindeblätter von Köln, Hannover. Leipzig, Mannheim. Aachen, Erfurt, Kassel, Wiesbaden, Frankfurt a. M., Dresden, Hamburg, Halle, Anhalt teilgenommen haben. Entschuldigt waren die Schriftleiter der Gemeindeblätter von Berlin, Königsberg, München, Nürnberg und Breslau, der Unterzeichnete wegen Unabkömmlichkeit, da am gleichen Tage der Herr Vorsitzende an einer Sitzung des Großen Rates des Preuß. Landesverbandes in Köln teilnahm. Die Besprechungen führten zur Aufstellung von Richtlinien für die Gemeindeblätter, die bisher schon von dem hiesigen Gemeindeblatt beachtet wurden. Dagegen wird der Wunsch, die Originalartikel zu honorieren und die Gemeindeblätter mindestens halbmonatlich erscheinen zu lassen, in Breslau wegen der Höhe der Kosten bis auf weiteres unerfüllt bleiben müssen. Ueberhaupt ist-über die finanziellen Aufwendungen für die Gemeiiü>eblätter wegen der Verschiedenheit der örtlichen Verhältnisse nichts Einheitliches gesagt worden. Es wurde angeregt, die Gemeindeblätter gegenseitig auszutauschen, die Artikel gegenseitig kostenlos zum Abdruck zur Verfügung zu stellen, desgleichen auch das Bildmaterial, und die Gemeindeblättjer auch in die kleinen und kleinsten Gemeinden zu senden, insbesondere an Rabbiner und Lehrer. Im übrigen wurde «in Ausschuß eingesetzt, bestehend: aus' den Herren Rabbiner Cohn- ^eipzig, Rabbiner Dr. S. Leoi-Mainz, Syndikus Dr. Eugen Mayer- Frankfurt a. M., und».Jacob Sternlicht-Dresden, der die Schaffung einer Interessengemeinschaft der Gemeindeblätte» vorbereiten soll. Dr. Rechnitz. ' Den 70. Geburtslag feiert am 20. Juli eine der edelsten Wohlläterinnen unserer Gemeinde, Frau Professor Maria Badt. Di« Bedürfnislosihkeit selbst, sorgt fie stets in reichstein Matze für die Bedürftigen und arbeitet in vielen wohltätigen Vereinen mit Umsicht, . Liebe und Tatkraft. Die silberne Hochzeit feiert am S. August 1928 der Oberaüffeher an der Reuen Synagoge Herr Leopold Schüft an mit seiner Gattin Rosa. geb. Angreß. Seit vielen Jahren Mitglied unserer Gemeinde, hat er in den wenigen Jahren seiner Amtstätigkeit sich allgemeine Achtung erworben. Wir wünschen von Herzen, daß er von seiner Erkrankung so rasch hergestellt wird, daß er dieses schöne Fest mit seiner Gattin im Kreise seiner Familie feiern kann. n Buchbesprechungen n A habima, hebräisches Theater. Verlag Heinrich Keller — Dr. Victor > Fleischer — in Berlin-Wilmersdorf. | Das Buch enthält in Oktav 32 Bilder nach Photographien der bekannten russisch-jüdischen Schauspielertruppe „Habima", und zwar Einzel und Szenenbilder. Die Wiedergabe im Druck ist ausgezeichnet. Dos Typische der meisten Gestplten ist mit einprägsamster Kraft wiedergegeben. . Auch wer die Künstler nicht auf der Bühne gesehen hat, gewinnt aus den Bildern den Eindruck einer ganz ungewöhnlichen Gestaltungs- und Darstellungsjraft der Schauspieler. Voraufgeht eine Einführung von Bernhardj Dieb old, die in feinsinniger Weise die Geschichte der Schauspielertruppe, die Art und die Leistungen ihrer Künstler und die bisher aufgcführten Stücke kritisch wertend bespricht Gs. „Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland", herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin R. 24, Oranienburger Straße 69. Verlag'Dr. Fritz Scherbel. Preis brosch. 4 Mk., geb. 5 Mk. Das Handbuch, das einen Umfang von 288 Seiten aufweist, bringt ein geschlossenes Bild über das gesamte jüdische Wohlfahrtswesen in Deutschland. ^Das Werk einthält 5 Hauptteile und zwar sei salzendes heroorgehobe:»! Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Landes-, ProvinAaj-^und örtliche Stellen der jüdischen Wohlfahrtspflege. Organisationen und Einrichtungen der offenen jüdischen Wohlfahrtspflege. Anstalten und Einrichtungen der halbossenen Fürsorge. Jugendbewegung und Jugendpflege. Reichsorganisationen und Ueberterritoriale Organisationen der jüdischen Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik. Der sehr handliche und übersichtlich geordnete Inhalt des Buches sei ollen an der Wohlfahrtspflege beteiligten Personen, Ehrenbeamten und Vereinen zur Anschaffung bestens empfohlen. G. Heinrich Kurtzig: „Dorsiuden". Ernstes und Heiteres von ostischen Leuten. Verlag M. Pöppelauer, Berlin, 1928.' Preis 2 R.-Mf. Dieses Büchlein reiht sich den Veröffentlichungen an, die auf dem Boden des jüdischen Familien- und Gemeindelebens der früheren Provinz Posen entstanden sind, gewährt mancherlei fesselnde Einblicke in dessen wirtschaftliche und geistige Verfassung. Die bekannte, jedoch nicht versagende Mischung von Sentimentalität, Humor, scharfgeschliffener Dialektik, Witz beeindruckt auch hier sicher den in der Tradition ausgewachsenen Leser, zaubert ihm ein Stück eigener Familie hervor. Besonders hebe ich Teil II: „Jüdische Anekdoten und Skizzen" als wirksam hervor: in ■ ihm Wird der Leser auf seine Kosten, zu manchem Bonmot für jüdische Festlichkeiten und zur erwünschten Beliebtheit als Witzbold kommen, den» da sind einige, nicht alltägliche Perlen zu finden. B. Wolfgang Weisl: Der Kampf um das heilige Land. Palästina von heute. Mit 44 Abbildungen und 4 Karten. Verlag Ullstein, Berlin. Roch immer gibt e-j gar viele Juden, denen Zionismus ein unklarer Begriff, eine unverstandene Phrase bedeutet. Unter den neuen Ausklärungsbüchern über Erez Iisroel, sein Werden, seine Aussichten,' seine Bedeutung, ist sicher das vorliegende eines der Besten; es schildert erstens die Entwicklung kjes Palästina-Problems, berücksichtigt stets die Richtlinien englischer und arabischer Politik; zweitens das palästineosische Leben der letzten Jahre s^it Kriegsende, insbesondere Probleme des-Alltags. die nichts desto weniger sehr belangreich sind. Gehen die politischen Geschehnisie nicht nur Juden, sondern die Welt an. so interessiert die kulturelle und soziologische Entwicklung Palästinas nur die Judenheit, ist weniger, wenngleich u. E., genügend betont. Der Verfasser hat bei aller Objektivität fein vortreffliches Buch doch mit dem Herzen geschrieben, darum erwärmt er uns auch, sein bekannter Stil (vgl. „Voss. Zeitg.") zeichnet es aus. WohlaN, lesen wir es, zu lernen ist viel daraus. An Ausstattung. Bildern. Drück hat der Verlag nicht gespart. Bz. C. S. Gut lind: Herren und Städte Italien». Allgem. Verlagsanstalt. München. 430 S., Leinenband 8,50 M. GeAmnisse längst perflossener Zeit. Schicksale berühmter Fürste», großer Männer, umworbener Frauen, der Kondottieri. Dichter und Künstter, Aufruhr und Kriege, prunkvoller Feste — aus diesem reichen Material bringt G. Berichte, Erzählungen, Legenden, vermittelt die kutturelle Physiognomie jener Städte und Menschen. Das Buch ist ein origineller Reiseführer, wertvolle Dokumentensammlung mit überraschenden Einblicken in Kultut» und Sittengeschichte jener bewegten Zeiten, fessel^ und flüssig, ist niit alten Holzschnitten und Initialen geschmückt von Wert für zeden Italienfreund. Für die vielen, wirklich besinnlichen Reisenden, die abends noch nach den Sehenswürdigkeiten des Tages sich durch das Buch in jede glühende, alte Kulturwelt versenken möchten, eine wahre Fundgrube von Wissenswertem. Bz.

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