Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 6 (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. v Breslauer Jüdisches Üiemeindeblatt 97 sich gegen die Auffassung des Generalberichterstatters, Herrn Gins, daß Weltanschauungsfragen beim Etat nicht erörtert werden sollen. Er vermißt schmerzlich eine Unterstützung des Keren Hajefsod im Etat. Es werfe> ein eigenartiges Licht, daß ein Vertreter der Orthodoxie in der letzten Sitzung -egen seinen Antrag aus eine Beihilfe an den K.. H. gestimmt habe, dagegen bei der Vorlage für das liberale Gebetbuch sich lediglich der Stimme enthalten habe. Er hoffe, daß bis zum nächsten Jahre sich die Dinge so entwickelt haben werden, daß die Versammlung einer Unterstützung des K. H. sich nicht entziehen könne. Dagegen müsse er aus innerster Herzensüberzeugung sich gegen die Beihilfe an den Zentralverein wenden. Wenn der Zentralverein lediglich ein Abwehrverein wäre, so würden auch die Zionisten für die Beihilfe stimmen. Er sei aber auch ein Verein gegen den Zionismus, und deshalb dürfe er aus Gemeindemitteln nicht unterstützt werden. Seine Freunde wären nicht in der Lage, für den Etat zu stimmen, wenri der Posten bestehen bleibe. Es bleibt den Gemeindekörperschaften der Weg offen, eine besondere Vorlage auf Unterstützung des Zentralvereins außerhalb des Etats gegen die Stimmen seiner' Freunde zu beschließen,, damit diese für den Etat stimmen können. Für die Finanzverwaltung sei dieses Jahr erstmalig ein besonderer Etat aufgestellt worden, der bei 10% Kultussteuer einen Fehlbetrag von 330 653,60 Mark ergebe, der aus den Rücklagen früherer Jahre gedeckt werden muffe. Herr Gins glaubt, daß die Steuerrückstände mehr als den geschätzten Betrag von 100 000 Mark ergeben werden und hoffentlich auch die laufende Kultussteuer, die auf 700 000 Mk. geschätzt sei. , Justizrat Kali sch wendet sich gegen die Ansicht von Rechtsanwalt Jacobsohn, daß der Zentralverein > ein Verein gegen den Zionismus sei. Er führe seit Gründung den Kampf für die Gleichberechtigung der Juden auf der Grundlage, daß die Juden deutsche Vollbürger seien. Mit dieses Grundlage sei der Zentralverein in Gegensatz gekommen zu den Zionisten. Im Abwehrkampf habe der Zentralverein für alle, Juden, einschließlich der Zionisten, Hervorragendes geleistet und deshalb sei es Aufgabe der Gemeinde, ihn zu unterstützen. Herr Fränkel nimmt das abwesende Mitglied seiner Fraktion gegen den Vorwurf von R.-A. Jacobsohn bezüglich der Abstimmung bei der Beihilfe für den K.-H. in Schutz. Reg.-fstat Marcus meint>die Rechte als Deutsche müssen die Juden allein in den, deutschen politischen Parteien zur Geltung bsingen. I» jüdischen Dingen und Vereinen dürfen nur jüdische Gründe gelten. Es sei nicht wahr, daß der Niedergang des Antisemitismus dem Zentralverein zuzuschreiben sei. Dies fei ein Erfolg der allgemeinen politischen Strömungen. Ebenso sei es unrichtig. daß der Zionismus Waffen für den Antisemitismus liefere. Es verstoße gegen die. Reichsverfassung, daß im Zentralverein Gesinnungsfragen gestellt werden. Der Zentralverein sei zur Kampfpartei gegen, den Zionismus geworden. Daher dürfe die Gemeinde ihn nicht unterstützen. J.-R. Kalisch hält dem Redner vor, daß er Dinge dargelegt habe, die mit dem Zentralverein nichts zu tun hätten. Sein Erfolg im Kampfe gegen den Antisemitismus sei nachweisbar, ebenso, daß die Stellungnahme prominenter Führer, des Zionismus Waffen für den Antisemitismus liefere und den Abwehrkamps des Zentralvereins schädige. Der Kampf sei dem Zentralverein vom Zionismus aufgezwungen worden. Auf Antrag von Herrn Fränkel wird hierauf Schluß der Debatte beschlossen und der Etat der Allgemeinen Verwaltung und Finanzverwal tung angenommen. Der gesamte Etat wird mi^ allen gegen vier Stimmen angenommen.! Die weiteren Vorlagen, nämlich die Bewilligung einer Beihilfe von 500 Mark für die Jüdische Sonderschau auf her Presse-Ausstellung in Köln auf Bericht von J.-R. Kalisch und die Ausschlagung des Vermächtnisses Heimann Glogauer puf Bericht von R.-A. Spitz werden angenommen. Ueber den Verwaltungsbericht referiert der Vorsitzende. Herr J.-R. Peiser. Die Versammlung nimmt mit besonderem Dank zur Kenntnis, daß die Eheleute Viktor Bodlstnder, Kaiser-' 1 Will elm-Straße 21, zwei n Palästina^gearbeitete Teppiche mit eingnoirkter hebräischer Cichrift geschenkt haben, die in den beidi n Synagogen Verwendung gefunden haben. Sie nimmt ferner Kenntnis von den erstatteten Grundvermögens- und Hauszinssteuer, vom Geschäftsbericht, von Der Auffüllung der Mestdel-Feibelfohnschen Grabpflegestiftung durch Frau Jda Feibelsohn mit 400 Mark ünd von dem durch das Eingemeindungsgesetz erfolgtem Zutritt der Gemeinden Dt. Lissa, Ratben, Kl. Heidau, Staut und Gut Hundsfeld zum Bezirk der ßynagogengemeinde Breslau. Bei der Ueberficht über die Beihilfe an Jugendvereine tritt R.-.A. Spitz für eine Verdoppelung der Beihilfe für den Ortsausschuß Jüd. Jugendverbande ein. Geh. Rat Goldfeld bittet um Ablehnung, da außerdem noch die angeschlosfenen Etnzelvereine unterstützt würden. Er habe deshalb eigentlich eine Streichung der Subvention erwartet. Der Antrag Spitz wird hierauf abgelehnt: jDie Vorlage auf Erfjöhüng der Beihilfe für die Jüdische Volkshochschule von 1000 auf 1500 Mark jährlichwird auf Bericht von Herrn Fränkel! angenommen, desgleichen nach einem eingehenden Referpt des Herrn S.-R. Horn der Vergleich betr. AufwertungHansprüche der Blochschen Familienstiftung genehmigt. Schließlich tritt die Versammlung aus Bericht von Herrn Kodier dem Dorstandsbeschlusse bei, die Geh. Kommerzienrat Heinrich-Heimann-Stiftung aufzulösen und das vorhandene Kapital von 300 Mark Dt. Ablösungs- Anleihe mit AuslosungHcheinen der Jsr. Altersversorgungs- Apstalt zu überweisen, da die Stiftung zu dem Zwecke gegründet sei. eine Altersversorgungs-Anstalt zu errichten. Außerhalb der Tagesordnung begründet ausführlich Geb. Rat Goldfeld einen Anti ag, Dem Krankenhause zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum und zur Einweihung der Nathan- Littauer-Stiftung (Röntxeninstitut) ein Jubiläumsgeschenk von 10 000 Mark zu bewilligen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. In der geheimen Sitzung wird die Besoldungsvorlage eingehend beraten und angenommen, wobei vier'Differenzpunkte dem Vorstande zur nochmaligen Erwägung überwiesen werden. Ferner wird der frühere! Lehrerin an der Industrieschule, Frl. Peiser. eine Gnadenbeihilfe bewilligt. 7Ius üem E i reell auer Oemeinöelcbcn Erfreulicherweise u ächst überall unter den Juden das Interesse für ihre Verg ingenheit. Nebenden Bestrebungen, die sich darauf richten, die Erforschung der jüdischen Famllie durchzuführen, verdien«n besonders jene anderen Berück-, fichtigung, die es sich zu? Aufgabe, machen, die Ueberreste vergangener Zeiten zu san mein. Aills diesen Gründen hat sich in Breslau ein Verein „Jüdisches- Museum E.D." gebildet. Sein Ziel ist: Die Sammlung und Aufbeviahrung von Gegenständen und deren Abbildungen aus dem Iebiete des jüdischen Kultus., Ebenso will er Archivalien, Alti rtümer, Handschriften nnd Druckwerke, die sich auf das Judentum beziehen.- fammelik und vor allem sie der Oeffentlichkeit zugänglich machen. . Der Anschluß an ein hiesiges Museum iit gesichert, so daß auch den weitesten Kreisen die Möglichkeit »egebeN sein wird, sich von dem Judentum. wie es wirklich is, ein BUd zu machen. Das Museum kann nur dann seine A rfgabe erfüllen, wenn es mit der! Mitarbeit der weitesten jüdischen Kreise, nicht nur der Stadt feiner Gründung, rechnen kann. Deswegen sollte jeder, der für die Geschichte unseres Stammes interessiert ist, dem Verein b'eitreten und ihn bei seinrr Sammlungsarbeit unterstützen. Die Persönlichkeiten, die an der, Spitze des Vereins stehen und die ihn bei seiner Arbeit missenschaftlich und künstlerisch beraten, an iimii'iiiiiiiiiiHH hui iiiiiiuiiHiimliHMiiniiiii« MiiiiMiMMtiiummiiimiiiiaiuiiiiiiiiiliuiiiiiiuMiMiMiiiiiMiiimiuiimHliiiiuimii^ I Seid alleingeher beit Blinden beim Uehexschreiten der Z 1 Fahrstraßen behilflic,! Z I Iüd. Blindenfürsorge r | (Mari ha Meyerfiein. Gartenstraße 17>. § ^imiiiiiiiiiiiimiimiiiumiMimiiiiiiiHiuiimiHmi imHUHimimiHimimimuliniiiiiiiiimitmmiMUliiiiiimiuiMmiHiiutliiiiiHiiiims r