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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1928-07-01 · 7 (7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
5 (1928)
Issue
7 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 4 Breslauer jüdisches Gemeinveblatt 113 Haus- und Wander-Vettelei äJIIIIIDtMUilUH 4. Zahlreiche Mitteilungen aus den Kreisen unserer Gemeindemitglieder lassen erkennen, daL.in den letzten Wochen die Haus- und Wanderbettelei hier E«t in großem Umfange betrieben wird. Gefälschte ZeichnungslWr^Md- Empfehlungen oou Rabbinern, Beamten, Aerzten und Privatpersonen u. a. m. spielen hierbei eine große Rolle. Hierbei leisten „Schnorrerführer" den Bettlern Schlepperdienste. Auch mit Bettelbriefen wird das Publikum belästigt. Geioisse Leute, die erst schreiben und dann vorsprechen, treten dann recht anmaßend und aufdringlich auf. Wir bitten unsere Gemeindtzmitglieder wiederholt und dringend, an unbekannte Bedürftige keinerlei Spenden zu verabfolgen und erst Erkundigungen Un unserem Wohlfahrtsamt schriftlich oder telephonisch (Ring 6062) einzuholen. Bei auswärtigen Bittstellern erteilt die Jüdische Arbeiterfürsorge (Ring 8331) entsprechende Auskunft. Falls man die fraglichen Stellen nicht anrufen oder erreichen kann oder will — was sich mitunter aus mannigfachen Gründen empfiehlt — so ist es asigezeigt, die betr. Personen lediglich an die vorgenannten Stellen zu verweisen uüd denselben jeden Fall schriftlich oder telephonisch zu melden: Wir können nur immer wieder unsere Gemeindemilglieder bitten, nicht ungeprüft und ohne Erkundigung Unterstützungen zu verabfolgen. Es besteht die große Gefahr, daß wiederum ein Heer von Bettlern erzogen wird, welche die Gemeinden und ihre Mitglieder belästigen und die ihre eigenen Kinder zu Bettlern erziehen. ©. Gefallene im Weltkriege! „Der Schild", die Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten - enthält in Rs. 26/27 vom 7. 7. 28 ein provisorisches Verzeichnis derjenigen Gefallenen, die ihren Wohnsitz in Breslau hatten. Die in Frage kommende Nummer des „Schild" liegt in der Lesehalle der jüdischen Gemeinde, Anger 8, und im Büro des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Ring 50, II., zu jedermanns Einsicht aus, — Es fehlen bei einer Anzahl von gefallenen Kameraden die näheres, Angaben (Geburtstag etc.). Biele Gefallene fehlen überhaupt! Es wird dringend gebeten, das.Verzeichnis einzusehen und Ergänzungen dem Büro des Reichsbundes jüdischer, Frontsoldaten, Ring 50,'.II., schriftlich, mündlich (10—16 Uhr) oder telephonisch (572 08) zu melden. — Die Gesamtheit des Judentums hat ein Interesse daran, daß! unsere Berzeichnisie vollständig und richtig' sind. > * : 1 Die Bibliothek der Synagogen-Gemeinde.! Seit fast zwei Jahren befindet sich die Bibliothek der Synagogen-Gemeinde in ihrem neuen Heim: im Erdgeschoß des Gemeindehauses, Anger 8. Getreu dem Wort: „Altes zu erhalten, zu Neuem zu gestalten" ist sie dort eingerichtet worden. .„Altes zu erhalten". Das ist wohl unsere vornehmste Pflicht unseren Dorfahren gegenüber, sei es durch die Erhaltung der Geisteswerke der Großen, in Israel, sei es durch die Werke der Geschichte, die von unseren, owaüs awauffenu künden. „Zu Neuem zu gestalten^. Daneben trägt die Bücherei den Anforderungen der Gegenwart, was Judentum und Judenfrage anbelangt, Rechnung. Die Belletristik ist durch hervorragende deutsche und ostjüdische Namen vertreten: Brod, Wassermann, Zweig, Perez, Mendale Moicher Sfurim Schalom 'Asch u. a. m. — Die religiösen und geistigen Richtungen des modernen Judentums sind durch standard-works gleichfalls vertreten. Und Isst not^lesst kommt auch die Jugend zu ihrem Recht. Jugendschriften, Werke über Jugendbewegung, über Schule und Unterricht bilden einen nicht unwesentlichen Bestandteil unserer Bücherei. * Die Zahl der Benutzer der Bibliothek ist laut Statistik in den letzten zwei Jahren stetig gestiegen. Nicht wenig trägt dazu der Umstand bei, daß Lesezimmer und Ausleihe dem Seid alleiugehen >en Blinden beim lleberfchrelten der § S.1! | I (Marti a Meyerfiein. Gartenstraße *17). § ^HiiaiiiiiiiiiuuiiiiMiiHiiiiiiiuiiiiiimNtmiiiinifliiiniHiHimnHutHHHitMiiiiuiwiiHnmuniiMiHiuiinuMiiHHiNuiRmiiiiiiniNiii^ Publikum irr erhöhtem ist von Montag bis Donife vormittags von 11 bis bis 13Mj Uhr geöffnet. Maße zugänglich sind: die Bibliothek rstag von 18 bis 21 Uhr, Sonnabend Uhr, Sonntag vormittags von M. 3 GrdentliHe General Kranken-verpflegungs Versammlung der Israelitischen Anstalt und Veerdigungsgesellschast wra ßadischa) (The Die ordentliche Genera! Versammlung der Chewra Kadischa fand am Sonntag, den 24. Juni d. 3., vormittags 10K Uhr, im großen Saale der Lessino-Loge, Hierselbst, s ätt und war von mehr als 20V Mitgliedern besucht. Der stellvertretend« Vorsitzende des. Vorstandes, Herr Marti» Fraenkel, erössnete die Ger eraloersammlung, dankte den Erschienenen uvd begrüßte den Kommissar der Synagogen-Gemeinde, Herrn Geh. Iustizrat Goldfeld, dem er ruch für sein Interesse, das er den Wohltätigkeitsanstaltrn der Chewra Kadischa stets entgegenbringt, dankte. Redner geldachte sodann der Doppelstier, die das Krankenhaus vor kurzer Zeit anläßlich des füi isundzwanzigjährigen Bestehens der Anstalt an der Hohenzüllernstraße u»d der gleichzeitigen, Einweihung des neuen Röntgen-Instituts „Näthan-Littauer-Stistung" begehen konnte. , Weiter gedachte Herr Fraenkel ehrend des am 8. April 1927 nach "^längerem Leiden dahingeschü denen Primärarztes der Augen-Abteilung, Herrn Sanitätsrat Dr. Paul Jungmann. Er hob die Verdienste des ' Dahingeschiedenen um das Krankenhaus, an dem er mehr als vierzig Jahre tätig way hervor und dankte den Erschienenen, die sich zur Ehrung des Verstorbenen oov ihren Plätzen erhoben haben. l Herr Verwaltungsdirektor Levenbach brachte sodann den Dermaltungs- und Geschäftsbericht für die Jahre 1926 und 15127 zur Verlesung. In diesem Bericht wird insbesondere die Entwicklung des Krankenhauses an der Hohenzollernst whe in den fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens eingehend geschildert. Während das Krankenhaus im Jahre ,1903 mit 120 Betten eröffnet wurde, zählt dasselbe heute mehr als 300 Betten, die fast dauernd belegt sind. Im Jahre 1903 wurden verpflegt .708 Kranke mit 26 047 Ver- - pslegungstagen; im Jahre 5926 wurden .verpflegt 2735 Kranke mit 64 480 Verpslegyngstagen: ini Jahre 1927 wurden verpflegt 3481 Kranke init 78 827 Ver^flegungstageu. Im lausende» Jahre hat sich die Zahl der Kranken und Verpfleg! ngstage gegenüber dem Vorjahreschon wieder erheblich gesteigert, was ein Beweis dafür ist, daß fich das Krankenhaus in Iden weitesten Kreisen unserer Bevölkerung großer Be-s licbtheit erfreut.! Der satzuitgsgemäßen llufgabe des Krankenhauses, den armen jüdischen Pattensen unentgel liche Aufnahme zu gewähren, wurde^ im weitesten Umsastge Rechnung getragen, was auch daraus hervorgeht, daß die Zahl der für arme jüdische Kranke geleisteten Verpflegungstage im Jahre 192? 7900 betrug. 1 1_ Es war dem Kranken,ause in der verflossenen Berichtsperiode jnöglich, die Räüme im Verwaltungsgebäude und im Gartenhapse, die in der Not dev Inflationszeit für andere Zwecke vermietet werden mußten, wieder frei zu bekotunen und ihrem ursprünglichen Zcheck,der Fürsorge für Kranke zuzufük ren. ' Der Verwcjcltuugsberichl hebt sodann auch die bedeutungsvolle Stiftung eines neuen Röntgei-Instituts durch Herrn Lucius N. Littaukr aus New Bork,, die dieser hochherzige Philantrop auf den Namen seines in Breslau geborenen Vater „Nathan Littauer" errichtete, hervor. Die mit den modernsten Apparaten und Einrichtungen ausgestyttete „Nathan-Littauer-Stiftung" w irb ihrer Aufgabe, wie. sich schon »jach der kurzen Zeit ihrer^ Eröffnung herausgestellt hat, im vollen Umfange ge-, recht und wird sicher dem Krankenhause und seinen Patienten zum Segen gereichen.! Die Kosten für Bau u id Einrichtung des Röntgen-Instituts belaufen sich auf ra. 270000 Mark: von Herrn Lucius N. Littauer sind 2^5 000 Mark zur Verfügung zestellt worden, so daßKestens des Kranken- Hauses zunächst Noch 35 000 Mark aus 'eigenen Mitteln ausgewendet werden mußten. Herrn Lucius N. Litton er istdie Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft verliehen worden. ' In den Polikliniken wurden viele tausend Kranke ohne Unterschied des Glaubens unentgeltlich ärztlich behandelt. - Der Bericht! erwähnt st dann ferner die Stadtkrankenpflege und hebt hervor» daß mehr als . 100 arme jüdische Familien dauernd für Rechnung der Chewra Kadisch, 1 mit ärztlicher Behandlung sowie Medikamenten und anderen Heilmittiln versorgt werden. Den bewährten Herren Bezirksärzten wird , der Dank des Vorstandes ausgesprochen und wird bei dieser Gelegenheit auch ehrend der inzwischen Heimgegangenen B zirksärzte, Herr Sanitätsrat Dr. Graetzer und" Herr Sanitätsrat Dr. Joseph Friedländer, gedacht.

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